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Gespräch

Karl Fischer: „Wir haben in einem Bordell gedreht“

Rollenvorbild war ein echter Nachtklubbesitzer: Karl Fischer (links) als kauziger Rotlichtkönig in „Der Fall der Gerti B.“ – am 25. 11. in ORF 1.
Rollenvorbild war ein echter Nachtklubbesitzer: Karl Fischer (links) als kauziger Rotlichtkönig in „Der Fall der Gerti B.“ – am 25. 11. in ORF 1.(c) ORF/Petro Doemenigg
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Im „Tatort“ spielt Karl Fischer einen Ermittler, in „Der Fall der Gerti B.“ einen Rotlichtkönig. Gespräch mit einem vielseitigen Schauspieler.

Eigentlich wollte Karl Fischer nie mehr einen Polizisten spielen – zu oft war er schon in dieser Rolle, nicht zuletzt als Sergente Lorenzo Vianello, der in den Donna-Leon-Verfilmungen an der Seite von Commissario Brunetti in Venedig ermittelt. Jetzt aber schlüpft er doch wieder in eine Uniform – im „Tatort“ am Sonntag (20.15 Uhr, ORF 2) gibt er einen eigenwilligen Kärntner Kollegen der Wiener Ermittler, die nach Heiligenblut geschickt werden, um den Mord an einem Holzbaron aufzuklären.

„Unser ,Tatort‘ ist so eine Art Heimatfilm ohne Kitsch, aber mit Leiche“, sagt Fischer. Der Großglockner als Kulisse passt dazu. Auch die spröden Charaktere wie der von Fischer dargestellte Polizeichef des Ortes. „Ich bin ein Fan der BBC-Serie ,Inspector Barnaby‘. Was da für eigenartige Typen auftauchen – grandios.“ Die Briten hätten eben etwas übrig für schräge Vögel und ältere Semester, während es „im deutschen Fernsehen gefühlte 15 Blondinen gibt, die sich sehr ähnlich schauen, und alle sind sehr schön und sehr dünn“.

Fischer, der 2018 in der Hauptrolle des Holocaust-Prozessdramas „Murer“ brillierte, kann sich aber nicht über einen Mangel an guten Rollen beschweren. Am Montag (20.15 Uhr, ORF 1) gibt er einen kauzigen Rotlichtkönig in der ORF-Stadtkomödie „Der Fall der Gerti B.“. Im Vergleich zu seinem Vorbild in dieser Rolle ist er mit seinen 62 Jahren geradezu ein Jungspund: „Wir haben in einem Bordell im ersten Bezirk gedreht. Bei Pepi Stern, der hat zwei Puffs in Wien.“ Stern ist über 80 – und eine legendäre Figur des Milieus. „Er ist immer noch sehr aktiv. Er sagt: Two times a week.“ Fischer hat sich zur Vorbereitung auf die Rolle immer wieder eine Fernsehreportage über Pepi Stern angeschaut, seine Gestik beobachtet. „Das ist eine schauspielerische Technik, dass man jemanden nachstellt – und schaut, was das an der eigenen psychischen Situation verändert: Wie sehe ich dann die Welt?“

Seine Figur des Franco ist ein sympathischer Taugenichts, dessen kleinkriminelle Energie mit einem latenten Hang zur Bürgerlichkeit gepaart ist. Für die Dreharbeiten seien im Bordell ein paar Sachen umgestellt worden, erzählt Fischer, „aber grundsätzlich schaut es dort so aus. Und wenn man aus der ,Kundenzone‘ zwei Schritte weitergeht, ist man plötzlich in kahlen Kellerräumen mit Betonwänden. Die Mädels – die meisten sind aus Rumänien – wohnen dort, die schlafen praktisch ohne Fenster.“

Ein Glanzlicht dieser „Stadtkomödie“ ist der Auftritt von Christiane Hörbiger, die bei einer Lesung in Francos Etablissement aus der „Mutzenbacher“ vorliest – und ihre eigenen Hunde mit auftreten lässt. Möglich gemacht hat das Hörbigers Sohn Sascha Bigler als Regisseur. „Hörbiger ist eine so wunderbare Komödiantin“, sagt Fischer, „aber sie wurde über die Jahre mit diesen ,Damenfiguren in eine Ecke gedrängt und ist so ein bisschen zu ihrem eigenen Denkmal geworden.“ Mit dabei ist auch Fischers Ehefrau Susi Stach – sie spielt Gerti B. als verhärmte, aber talentierte Polizistin. Cornelius Obonya bekommt als Auftragsmörder Skrupel, als er Franco ermorden soll, schließlich sind alle drei Freunde aus Jugendtagen.

Bigler mäandert in der Erzählung immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Fischer gefällt das: „Ich liebe die frühen Krimikomödien von Guy Ritchie – wo es oft bis zum Schluss dauert, bis sich die ganze Geschichte zusammenfügt.“ Das sei auch bei „Der Fall der Gerti B.“ so: „Das ist kein Film, wo man recht oft aufs Klo gehen sollte, sonst kennt man sich vielleicht nicht mehr ganz aus.“

Peymann-Reminiszenzen. Am Anfang seiner Karriere spielte Fischer mehr am Theater. Doch dann entschied er sich für Film und Fernsehen. „Ich war die letzten sieben Jahre von Claus Peymann am Burgtheater“, erzählt er: „Oft war man dann fast ein halbes Jahr zweimal am Tag auf einer Probe, und unten sitzt dann eventuell ein neurotischer Regisseur, der herumschreit – damit habe ich meine Schwierigkeiten: Man ist ja ein erwachsener Mensch und muss sich nicht so behandeln lassen.“ Peymann sei damit aber nicht gemeint, betont Fischer: „Der schreit ja nicht, der sagt immer nur ,nee, nee, nee . . .‘“ Schwierige Situationen gebe es natürlich bei Filmaufnahmen auch. „Aber da ist es nach drei Wochen vorbei – und Schmerzensgeld gibt's auch.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2019)