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Schauspielhaus Wien

Die Gefühle toben: „Im Herzen der Gewalt“

Tomas Schweigen gelingt eine tolle Dramatisierung des Romans von Edouard Louis.

Zu den Moden des Theaters gehört, dass der Vorhang bereits hochgezogen worden ist, ehe das Publikum hereinströmt. Im Schauspielhaus Wien hat bei der Premiere am Mittwoch Bühnenbildner Stephan Weber für die österreichische Erstaufführung von „Im Herzen der Gewalt“ einen Kompromiss gefunden: Der Großteil der Bühne ist noch schwarz verhängt. Musik setzt ein. Nur eine schmale Öffnung gibt einen eingeschränkten Blick auf ein Zimmer frei. Von dort hört man eine Frauenstimme. Ihrer Geschichte lauscht ein junger Mann, der seitlich an der Rampe steht. Kurz darauf erfährt man, dass diese Frau seine Schwester ist und dass sie seine Geschichte erzählt. Das anfängliche Bild aber vermittelt bereits mehr: Was die Wirklichkeit ist, wie viel man davon erkennt, bleibt stets auch eine Frage der Perspektive.