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Unter 20 Euro

Franz und Julius

Franz und Julius
Franz und Julius(c) wecallitwild

Ulla Harms hat neben ihrem Buchkontor im 15. Bezirk ein sehr kleines Café namens Franz und Julius eröffnet, in dem es wenig, aber dafür gute Sachen gibt.

Es sind die kleinen Dinge im Leben, heißt es oft. Und da ist etwas dran. Denn während wir uns mit den großen Dingen beschäftigen, verschönern uns die kleinen Dinge meist das Leben – wenn wir nur hinschauen würden. Auf die Gastronomie lässt sich das vielleicht nicht immer eins zu eins runterbrechen, denn es gibt genug Lokale, die zwar klein, aber sonst nicht viel sind. Aber es gibt eben auch die kleinen, feinen, in denen das Angebot überschaubar ist, aber irgendwie trotzdem alles passt.

Das jüngste Café am Kriemhildplatz im 15. Wiener Bezirk, hinter der Stadthalle, gehört da dazu. Buchhändlerin Ulla Harms hat gut zehn Jahre, nachdem sie ihren Buchkontor eröffnet hat, gleich daneben das Franz und Julius eröffnet (der Name geht auf die früheren Besitzer zurück). Es ist ein Nachbarschaftslokal geworden, für das wohl kaum jemand eine weite Anreise in Kauf nimmt. Die Menschen aber, die in der Gegend wohnen, nehmen das Angebot für einen Kaffee, ein Mittagessen oder ein Achterl am Abend gerne an. Die Räumlichkeiten wirken recht privat, trotz Glasfront eher wie ein Hinterzimmer einer Bücherei. Der Fliesenboden und ein paar andere historische Details aus den 1920er-Jahren wurden freigelegt, eine hübsche Bar installiert und sechs Holztische aufgestellt.

Die Karte ist wirklich klein, es gibt Kaffee (Mokka, Kaffee Verkehrt oder Melange), selbst gemachten Kakao, Bier aus der kleinen Brauerei Xaver, ein paar feine Weine (Nittnaus, Jurtschitsch, Hajszan-Neumeister etc.), Kuchen und einen täglich wechselnden Mittagstisch, zum Beispiel eine Minestrone (4,20 Euro), die zwar weniger Suppe ist, als Minestrone-Eintopf mit Nudeln und Speck, aber trotzdem köstlich schmeckt und satt macht. Serviert wird das Ganze in hübschem Geschirr der Wiener Manufaktur Feine Dinge. Nur eilig darf man es hier nicht haben, das Service ist noch ein bisschen langsam, um nicht zu sagen, verschreckt, was bei der kleinen Größe des Lokals schwierig ist. Dennoch eine nette Bereicherung für das Grätzel.

Franz und Julius: Kriemhildpl. 1, 1150 Wien, Montag bis Samstag 9 bis 22 Uhr, www.franzundjulius.at, ✆ 01/375 00 375

diepresse.com/essen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2019)