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Hotelmarkt

Potenziale außerhalb der Metropolregionen höher

Das Inercity Hotel Frankfurt ist das neue Flagschiff der Steigenberger-Gruppe.
Das Inercity Hotel Frankfurt ist das neue Flagschiff der Steigenberger-Gruppe.(c) CA Immo

Während Berlin schon gut gebucht ist, gibt es für Entwickler in anderen deutschen Städten noch viel Potenzial.

Ob Thailand, London oder New York: Für sämtliche Spitzentouristendestinationen rund um den Globus sind deutsche Reisende eine besonders wichtige Zielgruppe. Doch während jemand, der in Düsseldorf oder Kiel lebt, wahrscheinlich schon um den halben Globus unterwegs war, zieht seine Heimatstadt deutlich weniger Gäste aus dem Ausland an: Aktuell ist keine einzige deutsche Stadt in den Top Ten der Tourismusdestinationen Europas. So steigt die Zahl der Nächtigungen zwar laut Zahlen des Branchenexperten MRP Hotels seit zehn Jahren kontinuierlich um rund 2,4 Prozent jährlich – unterm Strich erzielt Deutschland derzeit aber lediglich dreimal so viele Übernachtungen wie Österreich.

 

Citytourismus als Zugpferd

Für Investoren und Immobilienentwickler mit Mut zum Risiko sind diese Zahlen aber nicht beängstigend, sondern verlockend: Sie zeigen, dass der Markt noch lange nicht gesättigt ist und hohes Potenzial aufweist. „Der große Trend für die Hotellerie in ganz Europa ist der Citytourismus: Der gesamte Tourismussektor EU-weit ist in den vergangenen Jahren um 15 Prozent gewachsen, der Städtetourismus hingegen um 30 Prozent“, sagt Martin Löcker, der als COO für das operative Geschäft der an der Wiener Börse notierten UBM zuständig ist. Das Unternehmen hat gerade zusammen mit Warimpex seine beiden französischen Hotels verkauft und plant in Deutschland neue Projekte. „Wir sind überzeugt davon, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird und die Nachfrage nach Hotels das Angebot übertreffen wird“, meint Löcker.

 

Zweitstädte boomen

Vor allem nagelneue oder aufwendig renovierte Hotels in deutschen Städten außerhalb von Berlin sind bei Investoren heißt begehrt. Denn in der Hauptstadt sind all jene Brands und Ketten, die beispielsweise in Wien erst vor dem Markteintritt stehen, bereits vertreten und neue Projekte daher Mangelware. Hinzu kommt, dass die Eröffnung des neuen Flughafens praktisch Jahr für Jahr um weitere zwölf Monate verschoben wird, was die Entwicklung bei Auslastung und Zimmerpreisen bremst. Daher gäbe es in Berlin derzeit kaum Hotelimmobilien oder Entwicklungsprojekte zu kaufen, erklärt Olivia Kaussen, Head of Hotels bei CBRE in Deutschland: „Wer in Hotels investieren möchte, muss zwangsläufig in B- und C-Städte ausweichen – und genau das tun die meisten.“ So hat Warimpex sein Hotel in Berlin verkauft, dafür ein Haus in Darmstadt erworben und nach einer umfangreichen Revitalisierung heuer neu auf dem Markt positioniert. „Darmstadt verfügt über eine hohe wirtschaftliche Dynamik und eine hervorragende Infrastruktur im Rhein-Main-Gebiet“, sagt Warimpex-CEO Franz Jurkowitsch. „Der Hotelmarkt ist vielversprechend und von vielen Geschäftsreisenden geprägt. Zu Messeperioden profitiert er stark von einem Overflow der Messe Frankfurt.“

Die CA Immo hat mit NEO München und dem Intercity Hotel Frankfurt jüngst gleich zwei neue Hotels abseits der Hauptstadt eröffnet: Das von Stararchitekt Matteo Thun ausgestattete Frankfurter Haus hat das Intercity Berlin als neues Flaggschiff der Brand der Steigenberger-Hotelgruppe abgelöst, und in München entstand ein Hotel der Marke Hampton by Hilton mit 143 Zimmern.

 

Anleger bringen Milliarden mit

Während die CA Immo ihre Objekte langfristig behalten möchte, verkaufen andere ihre Häuser gerne mit Gewinn weiter: Heuer erwartet CBRE ein Investmentvolumen von vier Milliarden Euro auf dem deutschen Hotelimmobilienmarkt – zum Vergleich: Der gesamte Immobilienmarkt in Österreich ist rund fünf Milliarden Euro schwer. Neben den lokalen Investoren sowie Österreichern zieht es immer mehr große Immobilienfonds und Hotelketten aus dem englischsprachigen und asiatischen Raum nach Deutschland. „Der Hotelmarkt Deutschland wird immer härter, aber er bietet immer noch gute Wachstumschancen“, meint etwa Tom Walsh, Mitbegründer und CEO der irischen Staycity Group, die zur größten mittelständischen Aparthotel-Kette Europas aufsteigen möchte. „Von besonderem Interesse für uns sind Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, München, Köln, Nürnberg, Heidelberg und Berlin.“ Damit Staycity an diesen Standorten neue Hotels eröffnen kann, müssen die Häuser aber erst gebaut werden. Gute Nachrichten für Hotelimmobilienentwickler mit großen Teams in Deutschland: Ihnen wird die Arbeit nicht ausgehen – und sie können weiter zum Urlaub ins Ausland fliegen.

AUF EINEN BLICK

Branchenexperten registrieren in den Metropolregionen Deutschlands eine Abschwächung des Hotelmarktes hinsichtlich der Investitionspotenziale.

Im Gegenzug verweisen sie auf die wachsende Projektpipeline an B- und C-Standorten. In diesem Umfeld sei allerdings die Mikrolage ausschlaggebend, um beispielsweise institutionelle Investoren zu überzeugen, meint Andreas Ewald, Managing Partner der Engel & Völkers Hotel Consulting. Neue Höchstzahlen bei Ankünften und Nächtigungen stimmen die Experten grundsätzlich zuversichtlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2019)