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"Es geht hier nicht um Lehrer-Bashing"

Benjamin Hadrigan ist überzeugt, dass mit der App, Lehrer motiviert werden können.
Benjamin Hadrigan ist überzeugt, dass mit der App, Lehrer motiviert werden können.APA/GEORG HOCHMUTH

Schüler sollen endlich eine Stimme bekommen, betont Benjamin Hadrigan anlässlich des Starts der umstrittenen Bewertungs-App für Lehrer.

Schüler werden benotet, nach jeder Prüfung, bei Schularbeiten und am Ende des Semesters. Lehrer hingegen nicht und das soll geändert werden, findet Benjamin Hadrigan. Der 17-jährige Schüler hat mit seinem Buch "#Lernsieg: Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp" bereits für Furore gesorgt. Jetzt setzt er mit seiner App "Lernsieg" eines oben drauf. Schüler sollen ab sofort ihre Schulen und ihre Lehrer bewerten können.

Von Juli bis November dauerte die Arbeit an der App mit dem Unternehmen "All About Apps". "Ich habe meine Schule bereits bewertet. Auch wenn es schon ein paar Jahre her ist", erklärt Firmenchef Michael Rosenzweig-Steiner.

>>> Wenn Schüler ihre Lehrer benoten [premium]

Von der Ausstattung des Klassenzimmers bis hin zu den notwendigen Supplierungen kann bewertet werden. Selbst das Engagement der Schulen bei der "Fridays for Future"-Bewegung ist ein Kriterium. Des Lehrers Motivation, Geduld, Vorbereitung und Pünktlichkeit werden ebenfalls abgefragt. Das Bewertungssystem basiert auf Sternen. Von einem (Nicht Genügend) bis zu fünf Sternen (Sehr Gut) können vergeben werden. Fällt die Bewertung schlecht aus, wird "wie bei Uber" mit Textblöcken eine Auswahlmöglichkeit vorgegeben.

„Es geht nicht um Beliebtheit, sondern um objektive Kriterien"

"Es geht hier nicht um Lehrer-Bashing", betont Ideengeber Hadrigan. "Es gibt viele gute, motivierte Lehrer. Deren Leistung muss auch anerkannt werden", erklärt der Schüler. Das sei auch der Grund, warum es keine Kommentarfunktion gibt. Hadrigan ist überzeugt, dass Schüler, die nun "endlich eine Stimme bekommen", diese auch nicht für sinnlose Bewertungen vergeuden würden. Dass Missbrauch betrieben werde, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Das bestätigt auch der Medienanwalt Michael Krüger. Der ehemalige Nationalratsabgeordnete (FPÖ) und Justizminister (Februar 2002) hat die App aus juristischer Sicht überprüft: "Wir haben im Vorfeld sichergestellt, dass die Plattform juristisch haltbar und zulässig ist", und nimmt damit indirekt Bezug auf die von Lehrern und Gewerkschaft geäußerte Kritik über die Bewertungs-App. Sie sehen ihre Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz verletzt.

"Lernsieg" stellt ab Freitag die 90.0000 in der App erfassten Lehrer in Österreich auf den Prüfstand.
"Lernsieg" stellt ab Freitag die 90.0000 in der App erfassten Lehrer in Österreich auf den Prüfstand.APA/GEORG HOCHMUTH

Aus diesem Grund sei auch keine Kommentarfunktion vorhanden. Außerdem gehe es "nicht um Beliebtheit, sondern um objektive Kriterien". Dass tatsächlich ein Schüler bewertet, kann jedoch nicht überprüft werden. Der Bewertende wird mit Hilfe seiner Telefonnummer verifiziert. Sonstige Daten werden bei der Registrierung nicht abgefragt.

Sechsstellige Investitionssumme

Benjamin Hadrigan wandte sich an die Agentur Ploner Communications. Innerhalb weniger Monate konnten Investoren gefunden werden, die insgesamt einen sechsstelligen Betrag investierten. Darunter auch ein bekannter österreichischer Wirtschaftstreibender. Namen wollte man bis dato keinen nennen. Das Geld ist größtenteils bereits reinvestiert. „Es gibt bereits Konzepte, wie die App monetarisiert werden kann. Werbung ist dabei aber nicht vorgesehen“, erklärt Philipp Peter Ploner. Die Pläne wolle man zu einem späteren Zeitpunkt präsentieren. Im Moment gehe es aber darum, den Schülern in Österreich und Deutschland die Möglichkeit zu geben, die Schwächen aber auch die Stärken des Lehrkörpers aufzuzeigen. 

>>> Die Angst des Lehrers vor der App [Glosse]

Ab Freitag stehen die österreichweit 90.000 erfassten Lehrer sowie deren Schulen in der App „Lernsieg“ auf dem Prüfstand. Die Anwendung ist für iOS und Android kostenlos erhältlich. Bewertungen sind erst ab der 5. Schulstufe möglich.

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