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Elsa auf Heldenreise: „Die Eiskönigin 2“

„Die Eiskönigin 2“ lässt Naturromantik auf eisige Action treffen.
„Die Eiskönigin 2“ lässt Naturromantik auf eisige Action treffen.(c) Disney
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Der zweite Teil des Märchens lässt Naturromantik auf eisige Action treffen – und die Figuren an sich selbst wachsen.

Sie sind wieder da, die Jausendosen und Faschingskostüme, die Bettwäschesets und Kinderkaraokemaschinen. Nicht, dass die Werbeartikel mit den beiden Schwestern Elsa und Anna aus dem Disney-Überhit „Die Eiskönigin“ („Frozen“) seit seinem Erscheinen 2013 je wirklich weg gewesen wären. Am Mittwoch kommt nun die Fortsetzung des Andersen-inspirierten Animationsmärchens ins Kino. Der erste Film war ein Erfolgsphänomen, das in dieser Intensität keiner hatte kommen sehen. Die Regisseurin Jennifer Lee (die, wieder gemeinsam mit Chris Buck, auch den neuen Film inszeniert hat) ging bald dazu über, sich zu entschuldigen statt zu bedanken, wenn Eltern ihr berichteten, dass ihre Kinder lange nach dem Kinostart immer noch die Lieder in Endlosschleife hörten.

Mit einem derartigen Ohrwurm wie „Let it go“ wartet „Die Eiskönigin 2“ nun nicht auf – der neue Titelsong, „Into the Unknown“, verlangt trällernden Kindern einiges mehr an Tonumfang ab. Königin Elsa (im Original: Idina Menzel) singt ihn, während sie mit sich selbst ringt: Eine hauchige Stimme, die nur sie hören kann, scheint sie aus ihrem Königreich herauslocken zu wollen – dabei hat sie es sich nach den eisigen Strapazen im ersten Film doch endlich gemütlich gemacht im beschaulichen, norwegisch inspirierten Arendelle, wo der Hofstaat munter durchs Herbstlaub tollt und Elsa ihre Zauberkräfte vorwiegend dazu einsetzt, Kindern Eisskulpturen zu basteln wie ein Partyclown Luftballontiere.

Der Ruf des Ungewissen wird lauter – und ehe sie sichs versieht, hat Elsa Waldgeister beschworen, die physikalische Gewissheiten durcheinanderbringen. Ohne die allzu spirituell und naturromantisch aufgeladene Geschichte ganz zu verraten: Es geht um die Elemente, also Feuer, Wasser, Wind und Erde, die Elsa der Reihe nach zähmen muss, um den Ursprüngen ihrer eigener Kräfte auf die Schliche zu kommen.

Mit ihrer entschlossenen Schwester und besten Freundin Anna, deren Freund Kristoff, dem stummen Rentier Sven und dem goscherten Schneemann Olaf bricht sie also auf zu einer Reise in einen verwunschenen Wald, wo sie nicht nur einem indigenen Volk begegnen, sondern auch Geheimnisse über ihre eigene Familie aufdecken.


Schneemann in der Pubertät. Drehte sich der erste Film vorwiegend um ein Erwachen und In-die-Welt-Tappen – Elsa lernt, ihre Kräfte zu kontrollieren, Schneemann Olaf wird gebaut, Anna verlässt ihr Zuhause, um die ihr entfremdete Schwester zu finden –, geht es nun darum, wie die Figuren mit wachsender Verantwortung umgehen. Die royalen Schwestern ringen mit einer Art Erbschuld, während Olaf eine intellektuelle Pubertät durchmacht: „Wie geht ihr mit der ständig steigenden Komplexität der Gedanken um, die die Reife mit sich bringt?“

Des Hypes um Teil eins ist sich diese Fortsetzung durchaus bewusst. Er schwingt mit, wenn Olaf den verwunderten Waldbewohnern eine pantomimisch unterstützte Kurzzusammenfassung des damaligen Plots gibt. Er dürfte die Filmemacher auch ermutigt haben, ihre Sache selbst nicht allzu ernst zu nehmen – und Kristoff, der den Film über von einem patscherten Heiratsantragsversuch in den nächsten stolpert, eine schmalzig choreografierte Boygroup-Nummer singen zu lassen („I'm lost in the woods“) – inklusive fünfstimmigen Rentier-Chors. Düsterer wird's, wenn klirrende Eisblitze durch die Luft sausen und gefährlich schnaufende Steinriesen durch den Wald trampeln. Doch auf einen alles bedrohenden Bösewicht verzichtet der Film. Lieber lässt er die Figuren mit ihren eigenen Ängsten und Zweifeln kämpfen. Auch das lässt „Die Eiskönigin 2“ weniger wie ein Märchen wirken und mehr wie eine musikalisch unterfütterte Heldenreise.

Visuell setzt der Film auf Animationswunder, die man längst gewohnt geworden ist. Beeindruckend ist eine Szene, in der Elsa im peitschenden Meer mit einem Pferd aus Wasser (!) ringt. Manch andere Zauber- und Kampfszene erinnert ästhetisch an moderne Superheldenfilme – Feuer gegen Eis, boom, bang! –, manche gar an Verwandlungsvisionen wie aus „Sailor Moon“: wenn Elsa wieder mal die Kräfte, die sie in sich hat, bündelt, plötzlich durch Kristallwelten wirbelt, um schließlich, durch eigenen Willen aus sich herausgewachsen, auf dem Boden zu landen wie ein neuer Mensch. Und mit neuem Look. Der wird in der heurigen Faschingssaison sicher nicht unbeachtet bleiben.

Hype um „Frozen“

Mit „Die Eiskönigin“, einem Animationsfilm, der lose von Hans Christian Andersens Märchen inspiriert ist, gelang Disney 2013 ein sensationeller Erfolg. Der Film spielte international über 1,2 Milliarden US-Dollar ein und beschäftigt Kinder bis heute. Die Heldinnen Anna und Elsa fanden auch ihren Weg in die Liste der beliebtesten Babynamen.

Die Fortsetzung, vom selben kreativen Team umgesetzt, kommt am 20. November in die Kinos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2019)