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Daviscup

Das ganz andere Grundlinienspiel

Davis-Cup-Sieger: Pablo Carreño, Roberto Bautista Agut und Rafael Nadal.
Davis-Cup-Sieger: Pablo Carreño, Roberto Bautista Agut und Rafael Nadal.(c) APA/AFP/JAVIER SORIANO

Allen Kritiken zum Trotz hält Daviscup-Reformator Gerard Piqué am Modus mit einer Finalwoche fest. Der Barcelona-Star feiert Spaniens Sieg – und prüft eine Fusion mit dem ATP Cup.

Madrid. Barcelonas Fußballstar Gerard Piqué feierte in Madrid einen doppelten Heimsieg. Nicht nur, weil Spanien auf eigenem Boden zum sechsten Mal den Daviscup gewinnen konnte, sondern auch weil das neue Endrundenformat – trotz aller Bedenken – erfolgreich abgelaufen war. Dass Nostalgiker dennoch, trotz des Aufschlages vieler Topstars und beachtlicher Partien auf hohem Niveau, weiterhin kein gutes Haar am reformierten Daviscup mit 18 Endrunden-Mannschaften lassen, lächelte der Verteidiger in der Arena La Caja Mágica gekonnt weg. Man habe ein paar Fehler gemacht, ja, aber: „Daraus lernen wir“, sagte Piqué, 32. Am Format halte man jedoch definitiv dennoch fest.

Zusammen mit der Investmentfirma Kosmos hat Piqué (für kolportierte drei Milliarden Dollar) die Rechte am Daviscup erworben und den Modus des traditionsreichen Tenniswettbewerbes auf den Kopf gestellt. Trotz aller Schönfärberei, die jeder andere Veranstalter für sein Event auch betreiben würde, konnte aber auch er nicht komplett ausblenden, dass nicht alles so reibungslos abgelaufen war. Startschwierigkeiten, Unbehagen – Skepsis und Matches, die vor teils vielen leeren Sitzplätzen bis tief in die Nacht dauerten und trotz ergreifender Ballwechsel mitunter stimmungslos verliefen; all das spielte in diese Bestandsaufnahme hinein. Piqué versprach „Optimierungen bei der Planung“, womöglich gibt es 2020 sogar ein viertes Stadion. Da es aber seitens der Spieler „kein einziges kritisches Wort“ gegeben habe, sei man mit der Premiere zufrieden.

 

Kommt gar eine Tennis-WM?

Dass der Termin dieser Finalwoche viel zu spät sei, diese Kritik perlte an Piqué ab wie Öl von einer Teflonpfanne. Die direkte Konkurrenz zum Laver Cup (September, Team Welt gegen Team Europa) oder dem ATP Cup (Jänner, 24 Teams) tangierte ihn nicht. Der Daviscup sei ein „Traditionsevent“; mit frischem Anstrich, aber der weiterhin global geltenden Bedeutung. Entgegen der Vorschläge von Stars wie Novak Djoković und auch Nadal lehnt Piqué eine Verschmelzung mit dem ATP Cup vorerst entschieden ab. Die Frage nach dem Warum verhallt mit dem Klingeln der Kassa. „Wir sind offen für Gespräche mit der ATP, um einen einzigartigen Wettbewerb, ein Superevent über zwei Wochen zu schaffen.“

Womöglich sogar mit der Integration des Fed Cups der Damen. Es geht, wie immer, um noch mehr Geld. 2020 findet in Budapest auch im Fed Cup erstmals eine Endrunde mit 16 Mannschaften statt. Vereint man all diese Turniere, hätte man doch so etwas wie eine WM, erklärt der Fußballer Piqué. Für Investoren, Sponsoren und TV-Sender wäre es lukrativ, für Spieler sinnvoll. Für Kritiker und Traditionalisten ist es jedoch das nächste Foul an ihrem „heiligen Sport“.

 

Ein trauriger Sieger

In Spanien ist man begeistert. Der Gastgeber triumphierte, angetrieben von Nadal, vor 12.250 Zuschauern. Der Weltranglisten-Erste sicherte im Finale gegen Kanada den entscheidenden Punkt zum 2:0. Er verlor in der ganzen Woche nicht eine einzige Partie in Madrid, „Mr. Daviscup“ zählt jetzt 29 Einzelsiege. Nur seine Einzelpremiere 2004 hat er verloren.
Wie es für den Daviscup üblich ist, gab es auch diesmal einen „Helden“.

Roberto Bautista Agut, 31, liefen Tränen über das Gesicht. Der Weltranglisten-Neunte gewann gegen Félix Auger-Aliassime (7:6, 6:3) – nur drei Tage nach dem Tod seines Vaters. Mitte der Woche war er abgereist, um bei seiner Familie in Castellón nahe Valencia zu sein, kehrte am Wochenende aber nach Madrid zurück. Er blieb ruhig und konzentriert während der Partie, selbst trieb er sich immer wieder mit lauten „Vamos“-Rufen voran. Trotz aller Punkte und Schläge wirkte er betroffen. Dass er überhaupt gespielt habe, erklärte er später, hätte sein Vater sicherlich so gewollt. „Es war ein sehr spezielles Gefühl, hier in der Caja Mágica. Ich habe mein Bestes gegeben.“ (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2019)

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