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Amanshausers Album

Buddhistische Ruhe

Martin Amanshauser

123. In Bhutan sind Reiseleiter vom Staat vorgegeben. Nima macht den Job und hat einen Plan.

Duptho Nima, 33, hat Pech. Immer, wenn er mit seiner Reisegruppe einen Tempel betritt, auf die Knie geht und zu beten beginnt, ruft sein Chef an. Duptho Nima greift tief in die Kängurutasche seines Ghos, des traditionellen Gewands Bhutans, und würgt den Klingelton "Don t Worry, Be Happy" ab. Er wird später zurückrufen.

Zwei Jahre in Saarbrücken haben sein Deutsch perfektioniert. Beim Fremdenführer-Examen hat er mit 89 Prozent besser als die meisten anderen abgeschnitten. Die Touren macht er vorwiegend für einen österreichischen Veranstalter. Seine Kunden nennen ihn nur Nima. Seine beiden Namen hat er, wie jeder Einheimische in diesem nach-namenlosen Himalaya-Staat, als Baby im Tempel von Mönchen erhalten. Sie
haben sich bewährt, er ist zufrieden mit ihnen.

Nima stammt aus der Provinz, aus Ostbhutan. Mit Frau und zwei kleinen Töchtern lebt er inzwischen in der Hauptstadt Thimphu. "Vor allem die Miete hier ist teuer", seufzt er, "meine Frau verdient als Weberin dazu, sie fabriziert auch meine Ghos." Seine Einkünfte während der dreimonatigen Saison bringen ihn durchs Jahr. "Manchmal reicht das Geld aus. Manchmal nicht." Rücklagen kann er keine bilden.

"In den freien Mo- naten bringe ich die Kinder in den Kindergarten, halte Mittagsschlaf, spiele Bogenschießen es gibt immer eine Menge zu tun!" Nima selbst bezeichnet sich scherzend als "Apa" als alten Mann, der man in Bhutan ab 30 ist, immerhin ist er noch kein "Meme", erklärt er, kein Uralter, denn diesen Status erreicht man erst ab 45.

Seinen Lebensweg sieht Nima mit buddhistischer Ruhe: "Ich arbeite noch zehn Jahre als Reiseleiter. Dann möchte ich fünf Jahre in meinem Geburtsort als Bauer leben, frisches Gemüse vor meinem Haus pflanzen, auf dem Feld arbeiten, ich kaufe eine Kuh, melke sie, trinke die frische Milch, das ist der Plan." Nach dieser Phase möchte er sich zurückziehen vom Weltlichen. "Ich werde oft in den Tempel gehen, werde beten, Pilgerreisen unternehmen mich eben aufs nächste Leben vorbereiten, so gut ich kann." Als er das sagt, läutet wieder das Handy. Don't Worry, Be Happy.