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IoT: Unternehmen investieren mehr als ein halbe Billion Euro

576 Milliarden Euro haben Unternehmen 2018 weltweit in IoT-Anwendungen investiert, allein in der Dach-Region waren es 35,9 Milliarden. Binnen zehn Jahren sollen es 137 Milliarden werden.

Industrie 4.0 – das Schlagwort lässt so manchen Industriekapitän nicht mehr ruhig schlafen. Doch worum geht es konkret? Im Grunde geht es bei Industrie 4.0 um die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Wertschöpfungsketten innerhalb der verschiedenen Industrien. Wobei im Unterschied zu früher alle Schritte des Produktionsprozesses mit einbezogen werden sollen. Damit ist gemeint, dass nicht nur betriebsinterne Prozesse wie Beschaffung, Produktion, Vertrieb oder Wartung miteinander vernetzt werden, sondern auch die Daten von vorgelagerten beziehungsweise nachgelagerten Akteuren wie Zulieferer oder Logistikunternehmen integriert werden. Beispiel gefällig? Beim Automobilhersteller Volkswagen nutzte man im Rahmen des bereits 2011 gestarteten Projektes „Gläserner Prototyp“ die RFID-Technologie (Radio Frequency Identification), um in den Versuchswagen verbaute Teile verschiedener Zulieferer schneller zu erfassen. Bereits beim Lieferanten werden die Komponenten mit RFID-Chips versehen. In der Erprobung des Prototyps können Ingenieure so die verbauten Teile mühelos erkennen und Detailinformationen, die für die Entwicklung gebraucht werden, abrufen. Den Ingenieuren stehen die richtigen Informationen am richtigen Ort zur richtigen Zeit zur Verfügung. Das gilt auch für Tests, die auf Versuchsstrecken durchgeführt werden, wo die Daten mit Hilfe von Handscannern abgerufen werden. Mittlerweile geht VW einen Schritt weiter und prüft, wie sich RFID nahtlos im gesamten Unternehmen einsetzen lässt.

Zusätzliche Wertschöpfung

In einer gemeinsamen Studie des Digitalverband Deutschlands (BITKOM) mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wurde bereits 2014 das volkswirtschaftliche Potenzial für Industrie 4.0-Anwendungen in Deutschland erhoben. Das prognostizierte Wertschöpfungspotenzial bis 2025: 15 Milliarden Euro allein im Automobilbau. Für den Maschinen- und Anlagenbau, mit einem Umsatz von rund 230 Milliarden Euro und einer Exportquote von gut 78 Prozent eines der Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft, rechneten die Studienautoren gar mit einer zusätzlichen  Wertschöpfung von 23 Milliarden Euro. Elektrischen Ausrüstern und der chemischen Industrie wurde ein extra Potenzial von jeweils zwölf Milliarden, der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) 14 Milliarden und der Landwirtschaft drei Milliarden Euro attestiert. In Summe sind das rund 79 Milliarden für sechs Branchen.

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Geschätztes Marktpotenzial

Um diese Potenziale tatsächlich zu heben, um aus theoretischen Überlegungen praktische Anwendungen zu bauen, braucht es das Internet der Dinge – in Neudeutsch gerne als IoT bezeichnet. Wieviel Geld wird nun tatsächlich für IoT-Lösungen ausgegeben und wie groß ist das Marktpotenzial? Eine mögliche Antwort liefert eine Studie des weltweit tätigen Beratungshauses EY. Laut dieser Studie werden die weltweiten Ausgaben für IoT – von der Planung über die Implementierung und Wartung bis hin zu unterstützenden Aktivitäten – für das Jahr 2018 auf 635 Milliarden US-Dollar (rd. 576 Milliarden Euro) geschätzt.

Europäer voran

Eine andere Studie aus dem Haus des Beratungsunternehmens Bain & Company bescheinigt europäischen Industrieunternehmen im Bereich der industriellen Nutzung des IoT einen Vorsprung gegenüber ihren US-Konkurrenten. Demnach haben die Europäer schon früh begonnen, in IoT-Lösungen zu investieren. Im Jahr 2016, als die Experten von Bain erstmals Manager zum Thema der industriellen Nutzung von IoT-Lösungen befragten, zeigte sich, dass 27 Prozent der befragten europäischen Manager den Einsatz planten, während in den USA der Prozentsatz der Ja-Antworten nur bei 18 Prozent lag. „Insbesondere Automobilhersteller sowie Bau- und Industrieunternehmen setzten schon damals auf umfangreiche Pilotprojekte“, heißt es seitens der Experten. Aus der frühen Beschäftigung mit dem Thema lässt sich auch erklären, wieso sich schon 2018 dreimal so viele europäische Unternehmen wie US-Firmen der Implementierung von Lösungen widmeten. In beiden Regionen beschäftigten sich laut der 2018er-Studie jeweils knapp die Hälfte der Befragten mit IoT-Projekten. Ob die Europäer den bisherigen Vorsprung behalten oder gar ausbauen können, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie sie mit dem Thema Cybersecurity umgehen bzw. die Herausforderungen in diesem Zusammenhang lösen. So zeigte sich in der Bain-Befragung, dass rund 49 Prozent der Befragten europäischen Manager die Sicherheit als größte Barriere für die Implementierung von IoT-Lösungen sehen. In den USA sind dies lediglich 30 Prozent. Deutlich häufiger haben US-Manager hingegen mit der Integration der IT und der Interoperabilität, also dem Zusammenspiel der IT-Systeme, zu kämpfen (siehe dazu Grafik 2). 

Marktvolumen für DACH-Region

Doch zurück zum potenziellen Marktvolumen für IoT. In der zitierten EY-Studie haben die Experten versucht, dieses für die drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz zu ermitteln. Dabei haben sie auf fünf verschiedene Studien zurückgegriffen, die jeweils eine weltweite Markteinschätzung für IoT für unterschiedliche Zeiträume oder Zeitpunkte bis maximal zum Jahr 2020 vornehmen (siehe auch Grafik 3). Aktuell verfügt der IoT-Markt in der DACH-Region über ein Marktvolumen von in Summe 35,9 Milliarden Euro. „Der Löwenanteil von 24,1 Milliarden Euro entfällt auf Deutschland als größte Volkswirtschaft der Region. Der Schweizer Markt wies 2018 ein Volumen von 7,6 Milliarden Euro auf; in Österreich betragen die Gesamtausgaben für IoT derzeit geschätzte 4,2 Milliarden Euro“, heißt es in der Studie. Bis 2023 soll es zu einer Verdoppelung der Ausgaben kommen und im Jahr 2030 wird der Markt ein Volumen von mehr als 137 Milliarden Euro haben, schätzen die Experten. Der Löwenanteil wird laut der Prognose weiterhin in Deutschland erwirtschaftet werden. In Österreich sollen die IoT-Ausgaben dann bei 15,9 Milliarden Euro liegen, das entspricht beinahe einer Vervierfachung gegenüber 2018.