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Im Haus der noblen Gräfin

Mit Büro, Küchenterrasse und Familien-Kunst: Wie sich Ernährungsexpertin Ursula Vybiral mit Tochter unter dem Dach eines Alsergrund-Altbaus einrichtete.

Es klang wie die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“, was sich Ursula Vybiral vor acht Jahren als neues Wohndomizil in Wien wünschte: „Stadtnah, mit Platz für Büro/Praxis, mit – im Hinblick auf die damals nahende Pubertät der Tochter – nicht nebeneinander liegenden Zimmern, einer Küche mit Terrasse und zwei Bädern. Kurz: eine moderne Wohnung in einem alten Haus.“ Sie gab damals ihr Büro in der Innenstadt auf, um ihre Tochter nicht den ganzen Tag allein zu lassen. Diese – „ich war damals schon sehr busy“ – übernahm die Suche, googelte sich durch den Immo-Inseraten-Dschungel und wurde schnell fündig.

„Nach nicht einmal einer Woche schlug sie mir eine Wohnung in der Liechtensteinstraße im neunten Bezirk vor. Ich war skeptisch, denn mir gefällt nur der Teil der Straße in Richtung Ring. Meine Tochter hatte keine Zweifel: ,Cool down, Mami, diese Wohnung ist perfekt für uns!‘“

Farbenfrohes Dachgeschoß

Das Haus befindet sich am Anfang der Liechtensteinstraße nahe dem ersten Bezirk und wurde 1854 erbaut. „Die Hausherrin war eine sehr vermögende russische Gräfin, die eine Lage nahe der Ringstraße wünschte. Sie bewohnte dann natürlich die Beletage“, erzählt die Ernährungsberaterin beim Hausbesuch.

Das eindrucksvolle Gebäude reicht bis zur Türkenstraße und birgt interessante baugeschichtliche Details. „Es gibt zwei Stiegenaufgänge, in ,meinem‘ Teil befinden sich eine alte, holzvertäfelte, denkmalgeschützte Treppe und ein Lift von 1996, im anderen findet man einen moderneren Stiegenaufgang, dafür einen Aufzug, der über 150 Jahre alt und denkmalgeschützt ist.“

Blick ins farbenfrohe Wohnzimmer.
Blick ins farbenfrohe Wohnzimmer.Martina Berger

Die 150 Quadratmeter große Wohnung liegt auf zwei Etagen, besitzt eine kleine Terrasse. Die Praxis ist getrennt von den privaten Räumen: Küche mit Esstisch, Wohnraum, zwei Schlafzimmer mit angrenzenden Bädern, eine Galerie – reichlich Platz für Mutter, Tochter und den kleinen West Highland Terrier Piti.

Ein paar Nachteile hat die Traumwohnung allerdings. „Ich habe eine Klimaanlage einbauen lassen, weil es unter dem Dach unerträglich heiß wird.“ Eine Markise schützt zusätzlich die Terrasse, „sonst schmelzen in der Küche die Kerzen. Im Sommer läuft die Klimaanlage leider den ganzen Tag.“ Und: Alle Fenster befinden sich in den Dachschrägen, man kann nur gen Himmel blicken. „Es ist seltsam, nicht auf die Straße sehen zu können, und das ist auch der Grund, warum ich hier wohl nicht für immer bleiben werde.“

Ursula Vybiral (links) mit ihrer Tochter.
Ursula Vybiral (links) mit ihrer Tochter.Tanja Hofer

Zum Ort, zur Person

Die linke Häuserzeile der Türkenstraße in Wien hatte beim Bau um 1850 freie Sicht auf die Basteien, nach deren Abriss wurde das Gebiet zur gefragten Adresse wohlhabender Familien. Eine gebrauchte Eigentumswohnung kostet im 9. Bezirk rund 7864 Euro/m2, eine neue rund 8503 Euro/m2. Miete im Neubau: rund 13,29 Euro/m2.

 

Ursula Vybiral ist Ernährungsberaterin, Coach und Autorin. Im Amalthea-Verlag erschien kürzlich „Easy Eating – Abnehmen funktioniert nur mit Essen“.

