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Weltbankenverband: Kein Institut "too big to fail"

ARCHIV - Eine Notrufsaeule ist am 9. Oktober 2008 vor den Bankentuermen von Frankfurt am Main zu sehe
(c) AP (Michael Probst)
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Der Weltbankenverband spricht sich gegen eine "zu rasche Regulierung" des Finanzsystems und die Transaktionssteuer aus. Allerdings sollte es maroden Banken möglich sein, geordnet aus dem Markt zu scheiden.

Der Weltbankenverband (IIF) hat heute bei seiner Konferenz in Wien vor einer "zu raschen Regulierung" des Finanzsystems gewarnt. Grundsätzlich begrüße der Bankenverband die Reformbemühungen, betonte IIF-Vorsitzender und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, aber "Inhalt, Timing und Abstimmung der Reformen" müssten sorgfältig betrachtet werden, um ein Gleichgewicht zwischen Stabilität und Wachstum zu erreichen, sagte Ackermann bei einer Pressekonferenz Donnerstagnachmittag in Wien. Eine "zu rasche Regulierung" könnte den Aufschwung abwürgen, warnt der Weltbankenverband.

Niemand ist "too big to fail"

Der Weltbankenverband tritt für das Prinzip ein, dass kein Institut "too big to fail" sein sollte. Als Instrument dafür müsse ein geordneter Abgang eines Kriseninstituts aus dem Markt ermöglicht werden.

Die unter anderem auch von der österreichischen Regierung geforderte Transaktionssteuer wird vom Weltbankenverband "ziemlich erwartungsgemäß" abgelehnt, erläuterte Ackermann. Eine Finanztransaktionsabgabe würde zum Teil auf die Kunden überwälzt werden, würde die Liquidität reduzieren und müsste außerdem weltweit eingeführt werden, formulierte er die Banken-Bedenken. Auch einer Bankenabgabe, die in Fonds zur Hilfestellung für ins Trudeln geratene Institute fließen solle, kann der Bankenverband wenig abgewinnen. Zwar gebe es verschiedene Meinungen über die Einrichtung derartiger Hilfsfonds, aber die Mehrheit sei, wenn überhaupt, für eine Unterstützung im Nachhinein. Die Einrichtung eines Fonds noch vor einem drohenden Banken-Crash würde einen "moral hazard" bedeuten - quasi eine Verleitung zum Sündenfall.

Basel III könnte Aufschwung abwürgen

Der Bankenverband habe eine Studie über die Auswirkungen der derzeitigen Reformvorschläge erstellt, in der nur die negativen kurzfristigen Aspekte berücksichtigt worden seien, erläuterte Ackermann. Die möglichen langfristigen positiven Aspekte, wenn das Bankensystem robuster gemacht werde, seien in der Studie nicht einberechnet. "Eine rasche Einführung der Vorschläge des Basel-Komitees hätte einen bedeutenden negativen Einfluss auf Wirtschaftswachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen", so die Banker-Studie: Im G-3-Gebiet (US, Euro-Zone und Japan) würde das BIP im Jahr 2015 um 3 Prozentpunkte niedriger liegen als ohne Einführung der Vorschläge, das würde für die fünf Jahre bis dahin die Schaffung von 9,7 Millionen Jobs weniger bedeuten.

Sands: "Den Preis zahlt die Realwirtschaft"


"Es gibt einen Preis zu zahlen, wenn das Finanzsystem sicherer gemacht wird, und dieser Preis wird unvermeidlich von der Realwirtschaft getragen werden", warnte IIF-Funktionär Peter Sands. Die Reform sei notwendig, und die Richtung "im wesentlichen richtig", meinte IIF-Vertreter Stephen Green. Der Teufel liegt für die Banker aber offenbar in vielen Details: Insbesondere stören den IIF die geplanten Erhöhungen der Eigenkapitalerfordernisse, Grenzen für die Fremdfinanzierung sowie Vorschriften für die erforderliche Liquidität.

 

(APA)