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Grünes Gas schlägt Wind- und Solarkraft

Am besten schneiden größere Biogasanlagen ab.
Am besten schneiden größere Biogasanlagen bei den Vermeidungskosten für CO2 ab.REUTERS

Vermeidungskosten für Tonne CO2 berechnet.

Wien. In elf Jahren wird abgerechnet. Bis 2030 muss Österreich noch 15,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen, will das Land milliardenschwere Strafzahlungen vermeiden. Beim derzeitigen Tempo ist allerdings bestenfalls ein Drittel des Weges machbar. Es wird also mehr brauchen als Ökostromkraftwerke und ein paar mehr Elektroautos auf der Straße. Denn diese Hoffnungsträger haben noch große Haken.

Der erhoffte Umstieg auf Elektrofahrzeuge bringe Österreich strategisch nicht weiter, sagt Christian Helmenstein vom Economica Institut. Das Land tausche nur seine bisherige Abhängigkeit von den Rohstoffen der Ölstaaten im Nahen Osten gegen die Abhängigkeit von China, dem Quasimonopolisten bei seltenen Erden, einem wichtigen Bestandteil bei E-Autos. Und Solar- und Windenergie seien lang nicht so billig, wie oft behauptet werde.

Da die Energiewende aber auch ein ökonomischer Kraftakt werde, hat Helmenstein erstmals gemeinsam mit der WU berechnet, wie teuer es ist, in Österreich eine Tonne CO2 mit unterschiedlichen Technologien zu vermeiden. Das Ergebnis: Die Windenergie kommt (inklusive aller externen Kosten wie etwa der Bereitstellung von Reservekapazitäten) auf 106,50 Euro, Fotovoltaik benötigt 96,30 Euro, um eine Tonne CO2 einzusparen. Am besten schneiden mit 60,20 Euro größere Biogasanlagen ab. „Das Potenzial ist da, um Österreich bis 2050 von fossilen auf erneuerbare Gase umzustellen“, sagt Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme, der die Studie in Auftrag gegeben hat. Noch werde grünes Gas vor dem Gesetz benachteiligt, klagt er und fordert dasselbe Förderregime, das auch für Ökostromanlagen gelten soll. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2019)