Öl

Saudi Aramco: Startschuss für Rekord-Börsengang

Saudi Aramcos Konzernchef Amin Nasser (l.) und Aufsichtsratsvorsitzender Yasir al-Rumayyan werden sich künftig auch um Aktionäre kümmern müssen.
Saudi Aramcos Konzernchef Amin Nasser (l.) und Aufsichtsratsvorsitzender Yasir al-Rumayyan werden sich künftig auch um Aktionäre kümmern müssen.(c) APA/AFP/- (-)

Diese Woche beginnt die Zeichnungsfrist für den saudischen Ölkonzern Saudi Aramco. Das wertvollste Unternehmen der Welt könnte auch den weltweit größten Börsengang hinlegen.

Wien. Rund drei Jahre hat es seit der ersten Ankündigung gedauert, am vergangenen Wochenende veröffentlichte der staatliche saudiarabische Ölkonzern Saudi Aramco aber endlich den Prospekt für seinen bevorstehenden Börsengang. Darin wird zwar nach wie vor nicht offengelegt, wie viele Anteile Riad schlussendlich auf den Markt werfen will und welchen Preis sich das saudische Königshaus als derzeitiger Alleineigentümer des Konzerns vorstellt. Dennoch weisen die auf 658 Seiten nun bekannt gegebenen Details darauf hin, dass es sich um den größten Börsengang in der bisherigen Geschichte handeln könnte.

So beginnt die Zeichnungsfrist für die Aktien des Unternehmens diese Woche – und zwar am Sonntag, dem 17. November. Das ist in Saudiarabien bereits der erste Tag der kommenden Arbeitswoche. Die institutionellen Investoren haben in der Folge bis zum 4. Dezember Zeit, ihre Gebote abzugeben. Für Kleinaktionäre gilt hingegen eine verkürzte Frist bis zum 28. November.

 

Riad zielt auf Kleinaktionäre

Und Letztere werden auch ganz offen von Saudi Aramco als erwünschte Anleger angesprochen – so sollen bis zu 0,5 Prozent der gesamten Anteile für Kleinaktionäre reserviert werden, heißt es in dem Prospekt. Allerdings dürfte viele potenzielle Aktionäre aus dem Westen abschrecken, dass vorerst nur ein Börsengang in der saudischen Hauptstadt Riad geplant ist und kein Zweitlisting an einer westlichen Börse.

Allerdings gibt die Reservierung von 0,5 Prozent der Anteile für Kleinanleger auch einen Hinweis darauf, dass Saudiarabien schlussendlich wohl zwei Prozent von Saudi Aramco verkaufen wird, wenn die Nachfrage groß genug ist. Laut Insidern schwankt Riad hier zwischen einem und zwei Prozent. Sollten wirklich zwei Prozent der Anteile veräußert werden, dann dürfte der Börsengang auch den bisherigen Rekord des chinesischen Onlinehändlers Alibaba aus dem Jahr 2014 übertreffen. Das Unternehmen beziehungsweise seine Eigentümer lukrierten damals 25 Mrd. Dollar. Saudi Aramco wird in Summe auf 1,5 bis zwei Billionen Dollar geschätzt. Ein Verkauf von zwei Prozent würde somit bis zu 40 Mrd. Dollar in die Kasse der Saudis spülen.

 

Der Ölpreis entscheidet

Wie hoch Saudi Aramco in Summe bewertet wird, dürfte erst zu Handelsbeginn beantwortet werden. Das Unternehmen erklärte gegenüber Investoren jüngst, dass dies vom aktuellen Ölpreis abhänge. Bei einem Preis von 45 Dollar je Fass (je 159 Liter) wären es 1,5 Billionen Dollar, bei 65 Dollar je Barrel 1,76 Billionen und bei 75 Dollar je Fass 2,1 Billionen Dollar. Das Unternehmen wäre damit doppelt so viel wert wie der derzeitige globale Spitzenreiter bei der Marktkapitalisierung Microsoft. Zuletzt lag der Ölpreis bei knapp unter 63 Dollar je Barrel.

Das meiste Geld bei dem Börsengang dürfte aber von institutionellen Investoren kommen – und dabei nicht nur aus dem Westen. So umwarb Riad zuletzt einerseits Fonds aus dem arabischen Raum aber auch Staatsfonds aus China und Russland. Peking soll auch bereits ein Investment von zehn Mrd. Dollar zugesagt haben. Offen deklariert hat sich bisher allerdings noch kein Investor. (jaz/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)

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