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Der heilsame Gegenpol zum Stress des Großstadtlebens?
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Die Hütte: Einsam, aber schick im Wald

Der ewige Traum vom einfachen Leben – ein paar zusammengezimmerte Bretter als reale und imaginäre Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Natur. Die Hütte ist ein Vorposten der Zivilisation und zugleich ein vehementer Einspruch dagegen.

Mein Vater war ein Häuslbauer. Nie im Leben hatte er, der in ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, davon geträumt, einmal in einer Hütte zu wohnen. Ein richtiges Haus musste es schon sein. 1958 war es so weit. Zusammen mit seinen Geschwistern schritt er ans Werk. Da Grund und Geld knapp waren, bauten sie ein gemeinsames Haus. Hütten hat mein Vater zwar auch gebaut, aber nur fürs Wirtschaften, nicht zum Wohnen, etwa für die Bienen, die Werkzeuge, später einen Unterstand fürs Auto.

Eine Generation später hat sich die Sache mit Haus und Hütte grundlegend geändert. Seit ich in der Großstadt lebe, wohne ich in einer Wohnung (nicht in einem Haus) und – begann von einer Hütte zu träumen. Einsam gelegen sollte sie sein, draußen in der Natur, im Grünen. Fürs Erste, dachte ich, könnte es ein Hütterl in einem Kleingarten auch tun. Seit zehn Jahren stehen wir inzwischen auf der Warteliste des benachbarten Kleingartenvereins. Wenn ich mir ansehe, in welchem Tempo in diesen Jahren aus den wunderbaren alten Holzhütten im Kleingartengelände „Auf der Schmelz“ kleine Villen geworden sind, vergeht mir aber der Traum von der Hütte im Grünen wieder. Die ehemaligen Gartenhäuschen wurden und werden bei fast jedem Besitzerwechsel abgerissen und von kleinen, grauenhaften Betonburgen verdrängt, mit gewaltigen Kellerarealen (weil die oberirdische Baufläche begrenzt ist), glatt rasiertem Rasen und scheinbar obligatem Pool, auch wenn dieser eine begehbare Randfläche hat, die gerade für ein Handtuch reicht. Nein, so ein Bauwerk hatte ich mir ganz und gar nicht vorgestellt!