Mehr Infos unter: www.amalthea.at

 

Bei der Wahl der Möbel wurde sie von ihrer Schwester Sabine Schilling, einer Interior-Designerin, unterstützt: „Ich liebe Farben, alte und moderne Kunst, Klassiker in Sachen Möbel und Leuchten – etwa Camillo Castiglioni, Arne Jacobsen und Charles Eames, um einige Namen zu nennen. Diese Stücke sind immer mit mir umgezogen, manche schon achtmal.“ Alle Wohnungen bisher hatten weiße Küchen und ein weißes Sofa. „Hier war ich mutig, es wurde ein grünes Samtsofa.“ Ihre Schwester, auch als Malerin tätig, hat ihr zudem einige Bilder geschenkt, die zu absoluten Lieblingsstücken wurden.

Lieblingsplatz Outdoor-Sofa

Wohnen bedeutet für Vybiral „Rückzug, Privatsphäre, Freude, Glück“. Für die Mutter-Tochter-Beziehung war die Wohnung goldrichtig, „als Selbstständige war es mitunter heftig, ich konnte Beruf und privat nur schwer trennen. Meine Work-Life-Balance ging eindeutig in Richtung Work“, resümiert sie. Die Rechnung ist aber auch beruflich aufgegangen, sie hat zwei Mitarbeiterinnen und sucht derzeit wieder ein Office in der Innenstadt.

Welchen Platz sucht sie in der Wohnung am liebsten auf? Den einen Lieblingsplatz gibt es nicht, aber „im Sommer die halbe Nacht auf dem Outdoor-Sofa zu verbringen, mit einem Glas Champagner, guter Musik, und am besten zu zweit“, das gehört auf jeden Fall zum guten Leben.

>>> Aus dem „Presse"-Archiv: Mehr Wohn- und Interiorgeschichten

Leni Tornquist in der Küche mit sieben Sesseln an der Theke – dem Zentrum der Wohnung.
Wohngeschichte

Grazer Stadthaus: Jugendstil trifft Gucci-Tapete

Interieur-Expertin Leni Tornquist wohnte schon als Mädchen in dem 1910 erbauten Haus – und schuf, einen Stock tiefer, nach ihrer Hochzeit ihr eigenes „Familienzuhause“.

Bei den Tornquists kommt selten Langeweile auf. Das Familienleben spielt sich rund um den Grazer Stadtpark ab: Leni Tornquist, Inhaberin einer Werbeagentur, lebt mit ihrem Mann Martin, einem Radiologen, den vier Jungs Rio 15, Romeo 13, Eero 6, Aurel 3 sowie Baby Fee im Zentrum von Graz. „Das Haus hat für mich Geschichte: Hier bin ich aufgewachsen, mit meinen Brüdern. Und davor schon drei weitere Generationen.“ Das Familienhaus mit kleinem, verstecktem Stadtbalkon und Blick auf Altbauten und Bäume wurde 1910 erbaut. „In einer späten Phase des Jugendstils“, erklärt Tornquist. „Weshalb wir neben Deckenstuck auch einen recht ,modernen' Grundriss haben, bei dem man von einem Raum direkt in den nächsten kommt.“


Das Flair der 1930er-Jahre


Kurz vor ihrer Hochzeit ist sie ins Haus zurückgezogen – einen Stock tiefer als zuvor, in die Räume einer Frau, an die sie schöne Kindheitserinnerungen hat. „In der Wohnung lebte eine Dame allein auf 200 m2, sie hatte ein ,Biedermeierzimmer‘, ein Zimmer für den Klavierflügel, eine Bibliothek und ein Erkerzimmer, in dem wir als Kinder zu Weihnachten den Christbaum bewunderten.“ Die Wohnung war in einem Zustand aus den 1930er-Jahren. „Wunderschön, aber eben ganz anders konzipiert.“

Stillleben auf der Anrichte.
Stillleben auf der Anrichte.Barbier

Heute befindet sich in den ehemals steifen Repräsentationsräumen das helle Esszimmer, wo sich einiges abspielt. „Das Erkerzimmer in drei Richtungen öffnen zu können sowie den enorm großzügigen Vorraum, das wollten wir unbedingt beibehalten.“ Das große Vorzimmer ist der ideale Ort für die Jüngeren, um sich mit Dreirad und Roller auszutoben.

Blick auf den großen Esstisch.
Blick auf den großen Esstisch.Barbier

Die Küche wurde in den vordersten Raum der Wohnung verlegt. „Die Einkaufssäcke, den Müll und das Essen aus der Küche immer quer durch die Wohnung tragen zu müssen erschien mir besonders unpraktisch. Das Leben einer Großfamilie spielt sich schließlich großteils in der Küche ab.“ Hier wird getratscht, gezeichnet, werden Aufgaben gemacht, während Mama, Papa oder die großen Geschwister kochen.


