Proteste

Irak: Tote bei Protesten gegen die Regierung

Scharfe Munition gegen Demonstranten eingesetzt.

Bagdad. Bei erneuten Protesten im Irak sind am Samstag nach Angaben von Polizei und Medizinern mindestens zwölf Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden. Mehr als 150 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Die Polizei hat die Demonstranten demnach aus bestimmten Bereichen im Zentrum der Hauptstadt Bagdad zurückgedrängt, scharfe Munition und Tränengas eingesetzt und dabei neun Menschen getötet. Im südlichen Basra kamen drei Protestierende ums Leben.

 

Premier verspricht Reform

Zuvor hatte Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi Fehler eingeräumt und eine Wahlreform versprochen: „Die Proteste haben geholfen und werden dabei helfen, Druck auf politische Parteien und die Regierung auszuüben, um sich zu reformieren.“ Man müsse aber zu einem normalen Leben zurückkehren. Das werde dazu führen, dass berechtigte Forderungen erfüllt würden. So würden die Behörden nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen den Waffenbesitz verbieten, denen die Tötung von Demonstranten vorgeworfen wird. Zudem sollten die Umstände der Tötungen untersucht werden.

Die Demonstrationen hatten am 1. Oktober mit der Forderung nach Arbeit und mehr Dienstleistungen des Staats für die Bürger begonnen. In Bagdad und einigen südlich gelegenen Städten wurde dann der Ruf nach einer Reform des politischen Systems und Maßnahmen gegen Korruption immer lauter. Der führende schiitische Geistliche des Landes, Ajatollah Ali al-Sistani, hatte die politische Führung am Freitag aufgerufen, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen, bei dem bisher mehr als 280 Menschen getötet wurden. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)