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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Der Preis, den Sie für Ihre Führungsaufgabe zahlen

Kolumne "Hirt on Management": Folge 112. „There is no such thing as a free lunch.“

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ schreibt Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen über herausfordernde Situationen und kritische Entscheidungen für Manager.

„There is no such thing as a free lunch.“ sagt eine alte Weisheit. Wir zahlen für alles einen Preis.

Wenn wir Führungsaufgaben anstreben, insbesondere die an der Spitze von Unternehmen, dann sollten wir uns vorher erst einmal klarmachen, ob wir bereit sind, den erforderlichen persönlichen Preis dafür zu bezahlen.

Wenn wir nämlich nur die Vorteile einer Spitzenposition in einem Unternehmen sehen, also hohes Einkommen, Status, Corporate Jet usw., dann haben wir wirklich nur die Hälfte der Gleichung verstanden.

Hier, aus meiner Executive Coaching-Praxis, ein paar der Herausforderungen, die an der Spitze von Unternehmen auf Sie zukommen:

Die schwierigsten Entscheidungen bleiben bei Ihnen hängen.

Sie tragen als CEO die Letztverantwortung. Zu Ihnen kommen nur Entscheidungen, die auf den Ebenen weiter unten nicht getroffen werden können („The buck stops here.“). Damit bleiben Entscheidungen übrig, die schwierige und heikle Abwägungen erfordern und weitreichende Konsequenzen haben.

Andere dürfen unreif sein, Sie aber nicht

Sie sind laufend mit den Unzulänglichkeiten, Fehlern und Befindlichkeiten der anderen konfrontiert, Ihnen selber wird aber nicht zugestanden Fehler machen zu dürfen.

Im Gegenteil, von Ihnen wird erwartet, dass Sie Ihr Ego und Ihre Befindlichkeiten unter Kontrolle haben und sogar noch die Unzulänglichkeiten, Fehler und Befindlichkeiten der anderen, also z.B. Ihrer Vorstandskollegen, Aufsichtsratsmitglieder, Investoren und Mitarbeiter intelligent und konstruktiv handhaben.

Sie werden auch persönlich schwierige Entscheidungen treffen müssen

Zum Beispiel sich von einem langgedienten Mitarbeiter oder Vorstandskollegen zu trennen, der vielleicht in der Zwischenzeit ein persönlicher Freund geworden ist.

Oder einen Unternehmensteil zu verkaufen, um das Ganze zu retten, mit dem Sie sich aber auch von hunderten loyalen Mitarbeitern, die sich auf Sie verlassen haben und über Jahrzehnte loyal waren, trennen.

Die nächste Krise kommt bestimmt

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum, sagen wir 15-20 Jahre, die Verantwortung an der Spitze eines Unternehmens tragen, dann können Sie davon ausgehen, dass Sie mindestens ein bis zwei existenzbedrohende Krisen durchmachen werden.

Wenn dann alle in die Deckung springen oder panisch durch die Gegend laufen, sind Sie als CEO gefordert, die Nerven zu bewahren und die Situation zu meistern.

Sie können mit keinem ehrlich sprechen

Sie haben niemanden mehr, mit dem Sie offen und ehrlich reden können. Versuchen Sie mal Ihre Sorgen und Unsicherheiten mit Ihren Aufsichtsratsmitgliedern, Investoren, Vorstandskollegen oder Mitarbeitern zu besprechen.

Normalerweise keine gute Idee, weil diese immer auch Rivalen bzw. Konkurrenten sind, bzw. Ihre Mitarbeiter von Ihnen Führung erwarten und nicht Unsicherheit.

Es ist auch sehr riskant, Ihren Lebenspartner mit all diesen Fragen und Zweifeln zu belasten.

Erstens, weil ihr Lebenspartner vielleicht auch von Ihnen Führung und Verantwortung, und nicht Unsicherheit und Instabilität, erwartet.

Zweitens, weil Ihre Beziehung keine geschäftliche Partnerschaft, sondern eine emotionale und romantische Lebensgemeinschaft sein sollte und das dauernde Wälzen von geschäftlichen Problemen hier belastend wirkt.

Das lässt Sie kalt?

Wenn Sie sich jetzt denken, „diese ganzen Dilemmas und Abwägungen lassen mich kalt“, dann sind Sie paradoxerweise für die CEO-Rolle möglicherweise gar nicht geeignet, denn dann fehlt Ihnen die menschliche und authentische Dimension, die eine hochwirksame Führungskraft an der Spitze ausmacht.

Das Wichtigste in Kürze

Wenn wir Führungsaufgaben anstreben, insbesondere die an der Spitze von Unternehmen, dann sollten wir uns vorher erst einmal klarmachen, ob wir bereit sind, den erforderlichen persönlichen Preis dafür zu bezahlen.

In der nächsten Kolumne geht es darum, wie Sie mit Kollegen umgehen, die emotional außer Kontrolle sind, mit denen Sie aber trotzdem zusammen arbeiten müssen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com
Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 5. Dezember 2019 zum Thema: Umgang mit Kollegen, die emotional außer Kontrolle sind.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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