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Ausgebrannter Tesla stellt Entsorgungswirtschaft vor Rätsel

Der ausgebrannte Tesla
Der ausgebrannte Tesla(c) Screenshot: ORF-Tv-Thek, Aktuell in Österreich

Es dauerte Wochen, bis ein nach einem Unfall in Tirol ausgebranntes Elektroauto fachgerecht entsorgt werden konnte. Der Grund: beschädigte Lithium-Batterien sind hochgefährlich.

Saubermacher-Chef Hans Roth, der Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), hat bereits mehrmals auf die wachsenden Probleme mit Lithium-Ionen-Batterien hingewiesen. Sie können aufgrund der hohen Energiedichte bei Beschädigung, Überladung oder starker Erwärmung in  Brand geraten. Weil Lithium-Ionen-Batterien  vermehrt zum Einsatz kommen bzw. fälschlicherweise im Restmüll entsorgt werden, vermelden Recyclingbetriebe fast wöchentlich Brände, die nicht nur zu einem enormen Sachschaden, sondern auch zu Schwerverletzten führen. „Diese Situation ist untragbar“, ärgert sich Roth. "Batterien aller Art dürfen keinesfalls in der Restmüll-Tonne landen, sondern müssen im Handel oder beim Abfallsammelzentrum abgegeben werden."

Wie brandgefährlich Lithium-Batterien sind, brachte Roth am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erneut zur Sprache. Weil das kein lokales, sondern ein globales Thema ist, meldten sich dabei auch der Präsident der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, Peter Kurth, und Experten der Feuerwehr und der Montan-Uni Leoben zur Wort.

Über einen konkreten Anlassfall, der in Tirol für Schlagzeilen sorgte, berichtete sogar der ORF. Vor sechs Wochen war nach einem Autounfall der 600 Kilogramm schwere Akku eines Telsa-Elektroautos in Brand geraten. Der Wagen musste von der Feuerwehr durch ein dreitägiges Bad in einem Wassercontainer gelöscht werden. Dann stand er wochenlang auf dem Geländes des Abschleppdienstes Greiderer, weil sich kein Entsorgungsbetrieb in der Lage sah, den Tesla mit dem zerstörten Akku fachgerecht zu zerlegen. Was für zusätzlichen Unmut sorgte: Obwohl Autohersteller gesetzlich dazu verpflichtet sind, sich um die Entsorgung ihrer Fahrzeuge zu kümmern, kümmerte sich bei Tesla lange niemand um das gefährliche Wrack in Tirol. Erst vor wenigen Tagen kamen Techniker von Tesla, um den beschädigten Lithium-Akku zu entfernen.

Pfand für Lithium-Batterien?

Die Entsorgung beschädigter Lithium-Batterien aus E-Autos ist eine Seite des Problems, die andere: Rund 1,4 Millionen Lithium-Batterien, wie sie sich etwa in blinkenden Kinderschuhen, Tablets, Stabmixern, singenden Grußkarten oder Gartengeräten befinden, landen jährlich im Restmüll.  Laut einer Studie, die im Auftrag des VOEB durchgeführt wurde, weiß nur jeder dritter Österreicher, dass  Lithium-Batterien hochexplosiv und brandgefährlich sind. Die Montanuniversität Leoben warnt vor einer Verdoppelung von derzeit auf 2,8 Millionen Lithium-Batterien im Restmüll.

VOEB-Präsident Roth: „Lithium-Batterien sind die größte Herausforderung der Branche in den letzten 40 Jahren. Wir wissen von Entsorgungsbetrieben, in denen sie für 95 Prozent der Störfälle verantwortlich sind. Wir haben verletzte Mitarbeiter zu beklagen, der Sachschaden ist enorm. Das kann so nicht weitergehen. Wenn die Batterie-Sammelquote nicht zumindest auf 75 Prozent erhöht wird, wird kein Weg an einem Pfand vorbeiführen.“ 

Pfand auf Batterien wird von der deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) schon seit langem gefordert.   Ergänzend dazu sollen Elektro- und Elektronikgeräte von den Herstellern so konzipiert werden, dass Batterien durch den Endnutzer ausbaubar sind. Neben einer verpflichtenden, einheitlichen Kennzeichnung von Geräten mit Lithium-Batterien sollten aber auch die Verbraucher besser informiert werden sowie finanzielle Anreize für die Sammlung festgelegt werden. BDE-Präsident Kurth: „Die Lage ist dramatisch. Wir können und wollen nicht zusehen, bis wir bei Brandfällen Tote und Schwerverletzte beklagen müssen.“ 

(Red.)