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Hausgeschichte

Innsbruck: Schwieriges Grundstück, stolzes Haus

Blick in den Wohnraum.
Blick in den Wohnraum.Schreyer David

Auf einem schwer bebaubaren Grundstück mitten in Innsbruck plante Architektin Barbara Poberschniggein ein neues Heim für zwei Paare.

Ein unbebautes Grundstück fünf Minuten vom Innsbrucker Zentrum entfernt zu finden, ist fast unmöglich. Dieses Kunststück ist vier Freunden gelungen – unter ihnen die Architektin Barbara Poberschnigg, deren Architektenbüro unter Studio Lois firmiert. „Wir sind vier Freunde, zwei Lebensgemeinschaften, und haben ziemlich lang nach einem adäquaten Grundstück gesucht. Und wir hatten wirklich riesiges Glück, dieses Areal zu entdecken, da andere offenbar das Potenzial nicht gesehen hatten“, erzählt die Architektin.


Eigenes Gutachten erstellt


Einfach zu bebauen war es nicht: Ein L-förmiger Grundriss, 400 Quadratmeter groß, „von denen wir letztlich 150 verbauen durften“. Dem ging zudem ein intensives Studium der Raumordnungsdefinitionen, eine Neuinterpretation gesetzlicher Bedingungen, die Erstellung eigener Gutachten, sprich ein behördlicher Hindernislauf, voran.
Auch das Bauen selbst war äußerst schwierig. „Es gibt nur eine schmale Zugangsstraße. Einen Kran aufzustellen war unmöglich. Wir mussten vorab alle Teile abmessen, um zu wissen, ob sie auf den Lkw passen, der gerade noch in die Zufahrtsstraße einfahren konnte“, berichtet Poberschnigg von den Platzproblemen.

 

Das Haus liegt am Ende einer schmalen Straße.
Das Haus liegt am Ende einer schmalen Straße.Schreyer David


Entstanden ist ein Doppelhaus, im Wesentlichen ein Holzmassivbau aus Fichte, verkleidet mit einer Lärchenfassade. Nur das Erdgeschoß und der Keller bestehen aus Betonwänden, das Erdgeschoß ist aufgrund der umliegenden Bauten nur zum Teil unterkellert. „Die Form hat sich quasi aus dem Grundstück selbst ergeben. Darauf sollten die zwei getrennten Haushälften mit größtmöglicher Adaptierbarkeit und Gartennutzung entstehen“, erzählt die Innsbrucker Architektin.


Das „verschachtelte“ Haus besteht aus drei Geschoßen, das um 45 Grad geneigte Dach wurde asymmetrisch aufgesetzt (insgesamt 13 Dreiecksflächen, die sich gegenseitig aussteifen), was ihm die Schwere nimmt. Vor- und Rücksprünge sorgen dafür, dass nicht ein großer Baukörper massiv in Erscheinung tritt, sondern zwei kleine Häuser mit jeweils 125 Quadratmetern sichtbar werden.

Blick auf die Eingangstüren und in den Garten.
Blick auf die Eingangstüren und in den GartenSchreyer David

Als Verbindung zwischen den beiden Häusern wurde im ersten Obergeschoß ein Atrium eingebaut, das auch für eine natürliche Belichtung sorgt. In diesem Geschoß sind die Wohnräume, zum Teil zweigeschoßig, zum Teil mit überdachten Loggien, untergebracht, damit „wir über die teils sehr schönen Gärten der Nachbarn schauen können“. Im Eingangsgeschoß befinden sich die jeweiligen Dielen, Wirtschaftsraum, Schlafzimmer mit Schrankraum und Bad. Die Holztreppen sind als benutzbare Oberflächen in Form von Regalen gebaut. Das Dachgeschoß ist ein offener Loftraum mit einer Galerie, „in dem wir in unserer Hälfte den Arbeitsbereich untergebracht haben“, erläutert Poberschnigg.


Helle Innenräume


Innen ist das Haus komplett in weiß lasiertem Massivholz ausgeführt. Der Innenausbau ist „immer noch ein ständiges work in progress. Wir haben beschlossen, alles selbst zu machen, das braucht natürlich Zeit und Geduld.“

Der Ofen: Herzstück des Wohnraums.
Der Ofen: Herzstück des Wohnraums.Schreyer David


Für die Fußbodenheizung wird Grundwasser herangezogen. Mittels einer Tiefenbohrung wird das Wasser hinaufgepumpt, durch einen Wärmetauscher erhitzt und dann wieder zurückgeführt. Zusätzlich wurden aber, als Kontrast zum weißen Inneren des Hauses, schwarze Öfen eingebaut, „weil wir das Knistern des Feuers im Winter so lieben“, erzählt Poberschnigg vom Must-have. „Wir heizen mit Holz – und zwar mit dem, was uns beim Bau übrig geblieben ist, und damit sind wir wohl für Jahre versorgt.“
Für die vier Freunde hat sich der Aufwand gelohnt, die Arbeit bezahlt gemacht. „Wir fühlen uns hier mehr als wohl, haben letztlich gefunden, was wir lang gesucht haben“, erzählt Poberschnigg.

Zum Objekt, zum Ort

Das Doppelhaus in Innsbruck wurde als eines der „Häuser des Jahres 2019“ (Publikation: Callway Verlag) ausgezeichnet.
Einfamilienhäuser kosten in Innsbruck zwischen 2956,4 und 4169,3 Euro/m2 . www.studiolois.io.