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Großbrand

Nordbahnhalle in Vollbrand

Binnen einer Stunde konnte der Brand am frühen Sonntagnachmittag unter Kontrolle gebracht werden.
Binnen einer Stunde konnte der Brand am frühen Sonntagnachmittag unter Kontrolle gebracht werden.(c) STADT WIEN/BERUFSFEUERWEHR WIEN (STADT WIEN/BERUFSFEUERWEHR WIEN)

Nach etwa einer Stunde konnte das Feuer in der Nordbahnhalle unter Kontrolle gebracht werden, nun herrscht Einsturzgefahr.

Wien. Die Rauchsäulen waren am frühen Sonntagnachmittag weit über die Stadt hinaus zu sehen, Dutzende Fotos davon machten in sozialen Netzwerken die Runde, schnell sprach sich auch dort herum, woher der Rauch kommt: Die Nordbahnhalle in Wien-Leopoldstadt stand in Brand. Nach der Alarmierung um 13 Uhr hatte die Wiener Feuerwehr Alarmstufe drei ausgerufen. Nach rund einer Stunde Löscheinsatz von bis zu etwa hundert Mann war das Feuer unter Kontrolle, verletzt wurde niemand.

„Wir sind etwa um 13 Uhr durch Anrufe zahlreicher Bewohner alarmiert worden“, sagte Gerald Schimpf, der Sprecher der Berufsfeuerwehr. Vonseiten der Feuerwehr war man mit 25 Fahrzeugen im Einsatz. Dabei waren auch drei Großtanklöschfahrzeuge und zwei Teleskopmastbühnen. „Betroffen war die leer stehende Halle. Ein Übergreifen der Flammen auf einen alten Backsteinturm daneben konnte verhindert werden“, so Schimpf. Unter Atemschutz wurde das Gebäude nach Personen durchsucht. Es wurde niemand gefunden. „Es wird aber noch umfangreiche Nachlöscharbeiten in dem verwinkelten Gebäude geben“, sagte der Feuerwehrsprecher. Die Brandursache wird erst nach dem Ende des Feuers Gegenstand von Ermittlungen sein.

Bis zuletzt war die Zukunft der Halle Gegenstand öffentlicher Debatten. Schließlich war das Gebäude aus den 1960er-Jahren seit 2017 zum kulturellen Zentrum des jungen Viertels geworden. Studenten der TU hatten die Halle umgestaltet, sie wurde zum Veranstaltungsort für Ausstellungen, Märkte und Konzerte, es gab eine Coworking-Zone und Tischler, Fahrradbauer und Künstler, die dort arbeiteten.

 

Abriss war geplant

Zwischen der Halle und dem Wasserturm entstanden ein Café mit Palettenmöbeln und ein Gemeinschaftsgarten. Allerdings war das stets nur als Zwischennutzung bis Juni 2019 vorgesehen. Im Masterplan des Nordbahnareals war vorgesehen, dass der vordere Teil der Halle der Umkehrschleife der Straßenbahn O weichen müsse, die bis hierher verlängert werde. Auch der Rest sollte abgerissen werden.

Nach Ende der Zwischennutzung wurden bereits Abrissarbeiten durchgeführt. Die IG Nordbahnhalle hat sich seit dem Sommer dennoch für den Erhalt des Nordteils der Halle als kulturelles und soziales Zentrum eingesetzt. Dazu wurde auch eine Petition gestartet, die erst vorige Woche im Petitionsausschuss des Wiener Gemeinderates behandelt wurde.

Man habe dort die Ideen vorgestellt, sagt Christoph Kleinsasser vom Team der IG Nordbahnhalle. Das Interesse daran sei aber gleich Null gewesen. „Der Erhalt der Nordbahnhalle über das Jahr 2020 hinaus decke sich nicht mit den städtebaulichen Planungen“, hieß es von der Stadt nach der Sitzung. Der Abriss schien damit besiegelt – die IG Nordbahnhalle wolle dennoch weiter für den Erhalt kämpfen. Ob das nach dem Brand überhaupt möglich wäre? Den Schaden, so Schimpf, könne man noch nicht beurteilen. Für die Halle bestehe jedenfalls Einsturzgefahr, die Feuerwehr führe Sicherungsarbeiten durch. Wie es weitergeht, werde dann der Liegenschaftseigentümer, die ÖBB, entscheiden. (cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)