Home-Office und Teenie-Zone


Zu den ursprünglichen 200 m2 kamen im letzten Sommer noch 110 m2 dazu. „Wir konnten zur Nachbarwohnung hin öffnen und unseren beiden Teenagern ein eigenes Bad und Toilette ermöglichen“, erzählt Tornquist.
Sie selbst richtete sich nach Jahren im Nomaden-Home-Office ein eigenes Büro ein. „Ich bin froh, dass meine Materialien, Bücher, Notizen nun an einem fixen Ort sind und mein Ladekabel nicht mehr ständig verschwindet.“

Blumen sind zu jeder Jahreszeit ein wichtiger Schmuck.
Blumen sind zu jeder Jahreszeit ein wichtiger Schmuck.Barbier

Ihr Mann, der in den zwei letzten Jahren, als die Fitness-Studios oft geschlossen waren, im Zimmer des ältesten Sohnes trainierte, konnte sich den Traum eines Fitnessraums verwirklichen. Die Wahl der Möbel zeigt ihre Inspirationsquellen und Vorlieben – skandinavisches Design (auch aus Verbundenheit mit ihren Vorfahren) wird gern mit Gucci-Tapeten und Vintage-Fundstücken gemixt. Hell, freundlich und pastellig muss es sein – auch frische Blumen, die sie in der ganzen Wohnung verteilt, sind zu jeder Jahreszeit zu sehen.
Wichtig war es Leni und Martin Tornquist auch, dass beim Umbau mit der alten Substanz sensibel umgegangen wird. Alle Originalböden wurden beibehalten, der alte Holzboden etwa wurde von Lenis Vater selbst behutsam restauriert. Eine Herausforderung, aber „es macht mir immer große Freude, etwas Altes in neuem Glanz zu sehen“. Ihr Lieblingsplatz zum Entspannen ist beim Klavier unter dem Fenster, mit freiem Blick auf die großen Bäume. Doch meist ist sie in der sonnendurchfluteten Küche mit den sieben Sitzplätzen an der Kücheninsel zu finden, „dem Sammelpunkt unseres Familienlebens“.

Zum Ort, zur Person

Der Grazer Stadtpark im Zentrum der mit 291.134 Personen zweitgrößten Stadt Österreichs wurde 1870 angelegt, heute wurzeln hier rund 2000 Bäume, darunter auch botanische Raritäten.
Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in Graz in guter bis sehr guter Lage durchschnittlich 2500 bis 3100 Euro/m2, neues Eigentum in ähnlicher Wertigkeit ab rund 3000 Euro/m2 .
Leni Tornquist ist Inhaberin einer Werbeagentur und führt mit einer Freundin den Internet-Shop La Boum Atelier.

Danie Bergmann und Stephan Harner wohnen direkt an der Salzach mit Blick auf den Mönchsberg.
Wohngeschichte

"Eine wunderbare Übergangslösung"

Auf der Suche nach einem Bauernhof im Salzburger Umland landeten Danie Bergmann und Stephan Harner mitten in der Altstadt. Das Interieur passt aber schon einmal für beide Möglichkeiten.

Ursprünglich waren Danie Bergmann und Stephan Harner auf der Suche nach einem Bauernhof im Umkreis von Salzburg. Doch es kam ganz anders: Aus dem Bauernhof wurde eine Wohnung in der Schwarzstraße, direkt an der Salzach, mit Blick auf den Mönchsberg und all seinen Sehenswürdigkeiten. „Eine wunderbare Übergangslösung. Mal sehen, wie lang sie anhält!“, sagt Danie Bergmann, die als Interieur-Designerin mit Schwerpunkt Restauration und Gestaltung von Häusern im ländlichen Bereich tätig ist. „Es war die erste und einzige Wohnung, die wir uns angesehen haben.“ Und sichtlich sehr überzeugend.

