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Marktgeschichte

Der Reiz der Kärntner Seen ist ungebrochen

Große Nachfrage, wenig Angebot an den Kärntner Seen.
Große Nachfrage, wenig Angebot an den Kärntner Seen.Re/Max

Im Sommer lockt der Sprung ins kühle Nass, im Winter die Nähe zu Skigebieten. Doch die Angebote sind so rar wie begehrt.

Die Sommersaison ist vorüber, Liegestühle und Boote sind eingewintert. Doch von Ruhe ist an den Kärntner Seen keine Spur, zumindest den Immobilienmarkt betreffend. „Die Zeit ist heißer als im Sommer“, sagt Doris Scarpatetti-Matheis, Geschäftsführerin von Wörthersee Immobilien. Denn Domizile an den Seen, allen voran dem Wörthersee, sind heiß begehrt. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, weiß die Maklerin aus Velden, die derzeit „ein paar Filetstücke“ vermarktet.

Dem Reiz des größten Sees Kärntens sind überwiegend Interessenten aus Österreich und Deutschland erlegen, die hier entweder einen Ferien- oder gar einen Hauptwohnsitz begründen wollen. „Die restlichen fünf Prozent sind international“, sagt Thomas Hopfgartner, Gründer und Geschäftsführer des Immobilienbüros Living de Luxe, der davon ausgeht, dass der Wörthersee auch in den nächsten Jahren nichts von seiner Attraktivität verlieren wird. Und das nicht nur wegen seiner landschaftlichen Schönheit. „In den vergangenen Jahren sind Themen wie Sicherheit und Reisestress immer wichtiger geworden“, sagt Hopfgartner. Man mag es erholsam, risikoarm und komfortabel – und genießt hier zudem die Nähe zur Adria und zu den Skigebieten.

 

Gustostückerl: Seezugang

Wer sich seinen Traum vom Wohnen an einem der wärmsten Alpenseen erfüllen will, braucht drei Dinge: Geduld, Glück und Geld. Denn das Angebot ist rar – vor allem, wenn es eine Immobilie mit direktem Seezugang sein soll. „Wer eine solche ergattert, der kann sich wirklich glücklich schätzen. Pro Jahr wechseln nur drei bis fünf davon den Besitzer“, sagt der Makler. Kaufwillige müssen für diese Raritäten tief in die Tasche greifen.

Für Grundstücke sind Hopfgartner zufolge zwischen 5000 und 7000 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch zu legen, bei Wohnungen bewegen sich die Quadratmeterpreise je nach Lage, Ausstattung und Größe des Seegrundstücks zwischen 10.000 und 20.000 Euro. „Man muss sich bewusst sein, dass diese Immobilien keinen Preis haben. Sie haben vielmehr einen Wert, der seit Jahrzehnten steigt“, sagt Hopfgartner. Selbst wer sich mit dem Seeblick begnügt, kann erstens nicht aus dem Vollen schöpfen und muss zweitens dafür nicht wenig berappen.

 

Begehrt, aber sehr rar

Etwas günstiger kommt davon, wer dem Hotspot Wörthersee den Rücken kehrt und sich an einem der anderen Seen ansiedelt. Allerdings: Auch hier haben die Preise angesichts der steigenden Nachfrage und des begrenzten Angebots deutlich angezogen. „Um die 1000 Euro pro Quadratmeter muss man auch da für Grundstücke kalkulieren“, sagt Scarpatetti-Matheis. Wobei diese hier ebenfalls zu den absoluten Raritäten zählen, da an manchen Seen das Potenzial ausgeschöpft ist. So stehen beispielsweise große Teile des Weissensees unter Naturschutz, gleiches gilt für das Südufer des Millstätter Sees. „Seegrundstücke gibt es nahezu nicht, und auch Grundstücke in guten Lagen sind Mangelware“, bestätigt Edith Pirker, Raiffeisen Immobilien Kärnten. Bauträger würden daher immer öfter alte Häuser oder geschlossene Pensionen und Hotels kaufen, diese schleifen und an deren Stelle Apartments errichten. Immer wieder wird jedoch auch historische Bausubstanz erhalten und um einen Neubau ergänzt.

