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Smart Mobility: Auf der grünen Welle surfen

Denkende Masten, lenkende Ampeln –die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft wird sachdienliche Informationen mit dem Fahrzeug austauschen.

Mit den Mitteln der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz kann der Verkehrsraum revolutioniert werden. Die Zukunft bringt jedenfalls Fahrzeuge und Verkehrszeichen, die sich miteinander vernetzen, um in Echtzeit alle sachdienlichen Informationen auszutauschen. Das Internet der Dinge macht’s möglich. Wie etwa die intelligente Ampel von morgen aussieht, weiß man bei Swarco Futurit. Der Weltmarktführer bei LED-Ampeln und LED-Wechselverkehrszeichen mit Sitz im burgenländischen Neutal und Managementzentrale in Perchtoldsdorf bei Wien hat eine neuartige Ampelgeneration entwickelt, die über Zusatz-Features verfügt: automatische Fußgänger-Erkennung mit Auswirkung auf die Ampelschaltung, Messung von Luftqualitätsdaten oder ein zusätzliches Rotlicht, das nach unten leuchtet und abgelenkte Smartphone-User auf eine rote Ampel hinweist.

Reduziert Stress, spart Sprit

Über das Steuergerät an der Kreuzung sind die Ampeln WLAN-fähig und unterstützen das künftige (teil-)automatisierte Fahren. Das Stichwort lautet C-ITS (kooperative intelligente Verkehrssysteme). „In Zusammenarbeit mit namhaften Autoherstellern wie Audi oder Volvo haben wir bereits in Trondheim, Verona oder Hamburg den Ampelassistenten demonstriert“, erklärt Geschäftsführer Artur Pesendorfer. Man stelle sich ein vernetztes Fahrzeug vor einer roten Ampel vor. Im Armaturenbrett wird angezeigt, dass in vier Sekunden auf Grün geschaltet wird. Drei, zwei, eins, null. Der Motor mit Start-Stopp-Funktion springt automatisch an. Sobald grün ist, erhält der Fahrer im Armaturenbrett eine Geschwindigkeitsempfehlung, mit der man auch an den kommenden Kreuzungen auf der grünen Welle surft. „Das reduziert Stress, spart Sprit und macht den Verkehr insgesamt flüssiger“, bringt Pesendorfer die Vorteile der Vernetzung von Verkehrssteuerdaten der Infrastruktur und Daten des Navigationssystems im Auto auf den Punkt.

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Die Probe aufs Exempel in Sachen Vernetzung machte im Sommer 2019 Audi mit dem eigenen Vehicle-to-Infrastructure (V2I)-Service „Ampelinformation“ und der Vernetzung mit dem Verkehrssystem im deutschen Ingolstadt. Im Cockpit wird angezeigt, bei welcher Geschwindigkeit eine grüne Ampel zu erreichen ist. Kann die Vorgabe nicht eingehalten werden, zählt ein Countdown im Head-up-Display die Sekunden bis zur nächsten Grünphase runter. Weitere Funktionen sind vorstellbar, etwa dass Ampelphasen in Vorschläge zur Routenführung einfließen, automatisierte Systeme das Abbremsen bei roten Ampeln übernehmen oder Ampeln bei Herannahen des Autos – so die Verkehrslage es zulässt – auf Grün schalten.

„mast have“ in Melk

Was die Interaktion von Fahrzeug und Umwelt betrifft, werden auf der smarten Straße auch innovative Lichtmasten eine besondere Rolle spielen. Was künftig Alltag sein soll, zeigt etwa das Beispiel der ersten „Smart Street“-Musterstraße Österreichs, die 2018 in der Gemeinde Melk eröffnet wurde. „Wir haben acht Lichtmasten der Produktlinie mast have by Fonatsch aufgestellt, die mit ihren multifunktionalen Anwendungsmöglichkeiten ein Licht auf die intelligente Straße von morgen werfen“, sagt Alexander Meissner, Geschäftsführer des Melker Mastenerzeugers Fonatsch. Beleuchtungstechnisch sorgen LED-Lampen, die sich je nach Notwendigkeit des Verkehrs automatisch auf- und abdimmen, für eine Reduzierung der Energiekosten.

Puzzlestück im Verkehrsmanagement

In puncto Sicherheit liefern Videokameras Aufnahmen von Straßenkreuzungen direkt an die Polizei, sofern es der gesetzliche Rahmen erlaubt. Die Masten dienen auch als Ladestation für E-Cars, E-Bikes und Handys sowie als induktive Lande- und Ladestation für Drohnen. Jeder Mast lässt sich zudem in einen WLAN-Router umfunktionieren, um flächendeckendes Internet anbieten zu können. Nicht zuletzt sind die vernetzten Masten ein Puzzlestück im Verkehrsmanagement. Akustiksensoren erkennen das Folgetonhorn von Rettungs-, Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen und schalten Ampeln. Sensoren und Kameras messen die Verkehrsdichte, stellen kurzfristig geänderte Tempolimits und Straßensperren dar und übermitteln die Informationen via App direkt auf die Bildschirme der Fahrzeugcomputer.