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Statistik

Ohne Ausländer keine Pensionen?

Symbolbild.
Symbolbild.(c) imago images / Winfried Rotherme (Winfried Rothermel)
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Im Jahr 2080 werden zehn Millionen Menschen in Österreich leben. Fast jeder Dritte davon älter als 65 Jahre. Um das zu finanzieren, braucht es „richtige“ Zuwanderung.

Wien. Österreich gehen langsam, aber sicher die einheimischen Arbeitskräfte aus. Kommen keine Zuwanderer mehr ins Land, wird die Zahl der arbeitenden oder arbeitssuchenden Menschen bis 2030 um vier Prozent auf 4,4 Millionen sinken, so die aktuelle Erwerbsprognose der Statistik Austria. 2080 wären es nur noch 2,9 Millionen Menschen. Theoretisch müsste jeder von ihnen dann eine pensionsreife Person über 65 Jahren finanzieren. „Ohne Zuwanderung ist unser Pensionssystem nicht mehr finanzierbar“, sagt Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, am Freitag vor Journalisten.

(C) Die Presse

Die Statistiker rechnen allerdings mit einem regen Zuzug aus dem Ausland, was die Zahl der Erwerbstätigen bis 2080 um vier Prozent auf 4,8 Millionen Menschen in die Höhe schrauben wird. Auch die steigende Erwerbsquote dürfte sich positiv auswirken. Gerade bei Frauen, denen die Angleichung des Pensionsantrittsalters auf 65 Jahre bevorsteht, werden künftig deutlich mehr Erwerbsfähige auch arbeiten. Die Quote soll von heute 71,6 auf 81 Prozent steigen.

 

Jeder Vierte im Ausland geboren

Stärker als bei den Erwerbstätigen wirkt sich die Zuwanderung allerdings bei der Gesamtbevölkerung aus: Schon im Jahr 2040 werden – trotz negativer Geburtenbilanz – 9,43 Millionen Menschen statt heute 8,84 Millionen Menschen in Österreich leben. 2080 werden es 9,93 Millionen sein, zwölf Prozent mehr als heute. Der Anteil der Über-65-Jährigen wird von heute 18,8 Prozent der Bevölkerung bis 2040 auf 26,3 Prozent und bis 2080 auf 29,3 Prozent steigen.

Ein Allheilmittel ist die Migration in Pesendorfers Augen nicht. „Es wird entscheidend sein, dass Österreich solche Personen holt, die hier auch arbeiten und zur Weiterentwicklung des Landes beitragen können“, sagt er. Die bisherigen Erfahrungen aus der jüngsten Migrationswelle geben allerdings wenig Anlass zu Optimismus. Derzeit sind rund neun Prozent aller Arbeitslosen Geflüchtete.

AMS-Chef Johannes Kopf drängt daher seit Langem auf eine bessere Qualifizierung bestimmter Migrantengruppen, um ihre langfristigen Jobaussichten zu verbessern. Das Ziel, Hochqualifizierte – etwa über die Rot-Weiß-Rot-Card – schnell und unbürokratisch nach Österreich zu holen, wird seit Jahren verfehlt. Die Statistik Austria rechnet mit einer Nettozuwanderung von 30.000 bis 31.000 Menschen pro Jahr. Mit weit über 60 Prozent kommt der Großteil von ihnen derzeit aus der Europäischen Union. Asien (mit den beiden meist diskutierten Herkunftsländer Syrien und Afghanistan) steht hingegen nur für zwölf Prozent aller Migranten. Mittelfristig werde die Zuwanderung aus Europa aber sukzessive durch Immigration aus anderen Kontinenten (vor allem Afrika) substituiert werden, so die Erwartung.

Dennoch soll die Fertilität – also die Anzahl der Geburten pro Frau – in Summe nur geringfügig von 1,48 auf 1,60 steigen. „Die Zuwanderer passen sich den Fertilitätsverhältnissen des Gastlandes an“, erklärte Alexander Hanika von der Direktion Bevölkerung der Statistik Austria. Außerdem würden auch künftig mehr als 50 Prozent aller Zuwanderer aus EU-Ländern kommen. Die Bevölkerung werde 2080 ganz anders zusammengesetzt sein als heute, der Anteil der im Ausland geborenen Menschen soll von derzeit 19 Prozent auf 27 Prozent steigen.

Knapp 40 Prozent aller Zuwanderer lassen sich derzeit in Wien nieder. Für die Bundeshauptstadt erwarten die Statistiker daher auch den mit Abstand größten Bevölkerungszuwachs. Nach ihren Berechnungen sollen bereits im Jahr 2028 mehr als zwei Millionen Menschen in Wien leben. Ein Plus von zehn Prozent. Bis 2080 wächst die Zahl der Wiener um 20 Prozent gegenüber 2018.

 

Nur Kärnten wird weiter schrumpfen

Ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum wird auch für Niederösterreich, das Burgenland und Oberösterreich prognostiziert, während der Trend in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und der Steiermark unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Für Kärnten werden weitere Bevölkerungsverluste erwartet, wodurch die Einwohnerzahl ab 2021 sogar unter jene von Salzburg zurückfallen dürfte. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2019)