Schnellauswahl
Schwerpunkt FH

Forschung an den Schnittstellen

Die Energiewende braucht neben technischen Lösungen auch gesellschaftliche Akzeptanz – auch darüber forschen FH.
Die Energiewende braucht neben technischen Lösungen auch gesellschaftliche Akzeptanz – auch darüber forschen FH.Getty Images/iStockphoto
  • Drucken
  • Kommentieren

Auf konkret Verwertbares konzentrieren sich die Studien an den FH. Aber auch dort werden soziologische Aspekte rund um Energiewende oder Digitalisierung beleuchtet.

Der Transformationsprozess durch technische Umwälzungen und den Klimawandel beginnt erst. Da beides die Arbeits- und Lebenswelten der Menschen beeinflusst, ist begleitende, sozialwissenschaftliche Forschung immens wichtig,“ sagt Roald Steiner, Vizerektor der Fachhochschule Salzburg. Weil sich technische Domänen im „Hamsterrad der permanenten Optimierung“ befänden, brauchen sie einen Kontext, der klärt, wie die Dinge zusammenhängen. „Wir haben an der FH Salzburg eine Forschungsgruppe ,Soziale Innovation', die sich genau damit beschäftigt“ berichtet Steiner. Sich etwa darüber Gedanken zu machen, wie die von der Wirtschaft geforderte Effizienzsteigerung organisiert werden könne, ist für den Experten eine besonders spannende sozialwissenschaftliche Fragestellung. „Leider werden sozialwissenschaftliche Projekte von der öffentlichen Hand viel weniger ausgeschrieben als in anderen Wissenschaftssparten“, kritisiert Steiner. Dabei habe der Transformationsprozess, beispielsweise im Zug der Digitalisierung, enormen Einfluss auf die Lebenswelten der Menschen.

Zu diesem Thema läuft gerade ein Forschungsprojekt an der FH Vorarlberg. In Kooperation mit dem Zentrum für Kulturmanagement und dem Institut für angewandte Informationstechnologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften wird untersucht, wie eine Kommunikationsstrategie zur Vermarktung und Vermittlung der vielfältigen Kulturaktivitäten und -orte im Bodenseeraum zu gestalten wäre. Dabei wird in besonderem Maß der Digitalisierung der Kommunikation Rechnung getragen, durch die auch der Kultursektor einen tiefgreifenden Wandel erfahren hat. Bis Juni 2020 will man gemeinsam mit Kulturanbietern und -vermittlern Handlungsoptionen für effektive, digitale Kommunikationsstrukturen entwickelt haben.

Auch die Energiewende muss soziologisch begleitet werden. Darauf weist Christian Pfeiffer hin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschung Burgenland. „Es werden immer wieder neue technologische Lösungen zur intelligenten Nutzung erneuerbarer Energieträger entwickelt. Ob die Gesellschaft diese Lösungen akzeptiert oder sich damit identifizieren kann, bleibt häufig unbeantwortet.“

 

Akzeptanz für Energiewende

Um die Energiewende nicht nur technisch oder wirtschaftlich, sondern auch sozial verträglich umsetzen zu können, bedarf es laut Pfeiffer inter- und transdisziplinärer Anwendungen sozialwissenschaftlicher Methoden. Daher forsche man an der FH Burgenland im sozialwissenschaftlichen Bereich am Schnittpunkt zwischen Technik und Gesellschaft. Zum Beispiel im Projekt „Open Data“. Hier wird eine zentrale Schnittstelle entwickelt, die verschiedenen Anwendern einen einfachen Zugang zu umfassenden Daten des Energiesektors ermöglicht. „Ein Schwerpunkt liegt darin, Interessierte an der Ausgestaltung der Lösung mitbestimmen zu lassen. So werden diese Schritt für Schritt aktiv in die Digitalisierung des Energiesystems eingebunden und so mögliche Akzeptanzhürden gegenüber neuen Technologielösungen abgebaut.“

Schnittstellenforschung betreibt man auch an der FH Campus Wien. Dort läuft aktuell ein Projekt, das sich mit smartem Wohnen für Generationen beschäftigt. Bis Mai 2021 begleitet es Transformationsprozesse in einer Wiener Wohnanlage aus den 1970er-Jahren mit Maßnahmenbündeln, die soziale, technologische, bauliche und klima- und energierelevante Aspekte miteinander verbinden. So soll ein Mehrwert für Bewohner und Quartier ermöglicht werden.

Trotz solcher Nutzen ist die Sozialwissenschaft an den FH nicht so sichtbar, wie es die Beteiligten wünschen. „Wir werden stark marginalisiert, ganz zu Unrecht“, sagt Dagmar Strohmeier, Professorin am Department Soziale Arbeit der FH OÖ. An den Standorten Linz und Hagenberg gibt es eine Vielzahl sozialwissenschaftlicher Projekte. Schwerpunkte sind unter anderem Kinder- und Jugendforschung, Gewaltpräventionsforschung und Medienkompetenzforschung. „Alle Jugendlichen besitzen technische Geräte wie Smartphones. Unsere Forschung zeigt aber auf, dass nicht alle diese Geräte in einer vorteilhaften Weise nutzen. Soziale Benachteiligung spielt hier eine bedeutende Rolle“, weiß Strohmeier.

 

Handys und Hasspostings

Ein Schwerpunkt des Projekts ist das Thema Hasspostings. „Zum Thema Hasspostings gibt es einen deutlichen Professionalisierungsbedarf an Schulen. Die von den Studierenden des Masterlehrgangs durchgeführte Erhebung ist die erste wissenschaftliche Studie in Österreich, die den Umgang mit Hasspostings bei Jugendlichen in Österreich untersuchte“, sagt Strohmeier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)