Prehofer gehört zu den bekanntesten Bankerinnen Österreichs und galt als Aushängeschild der Bank Austria. Im Sommer 2008 wurde sie von der Bawag abgeworben. Die Großbanken haben bald kaum noch weibliche Führungskräfte.
Wien (höll). Im Vorstand der Bawag gibt es eine wichtige Änderung: Die 54-jährige Topbankerin Regina Prehofer kündigte am Dienstag überraschend an, im Herbst nach nur zweijähriger Tätigkeit aus dem Vorstand auszuscheiden. Ausschlaggebend seien „persönliche Gründe“ gewesen, sagt Prehofer zur „Presse“.
Differenzen mit dem Bawag-Eigentümer, dem US-Investmentfonds Cerberus, bestreitet sie. „Es gibt ein sehr gutes Arbeitsverhältnis.“ Sie werde der Bawag bis Herbst zur Verfügung stehen, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Bezüglich ihrer Zukunft stünden ihr mehrere Optionen offen. Sie wolle weiterhin in der Finanzbranche arbeiten.
Bawag richtet sich neu aus
Prehofer gehört zu den bekanntesten Bankerinnen Österreichs. Sie galt zunächst als Aushängeschild der Bank Austria. Im Sommer 2008 wurde sie von der Bawag abgeworben. Dort war sie für das Österreich-Geschäft zuständig. Sie besetzte damit ein Schlüsselressort. Nach Auffliegen der Karibik-Geschäfte waren dem Institut Tausende Kunden abhanden kommen. Prehofer startete eine große Marktoffensive.
Nach dem Abgang von Bawag-Chef David Roberts war Prehofer im Vorjahr als Nachfolgerin im Gespräch. Doch Cerberus setzte den Briten David Haynes als neuen Generaldirektor ein. Haynes gilt als enger Vertrauter des Bawag-Eigentümers. Die ehemalige Gewerkschaftsbank hat in den vergangenen Jahren Verluste erwirtschaftet. Gespräche über ein Zusammengehen mit der Österreichischen Volksbanken AG, die im Vorjahr ein Minus von 1,1 Mrd. Euro erzielte, haben sich im Mai zerschlagen. Nun will die Bawag in den nächsten Jahren 500 von 4300 Mitarbeiter abbauen.
Bank Austria, Erste Bank, Raiffeisen, Volksbanken, Wiener Städtische, Generali und Uniqa dementierten gestern, dass Prehofer bei ihnen angeklopft habe. Spekulationen zufolge könnte die Managerin beim früheren Bank Austria-Vorstand und jetzigen Investmentbanker Willi Hemetsberger anheuern. Dieser will künftig stärker ins Bankgeschäft einsteigen. Auch die Semper Constantia Privatbank soll Topmanager suchen.
Prehofer ist eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der heimischen Finanzbranche. Erst vor Kurzem hatte die Österreich-Chefin der Erste Bank, Elisabeth Bleyleben-Koren, ihren vorzeitigen Abgang bekannt gegeben. Von den Großbanken hat nur die Bank Austria mit Doris Tomanek eine Frau im Vorstand.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2010)