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Unternehmenskooperationen

Win-win für FH und Unternehmen

Die Digitalisierung ist ein Thema, bei dem Unternehmen auf Einrichtungen von FH – im Bild das Digitale Transferzentrum der FH Salzburg – zurückgreifen, um neue Prozesse zu entwickeln und zu testen.
Die Digitalisierung ist ein Thema, bei dem Unternehmen auf Einrichtungen von FH – im Bild das Digitale Transferzentrum der FH Salzburg – zurückgreifen, um neue Prozesse zu entwickeln und zu testen.FH Salzburg
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Lehrende bleiben am Puls der Zeit, Studierende sammeln praktische Erfahrungen, die Firmen profitieren bei Wissenstransfer und Mitarbeiterrecruiting.

Praxisnähe wird an den heimischen Fachhochschulen großgeschrieben. „Die Basis dafür ist die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft“, sagt Johann Kastner, Leiter FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH. Die Bandbreite reicht von kleinen Studienprojekten und Seminararbeiten, in denen Fragestellungen von Betrieben bearbeitet werden, über Berufspraktika, Bachelor- und Masterarbeiten bis zur Zusammenarbeit bei mehrjährigen Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Wie etwa jenes, bei dem das Logistikum der FH OÖ gemeinsam mit der Diskontkette Hofer und der BMW Group im neuen Josef Ressel Zentrum am FH OÖ Campus Steyr bis Ende 2023 an der Entwicklung eines Monitoring-Tools zur beinahe Echtzeit-Visualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken forscht. Unternehmen können damit in Zukunft sofort auf interne wie auch externe Probleme reagieren, Produktionsstillstände reduzieren und dadurch den finanziellen Verlust einer Störung minimieren.

 

Fallbeispiele bearbeiten

Auch die FH Salzburg setzt auf praktische Erfahrungen: 20 Studenten aus dem Bachelorstudiengang Innovation und Management im Tourismus erarbeiten im laufenden Wintersemester verschiedene Konzepte und Projekte für die Tourismusdestination St. Johann in Salzburg. „Im Kern geht es darum, mit den Studierenden verschiedene Studycases herauszuarbeiten, die möglicherweise umgesetzt werden können. In enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit uns haben wir drei verschiedene Fallbeispiele aufgesetzt, an denen nun gearbeitet wird“, sagt Stefanie Mayr, Geschäftsführerin des Tourismusverbands. Anfang 2020 sollen die Vorschläge zu den Projekten präsentiert werden.

Digitales Know-how in die Betriebe, vor allem in klein- und mittelständische Unternehmen zu bringen, ist hingegen das Ziel des Digitalen Transferzentrums an der FH Salzburg. Auftragsforschung und die Qualifizierung der Betriebe gehen dabei Hand in Hand. „Die Unternehmen erhalten Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen, Innovationen und Digitalisierungs-Technologien“, erklärt Roald Steiner, Vizerektor für Forschung an der FH Salzburg. Gleichzeitig könnten studentische Mitarbeiter an Auftragsforschungen mitarbeiten, woraus wiederum Bachelor- und Masterarbeiten entstehen könnten. Der Fokus dabei liegt auf den wesentlichen Herausforderungen der Digitalisierung: Digital Twins, Smart Logistics & Mobility, Kollaborative Fertigung sowie Digitale Geschäftsmodelle & Smart Services.

 

Kontakt zur Praxis halten

Sowohl Steiner als auch Kastner sind davon überzeugt, dass die Kooperationen zwischen Fachhochschulen und Unternehmen beziehungsweise Organisationen eine Win-win-Situation für alle Beteiligten darstellen. „Das Ziel der FH ist es, praxisrelevant zu forschen und praxistauglich auszubilden“, sagt Kastner. Das sei jedoch nur möglich, wenn die Lehrenden nie den Kontakt zur Praxis verlieren und stets auf dem Stand der Technik blieben. Studierende wiederum würden vom Lernen an aktuellen Aufgabenstellungen und den Einblicken in die Praxis profitieren. Den Studenten ist das sehr wohl bewusst, wie eine von der Österreichischen FH-Konferenz in Auftrag gegebene Studie zeigt: Demnach sehen zwei Drittel der Studierenden und Absolventen in der engen Kooperation zwischen Fachhochschule und Unternehmen einen klaren Vorteil gegenüber den Universitäten. Unternehmen und Organisationen käme den Experten zufolge unter anderem der Know-how-Transfer zugute. Darüber hinaus sei der Kontakt zu den Studierenden eine Chance, Mitarbeiter zu rekrutieren, sagt Steiner.

Auf innovativen Technologien aus den Bereichen maschinelles Lernen, Visual Analytics und Mixed Reality, um Patienten und Therapeuten während der motorischen Rehabilitation zu unterstützen, liegt der Fokus der langjährigen Zusammenarbeit der FH St. Pölten mit Saphenus Medical Technology und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) im Bereich Forschung und Entwicklung. Diese Kooperation soll nun erweitert werden. „Die angewandte Forschung und Entwicklung ist einer der grundlegenden Leistungsbereiche der FH St. Pölten. „Durch die gemeinsame Interessenbekundung für eine Zusammenarbeit mit Saphenus und der AUVA kann die FH St. Pölten mit ihrer Expertise in der Bewegungs- und Gangrehabilitation sowie der Aufbereitung komplexer Daten einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung neuer Behandlungsmethoden leisten“, sagt Hannes Raffaseder, Chief Research & Innovation Officer der FH St. Pölten.

 

Stipendien für mehr Fachkräfte

Darüber hinaus gibt es noch eine andere Form der Kooperation, die pekuniäre Unterstützung durch Stipendien. An der FH OÖ beispielsweise gibt es diese in den Studiengängen Leichtbau, Bauingenieurwesen sowie Verbundwerkstoffe und Composites.

Studierende des Automatisierungstechnik-Bachelorstudiums an der Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften können sich wiederum für zehn Semester für ein 15.000 Euro-Stipendium von B&R Industrial Automation, Sony DADC und Stiwa Group bewerben. „Gerade in diesen Bereichen werden Fachkräfte dringend gesucht. Mit den Stipendien wollen die Unternehmen auch jenen, die sich ein Studium finanziell nicht leisten könnten, diese Ausbildung erleichtern“, sagt Kastner.

AUF EINEN BLICK

Kooperationen zwischen FH und Unternehmen können vielfältige Formen annehmen. Zum einen nutzen Firmen die Forschungskompetenz und -einrichtungen der FH, aber auch die Kreativität der Studierenden. Das kann im Rahmen von dezidierten Projekten oder als Bachelor- oder Masterarbeit geschehen. Die Studierenden erhalten Praxis und Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern, die FH profitiert neben finanziellen Zuwendungen ebenfalls vom permanenten Kontakt zur Wirtschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)