Zum Kaviar den Sekt: Kattus ­wurde zum k. u. k. Hoflieferanten.
Geschichte

Sekt betritt die Bühne

Sekt war nie bloß ein Getränk, sondern auch Luxusgut, Festbestandteil – und Katalysator in historischen Momenten.

„Brüder, kommt, ich trinke Sterne“: Dieser Ausspruch wird Dom Pérignon zugeschrieben, dem Benediktinermönch, der im 17.  Jahrhundert den Champagner zwar nicht erfunden, aber maßgeblich verbessert hat. Es sollte aber noch etwas Zeit vergehen, bis das prickelnde Getränk zu dem Luxusgut geworden ist, als das es bis heute gilt. Bekanntheit und Verbreitung erlangt hat Schaumwein durch den Wiener Kongress 1814/1815. Hier traf sich alles, was in Europa Rang und Namen hatte, da es nach der Niederlage Napoleons um nichts Geringeres als die Neuordnung Europas ging. Es war der erste wirklich große, internationale Kongress. Und da man schließlich nicht Tag und Nacht tagen und verhandeln konnte und man sich in Wien befand, gab es zahllose Bälle, Bankette, Veranstaltungen und Diners, was letztlich den Fürsten von Ligne zum Ausspruch verleitete: „Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts.“ Selbstverständlich wurde nicht nur getanzt – sondern viel mehr gegessen und getrunken: in erster Linie Champagner. Dieser hat die Trinkgewohnheiten der gehobenen Gesellschaft verändert, überdies hob er sich vom Weinkonsum des gewöhnlichen Volks ab. Was letztlich dazu beigetragen hat, Schaumwein zum Getränk besonderer Anlässe zu machen. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, entstanden bereits in den 1820er-Jahren Sektfabriken in der Monarchie, allein in Wien existierten fünf, im nahen Pressburg vier, die es heute alle nicht mehr gibt.