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Fall Epstein

Der Prinz und der Sexualstraftäter: Interview als royales Fiasko

Andrew lud Journalistin Emily Maitlis in den Buckingham Palace zum Interview.
Andrew lud Journalistin Emily Maitlis in den Buckingham Palace zum Interview.(c) BBC

Prinz Andrew streitet ab, mit einer Minderjährigen Sex gehabt zu haben. Dem Sohn der Queen könnte ein juristisches Nachspiel drohen.

London/Wien. So einig war man sich in Großbritannien schon lange nicht mehr: Ein „royales Fiasko“, eine „Katastrophe“, „verheerend“ – so bezeichneten britische Tageszeitungen das Fernsehinterview, das Prinz Andrew am Samstagabend der BBC in den Räumlichkeiten des Buckingham-Palastes gab. Im knapp einstündigen TV-Gespräch nahm der jüngste Sohn von Queen Elizabeth II. Stellung zu seiner Freundschaft zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär, der sich im August während seiner Untersuchungshaft in einer Zelle in New York erhängt hat, war zuletzt angeklagt, minderjährige Mädchen und junge Frauen missbraucht und zur Prostitution angestiftet zu haben.

Seinen Geschäftspartnern und Freunden – darunter Prinz Andrew – soll Epstein, der bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt und wieder freigekommen war, junge Frauen zugeführt haben. Virginia Giuffre, die damals Roberts hieß, gibt an, eine dieser jungen Frauen gewesen zu sein. Bei drei Gelegenheiten sei sie zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden. Dabei listet die Frau mit den langen blonden Haaren jede Gelegenheit genau auf: Zum ersten Mal sei sie in London auf Andrew getroffen, damals war sie erst 17 Jahre alt. Danach sei es noch bei zwei weiteren Treffen in Epsteins Haus in New York und auf seiner Privatinsel in der Karibik zu Sex mit Andrew gekommen.

Auslieferung an USA möglich

Der Prinz selbst, der im TV-Interview ins Stottern und Straucheln kam, könne „absolut kategorisch sagen, dass es nie passiert ist“. An jenem Tag nämlich, erzählte Andrew, dem 10. März 2001, habe er seine Tochter in eine Pizzeria in der Stadt Woking zu einer Party gebracht, danach sei er zu Hause gewesen. Außerdem glaube er nicht, die junge Frau, die ihn nun beschuldige, überhaupt je getroffen zu haben. Zudem bezweifle er die Echtheit eines Fotos, das Andrew zeigt, wie er den Arm um die Taille der blutjungen Giuffre im bauchfreien Oberteil legt.

Auf die Frage, warum er an der Freundschaft mit Epstein festhielt und im Jahr 2010 sogar vier Tage lang als Gast des Multimillionärs in New York verbrachte, meinte Andrew, dass Epstein ihm zu vielen guten Kontakten verholfen habe. Sein Anstand hätte ihm geboten, 2010 Epstein persönlich die Freundschaft aufzukündigen und nicht per Telefon – daher der Aufenthalt bei Epstein in New York.

Das blamable Interview könnte den Prinzen nun in starke Bedrängnis bringen: Anwälte der Opfer fordern, dass er von einem US-Gericht vorgeladen werden müsse. Er genießt keine Immunität und könnte – rein theoretisch – an die USA ausgeliefert werden. (zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2019)