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Buschfeuer bedrohen Sydney

Eine Mutter mit ihrem Kind auf der Flucht vor dem Feuer.
REUTERS

Australien. Die Feuerfront zieht sich über tausend Kilometer entlang der Ostküste. Die Behörden warnen vor der möglicherweise „gefährlichsten Buschfeuerwoche“, die das Land je erlebt hat.

Sydney. Experten vergleichen die derzeitigen Bedingungen in Australien bereits mit dem sogenannten „Schwarzen Samstag“ 2009, als 173 Menschen starben. Extreme Temperaturen gepaart mit trockenen Bedingungen und starken Winden haben fast 80 Feuer angefacht, von denen etliche außer Kontrolle geraten sind.

Mehr als 600 Schulen blieben am Dienstag geschlossen, einige mussten während des Unterrichts evakuiert werden. In den vergangenen Tagen schon rückten die Feuer immer näher an die Millionenmetropole Sydney heran, eine Region, in der etwa sechs Millionen Menschen leben.

Gladys Berejiklian, Ministerpräsidentin des Bundesstaates New South Wales, in dem auch Sydney liegt, hat einen siebentägigen Ausnahmezustand ausgerufen. Sie sagte am Dienstag, es gehe darum, „Leben zu schützen, Eigentum zu schützen und dafür zu sorgen, dass jeder so sicher wie möglich ist“. Bisher sind bei den Feuern drei Menschen ums Leben gekommen und fast 200 Häuser abgebrannt. In den Außenbezirken Sydneys wurden am Dienstag die Bewohner aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Einige Buschfeuer brachen auch direkt in der Stadt aus, die von Nationalparks durchzogen ist.

„Wir stehen unter Schock"

Vor allem in den ländlichen Gegenden strömten viele Frauen und Kinder samt Haustiere in Evakuierungszentren, während die Männer sich oftmals dafür entschieden, zu bleiben und ihr Haus und Gut gegen das Feuer zu verteidigen. „Mein Mann ist immer noch im Haus und wird alles im Auge behalten", sagte eine Frau aus der Gegend von Hillville lokalen Medien.

Einer der Orte, der besonders schlimm betroffen ist, ist Tenterfield, etwa 700 Kilometer nördlich von Sydney. Christian Uhrig, ein deutscher Auswanderer, der mit seiner Frau zusammen ein deutsches Café in dem Ort betreibt, schrieb, dass er sehen könne, wie ein starker Wind eine große schwarze Wolke vor sich her Richtung Osten treibe. „Diejenigen, die ihr Haus und Hab und Gut verloren haben, stehen unter Schock“, sagte er. „Und diejenigen, auf die das Feuer zubrennt, haben große Angst und sind zumeist schon in einem der Massenlager oder bei Freunden.“ Obwohl die kleinen Kommunen zusammenhalten und sich gegenseitig bestmöglich unterstützen würden, seien die langfristigen Folgen nicht absehbar. An Normalität sei derzeit nicht mehr zu denken.

Die Feuerwehr kämpft mit mehr als 3000 Einsatzkräften, hunderten Löschfahrzeugen und 80 Flugzeugen gegen die Katastrophe. Die Flammen bedrohen auch Nationalparks und die Tiere darin. Bisher seien bei den Bränden rund 350 Koalas gestorben und einige größere Lebensräume der Beuteltiere zerstört worden, berichtete die Organisation Koala Conversation Australia.

350 Koalas gestorben

In der Politik wird darum gestritten, ob der Klimawandel die Situation verschärft. Grundsätzlich sind sich die Wissenschaftler einig, dass die höheren Temperaturen und die zunehmende Trockenheit die Feuer intensivieren, auch wenn sich einzelne Ereignisse nicht eindeutig als Folge des Klimawandels interpretieren lassen. Trotzdem weigerte sich der australische Premierminister Scott Morrison diese Woche, Fragen zum Klimawandel zu beantworten und sandte nur seine „Gedanken und Gebete” an alle Betroffenen. Kritiker verglichen dies mit der Rhetorik in den USA, wenn nach Amokläufen Waffenreformen abgelehnt werden. Der Vize-Premier Michael McCormack ging sogar soweit, den Klimawandel völlig als ein Gespinst der „verrückten, innerstädtischen Linken“ abzutun. „Wir hatten in Australien schon immer Feuer”, sagte er gegenüber Medienvertretern.

Die Feuerwehr hingegen stellt sich auf die Seite der Wissenschaft. Bereits im April veröffentlichten 23 ehemalige Feuerwehrchefs und Einsatzleiter einen Brief, in dem sie die Regierung vor „zunehmend katastrophalen Extremwetterereignissen“ warnten. Sie forderten ein Treffen, das wurde von der Regierung abgelehnt.