Pfister-Verkauf an XXXLutz sorgt in Schweiz für Aufregung

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APA/KEYSTONE/WALTER BIERI

Es gebe Irritationen um die Änderung des Stiftungszwecks der Pfister-Holding im Juni, berichten Medien. Das dazu erstellte Gutachten bleibt unter Verschluss.

In der Schweiz sind Beschäftigte der Möbelfirma Pfister wegen des Verkaufs an die österreichische XXX-Lutz-Gruppe konsterniert, schreiben Schweizer Medien am Freitag. Und dies obwohl die neuen Eigentümer versprachen, keine Filialen zu schließen und keine Stellen zu streichen. Irritation herrsche über eine Änderung des Stiftungszwecks und die Art, wie der Eigentümerwechsel kommuniziert wurde.

Erst vor zwei Jahren habe Rudolf Obrecht, Verwaltungsratspräsident der F.G. Pfister Holding, im "St. Galler Tagblatt" die Unverkäuflichkeit der Firma betont. "In unserer Stiftungsurkunde heißt es klipp und klar, dass wir nicht verkäuflich sind. Unmöglich, selbst wenn wir wollten! Wir haben das Erbe von Fritz Gottlieb Pfister zu vollziehen. De facto gehört die Firma den Mitarbeitenden."

Viele der heute rund 1.800 Mitarbeiter fühlten sich nun betrogen, schreibt das Blatt. Dabei habe Obrecht nicht gelogen, sondern bloß nicht die ganze Wahrheit gesagt. Tatsächlich bestehe der Zweck der F.G. Pfister Stiftung damals wie heute darin, die Selbstständigkeit und Kontinuität der F.G. Pfister Holding zu sichern. Was diese aber mit ihren operativen Tochtergesellschaften mache, sei nie ein direkter Gegenstand des Stiftungszweckes gewesen, bestätige auch Martin Mayer, Leiter der Stiftungsaufsicht im Kanton Aargau.

Gutachten bejaht Verkauf

Erst im Juni wurde eine Änderung des Stiftungszwecks im Schweizerischen Amtsblatt veröffentlicht. Über die Hintergründe äußerte sich Mayer unter Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht. Ein Vergleich mit der alten Urkunde zeigt aber, dass der damalige Stiftungszweck ergänzt wurde: "Die Unternehmensgruppe ist der unternehmerischen Vision von F.G. Pfister verpflichtet und bezweckt die Förderung von Innovation und Unternehmertum zum Nutzen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft, mit dem Ziel, die Schweiz als Wirtschafts- und Lebensraum und als Werkplatz zu stärken. Die unterstützten Innovationen und unternehmerischen Aktivitäten sollen Arbeitsplätze erhalten, neue Arbeitsplätze schaffen oder Arbeitsbedingungen verbessern."

Trotz der offenbar klaren Ausgangslage, unter der ein Verkauf des Möbelhandels rechtlich jederzeit möglich war, ließen die Verantwortlichen der Stiftung beziehungsweise der Holding ihre Transaktion von dritter Seite begutachten. Der Stiftungsrechtsexperte Paul Eitel, der an der Universität Luzern Privatrecht lehrt, wurde nach Angaben eines Sprechers der F.G. Pfister Holding beauftragt, den Verkauf "unter moralisch-ethischen Grundsätzen" zu bewerten und unter anderem festzustellen, "ob der Verkauf unter den gegebenen Umständen" auch im Sinn des 1984 verstorbenen Stifters und Unternehmensgründers Fritz Gottlieb Pfister gewesen wäre. Das Gutachten habe diese Frage "klar bejaht", sagt der Firmensprecher und fügt an: "Zur Beurteilung des Verkaufs aus rechtlicher Sicht hätte es das Gutachten nicht benötigt."

Mehr als 500 Mio. Franken Erlös

Trotzdem bleibt das Papier unter Verschluss, schreibt das St. Galler Tagblatt und vermutet, dies könnte mit der Finanzlage des Möbelhandelsunternehmens zu tun haben. Einzelheiten aus dem Gutachten könnten der bisherigen Geschäftsführung nachteilig ausgelegt werden. Stünde es nämlich so schlecht um die Möbel Pfister AG, dass ein Verkauf unumgänglich gewesen sei, läge Obrechts Behauptung "quer in der Landschaft, man habe den Verkauf aus einer Position der Stärke vollzogen", wie die Zeitung es formuliert.

Allerdings wäre der Verkauf auch nicht einfacher zu erklären, wenn die jüngere Entwicklung der Möbel Pfister AG eine positive Tendenz aufwiese. In diese Richtung weist laut Tagblatt eine Aussage ihres früheren Chefs Matthias Baumann, die dieser im April im Gespräch mit der "Aargauer Zeitung" gemacht hatte: "Wir haben als Möbel Pfister weiter Marktanteile gewonnen. Das in einem Möbelmarkt, der gesamthaft stagniert, ja sogar leicht schrumpft." Und weiter: "Im Online-Bereich wachsen wir seit Jahren überproportional. Über 30 Prozent." Baumann war im September überraschend "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten.

Aus dem Verkauf des Möbelgeschäfts und den damit verbundenen Immobilien fließt der F.G. Pfister Holding den Medienberichten zufolge ein geschätzter Erlös von mehr als 500 Mio. Franken (mehr als 450 Mio. Euro) in die Kasse.

(APA)

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