Wohnzimmer mit Aussicht.
Wohnzimmer mit Aussicht.Doris Barbier

Das unverhofft gefundene Appartement hat 155 Quadratmeter Wohnfläche mit nahezu perfekter Aufteilung für die Patchworkfamilie: Die beiden nicht gemeinsamen Kinder haben die Möglichkeit, neben ihrem Schlafzimmer eine eigene Toilette und ein Badezimmer zu nutzen. „Bei unserem Einzug war bis auf die Küche und das Badezimmer alles unmöbliert und frisch renoviert“, erzählt Bergmann weiter. „Die Küche haben wir für uns passend adaptiert, wir haben einen neuen Fliesenspiegel und Regale angebracht.“ Die Lampen wurden alle gegen persönlich ausgesuchte Stücke ausgetauscht.

Freistehende Badewanne unterm Dach.
Freistehende Badewanne unterm Dach.Doris Barbier

Naturmöbel bevorzugt

„Unsere Möbel haben wir größtenteils so gewählt, dass sie bei einem Umzug aufs Land auch passen würden“, meint Bergmann zum Interieur. Der Einrichtungsstil – eklektisch, mit einem Schwerpunkt auf dem Ländlichen – macht es deutlich: Das Interieur-Herz der beiden schlägt für wertvolle, natürliche Materialien. Tische, Kästen, Vitrinen und eine alte Hobelbank aus unterschiedlichen Holzarten, Naturfasern (Bergmann sammelt Körbe) und Textilien wie Leinen in allen Varianten und Wolle bestimmen die Räume. Dazu kommen zahlreiche Stücke aus Glas (Lampen, Vintagegläser) und Keramik (Vasen und Geschirr). „Am besten gefällt uns unsere alte Hobelbank, die wir zur Bar umfunktioniert haben“, sagt Bergmann.

Das Schlafzimmer.
Das Schlafzimmer.Doris Barbier

Kunst statt Farbe

An den Wänden wurde bewusst keine Farbe angebracht, da die beiden lieber mit Kunst den nötigen Schwung hineinbringen möchten. „Noch haben wir aber leider nicht das Passende gefunden.“ Viele der Möbel stammen vom Antiquitätenhändler Tkalec aus Oberalm im Salzburger Land. „Wir sind durch Zufall, weil wir einen Tisch und eine Eckbank suchten, auf das Geschäft gestoßen“, erzählt Bergmann. Erstanden wurden dort dann nicht nur eine Eckbank plus Tisch und Stühlen, sondern auch ein Couchtisch, der aus einer alten Rauchkucheltür gefertigt wurde, ein „Schnapskasterl“ für die Ecke, Nachttische und ein Kinderbett. „Außer dem Kinderbett ist alles antik.“

Ländliches Interieur.
Ländliches Interieur.Doris Barbier

Die Kommode in der Küche und der Kleiderkasten im Kinderzimmer stammen aus einem kleinen Laden namens Wohnkram in Salzburg. „Alle anderen Möbel sind ein Konvolut aus den vergangenen Jahren“, meint Bergmann. „Was sich im Lauf der Zeit eben so ansammelt und für gut befunden wird.“ Ausschlaggebend bei allem, was gesammelt oder angeschafft wird: dass man sich wohlfühlt.

Blick in die Küche mit Kommode.
Blick in die Küche mit Kommode.Doris Barbier

Lieblingsplatz: Stufen

Besonders gern sitzt Danie Bergmann auf den drei Stufen, die vom Wohnzimmer in die Küche führen. Entweder gemeinsam mit Stephan Harner, auch einmal gern bei einem Glas Wein, oder einfach nur, „um den Meister in der Küche zu beobachten“, erzählt Bergmann vom kontemplativen Teil des Alltags. „Das Einzige, was zur Vollkommenheit noch fehlt, ist eine Terrasse oder ein Balkon.“

Zum Ort, zu den Personen

In der Stadt Salzburg kosten gebrauchte Eigentumswohnungen in guter und sehr guter Lage durchschnittlich 3500 bis 4600 Euro/m2. Danie Bergmann arbeitet als Interieur-Designerin und führt den Onlineshop La Boum Atelier. Stephan Harner ist bei der Deutschen Vermögensberatung Bank AG und als Coach tätig.

Mehr Infos unter: www.laboumatelier.at/

Anna Baier in der Küche.
Wohngeschichte

Anna Baier: "Fertig ist es hier noch lang nicht"

Seit vier Jahren lebt und werkt Lifestyle-Bloggerin Anna Baier in ihrem Heimatdorf nahe Linz. Tricky: aus zwei Doppelhaushälften ein Haus zu machen.

