Der gebürtige Bulgare Emil Donkov in seinem Bekleidungs- und Designgeschäft in der Wiener Innenstadt.
Menschen

Gefangen im Wendejahr

Emil Donkov gelang im November 1989 die Flucht aus dem kommunistischen Bulgarien. Doch während er im Flugzeug saß, zerfiel das Regime. Von einer Odyssee durch die Zeitgeschichte.

Es war der Moment, an dem Emil Donkov in einer kleinen Kaserne in den Bergen Bulgariens im Stockbett lag und an die Decke starrte. Genauer gesagt war es der Moment, als er aufstand und dieselbe Decke relativ grundlos nochmals musterte. Was hatte sich verändert? Eigentlich nur Donkovs Lage. Und doch aber alles für ihn. Denn plötzlich war dem 18-jährigen Rekruten, als sei er ein Regisseur, der die Kamera einstellte. In dem Moment stand es fest: Emil Donkov muss Filmemacher werden. Eine nahezu abstruse Idee in dieser Kaserne im Bulgarien der 1980er-Jahre, hinter dem Eisernen Vorhang, inmitten einer Gesellschaft, in der das Konzept der Kunst nicht unbedingt frei interpretierbar war. Doch das war Donkov ab diesem Blick auf die in jeglicher Hinsicht gewöhnliche Decke egal.