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Unwetter

Regen in Kärnten und Salzburg "50-jähriges Ereignis"

++ HANDOUT ++ KAeRNTEN: ERDRUTSCHUNGEN UND MURENABGAeNGE NACH HEFTIGEN NIEDERSCHLAeGEN IM MOeLLTAL
Eine Mure hat eine Straße im Mölltal beschädigt.APA/BUNDESHEER/MARKUS JANSCHE
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Klimatologen haben „ungewöhnlich große Regenmengen"“ verzeichnet. In Kärnten bleibt die Lage weiterhin angespannt. Ein Bub musste mit dem Hubschrauber aus abgeschnittenen Ort geflogen werden.

Die vergangenen Tage haben in Österreich teilweise ein Vielfaches der durchschnittlichen Regenmengen gebracht, vor allem in Kärnten und Salzburg: "Im Bereich von Mallnitz, Obervellach und Bad Gastein sprechen wir von über 50-jährigen Ereignissen", erklärte Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Mittwoch.

"Ungewöhnlich große Regenmengen" seien vor allem am 15., 16. und 17. November verzeichnet worden. In Kötschach-Mauthen seien etwa zwischen 11. und 19. November 381 Liter pro Quadratmeter verzeichnet worden, im bisherigen November betrage die dort verzeichnete Regenmenge bisher mehr als das Doppelte des Durchschnittswerts des gesamten Monats. Während der Klimatologe den Starkregen in Kötschach-Mauthen als "zehn- bis 15-jähriges Ereignis" charakterisierte, sei die Situation in den Spitzentagen im Bereich der Hohen Tauern noch deutlich dramatischer gewesen.

In den kommenden Tagen bleibe das Wetter unbeständig und überdurchschnittlich warm. Große Regenmengen sind nicht zu erwarten. In Kärnten und Osttirol dürfte es laut Orlik allerdings heute weitere, jedoch nur leichte Niederschläge geben. Was dies für die durchfeuchteten und von Rutschungen betroffenen oder bedrohten Lagen bedeutet, hänge von der jeweiligen geologischen Situation ab.

Bub aus abgeschnittenen Ort geflogen

Die Situation nach den schweren Unwettern hat sich in Kärnten am Mittwoch nur teilweise beruhigt. Während die Gefahr in den Hochwassergebieten im Bezirk St. Veit vorüber war und die mobilen Dämme abgebaut wurden, blieb die Lage in Teilen der Bezirke Spittal an der Drau und Villach-Land angespannt. Zudem gab es noch zahlreiche Sperren und Verkehrsbehinderungen. So musste ein zweijähriger Bub aus der von der Außenwelt abgeschnittenen Gemeinde Mallnitz (Bezirk Spittal an der Drau) ausgeflogen worden. Wie das Bezirksfeuerwehrkommando Spittal mitteilte, war der Bub mit seiner Mutter seit Tagen in der Gemeinde eingeschlossen - er benötigte dringend Medikamente, die nur in Villach vorrätig sind.

Straßensperren gab es weiterhin vor allem in den westlichen Landesteilen, dort waren auch die Bahnstrecken betroffen. Die Tauernautobahn (A10) war in Richtung Villach zwischen der Raststätte Feistritz und dem Parkplatz Töplitsch wegen Murengefahr nur einspurig befahrbar.

Der Zivilschutzalarm in Flattach und Berg im Drautal werde wohl weiter aufrecht bleiben, sagte Klaus Brandner, Bezirkshauptmann von Spittal an der Drau, am Mittwochvormittag.. "Es gibt ein bisschen Beruhigung, aber fertig ist natürlich gar nichts. Die Lage ist immer noch angespannt." Am Südportal der Tauernschleuse sollen nun Lawinen weggesprengt werden. In Flattach blieben weiter mehrere Gehöfte evakuiert. Unter anderem arbeite man auch daran, die Straße in die Ortschaft Berg bei Malta wieder befahrbar zu machen.

++ HANDOUT ++ KAeRNTEN: AUFRAeUMARBEITEN NACH ERDRUTSCHUNGEN UND MURENABGAeNGEN IM MOeLLTAL
Pioniere des Bundesheers bei Aufräumarbeiten.APA/BUNDESHEER/CHRISTIAN DEBELAK

Die Pioniere des Bundesheeres werden am Mittwoch für Arbeiten eingesetzt. So müsse ein Felsbrocken oberhalb der Ortschaft Feld am See weggesprengt werden. "Die Pioniere werden sich das anschauen. Bis der Geologe Entwarnung gibt, werde wohl auch dort der Zivilschutzalarm aufrecht bleiben. Rund 50 Menschen in der Gemeinde dürfen nach wie vor nicht in ihre Häuser. In der Ortschaft Hinterrauth drohten weiterhin Murenabgänge. Außerdem fliegen fünf Bundesheerhubschrauber Einsätze in Kärnten, wie Pressesprecher Christoph Hofmeister sagte. Neben Versorgungs-, Transport- und Aufklärungsflügen wurden die Hubschrauber weiter auch dafür eingesetzt, um mit dem Abwind der Rotorblätter Schnee von den Bäumen zu blasen, damit diese unter der Last nicht umknicken.

Der Stromversorger Kelag meldete, dass am Vormittag in Kärtnen noch rund 200 Haushalte ohne Stromversorgung waren. Die betroffenen Gebiete waren das Mölltal, das Lesachtal und das Gurktal, wo das Hochwasser der vergangenen Tage einen Strommasten weggerissen hat.

Regierung sagt rasche Hilfe zu

Die Bundesregierung hat sich am Mittwoch für schnelle Hilfe der Unwettergeschädigten mittels Katastrophenfonds ausgesprochen. Schnee- und Regenfälle führten in Teilen Österreichs zu massiven Schäden. "Großer Dank gilt allen Hilfskräften, die derzeit in Osttirol, Oberkärnten, Salzburg und Nordtirol aufgrund der extremen Wettersituation im Einsatz sind", sagte Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

"Derzeit müssen Gemeinden die Mittel aus dem Katastrophenfonds aus eigenen Mitteln verdoppeln", kritisierte hingegen SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Die Auszahlung des Geldes dauere oft ein Jahr. Die Bundesregierung solle sich dafür einsetzen, dass der Anteil des Bundes im Katastrophenfonds erhöht wird - und dass das Geld schneller an die Gemeinden ausgezahlt wird.

Weiters sei eine Sonderdotierung für Straßenschäden im Katastrophenfonds nötig, damit der Verkehr rasch wieder fließen könne. Angesichts des Klimawandels sei mit häufigeren Unwetterkatastrophen zu rechnen, daher brauche es im Sinne der Prävention mehr Hochwasserschutz und Lawinenverbauung für die betroffenen Regionen. "Das sollte der Bund hoch auf der Agenda haben", forderte Rendi-Wagner.