Seit vier Jahren ist sie wieder da, in dem kleinen Dorf in Oberösterreich, in dem sie aufgewachsen ist. Und bereut es nicht: „Obwohl wir ja eigentlich schon vorher in unserem Traumhaus gewohnt haben – in einem Vorort von Linz“, erzählt die Bloggerin Anna Baier. Doch in der Stadt fühlte sie sich nie so richtig angekommen. „Ich war nicht so richtig zu Hause“, sagt sie. Und eines Tages, kurz nachdem ihr Sohn eine schwere Erkrankung besiegt hatte, „hörte ich auf mein Herz, sprach mit meinem Mann darüber, und das Schicksal spielte uns unser jetziges Haus in die Hände.“ Die Familie mit drei Kindern im Alter von elf, acht und fünf Jahren mietete das Gebäude zuerst einmal – bis sie ihrer Sache sicher war. „Mittlerweile haben wir es gekauft.“

Work in Progress

In dem 200 Quadratmeter großen Doppelhaus, dessen Hälften nach dem Kauf verbunden wurden, wird gewohnt und gearbeitet: Neben dem Wohnbereich konnte auch ein kleines Ausweich-Studio für den Hausherrn, einen Werbefotografen, untergebracht werden. Im oberen Bereich wurde durchgebrochen, um die beiden Doppelhaushälften zu verbinden. „Ansonsten wächst das Haus Stück für Stück zu dem, wir wollen“, erzählt Baier, „fertig ist es hier noch lang nicht.“ Die Fliesen wurden durch einen Betonboden ersetzt, aktuell wird der Umbau der Küche sowie der Terrasse geplant. „Im Garten haben wir im ersten Lockdown einen Pool gebaut – der ist heute natürlich nicht mehr wegzudenken.“ Das Daybed im Poolbereich schaffe Ibiza-Flair, meint Baier zum Styling, die Apfelblüten in der Vase, natürlich aus dem eigenen Garten, „erden das Gesamtbild“.

Zwei Doppelhaushälften zu einem Heim zu machen sei jedenfalls ziemlich „tricky“. Vor allem, wenn sich das Haus in einer Hanglage befindet, die Haushälften also auf zwei Ebenen liegen. „Das bedeutet Sport im Alltag – Stufensteigen ohne Ende.“

Kinderzimmer mit Hochbett und Tapete
Kinderzimmer mit Hochbett und TapeteDoris Barbier

Die Möbel aus Fichtenholz haben Baier und ihr Mann fast ausschließlich selbst gebaut. Sie werden mit viel Sorgsamkeit gelaugt und geseift, die Wände bekommen je nach Lust und Laune neue Anstriche oder pittoreske Tapeten verpasst. Das passt gut zum hellen Beton des Hauses, dazu kommen Eyecatcher aus Messing sowie Textilien aus Leinen. Im Kinderbad dürfen es dann rotgoldene Armaturen sein, der Fichtenholzschreibtisch des achtjährigen Juniors ist Marke Eigenbau.

Lehm, Leinen, Holz

Die Einrichtung gibt sich sehr zurückhaltend: Viel Beige, Natur- und Holztöne herrschen vor. Hie und da Kleinigkeiten, an denen das Auge hängen bleibt: Ein dicker Teppich in der Küche etwa, der für besondere Wohligkeit und Gemütlichkeit sorgt. Auch die Lehmfarbe im Schlafzimmer, die eine erstaunliche Ruhe ausstrahlt, war eine Idee der Hausherrin. Statt Türen hat sie Leinenvorhänge für den Schrank gewählt – eine unaufgeregte Oase. „Das Leben bietet genug Kontraste“, meint Bauer.

Blick ins Schlafzimmer.
Blick ins Schlafzimmer.Doris Barbier

Das Gestalten von Räumen wirkt auf Baier, die seit elf Jahren einen Lifestyleblog betreibt und heute als dreifache Mutter – plus Hundebaby Lou – einiges um die Ohren hat, regelrecht meditativ. „Es ist zu einer großen Leidenschaft geworden. Es erdet, beruhigt mich, eine Wand zu streichen, Möbel zu lackieren, mit Holz zu bauen, Pläne zu zeichnen oder auch nur Blumen in einer Vase zu drapieren.“ Oder an einem Regentag Zitronentartes zu backen. Sie umgebe sich gern mit schönen Dingen und finde es toll, dass heute „Deko nicht nur Deko ist, sondern auch Alltagsgegenstände wie eine Spülbürste oder Geschirrtücher ein so unheimlich schönes Bild abgeben können“.

