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Günstige E-Autos sind keine leichte Sache

Platz in der Sporttasche: Das Aggregat von VW ist kompakt.
Platz in der Sporttasche: Das Aggregat von VW ist kompakt.(c) Werk
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Akkus sind teuer und schwer – und nicht der einzige Hemmschuh der Elektromobilität.

Eine ordentliche Reichweite gilt als Grundanforderung an Elektroautos. Wäre diese gegeben, würden sich andere Vorbehalte schnell zerschlagen. Aber so einfach ist es nicht.

Einerseits sind die Energiespeicher, die Autohersteller in aller Regel zukaufen, mit beträchtlichen Kosten verbunden. Ihr hohes Gewicht hat weiters zur Folge, dass die Fahrzeuge 300 bis 800 Kilo mehr wiegen. Das wiederum führt zu einer Spirale, die batterieelektrische Vehikel (BEV) unterm Strich um 60 Prozent teurer macht als Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren.

Der Elektromotor spielt dabei die geringste Rolle. VW packte das bis 150 kW (200 PS) starke und 90 Kilogramm schwere Aggregat des ID.3 in eine Sporttasche, um dessen Kompaktheit zu demonstrieren.

Die meisten Hersteller bauen ihre E-Motoren zudem selber. Seine Technik ist leicht zu beherrschen und im Gegensatz zur Batterieherstellung deutlich weniger aufwendig. Das Beratungsunternehmen A. T. Kearney benennt die Herausforderungen, die alles andere mit sich bringen: „Ein höheres Gesamtgewicht des Fahrzeugs bedeutet eine steifere Karosserie, größer dimensionierte Bremsen, Achsen und vieles mehr. Das treibt die Kosten nach oben.“ So beträgt das Fahrzeugleergewicht des Mercedes EQC 2425 Kilogramm. 650 Kilo entfallen alleine auf die 80-kWh-Batterie samt Gehäuse und Kühlung. Gegenüber dem Verbrenner ist dies ein Mehrgewicht von 690 Kilogramm. „Mit Sekundäreffekten im ganzen Fahrzeug. Die Kosten des Fahrwerks steigen aufgrund der stärkeren Auslegung um bis zu zehn Prozent, ebenso die Mehrkosten zur Crashsicherheit der Batterie!“

Die Akkus, so A. T. Kearney, würden derzeit nicht, wie erhofft, billiger, sondern teurer aufgrund hoher Nachfrage und Lieferengpässen. „Die höheren Materialkosten müssen an anderen Stellen eingespart werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2019)