Studie

Klima-Studie: Kein G20-Land erfüllt derzeit 1,5-Grad-Ziel

Los Angeles im Smog.APA/AFP/GETTY IMAGES/MARIO TAMA

Das 2015 in Paris vereinbarte Ziel einer maximalen Erwärmung um 1,5 Grad ist laut eines NGO-Berichts in weiter Ferne.

Berlin. Die G20-Staaten machen einer internationalen Untersuchung zufolge weiterhin zu wenig, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Treibhausgasausstoß der 19 größten Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union steige weiter, heißt es im „Brown to Green“-Report des NGO-Netzwerks Climate Transparency. Im vergangenen Jahr nahmen die Emissionen demnach um 1,8 Prozent zu.

Die G20 sind für 80 Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Auf Kurs für das 1,5-Grad-Ziel ist dem Bericht zufolge kein Land der Gruppe. Die Wissenschaftler und Umweltschützer haben aber auch eine optimistische Botschaft: Rund die Hälfte der G20, darunter die EU, dürfte ihre bisherigen, selbst gesetzten Klimaziele übererfüllen. Damit könnten sie wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen im Jahr 2020 neue, ehrgeizigere Ziele vorlegen.

In dem 2015 geschlossenen Abkommen haben sich fast alle Länder der Welt vorgenommen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Wenn die Staaten nur ihre aktuellen Klimaschutz-zusagen erfüllen, dürften es Klimaforschern zufolge bis Ende des Jahrhunderts aber drei Grad werden. Denn um knapp ein Grad hat sich die Erde schon erwärmt.

Der Klimawandel lässt das Risiko für extreme Hitze- und Kältewellen, Dürren und Stürme schon jetzt steigen. Extreme Wetterereignisse kosten in den G20-Staaten dem Report zufolge jährlich rund 16.000 Menschenleben und führen zu wirtschaftlichen Einbußen von rund 129 Milliarden Euro. Nach den Maßstäben des 1,5-Grad-Berichts des UN-Klimarats müssten die G20-Staaten ihren Treibhausgasausstoß bis 2030 um mindestens 45 Prozent im Vergleich zu 2010 reduzieren. Bis 2070 dürften keine Treibhausgase mehr ausstoßen. (DPA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)