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Bauwirtschaft: Digitalisierung wird zur Chefsache

Der flächendeckende Einsatz digitaler Methoden könnte für die europäische Bauwirtschaft 130 Milliarden Euro generieren. Strabag schafft ein eigenes Vorstandsressort und setzt auf BIM 5D®.

BIM 5D® klingt nach einem kryptischen Code, ist aber simpel eine Methode, um Bauprojekte in der digitalen Welt der Jetztzeit umzusetzen. Das Kürzel BIM steht für „Building Information Modeling“- zu Deutsch Bauwerksdatenmodellierung. Im Prinzip geht es dabei um eine Methodik, die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe von Software zu digitalisieren und zu vernetzen. Alle relevanten Daten des Bauwerks werden digital modelliert, kombiniert und erfasst. Vom Bauwerk selbst wird ein virtuelles Modell erstellt, so dass  die jeweiligen Bauherren schon im Vorfeld ein virtuelles Abbild des künftigen Gebäudes erhalten. Mithilfe von Virtual Reality kann bei einigen Projekten bereits das Innere des Gebäudes besichtigt werden, noch bevor die Grundsteinlegung erfolgt ist.  BIM wird unter anderem im Bauwesen zur Bauplanung und -ausführung eingesetzt, findet aber auch im Facilitymanagement seine Anwendung.

Von 3D zu 5D

Bei BIM gibt es nicht nur 3D-Modelle, sondern Modelle in 5D. Dabei wird das 3D-Modell um die Faktoren Zeit (4D) und Prozessdaten (5D) erweitert. BIM liefert neben der dreidimensionalen Darstellung auch Informationen, wann welche Arbeiten am Bauteil ausgeführt werden (4D) und enthält Informationen über Materialien, Bestellungen und Betreiberdaten (5D), geht aus einer Unterlage der Strabag hervor. Der Vorteil für den Bauherrn: Bei Projekten erhält er bereits im Vorfeld sämtliche Informationen über die Auswirkungen von Neuverlegungen, Sanierungen, Erweiterungen etc. Dadurch können Fehlplanungen so gut wie ausgeschlossen und Kosten- und Zeitüberschreitungen in ganz engen Grenzen gehalten werden. Kommt es zu Planänderungen, so werden diese in ihrer Gesamtheit sichtbar. Ein Beispiel: Wird die Höhe des Estrichs aus Gründen des Schallschutzes angehoben, so kann das zu einer zu geringen Fensterhöhe führen. In einem solchen Fall schlägt das System Alarm und informiert über alle Auswirkungen der Umplanung, auch über die möglichen Kosten. Um das Werkzeug optimal einzusetzen, ist es notwendig, dass Kommentare und Korrekturen aller Beteiligten über eine Datenwolke zusammengeführt werden und so für alle Projektbeteiligten zur Verfügung stehen.

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130 Milliarden zusätzlich

Das klingt ein wenig kompliziert, ist bei vielen Bauten aber längst Usus. Vor allem im arabischen Raum wird BIM bei zahlreichen Großprojekten eingesetzt und auch in Europa soll auf Empfehlung der Europäischen Kommission bei Ausschreibungen und Vergaben öffentlicher Bauaufträge ab 2020 BIM verpflichtend sein. Im „Handbuch für die Einführung von Building Information Modelling (BIM) durch den europäischen öffentlichen Sektor“ der EUBIM Task Group heißt es unter anderem: „Der Gewinn ist hoch: Wenn durch die breite Annahme von BIM in ganz Europa Einsparungen in Höhe von zehn Prozent für den Bausektor erzielt werden, würden zusätzlich 130 Milliarden Euro für den 1,3 Billionen Euro schweren Markt generiert.“

Eigenes Vorstandsressort

Die Strabag, mit einer Bauleistung von 16,3 Milliarden Euro der größte österreichische und sechstgrößte europäische Baukonzern, setzt schon seit einigen Jahren auf die digitale Lösung. In Tirol etwa wurden weit über 100 Projekte, vom Einfamilienhaus bis zum Großprojekt, realisiert. Im vergangenen Oktober erhielt die dänische Strabag-Tochter Züblin A/S einen Auftrag zum Bau eines schlüsselfertigen Gebäudeensembles im Carlsberg-Quartier aufgrund ihrer BIM-Kompetenz. Die Auftragssumme liegt bei 161 Millionen Euro. Wie ernst die Strabag die Digitalisierung nimmt, zeigt sich daran, dass der Konzern ab dem 1. Jänner 2020 im Vorstand ein eigenes Ressort für Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation schafft.