Viel Beige, Natur- und Holztöne.
Viel Beige, Natur- und Holztöne.Doris Barbier

Arbeiten im Home-Office ist für die beiden Kreativen eine Selbstverständlichkeit – deshalb musste dafür genügend Platz und Raum geschaffen werden. „Ein eigenes Büro zu besitzen, das man vom Familienleben abschotten kann, ist auf jeden Fall ein großer Vorteil, auf den ich nur mehr sehr ungern verzichten könnte“, schmunzelt Baier. Da das Zuhause auch die Bühne für ihre Foto- und Videoproduktionen ist, ist die strikte Trennlinie oft sehr schwer zu ziehen. „Es bricht doch sehr oft Chaos aus. Und darauf könnte ich gut verzichten. Dann genieße ich umso mehr den Blick aus unserem Garten in die schöne grüne Weite.“

ZUM ORT, ZUR PERSON

Der Bezirk Kirchdorf an der Krems im südlichen Oberösterreich (Traunviertel) ist eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Österreichs. Häuser in guter und sehr guter Lage kosten im Bezirk Kirchdorf zwischen 1312 und 1861,50 Euro/m2.

Anna Baier war im Redaktionsbereich tätig und bloggt seit elf Jahren – hauptsächlich über Interieur, Essen und Kinder.

Mehr Infos unter: apinchofstyle.com/

und

Instagram: www.instagram.com/apinchofstyle_/

Katrina Gietl bringt alte Kindermöbel und Spielzeug wieder auf Hochglanz.
Wohngeschichte

„Ich mag es nicht so angeräumt“

Welchen Wohntraum sich die - auf alte Kindermöbel spezialisierte - Ex-Managerin Katrina Gietl mit ihrer Familie in Korneuburg erfüllt hat. Und warum Vintage für sie viel mehr als ein Stil ist.

Einen Berg vor dem Fenster zu haben, das schwebte Katrina Gietl schon lang vor. Sich mit dem Grundstück nahe bei Wien und einem Hausbau darauf anzufreunden, fiel ihr vor zwölf Jahren, hochschwanger und dadurch begrenzten Energiereserven, dennoch nicht leicht. „Jetzt bin ich superfroh, dass mein Mann mich dazu ermutigt hat. Wir haben die schönste Aussicht, sind in 25 Minuten in der Innenstadt.“

Das 220 Quadratmeter große Haus wurde mit Architektenhilfe erbaut. „Wir hatten sehr klare Vorstellungen, benötigten aber jemanden, der unsere Ideen auf dem schmalen Grundstück richtig umsetzen konnte.“

Wichtig war ihnen vor allem, ein Wohnzimmer als stillen Rückzugsort vom Trubel zu haben, getrennt von der belebten Küche und dem Essbereich. „Und, dass die Küchenkredenz des Großvaters aus den 1920er-Jahren einen guten Platz bekommt.“

Schrankdetail
SchrankdetailDie Presse/Clemens Fabry

Solider Stilmix

Im Untergeschoß sind heute Büro, WC, Heizraum sowie eine kleine Garderobe untergebracht. Küche und Wohnzimmer haben jeweils 40 m2 und sind auf einer Seite zu einer Terrasse ausgerichtet. Die gemütliche Küche besteht neben der Kredenz aus Küchenfront, langem Tresen und großem Küchentisch mit Eckbank und Sesseln. „Das ist quasi mein Kraftplatz, weil ich so gern hier sitze und lese, arbeite oder mit Freunden Kaffee trinke.“ Das längliche Wohnzimmer ist ein ruhiger Raum mit großem Sofa, alter Kommode und einem offenen Kamin. Unterschiedliche Lichtquellen sorgen für gemütliche Stimmung.

