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Designschau

Von Wolle, Holz – und Teddys

„Presse“-Geschäftsführer Herwig Langanger (l.) und Chefredakteur Rainer Nowak mit dem Teddybären-Teppich im MAK.
„Presse“-Geschäftsführer Herwig Langanger (l.) und Chefredakteur Rainer Nowak mit dem Teddybären-Teppich im MAK.Roland Rudolph

Flauschig, haptisch, natürlich: Bis Sonntag lädt „Die Presse“ zur Design 2019 ins MAK. Ein Streifzug durch Handwerk und Wohnideen.

Wer heuer die Design-Schau der „Presse“ im Museum für angewandte Kunst besucht, kommt an ihnen (nicht) vorbei: den Teddys. Zum dritten Mal hat Künstler Franz-Josef Baur für die Eingangshalle Kunst beigesteuert; diesmal unter anderem einen Teppich aus 160 grauen und knallorangefarbenen Bärchen.

Er beschäftige sich schon länger mit den Themen Tradition, Werten und Werterhaltung, sagt der Künstler. Die Teddys stehen für ihn für das, was einem von den eigenen Eltern mitgegeben wird. „Ich glaube, dass auch erwachsene Menschen angesichts der Teddys ein Gefühl verspüren, und ich glaube, dass es meist ein positives ist.“ Auch diese Stofftiere waren schon in Gebrauch: Bevor er sie arrangierte, durften in seinem Atelier die Nachbarskinder damit spielen.

Generell arbeitet Baur viel mit Textilien als dem Menschen nächstem Material; im Stiegenhaus hängen Teppiche von ihm, die er aus recycelter Wolle gewebt hat; die Secondhandpullover hat er dafür selbst aufgetrennt. Auch die Bären sollten eigentlich an der Wand hängen – nur dass man ins MAK halt nicht so einfach überall Dübel schlagen kann. Die Installation hat doch gut 50 Kilo – und soll ihrerseits weiterverwertet werden.

Flauschig und nachhaltig geht es auch im Inneren weiter. Andächtig streichen Besucher bei COR über das neue Mell-Lounge-Sofa, das soeben in Köln erstmals vorgestellt wurde: Der graue Bezug hat etwas von Plüsch oder Teppich – und wurde aus Alpakawolle gefertigt. Bei Kramer & Kramer erinnern die Gartenstühle an Strickpullover, Schlafzimmerexperte Hästens hat den ikonischen „Tired Man“-Ohrensessel in einer felligen Kuschelvariante, und bei Harald Geba kommt die Wolle aus Nepal: von Schafen, die auf mehr als 4500 Metern Höhe weiden. Schon seit vielen Jahren lässt der Grazer Teppiche nach eigenen modernen Entwürfen nach mehr als tausend Jahre alter Handwerkskunst weben. Die Stücke sind mit Pflanzenfarben gefärbt, Fair-Trade-zertifiziert, können nach Kundenwünschen gefertigt werden und reizen mit unterschiedlich hohem Flor zum Hineingreifen.

Zum Zupacken lädt auch Michael Koukal (Kouki) ein. „Darf's vielleicht ein Nusserl sein?“, fragt der er und bietet an einer uralten Hobelbank zum Aufmachen seinen selbst entworfenen Nussknacker an. Der gelernte Raumplaner ist Tischler „im zweiten Bildungsweg“ – die Leidenschaft entdeckte er allerdings erst, nachdem sein Vater seine Tischlerei schon verkauft hatte. Er fertigt von Hand aus natürlichen Materialien was gebraucht wird – vom Schreibtisch bis zum Stiefelknecht. Gemeinsam mit Bühnenmaler, Erfinder und Multitalent Franz Essler hat er auch einen „Standfächer“ entwickelt – der Prototyp wurde eigens für diese Messe entworfen.

 

Vollkoffer und Zeitungshalter

Hinter „Workshop“ steht ein steirischer Tischler, der raffinierte Möbel anderer Hersteller gleich mitverkauft. „Möbel für Generationen“ bauen auch die in Wien lebenden Vorarlberger von der „Massivholzschneiderei“ Mo Ni Ka – hier haben sich ein Architekt, ein Designer und ein Tischler zusammengetan. Die Sellerie in der Burggasse wurde von ihnen ausgestattet, ebenso Bar und Café für das Künstlerhaus, das im März neu eröffnet. Ähnlich das Konzept von Krieger Dworsky; gemeinsam mit Supersense haben die Schulfreunde etwa für das 25-Hours-Hotel den „Vollkoffer“ entworfen: einen flexiblen Schrankkoffer für analoge Dinge. Ihre Werkstoffe: Stahl, Holz, Beton.

Beton hat auch Ronald Jaklitsch von Mo Sound genutzt – für seinen jüngsten Bluetooth-Lautsprecher (sonst sind sie aus Porzellan) hat er mit Thomas Poganitsch die Vienna Concrete Sound Foundation gegründet, die Teile gibt es sogar mit Wiener Geflecht. Poganitsch seinerseits fertigt übrigens auch Wiener Zeitungshalter – für das gute, alte, haptische Papier.

AUF EINEN BLICK

Design 2019. Rund 60 Aussteller zeigen auf 3000 Quadratmetern ihre Produkte und Konzepte rund um das Wohnen. Auch die Diamond Vienna ist wieder integriert und präsentiert hochwertigen Schmuck.

Das Design Café wird von Impacts und dem Weingut Türk bespielt. Samstag von 10 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr im MAK. Eintritt 12 Euro (9 Euro ermäßigt), für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Kostenlose Tickets gibt es unter www.diepresse.com/designticket

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)