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Ibiza-Video: Festnahmen, Razzien – und Lösegeld?

19 05 2019 IBIZA Villa Ferienhaus Finca Oesterreichs Vizekanzler Heinz Christian STRACH
In dieser Villa auf Ibiza wurde das gleichnamige geheime Video aufgezeichnet. (Archivbild)imago images / Reichwein

Die Produzenten des Videos wurden in Verwahrungshaft genommen. Die Ermittler glauben, dass sie 400.000 Euro für das Material gefordert haben könnten.

Wien. Die Ibiza-Affäre geht weiter: Am Dienstag wurden neuerlich Hausdurchsuchungen an mehreren Standorten in Österreich durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte entsprechende Berichte. Nähere Details wollte eine Sprecherin mit Verweis darauf, dass es sich um eine Verschlusssache handelt, nicht bekannt geben.

Laut Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, kam es am Dienstag auch zu mehreren Festnahmen. Sie bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Dienstagnachmittag liefen offenbar Einvernahmen der Betroffenen im Bundeskriminalamt. Details zu den Festgenommenen nannte die Staatsanwaltschaft nicht. Auch die Internetplattform „EU-Infothek“ berichtete am Dienstag von den Hausdurchsuchungen der „Soko Ibiza“. Sie sollen demnach bei Personen stattgefunden haben, welche zum Teil dem „engeren Kreis“ eines an der Affäre beteiligten Detektivs namens Julian H. zuzurechnen sind. Die insgesamt drei Hausdurchsuchungen sollen in Wien und in Salzburg stattgefunden haben. Gleich mehrere Personen aus H.s Umfeld befanden sich auch am Dienstagabend noch in Verwahrungshaft. Die Staatsanwaltschaft Wien ging nicht von einer Freilassung am selben Tag aus. Details zu den Festgenommenen nannte die Ermittlungsbehörde weiterhin nicht.

Die Verdächtigen

Unter den Verdächtigen sollen sich die Ex-Freundin des Detektivs und ihr Vorgesetzter, Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens, befinden.

Einem Bericht der „Salzburger Nachrichten“ zufolge richtet sich die Festnahmeanordnung gegen drei Schlüsselfiguren in der Causa. Zwei davon sollen in Salzburg wohnen. Es handle sich demnach um einen 39-jährigen Salzburger mit bosnischen Wurzeln und einen 52-jährigen Serben; sie hätten die falsche „Oligarchen-Nichte“, die die damaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus auf Ibiza traf, „rekrutiert und eingeschult“ und Urkunden gefälscht. Sie hätten auch die Aufnahme auf Ibiza organisiert und durchgeführt, um anschließend „potenzielle (Kauf-)Interessenten für die Aufnahmen vom 24. 7. 2017 zu suchen“.

In den „Salzburger Nachrichten“ wurde weiters berichtet, dass die Ermittler offenbar davon ausgehen, dass die Hersteller des Videos Geldforderungen an den ehemaligen FPÖ-Chef Strache stellen wollten. So soll der involvierte Detektiv, Julian H., einen Komplizen aufgefordert haben, „mindestens 400.000 Euro“ für das gesamte Material zu verlangen.

Der Detektiv H.

Wer ist nun Julian H.? Zur Erinnerung: H. ist jener Detektiv, der gemeinsam mit dem Wiener Anwalt M. im Fokus der Ibiza-Affäre steht. Seit 2013 hat er eine Detektei mit Firmenadresse in München.

H. saß mit M. am Tisch, als Johann Gudenus, damals FPÖ-Klubchef, bei einem Essen in der Wiener Innenstadt auf die Fake-Investorin und spätere Video-Hauptdarstellerin traf. H. tauchte später auch im Video selbst auf – als Begleiter der angeblichen Oligarchin. Heuer im August sorgte H. mit einem Prozess für Aufsehen. Ein Bericht über die Ibiza-Affäre bescherte der deutschen Zeitung „Die Zeit“ (vorerst) eine gerichtliche Niederlage. Das Landgericht Berlin untersagte per einstweiliger Verfügung, über das Vorleben jenes Detektivs zu berichten. Stein des Anstoßes war ein umfangreicher Artikel, in dem „Die Zeit“ Anfang Juli die bis dato bekannten Hintergründe des Videos recherchiert hatte. Thematisiert wurde darin unter anderem das Vorleben des Detektivs Julian H.: etwa der mittlerweile entkräftete Vorwurf der Industriespionage oder Jahre zurückliegende Ermittlungen wegen eines Drogendelikts. Dagegen setzte sich der Detektiv vor Gericht zur Wehr.

Die Soko

Die „Soko Ibiza“ des Bundeskriminalamtes ermittelt inzwischen seit Juni. Sie soll die Staatsanwaltschaft unterstützen. Nur selten dringen Details zu aktuellen Entwicklungen durch. Innenminister Wolfgang Peschorn pochte mehrfach auf Diskretion und Anonymität der „Soko“-Mitglieder, weil die Ermittlungen nicht gefährdet werden dürfen.

Allerdings ist auch die Soko selbst nicht ganz unumstritten. Peter Pilz sah sie als Teil eines „schwarzen Netzwerks“. Das wies Peschorn zurück. Eine parlamentarische Anfrage von Pilz dazu ließ Peschorn jedoch vor kurzem unbeantwortet. (APA/red.)

DIE AFFÄRE

Video mit Folgen. Ein auf Ibiza heimlich gefilmtes Video zeigte Heinz-Christian Strache, damals FPÖ-Chef, und seinen Parteikollegen Johann Gudenus, wie sie über mögliche Gegengeschäfte für Parteispenden und Beeinflussung der Öffentlichkeit sprachen. Das Video führte zum Rücktritt Straches, zum Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition und zu Neuwahlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2019)