Ebenso heiß begehrt sind Häuser. „Davon gibt es ebenfalls zu wenige“, sagt Erna Kleinfercher-Heu von ReMax Impuls Immobilien in Seeboden. Vor allem in der Preiskategorie zwischen 250.000 und 450.000 Euro sei das Angebot minimal. „Das ist vor allem für die jüngere Generation, die hier geboren ist, ein Problem. Sie tut sich schwer, zu bleiben oder zurückzukommen“, berichtet Kleinfercher-Heu.

 

Wohnungen statt Häuser

Mehr Auswahl haben hingegen jene, die eine Wohnung suchen, bezeichnen die Experten das Angebot doch als gut. Wobei diese aber auch nicht gerade ein Schnäppchen sind: Immerhin bis zu 7000 Euro pro Quadratmeter werden beispielsweise am Millstätter See fällig, wenn man quasi vom Bett in den See springen will. 6000 Euro sind es, wenn man zumindest einen Blick auf den See erhaschen kann oder diesen in der Nähe weiß, berichtet Kleinfercher-Heu. „Und selbst ohne Seeblick liegen wir in Seeboden, Millstatt oder Dellach bei einem Quadratmeterpreis von 4000 bis 5000 Euro“, sagt Pirker.

Eine Entspannung an der Preisfront ist nicht in Sicht – eher das Gegenteil ist den Experten zufolge der Fall. „Die Preise steigen weiter, vielleicht sogar noch schneller als in der Vergangenheit, weil das Angebot immer knapper wird“, glaubt Hopfgartner. Denn den Gemeinden sind die Apartmenthäuser rund um den Wörthersee, aber auch an anderen Kärntner Seen zunehmend ein Dorn im Auge. Um den Bauboom zu drosseln, haben beispielsweise Velden und Millstatt Baustopps verhängt. Velden will so die letzten Grünräume und Freiflächen am Seeufer sowie in unmittelbarer Seenähe vor weiterer Verbauung schützen und einen Seezugang für alle ermöglichen.

Auch den ungeliebten „kalten Betten“, also Ferienwohnsitzen, die nur wenige Tage im Jahr bewohnt werden, haben Land und Gemeinden den Kampf angesagt. Mehr als 2100 Zweitwohnsitze gibt es in Velden. Die Zahl der Hauptwohnsitzer liegt bei rund 9000. „Seit 2015 dürfen pro Gebäude in einer Wohnanlage nur mehr drei Apartments Ferienwohnungen sein“, sagt Kleinfercher-Heu.

Auch Baulandwidmungen seien den Hauptwohnsitzen vorbehalten. „Ferienwohnung-Widmungen werden kaum noch vergeben“, weiß sie. Für viele Interessenten sei das Fehlen derselben jedoch ein No-Go, so Scarpatetti-Matheis. Schließlich könne nicht jeder seinen Hauptwohnsitz nach Kärnten verlegen. „Baustopps und die Diskussion um Zweitwohnsitze und ,kalte Betten‘ gehen völlig am Thema vorbei“, kritisiert Thomas Hopfgartner. Ferienwohnsitz-Besitzer seien treue Touristen und würden so manche Wochen und viele Wochenenden dort verbringen. „Velden hätte heute nicht diese Infrastruktur, wenn es die Zweitwohnsitz-Besitzer nicht gäbe“, ist er überzeugt.

AUF EINEN BLICK

Häuser an den Kärntner Seen sind nach wie vor extrem begehrt, aber ebenso selten zu bekommen. Besser sieht es bei Wohnungen aus, vor allem, wenn es nicht in der ersten Reihe mit Seezugang sein muss. Da sich das Angebot nicht wesentlich erhöhen wird – an manchen See wurde ein Baustopp verhängt, um der Allgemeinheit weiterhin Zugang zum Wasser zu ermöglichen –, die Nachfrage aber ungebrochen bleibt, sind weitere Preissteigerungen durchaus möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)