Im oberen Stock befinden sich zwei Kinderzimmer, ein kleines und ein großes Bad, Waschraum, Gästezimmer und Schlafzimmer. Schon beim Hausbau, aber auch bei der Inneneinrichtung und Wahl der Möbel wurde auf hochwertige Materialen geachtet: Holzböden, edle Fliesen, solide Fenster und langlebige Einbauten, wie die Steinplatte in der Küche. „Die war nicht billig, schaut aber nach zwölf Jahren noch immer aus wie neu. Auch bei den Einbaumöbeln wollten wir keine Kompromisse eingehen. Schließlich wollten wir nicht nach ein paar Jahren wieder von vorn beginnen und alles neu machen müssen.“ Weil Gietl und ihr Mann in früheren Zeiten sehr oft umgezogen waren, hatten sie anfangs nur wenige Möbel. „Nur unsere Vintagemöbel – von der Biedermeierhochzeitskommode bis zum Sessel aus den 1960ern – und die waren eingelagert.“

Stubenwagen im Kinderzimmer.
Stubenwagen im Kinderzimmer.D. Barbier



Bei der Inneneinrichtung war die neutrale Gestaltung in dezenten Farben sehr wichtig. Ein paar Designklassiker dürfen natürlich auch nicht fehlen. Der Eames Chair war die erste große Investition. „Bei uns hat fast jedes Stück eine Geschichte: Den PEZ Automat in der Küche habe ich mit meinem ersten Gehalt direkt von Ferry Ebert gekauft.“ Der alte Holzkasten, den ihr Urgroßvater damals für die kleine Katharina in einem leuchtendem Blau gestrichen hatte, kam ins Zimmer der Tochter. Dazu wurde ein Vintagehighboard, in „iceblue“ neu gestrichten, kombiniert.

Kindersessel mit Stofftier
Kindersessel mit StofftierDie Presse/Clemens Fabry

Seltener Weinbergblick

„Dass es sinnvoll ist und sehr schön sein kann, alte Möbel und Sachen wiederzuverwenden, haben die Kinder recht schnell verstanden.“ Und dass man nicht dauernd etwas Neues brauche. Da weder Keller noch Dachboden vorhanden sind, habe man auch den Vorteil, nicht zu sammeln oder unnütze Sachen zu kaufen. „Bevor etwas Neues ins Haus kommt, muss etwas anderes weichen. Mit zwei Kindern, Freunden und Familie, die oft zu Besuch kommen, muss alles im Haus funktionell sein. Ich mag es nicht, wenn alles angeräumt ist. Obwohl, auf dem Flohmarkt kann ich an alten Vasen oder Geschirr kaum vorübergehen.“ Wenn Gietl die Haustür hinter sich zumacht, möchte sie in ihrer Welt sein. „So sollte Wohnen sein“, findet sie. „Wenn das Heim die Welt seiner Bewohner widerspiegelt, dann fühlt man sich wohl.“ Familienbilder sind wenige zu finden. „Die Möbel und die Deko-Objekte sind ja quasi wir, und auch die Weste oder die Puppe, die mal herumliegen dürfen. Wir leben hier, und das sieht auch so aus.“

Ihr Lieblingsplatz ist übrigens das Schlafzimmer – mit Blick auf die Weinberge, „wo man beim Rausschauen einfach den ganzen Tag vorüberziehen lassen könnte. Leider ist das nur selten möglich“.

Zum Ort, zur Person

Korneuburg liegt zwölf Kilometer von Wien im nördlichen Weinviertel/NÖ und war einst mit Klosterneuburg unter dem gemeinsamen Namen Nivenburg verbunden. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Korneuburg zwischen 937,27 und 3046 Euro/m2. Katrina Gietl hat sich mit dem Sanieren von alten Kindermöbeln und Spielzeug selbstständig gemacht. Mehr Infos unter: urbanupdate.at/



https://urbanupdate.at

Schreibtisch mit Beleuchtung.
Wohngeschichte

Die Kraft der sanften Farben

Wie wohnt man, wenn man beruflich für andere Wohnaccessoires aussucht? Andrea Widhalm hat ihr Domizil beim nahegelegenen Wiener Karlsplatz mit viel Weiß, Holz und Design ausgestattet.

Stuck, hohe Räume, große Fenster: Das Haus, in dem Andrea Widhalm mit ihrer Familie wohnt, wurde 1897 im typischen Stil der Gründerzeit erbaut und steht unweit der Karlskirche. „Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich in dem Gebäude eine Schule, die später ausgesiedelt wurde und sich nun in der Nähe befindet. Das Gebäude wurde komplett revitalisiert, und wir sind 2017 eingezogen“, erzählt die ehemalige HAK-Lehrerin, die sich kurz vor dem ersten Lockdown ihren lang gehegten Wunsch erfüllt hat: einen eigenen Onlineshop, Noord, mit nachhaltigen Wohnaccessoires aufzumachen.

