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EM-Qualifikation

Blamage in Lettland: EM-Casting mit horrendem Ausgang

FUSSBALL-EM-QUALIFIKATION: LETTLAND - OeSTERREICH
APA/ROBERT JAEGER

Österreichs B-Elf wollte sich zum Abschluss der EM-Qualifikation in Lettland für höhere Aufgaben empfehlen, schlitterte stattdessen aber als schlechtere Mannschaft in eine 0:1-Blamage.

Österreichs Fußballnationalmannschaft hat am Dienstagabend mit dem 0:1 in Lettland jegliche Euphorie über die eben erst geglückte EM-Qualifikation im Keim erstickt. Den einzige Treffer des Spiels erzielte der Lette Mārcis Ošs in der 65. Minute.

Schon mit dem 2:1 gegen Nordmazedonien am Samstag hatte sich das österreichische Team von jeglichem Qualifikationsdruck befreit. Sie wird nächsten Sommer zum dritten Mal an einer Europameisterschaft teilnehmen, zum zweiten Mal infolge, das stand schon vor dem missglückten Betriebsausflug nach Riga fest. Das zehnte und letzte Spiel in dieser Qualifikation diente also bereits als erster Testlauf für die Euro.

Teamchef Franco Foda hatte seine Startelf im Vergleich zum Spiel in Wien drei Tage zuvor grundlegend verändert, nur die Leverkusen-Legionäre Aleksandar Dragović und Julian Baumgartlinger waren noch übrig geblieben. Mit Torhüter Pavao Pervan (Wolfsburg) und Flügelspieler Thomas Goiginger (Lask) schenkte Foda zwei Debütanten das Vertrauen, neu im Team waren im Vergleich zur Begegnung mit Nordmazedonien auch Christopher Trimmel, Louis Schaub, Maximilian Wöber, Stefan Posch, Stefan Ilsanker, Michael Gregoritsch und Florian Grillitsch.

Bloß keine Ausreden

Ihnen allen bot sich die Möglichkeit, kräftig Eigenwerbung zu betreiben, die Chancen auf ein persönliches EM-Ticket mit einer starken Leistung zu erhöhen – doch die Mannschaft funktionierte im Kollektiv nicht, versagte. Es fehlte an Tempo und Ideen, das österreichische Spiel war auch viel zu defensiv (zwei Sechser) und zentriert ausgerichtet. Und es fehlte am Willen, diese Partie wirklich an sich zu reißen. Die fußballerische Ehre zu wahren war dem ÖFB-Team offensichtlich nicht Motivation genug. Rang zwei in der Tabelle hinter Polen war bereits vor Anpfiff einzementiert, genauso der Platz in Topf drei im Rahmen der EM-Auslosung am 30. November in Bukarest.

Die Tatsache, dass Österreich gestern über weite Strecken die schlechtere Mannschaft war, sorgte dennoch für Fassungslosigkeit. Die vielen Veränderungen dürfen nicht als Ausrede gelten, auch eine rotweißrote B-Elf muss den Anspruch haben, Lettland, die Nummer 143 (!) der Fifa-Weltrangliste, zu dominieren. Zumal die Balten vor diesem Spiel bei null Punkten und einem Torverhältnis von 2:28 hielten und das ÖFB-Team diesen Gegner im September in Salzburg noch mit 6:0 abgefertigt hatte. Doch Lettland gab nicht nur den ersten Schuss dieses Spiels ab (8.), dem Außenseiter fehlten darauf nur Zentimeter zur Führung: Der Kopfball von Ošs klatschte an die Latte (27.).

Einen ernstzunehmenden Angriff brachte Österreich erst in der 39. Minute zustande, Gregoritschs aber jagte den Ball aus kurzer Distanz über das Tor. Sportdirektor Peter Schöttel erklärte zur Halbzeit: „Wir haben Basics vermissen lassen.“

Die Namen sind Nebensache

Nach Wiederbeginn hatte Österreich zwar mehr Spielanteile, verstand es aber weiterhin nicht, seine Qualitäten auf den Platz zu bringen. In der Offensive war man nicht konsequent genug, in der Defensive teils stümperhaft. So traf Ošs, der sein Geld bei Neuchâtel in der Schweiz verdient, in der 65. Minute zum nicht unverdienten 1:0. In der 76. Minute verhinderte Pervan, der einzige Österreicher mit einer ansprechenden Leistung, noch Schlimmeres. Dass sich der haushohe Favorit schon Weitschüssen wie durch Ilsanker bediente (76.) und gar nicht erst spielerische Lösungen suchte, kam einem Armutszeugnis gleich.

Der Lattenschuss von Gregoritsch (83.) fiel in die Kategorie ausgleichende Gerechtigkeit, die letzte Chance vergab Posch (90.). Dann war die Schmach von Riga perfekt, es war der erste lettische Erfolg nach 17 Spielen ohne Sieg (1:0 gegen Estland). Maximilian Wöber sagte richtig: „Es muss egal sein, wer am Platz steht. Es war genügend Qualität da, um Lettland zu besiegen.“

("Die Presse", Printausgabe 20.11.2019)