Als Zeiler die ÖVP in Aufregung versetzte

Thomas Hofer, Barbara Toth (Hg.) „Wahl 2019“ Ecowin 260 Seiten, 24 Euro
Thomas Hofer, Barbara Toth (Hg.) „Wahl 2019“ Ecowin 260 Seiten, 24 Euro

Schnitzel und Skandale – das Buch zur Nationalratswahl.

Was geschah in den Stunden nach Ibiza im Kanzleramt? Thomas Hofer versucht es zu rekonstruieren. „Wir fahren“, hieß es zuerst. Also weiter mit der FPÖ. Kanzlerberater Stefan Steiner war dafür, Wolfgang Sobotka ebenso. Gernot Blümel und Philipp Maderthaner waren anderer Ansicht. Diese Stunden sollten der Auftakt zu einem „bemerkenswert paranoiden Wahlkampf“ (Hofer) werden, im Zuge dessen die ÖVP stolperte, aber nicht fiel. Die „Triangulation“ sei Sebastian Kurz gelungen – die Kunst, sich von allen anderen abzuheben. Die Herausnahme des Kandidaten aus dem täglichen medialen Diskurs, der dann im Finale umso dominanter zurückkehrte. Eine Lehre aus dem Jahr 2017. Da war dem omnipräsenten Kurz am Ende ein wenig die Luft ausgegangen.

„Auf dem Weg zur Emokratie“ nennt Hofer sein Kapitel über diesen Wahlkampf der Skandale und Skandalisierungen. Gemeinsam mit „Falter“-Journalistin Barbara Toth hat der (Politik-)Berater wie nach jeder Wahl ein Buch herausgegeben. Neben Autoren wie Ruth Wodak, Susanne Schnabl, Wolfgang Wagner oder Hubert Sickinger haben auch die Wahlkampfmanager Beiträge verfasst.

 

Kritik von Stefan Hirsch

SPÖ-Kommunikationschef Stefan Hirsch garniert seinen Beitrag mit kleinen Nadelstichen gegen den Bundespräsidenten. Etwa wenn er über den „kommunikativen Paarlauf“ zwischen Van der Bellen und Kurz nach Ibiza schreibt. Pamela Rendi-Wagner, so Hirsch, sei von Christian Kern eine „verunsicherte SPÖ“ hinterlassen worden, deren Sachthemen seien im Schreddern und Hacken untergegangen.

Auch die Medien lässt Hirsch nicht aus – in Bezug auf die unzähligen TV-Duelle. „Das führte zur grotesken Situation, dass sich etwa der renommierte ORF-Journalist Armin Wolf plötzlich aus dem Katalog ,Die 10 häufigsten Fragen im Bewerbungsgespräch‘ bediente und einen Politiker fragt: ,Was war das Verrückteste, das sie jemals getan haben?‘ Auf einem anderen Sender wurden Geschenke verteilt als wäre Weihnachten.“

Thomas Hofer schreibt auch noch, dass die Vorstellung, Gerhard Zeiler könnte Rendi-Wagner als Spitzenkandidatin der SPÖ ablösen, in der ÖVP für Alarmstimmung gesorgt habe. Kurz ließ dafür sogar ein eigenes Szenario entwickeln. Denn: „Die Karten wären aufgrund eines gewissen Senioritätsprinzips aufseiten Zeilers neu gemischt worden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2019)