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Führungsfehler

Das Vorbild

Sie kannten einander seit der Uni. Er, der furchtlose Entrepreneur, der sich mit 20 Jahren selbstständig gemacht hatte. Sie, die Konzernheldin.

Damals, in seligen Unizeiten, hatte sie für ihn gearbeitet. Und mehr über Unternehmertum gelernt als in so mancher Vorlesung. „Warum lässt du dich von so vielen Kunden unter Zeitdruck bringen – statt alles auf den einen zu setzen, der am besten zahlt?“, fragte sie einmal.

Seine Reaktion war heftig. „Setz‘ nie alles auf ein Pferd“, schrie er sie fast an. Als wäre das ein undenkbares Tabu. Nie-nie-niemals dürfe ein Kunde mehr als die Hälfte des Umsatzes machen. Weil, wenn er wegfalle, aus welchem Grund auch immer, bräche die Firma zusammen. Er war so eindringlich, dass sie es nie vergaß.

Jahrzehnte später – beiden hatten ihren Weg gemacht – trafen sie einander wieder. Er war ein Schatten seiner selbst. „Was ist los?“, fragte sie. „Mein Hauptkunde ist weg.“ Sein Selbstbewusstsein war verflogen.

„Wieviel Umsatz hat er gemacht?“

95 Prozent, stellte sich heraus. Ein Konzern, der so unverschämt gut gezahlt hatte, dass er mehr und mehr für ihn arbeitete. Darüber seine anderen Kunden vernachlässigte, bis sie „gone with the wind“ waren. Jetzt verlegte der Konzern seine Zentrale auf einen anderen Erdteil und brauchte seine Dienste nicht mehr.

Sie überlegten lange, wie es nun weitergehen solle. Die Fixkosten, die finanziellen Verpflichtungen – und neue Auftrage waren rar.

Am Ende zahlte sie seinen Kaffee. Viel mehr konnte sie nicht tun.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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