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Konzernstrategie

Semperit stellt die Medizinsparte auf den Prüfstand

Das Geschäft mit Operationshandschuhen war früher die wichtigste Einnahmequelle des Gummikonzerns Semperit. Doch das Wettbewerbsumfeld hat sich signifikant verschärft. Jetzt ist sogar der Verkauf der Medizinsparte eine mögliche Option.

Der Markt für wegwerfbare Medizinhandschuhe soll einer Studie des Global Industry Analyst zufolge bis 2025 auf 8,7 Milliarden Dollar  wachsen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund zehn Prozent. Der Gummikonzern Semperit ist in diesem Geschäft mit der Sparte Sempermed zwar gut vertreten - sie bringt ein Drittel des Gesamtumsatzes - doch die goldenen Jahre sind längst vorbei. Die Konkurrenz aus Asien wird immer mächtiger, der Preisdruck in der Folge immer größer. Im Vorjahr musste Semperit eine Abschreibung in Höhe von 55 Millionen Euro vornehmen, das war doppelt so viel wie im Jahr 2017. Für heuer wurde bereits ein neuerlicher, wesentlicher Wertminderungsbedarf in Aussicht gestellt. Die genaue Höhe wurde am Donnerstag bei  Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen nicht beziffert. Doch Semperit-Chef Martin Füllenbach ist offenbar bereit, einen Schritt weiter zu gehen. Er kündigte an, dass strategische Optionen für den Sektor Medizin geprüft werden. Das heißt im Klartext, dass selbst der Verkauf der Handschuh-Sparte kein Tabu mehr ist.

Eine Option wäre die Fortführung mit erhöhten Investitionen, sagte eine Konzernsprecherin. Das hieße Modernisierungen und einen Ausbau der Kapazitäten. Eine andere wäre die Hereinnahme eines Partners.

In der Medizinsparte (Sempermed) geht es vor allem um das Geschäft mit Untersuchungshandschuhen (die in Malaysia hergestellt werden) sowie OP-Handschuhen (Produktion in Wimpassing). In dieser Sparte mit rund 3000 Beschäftigten (davon rund 100 in Österreich)  ging der Umsatz in den ersten drei Quartalen 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,9 Prozent auf 226 Millionen Euro zurück. Die Restrukturierungsmaßnahmen führten dazu, dass die Profitabilität erneut gesteigert werden konnte. Das Ebitda drehte nach einem negativen ersten Halbjahr erstmals wieder ins Positive drehte: Es lag in den ersten drei Quartalen bei 1,5 Millionen Euro nach -0,8 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Verringerung des Umsatzes im Sektor Medizin beruht vorwiegend auf einem Rückgang der abgesetzten Mengen. Die Geschäftsentwicklung war durch die strategische Entscheidung zur verstärkten Eigenproduktion anstelle von Handelsware und einen sich fortsetzenden Trend zu Nitrilhandschuhen gekennzeichnet. „Die Auftragslage gerät zunehmend unter Druck, da aufgrund der schwierigen Markt- und Preissituation einige wesentliche Kunden ihre Lagerbestände optimieren oder die Lieferantenbasis erweitern“, berichtete Semperit.

Die Geschäftsentwicklung im Sektor Industrie (426,2 Millionen Euro Umsatz, minus 1,5 Prozent) verlief erneut unterschiedlich. Während bei Semperflex und Semperform nur eine geringfügigere Reduktion des Umsatzes zu verzeichnen war, fiel bei Sempertrans der Umsatzrückgang vor allem aufgrund des Paradigmenwechsels von einer Volumensstrategie hin zu einem differenzierten Kunden-/Produktansatz höher aus. Die Profitabilität konnte durch die positiven Effekte der Initiativen aus dem Restrukturierung- und Transformationsprogramm in den Segmenten des Sektors Industrie durchgehend gesteigert werden.

Für die ersten neun Monate meldete die Semperit Holding im Konzern einen Umsatzrückgang um 2,7 Prozent auf 652,2 Millionen Euro. Das Konzern-Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) stieg um 23,1 Prozent auf 56,4 Millionen Euro. Es wurden wie angekündigt anstelle des Quartalsberichts verkürzt vorläufige Zahlen auf Ebtida-Ebene genannt. Der vollständige Konzernzwischenbericht wird präsentiert, wenn ein etwaiger Wertminderungsbedarf bei Sempermed feststeht.

 

(red)