Schnellauswahl
Standort

Wien auf dem Weg zur Smart City

ARCHIVBILD: WIENER U-BAHN-LINIE U6
Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs hat inWien oberste Priorität.(c) APA/ SCHNEIDER
  • Drucken
  • Kommentieren

Wien und Niederösterreich erwirtschaften die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Wiens Bürgermeister, Michael Ludwig (SPÖ), fordert deshalb eine engere Zusammenarbeit.

Im heurigen Jahr wurde Wien bereits zum zehnten Mal zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Das internationale Beratungsunternehmen Mercer führt jährlich eine Studie zur Bewertung der Lebensqualität in 231 Metropolen durch. Politisches, soziales und ökonomisches Klima, medizinische Versorgung, Ausbildungsmöglichkeiten, Strom- und Wasserversorgung, Umweltbedingungen, infrastrukturelle Voraussetzungen und Freizeitangebote fließen in die Bewertung mit ein. Als Spitzenreiter des Rankings zieht die Stadt viele Unternehmen an: 220 Headquarters internationaler Unternehmen befinden sich in Wien, im Vorjahr haben sich zudem 221 Betriebe hier angesiedelt.

Wien kann bereits gute Voraussetzungen für eine Smart City vorweisen. Dazu gehört der soziale Wohnbau mit mehr als 400.000 Wohnungen aus Gemeindebau und gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften. Weiters ist die Stadt für ihr gutes Trinkwasser bekannt: „Es ist für eine Großstadt von einzigartiger Qualität – seit mehr als 100 Jahren. Allein in das Wiener Rohrnetz werden jährlich 30 Millionen Euro investiert, um die Qualität auch weiter zu halten“, heißt es im Strategiepapier.

Das neue Konzept „Smart City Wien“ ist eine langfristige Dachstrategie, die Handlungs- und Koordinationsmechanismen von Politik und Verwaltung bis 2050 umfasst. Die Umsetzung erfolgt mit zeitlich gestaffelten konkreten Zielen und unterliegt laut dem Bürgermeister einer „permanenten Kontrolle“. In der Strategie sind folgende Prämissen definiert: radikale Ressourcenschonung, Entwicklung und produktiver Einsatz von neuen Technologien und hohe, sozial ausgewogene Lebensqualität. So soll garantiert werden, dass Wien weiterhin so lebenswert bleibt — das ist auch das Leitziel für 2050. Was die Nachhaltigkeit betrifft, führt Wien 2020 ein Klimabudget ein. Die Pro-Kopf-Emissionen sollen unter anderem durch ein stärker ausgebautes Verkehrsnetz bis 2030 um 50 Prozent und bis 2050 um 85 Prozent sinken.

Auch in der weniger langfristigen Strategie „Wien 2030 – Wirtschaft & Innovation“ geht es darum, globale Herausforderungen wie die Klimakrise zu meistern. Unter der Leitung von Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke hat sich der Vienna Economic Council — dazu gehören Sozialpartner ebenso wie Vertreter aus Forschung und Unternehmen — darangesetzt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt ressourcenschonend sichern und gleichzeitig die Bedürfnisse der Menschen erfüllen. „Damit das Wirtschaftswachstum in der Ostregion und in Wien anhält, ist der Ausbau der Infrastruktur wichtig, etwa der Infrastrukturausbau wie die dritte Piste auf dem Flughafen Wien-Schwechat oder der Ausbau des öffentlichen Verkehrs“, heißt es. Ludwig betont, dass eine erweiterte Infrastruktur auch neue Arbeitsplätze schaffe. Für die Grünen ist der Ausbau des Flughafens dagegen ein Widerspruch zum Klimaschutz, sie fordern stattdessen die Fokussierung auf Bahnschienen.

Mit dem AMS Wien kreierte die Stadt im September die „Joboffensive 50 plus“ — für über 50-jährige Langzeitarbeitslose. Durch die Initiative fanden über 230 Wiener eine Arbeit — großteils in gemeinnützigen Einrichtungen, die mit der Stadt kooperieren, aber auch bei der Gemeinde Wien und in der Privatwirtschaft. „Trotz sinkender Arbeitslosigkeit in Wien ist die Anzahl älterer Arbeitsuchender auch im vergangenen Monat leicht angestiegen. Wir sehen daher, wie wichtig die Joboffensive ist. Ich hoffe sehr, dass sich auch die künftige Bundesregierung dessen bewusst sein wird“, sagt Hanke.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2019)