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Skiurlaub

Wintertourismus stößt beim Umweltschutz an seine Grenzen

APA/dpa/Patrick Seeger
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85 Prozent der Wintersportler reisen mit dem Auto an. Eigene "Mobilitätsberater" sollen Aufklärung bieten. Seilbahnbetriebe investierten heuer 754 Millionen Euro, die Skipass-Preise steigen.

Nach einem schneereichen Winter im Vorjahr hoffen die Touristiker auch in der kommenden Saison auf Frau Holles Segen. "Aktuell ist die Auslastung für Weihnachten leicht positiver als im Vorjahr. Wir schauen der Saison durchaus mit Hoffnung entgegen, dass wir das Vorjahr erreichen", sagte die Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, am Dienstag. Beim Umweltschutz stößt die Branche an ihre Grenzen.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind derzeit in aller Munde, nicht zuletzt dank der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg. Wintertourismus ist mit seinen Seilbahnen, Beschneiungsanlagen und Pistengeräten ein ressourcenintensives Vergnügen. Für Kritik und Kopfschütteln sorgt auch heuer wieder das Schneeband in Kitzbühel, wo auf der eigentlich noch grünen Piste konservierter Schnee vom vergangenen Winter bandförmig aufgetragen wird, damit schon im Oktober Ski gefahren werden kann.

Vor allem die Anreise in die Wintersportgebiete schlage zu Buche, "da kommen wir an unsere Grenzen", räumte der Obmann der Seilbahnbranche, Franz Hörl, bei einem Pressegespräch ein. Die belastende Verkehrssituation sorge auch bei den Einheimischen für zunehmenden Unmut. 85 Prozent der Wintersporttouristen reisten noch immer mit dem Auto an.

Eine der größten Herausforderungen sei, den Gästen das Zug- und Busfahren schmackhaft zu machen, so Hörl. Entsprechende Angebote unter anderem mit den ÖBB würden ausgelotet, in den Regionen würden inzwischen sogar eigene "Mobilitätsberater" eingesetzt, die sowohl bei den Hoteliers als auch bei den Gästen Aufklärungsarbeit leisteten. "Das Thema Gepäck ist eines der Hauptgründe, warum es nicht funktioniert", sagte Hörl. Skidepots sollen dazu beitragen, dass Gäste ohne Gepäck und zu Fuß zu den Talstationen gelangen und auf das Auto verzichten können. Laut Hörl arbeitet ein Großteil der Seilbahnunternehmen bereits mit erneuerbarer Energie.

Seilbahnen investieren 754 Millionen Euro

In die kommende Wintersaison haben die Seilbahnbetriebe in Summe 754 Millionen Euro investiert, knapp die Hälfte in Infrastruktur, den Rest in Beschneiungsmaßnahmen und technische Weiterentwicklungen (150 Millionen Euro) oder andere Ausgaben wie Eintrittsysteme, Pistengeräte und Gastronomie (196 Millionen Euro). Die Seilbahnbranche beschäftigt rund 17.000 Menschen direkt und weitere etwa 109.000 indirekt durch Partner und Dienstleister.

Die Skipasspreise würden auch heuer wieder im Ausmaß der Inflation steigen, sagte Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbandes der Seilbahnen. Der Preis für eine Tageskarte übersteigt in vielen Skigebieten bereits die 50-Euro-Marke, was jedes Jahr für Kritik des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) sorgt. Die Seilbahnbranche verweist auf hohe Investitionen und steigende Personal- und Energiekosten.

Mehr als 20 Millionen Wintergäste

Österreich ist einer der Weltmarktführer bei alpinem Skifahren. Im Vorjahr stiegen die Nächtigungen im Winter österreichweit um 1,5 Prozent auf 72,9 Millionen. Die Zahl der Gäste erhöhte sich um 2,9 Prozent auf 20,4 Millionen. Für Österreich hat der Wintertourismus mit Umsätzen von zuletzt 14,1 Milliarden Euro nach wie vor eine größere Bedeutung als der Sommertourismus, der im Vorjahr 13,3 Milliarden Euro brachte.

Fast 40 Prozent der Nächtigungen kamen aus Deutschland. Nach einem leichten Rückgang der Übernachtungszahl im Winter 2018/19 um 0,7 Prozent auf rund 26,9 Millionen erwartet ÖW-Chefin Stolba für die kommende Saison ein ähnliches Niveau. Vieles hänge vom Wetter ab, sagte sie. Für deutsche Urlauber sei Österreich gut mit der Bahn erreichbar und das Angebot werde ausgebaut.

Auch die Nächtigungen von Touristen aus der Schweiz (-1,9 Prozent), Großbritannien (-0,2 Prozent) und Russland (-7,3 Prozent) waren im vorigen Winter rückläufig. Briten würden zwar nicht grundsätzlich auf den Skiurlaub verzichten, aber bei den Unterkünften und der Aufenthaltsdauer sparen, wird erwartet. Österreich ist nach Frankreich das zweitbeliebteste Wintersportziel der Briten.

Mit einer guten Entwicklung rechnet die Österreich Werbung bei Gäste aus den Niederlanden, dem zweitwichtigsten Auslandsmarkt hinter Deutschland. Schon im Winter 2018/19 stiegen die Nächtigungen dieser Gästegruppe um 3,2 Prozent auf 6,3 Millionen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa stimmt die Touristiker positiv, zumal vermehrt Gäste aus Polen, Tschechien und Ungarn kommen. Auch bei russischen Urlaubern dürfte eine bessere Konjunkturlage die Lage verbessern.

(APA)