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Was Rapid so besonders macht

Was macht den populärsten Fußballverein Österreichs so stark? Worauf muss sich der neue Präsident bei Grün-Weiß einstellen? Wann wird der SCR wieder Meister?

Wien. Rapid ist Österreichs populärster Fußballklub. Für Nostalgiker ist Grün-Weiß das ewige Aushängeschild des österreichischen Fußballs. 32 Meistertitel und 14 Cupsiege thronen über allem. Die tatsächlich vollzogene Wachablöse durch RB Salzburg wird von Fans, Ultras und Funktionären stets negiert, bis wieder ein Saison verloren ist. Da kommen dann alle anderen ins Spiel: Kritiker, Klublegenden, Kolumnenschreiber. Seit 2008 und der letzten Meisterfeier läuft Rapid allen Ansprüchen nur noch hinterher.

Kult, vermeintlich Religion, oder doch nur Missstände, Intrigen, politische Verflechtungen mit der Stadt und sportliche Misserfolge?

An der Spitze all dessen steht, wie bei jedem Verein, Unternehmen oder einer Partei, eine Person. In Österreich, auch bei Rapid, ist es ein Präsident.

Die Wahrheit: Seit elf Jahren erfolglos

In Hütteldorf regiert seit 2013 Michael Krammer. Der Manager, 59, beendete die finanziell klamme Lage des Klubs und politische Note nach Rudolf Edlinger. Er verlieh dem Klub Professionalismus, Rapid baute ein neues Stadion. Es steht für Zukunft und Moderne, es gehört allein dem Klub – für ÖFB-Team oder Cupfinale ist hier kein Platz. Fans und Anrainer sind strikt dagegen.

Was Krammer verwehrt blieb, ist eine Titelfeier. Seit 2008 jubeln immer andere. Der letzte Cupsieg (1995) ist bald 25 Jahre her. Das bleibt Rapids größtes Leid: nur Siege, Pokale und Stars – ob gekauft oder aus dem Nachwuchs spielt im Erfolgsfall keine Rolle – garantieren Ruhe; für einen Augenblick.

Wenn Krammer am kommenden Montag bei der Jahreshauptversammlung das Zepter weiterreichen wird – zur Wahl stehen Martin Bruckner oder Roland Schmid (siehe Interviews unten) – übergibt er nicht nur das Geschick eines Fußballklubs, sondern auch viele Baustellen:

  • Was ist mit der Nachwuchsakademie im Prater? An ihr hängt das Gedeih des Vereins.

  • Können Sportchef Zoran Barisić und Trainer Didi Kühbauer mit Unterstützung rechnen und die Erfolglosigkeit beenden?

  • Muss Geschäftsführer Christoph Peschek um seinen Job bangen?

  • Gibt es mehr Geld bzw. neue Sponsoren für neue Spieler und damit die Chance auf einen Fixplatz in den Top 3 der Bundesliga, der die Türen nach Europa öffnet? Sowie die minimale Option auf den Titel, sollte Salzburg tatsächlich einmal straucheln?

  • Gelingt es, die „Ultras“ – sie votierten in einer Aussendung für Bruckner – auf einen gemeinsamen, neuen Weg einzuschwören?

Fußball ist eine Faszination, ein emotional irrational bewegender Sport. In Hütteldorf aber ist es noch weitaus mehr. Politikum, parasoziales Phänomen, Pulverfass, Posse, Druckmittel, Eskapismus, Freude, Zorn, Einheit – bei Rapid ist der Abpfiff erst der Anfang aller Diskussionen.

Grün-Weiß ist damit eigentlich endlos. Das Universum des österreichischen Fußballs liegt also im Westen Wiens.