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Pizzicato

Boris, der Papagei und der Pop

Kaum dachten die Tories, sie wären John Bercow los, war der Zwischenrufer der britischen Politik schon wieder da.

Kaum dachten die Tories, sie wären John Bercow los, war der Zwischenrufer der britischen Politik schon wieder da. Heruntergestiegen vom Hochsitz des Unterhauses, vom Thron des Umpire, wie eine „unkontrollierbare Tennisballmaschine“ mit unpassierbaren Volleys und Smashes, wie ihm Boris Johnson in einer vergifteten Eloge nachgesungen hat. Ohne parlamentarische Fesseln, ohne Talar, ohne die Bürde und Würde des Amts stichelte der frühere Speaker, der Brexit sei der „größte Fehler“ der Nachkriegszeit.

So kurz Bercow weg war – manche hatten ihn bereits vermisst. Nicht, dass sein Nachfolger Lindsay Hoyle völlig farb- und humorlos wäre. Seine Schildkröte nennt er Maggie, seinen Papagei Boris. Und Boris ist angeblich abgerichtet, „Order“ zu krächzen.

Es tun sich ganz neue Möglichkeiten auf. Von einem belgischen Soundbastler zusammengeschnitten und mit Johnson-Zitaten zum Remix aufgepeppt, könnte „Order“ zum großen, wummernden Wahlkampfhit avancieren und als Soundteppich über die Dancefloors der Klubszene wabern. Boris Johnson (BoJo) sprach über John Bercows (JoBe) Abschied ja nicht zu Unrecht vom längsten Rücktritt seit Frank Sinatra – inklusive Comebacks. Das Duett zwischen den Popstars BoJo und JoBe hat jedenfalls das Zeug, die Glimmer-Twins der Rolling Stones vergessen zu lassen. (vier)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)