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Mehr Küche für weniger Geld

Unter 20 Euro: XXXLutz

(c) Lutz

XXXLutz hat nun auf der Mariahilfer Straße ein Möbelhaus-Restaurant ohne Möbelhaus eröffnet. Auf Diskont-Schnitzel hat die Stadt offenbar gewartet.

Der Mensch ist offenbar ein Schnäppchenjäger. Wer meint, die Anhänger der „Hauptsache viel und Hauptsache billig“-Fraktion sterben langsam aus, der irrt. Immer noch werben Land-Wirtshäuser mit Sprüchen wie „Eine Platte, drei Satte“. Und die Systemgastronomie setzt nach wie vor auf Gutscheine, die Kunden ins Lokal (auch gerne mit Geschäft) locken und ihnen dabei das schöne Gefühl geben, schlauer als die anderen zu sein.

Das Konzept der Möbelhaus-Gastronomie ist davon eines der beliebtesten Beispiele. Man darf natürlich nicht darüber nachdenken, woher das Tier kommt, das man gerade als XL-Schnitzel verputzt, das günstiger ist als der Teelicht-Halter, den man beim Rausgehen doch noch mitnimmt.

Der Möbelhändler XXXLutz hat nun ein Möbelhaus-Restaurant ganz ohne Möbelhaus eröffnet. Am Anfang der Mariahilfer Straße (beim Westbahnhof) stehen die Menschen vor dem XXXLutz Mahü schon Schlange. Der Türsteher am Eingang ist auf Zack, er will nur wissen, wie viele Personen zu welcher Gruppe gehören. Es dauert auch zur Mittagszeit nicht lange, bis man einen Platz zugewiesen bekommt. Man darf sich natürlich nicht daran stören, dass man mit fremden Personen den Tisch teilen muss. Kaum Platz genommen, beginnen die Menschen in ihren Taschen zu wühlen, um die Gutscheine hervorzuholen. Immerhin ist dann das Schnitzel noch billiger. Und selbst bei jenen Menschen, die keinen Gutschein vorweisen können, drückt der Kellner ein Auge zu und die Gutschein-Taste in seinem Bestell-System. Die wirkliche Überraschung kommt dann (zumindest für Anfänger) bei der Rechnung. Dass nämlich die Frittatensuppe (2,90 Euro) lauwarm serviert wird und seltsam süßlich schmeckt, hat man irgendwie erwartet. Dass das XL-Hühnerschnitzel mit Pommes (laut Speisekarte 7,90 Euro) dann genauso viel kostet wie der Apfelsaft gespritzt, nämlich drei Euro, macht irgendwie sprachlos. Beim Verlassen des Lokals ist die Schlange draußen dann noch länger. Immerhin schenkt eine Kellnerin gerade gratis Sekt aus.

XXXLutz Mahü: 6., Mariahilfer Sr. 121b, tägl. 8−22 Uhr, mahue@xxxlutz.at, ✆  0501/119 900

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2019)