Expeditionsschiffe müssen nicht bloß funktionell sein: Auf der Hanseatic Inspiration gibt es drei Restaurants, größere Kabinen und Suiten. Zudem viel Wissensvermittlung.
Kreuzfahrt

Gebaut für Eismeer und Tropenfluss

Die Hanseatic Inspiration ist das zweite von drei neuen Schiffen, die Forschergeist und Exklusivität an Bord vereinen. Frisch getauft hat es kürzlich den Hamburger Hafen verlassen, um die Welt zu erkunden. Vor allem die polare.

Die See ist ruhig, mit rund 15 Knoten (rund 28 km/h) bewegt sich die funkelnagelneue Hanseatic Inspiration in Richtung Atlantik. An Bord befinden sich etwas mehr als 200 Passagiere und knapp 175 Crewmitglieder. Die Inspiration ist, wie schon ihr Schwesternschiff, die Hanseatic Nature, auf dem neuesten Stand der Technik. 2021 wird noch ein drittes Schiff, die Hanseatic Spirit, die neue Expeditionsflotte von Hapag-Lloyd Cruises und der TUI Group komplettieren – und damit der Nachfrage nach exklusiven Kreuzfahrten auf kleinen, modernen Schiffen in extreme Klimazonen nachkommen. Ein Segment, das ein großes Stammpublikum verzeichnet.

Eine Kabine mit Panoramafenster.
Eine Kabine mit Panoramafenster.(c) Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa (Christian Wyrwa)

Expeditionserlebnis

Es ist schon fast skurril, sich vorzustellen, in der Sauna zu sitzen und dabei Eisberge und -schollen beim Herumtreiben im Meer zu beobachten. Doch mit etwas Glück passiert auf einer Fahrt mit der Inspiration genau das. Vom Spa und vom Laufband im Fitnessbereich aus können die Gäste auf die Wellen schauen oder im Pool mit Gegenstromanlage „über“ dem Meerwasser schwimmen. Und vom gläsernen Balkon auf Deck Nummer acht lassen sich vielleicht einige Meeresbewohner in nächster Nähe entdecken.

Das Expeditionserlebnis auf der Inspiration wird von vielem bestimmt – vom interessanten Routing in Richtung und quer durch Arktis und Antarktis, aber auch durch die Erfahrung der mitreisenden Experten – Biologen, Geologen und Historiker. Zu verschiedenen Themen, abgestimmt auf die örtlichen Begebenheiten, halten sie Vorträge und Workshops an Bord und begleiten Wanderungen an Land. Ein Highlight ist da beispielsweise eine Zeltnacht in der Antarktis (sofern es das Wetter zulässt). 17 Zodiacs bringen die Passagiere ganz nah an Felsen, Eis oder den Regenwald heran (die Expeditionsflotte ist auch auf dem Amazonas unterwegs). Wo interessierte Passagiere vielleicht sogar Gesteinsproben nehmen könnten, um sie später in der „Ocean Academy“ an Bord unter dem Mikroskop genauer zu betrachten. „Viele der Passagiere entdecken auf dem Schiff ihren Forschergeist wieder und verbringen Stunden damit, ihr Wissen über die Natur zu erweitern“, erklärt der Geologe Hajo Lauenstein, der mit all seiner Expertise immer zur Seite steht. Der Rahmen für Wissensvermittlung ist groß, auch in zeitlicher Hinsicht: Eine Antarktisfahrt dauert schon einmal rund 20 Tage, und es gibt kein lautes Entertainment. Klavierbegleitung in der Lounge oder Vorträge bilden die Ausnahme. Es wird gut gegessen und viel gesehen entlang der Küsten und Ufer. Gäste schätzen diese Unaufgeregtheit.

Eines der drei Restaurants an Board.
Eines der drei Restaurants an Board.(c) Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa (Christian Wyrwa)

 

Fernglas und Frischgemüse

Da das Schiff großzügig gebaut ist, bieten die Kabinen viel Komfort, der Großteil verfügt über einen Balkon. Dort, wo der Außenbereich fehlt, gibt es Panoramafenster vom Boden bis zu Decke, die ebenfalls eine große Aussicht bieten. Suiten mit mehreren Räumen haben bis zu 70 Quadratmeter, eine frei stehende Badewanne mit Blick zum Horizont. Jede Kabine oder Suite ist mit einem Fernglas und Nordic-Walking-Stöcken, einem Wanderrucksack und wetterfesten Parkas bestückt. Die Gäste können mit kleinerem Gepäck anreisen, selbst wenn es in polare oder tropische Gefilde geht.

Das Interiordesign orientiert sich an der Natur, dies spiegelt sich sowohl in einer kleinen Kunstsammlung als auch in der Auswahl der Stoffe, Farben und Formen wider. Neben den Exkursionen an Land und der Wissensvermittlung liegt ein Hauptaugenmerk des neuen Schiffs auf der kulinarischen Versorgung der Gäste. Positiv hebt sich die großzügige Raumgestaltung der zwei Hauptrestaurants hervor. Sie bieten zusammen Platz für fast 400 Gäste, obwohl sich maximal nur 230 an Bord befinden. Buffetstaus oder Wartezeiten auf einen Tisch sind damit schon einmal ausgeschlossen. Für besondere Abende kann auch ein Tisch im Spezialitätenrestaurant (mit japanisch-peruanischen Einflüssen) reserviert werden, was Abwechslung im kleinen, 44 Sitzplätze umfassenden Rahmen bietet.

Die Kulinarik an Bord ist vielfältig. Für Hotelmanager Johann Schrempf ist es aber auch eine Herausforderung, selbst auf einer dreiwöchigen Fahrt noch frisches Gemüse parat zu haben. „Die kleinen Schiffe haben den Vorteil, dass wir auch regional einkaufen können, je nachdem, wo wir uns gerade befinden“, erklärt er. Anders wäre der gehobene Standard nicht leicht zu bewerkstelligen.

Stilvoll den Tag ausklingen lassen.
Stilvoll den Tag ausklingen lassen.(c) Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa (Christian Wyrwa)

Neue Standards

Vor der ersten Reise hat Kapitän Ulf Wolter die Leistung des Schiffs auf „Herz und Nieren“ geprüft und zeigt sich begeistert: „Die Inspiration ist wendig, stark und für extreme Regionen einsatzbereit.“ Sprich: Das Schiff verfügt über die höchste Eisklasse für Passagierschiffe (PC6) und erfüllt neue Umweltstandards, indem es etwa Landstrom nutzt.

Auf allen Expeditionsschiffen von Hapag-Lloyd Cruises wird bis Sommer 2020 der Treibstoff komplett von Schweröl auf Marine Gasöl umgestellt. Das ist besonders wichtig, da sich die Schiffe in höchst sensiblen Ökosystemen wie der Antarktis bewegen. Bei Reisen in geschützte Regionen wird auch schon jetzt auf den herkömmlichen Schweröl-Einsatz verzichtet, zudem reduzieren SCR-Katalysatoren den Ausstoß von Stickoxiden um 95 Prozent.

EXPEDITIONSKLASSE

Hanseatic Inspiration: Das Schiff bietet Fünf-Sterne-Service. Es ist für max. 230 Gäste, auf Antarktisreisen und Spitzbergen-Umrundungen max. 199 gebaut. Anders als auf Nature und Spirit (Fertigstellung 2021) sind die Bordsprachen Deutsch und Englisch. www.hl-cruises.de

Compliance: Die Reise fand auf Einladung von Hapag-Lloyd Cruises statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2019)