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Umwidmung

Vorarlberger Gemeinde stimmt gegen Projekt von Rauch und Red Bull

Griff nach dem Kick aus der Red Bull Getraenkedose
Niederlage für Red Bull und Partner.imago images / momentphoto/Killi

56,1 Prozent in Ludesch sprechen sich für den Erhalt der Landwirtschaftsflächeaus. Die Projektgegner hatten eine Volksabstimmung erzwungen.

In der Vorarlberger Walgaugemeinde Ludesch (Bez. Bludenz) haben sich die Bürger am Sonntag in einer Volksabstimmung gegen die Umwidmung von rund 6,5 Hektar landwirtschaftlicher Fläche zur Expansion des Fruchtsaftherstellers Rauch ausgesprochen. Da dafür ein Teil der geschützten Landesgrünzone notwendig wäre, kommt der Entscheidung auch überregionale Bedeutung zu.

Von 2.688 stimmberechtigen Einwohnern haben 1.765 (65 Prozent) bei der Volksabstimmung gültig gewählt, von denen 982 Wähler (56,1 Prozent) gegen die Umwidmung und 763 (43,6 Prozent) dafür stimmten. Der Fruchtsafthersteller Rauch erklärte am Nachmittag in einer Aussendung, "das demokratische Ergebnis der Volksabstimmung zur Kenntnis" zu nehmen. "Die weitere Vorgangsweise wird nun mit den Projektpartnern besprochen. Derzeit gibt es noch keine konkrete Planung für ein Ersatzprojekt."

Das Ergebnis führte umgehend zu Reaktion aus der Politik. Der am Mittwoch neu gewählte Vorarlberger Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) erklärte, "ich verhehle nicht, dass ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte.“ Tittler sprach von einer "Einzelfallentscheidung, die zu respektieren sei. Gerade für Familienbetriebe müsse es jedoch auch weiterhin realistische Perspektiven zur Erweiterung am Standort geben", so der Landesrat. Er setze auf den im neuen Regierungsprogramm enthaltenen Strategiedialog "Wirtschaft & Umwelt".

Landtagsabgeordnete Bernie Weber und Wirtschaftssprecher vom Regierungspartner Die Grünen begrüßte ausdrücklich das Ergebnis als "eindeutiges Bekenntnis der Menschen in Ludesch für Klima- und Umweltschutz" und für die Beibehaltung der Landesgrünzone als Vorarlberger Besonderheit.

Massiver Widerstand der Bevölkerung

Der Fruchtsafthersteller Rauch, der in Ludesch bereits ein Abfüllwerk für Red Bull betreibt und im Verbund mit dem benachbarten Dosenhersteller Ball zu sehen ist, hatte seine Absicht zur Produktions- und Lagererweiterung 2016 bekannt gegeben, worauf die Gemeindevertretung mit 21:1 Stimmen für die Herausnahme der betroffenen Flächen aus der Landesgrünzone votierte. Auch die Vorarlberger Landesregierung stimmte als übergeordnetes Organ den Plänen zu.

Das sorgte für zum Teil massiven Widerstand in der Bevölkerung. Im Sommer hatten 950 Einwohner mit einer Unterstützungserklärung die Abhaltung einer Volksabstimmung erzwungen. Bei 3.515 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) wären dafür lediglich 477 Unterschriften notwendig gewesen. Die Gegner sehen unter anderem Boden- und Klimaschutz sowie die Grundwasserversorgung gefährdet und stellten die grundsätzliche Frage in den Raum, ob die Wirtschaft "mit Geld alles kaufen" könne. Wenige Tage vor der Volksabstimmung hatte das ansonsten medienscheue Unternehmen Rauch eine Pressekonferenz in Ludesch abgehalten und fünf Mio. Euro für die Gemeinde in Aussicht gestellt, die für Projekte wie das eines Kindergartens verwendet werden sollten. Das "Trio" Rauch/Red Bull/Ball argumentierte mit zusätzlichen Arbeitsplätzen und der Absicherung der regionalen Wirtschaft.

(APA)