Offene Küche.
Offene Küche.D. Barbier

„Wie in jeder Großstadt findet man sein Traumobjekt nicht sofort. Wir haben etwa zwei Jahre gesucht und sind dann durch Zufall und einen Tipp eines Bekannten auf die Baustelle aufmerksam gemacht worden.“ Das Haus war damals komplett heruntergekommen, doch der Schnitt der 130 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnung begeisterte die Familie. „Unsere Kinder gehen zufälligerweise jetzt auch in die Volksschule und den Kindergarten in der Nähe, die einst ,bei uns‘ untergebracht waren.“

Verliebt in den Grundriss

Die Wohnung, in der die Grundfarbe Weiß dominiert, teilt sich durch einen Flur in einen Wohnbereich mit großzügiger Wohnküche, der Rest der Zimmer ist auf der Südseite gelegen und stellt den Privatbereich der Wohnung dar: zwei Badezimmer, Schlafzimmer und zwei Kinderzimmer. Zudem gibt es einen begrünten Balkon mit Blick in den ruhigen Innenhof.
Bei der Gestaltung der Wohnung haben alle mitgewirkt. „So ist die gesamte Innenausstattung an den Grundriss angepasst, und wir haben für jeden Raum eigene Lösungen gefunden.“ Architekt Gregor Hoffelner war rund um die Kaufentscheidung ein wertvoller Berater. „Und für den Innenbereich haben wir uns vom Architekten Johannes Will beraten lassen.“ Er war daher maßgeblich an der Gestaltung des Wohnraums beteiligt.

Wohnzimmer mit Sofalandschaft und Bücherregal.
Wohnzimmer mit Sofalandschaft und Bücherregal.D. Barbier

Heller Grund, bunte Hingucker

Dabei wurde viel Holz in der Farbe Arctic White verwendet sowie Keramik für die Küche im selben Ton. Der Eichenparkettboden wurde als klassischer Fischgrät verlegt. Die Betten, Schränke, Vorhänge und andere Textilien halten sich in Sachen bunt ebenso zurück wie die Wände. Einiges an Interieur wurde aus der vorigen Wohnung mitgebracht: die überdimensionale Couch, das Bett von Philipp Starck für Cassina, der Esstisch, der aus einer alten Werkplatte gebaut wurde. „Die weißen Eames Plastic Chairs passen wunderbar an diesen Holztisch.“ Unübersehbar: das große Faible für Lampen. So hängt im Wohnraum eine große Hulahoop-Leuchte von Planlicht, eine kleine über dem Küchenblock. Ein besonderer Liebling ist die Leuchte Vibe: „Diese Lampe simuliert den Tagesverlauf des Lichtes und schafft eine wunderbare und nie künstliche Atmosphäre.“ In den Kinderzimmern hängen große Kugelleuchten, die Pendelleuchten The Moon und Planet Grande. Praktisch soll die Einrichtung natürlich ebenso sein: „Daher lieben wir unseren weißen Faltvorhang aus der Schweiz im Eingangsbereich, hinter dem unsere gesamte Garderobe Platz findet und der ganz automatisch Ordnung schafft, wenn er zugezogen ist.“

Raum für die Kids.
Raum für die Kids.D. Barbier

Mit den farbigen Wohnaccessoires – viele aus dem eigenen Shop – werden dann bewusst Akzente gesetzt. „Die Wohnung strahlt Ruhe und Balance aus, und die farbigen Accessoires kommen so besonders gut zur Geltung“, meint Andrea Widhalm. „Wohnen war und ist für uns sehr wichtig. Wir schöpfen viel Energie aus einer schönen Umgebung. Wir schätzen die Ruhe und Kraft, die die Räume ausstrahlen. Egal ob Kochen, Essen, Arbeiten, Spielen oder Schlafen – der Raum bietet in unserem Zuhause immer die perfekte Bühne dafür.“

Zum Ort, zur Person

Auf dem Areal des Karlsplatzes befanden sich im Mittelalter zwei Spitäler, die zur Versorgung eigene Mühlen und Bierbrauereien, vom Wasser des Wienflusses betrieben, nutzten. Die ehemals hölzerne Brücke, später Elisabethbrücke, wurde 1404 aus Stein gefertigt, 1895 begann die Einwölbung der Wien. Mietwohnungen kosten in Wieden zwischen 8,70 und 13,53 Euro im Monat.

Andrea Widhalm gründete 2019 den Onlineshop Noord mit nachhaltigen Wohnaccessoires.

Mehr Infos unter: https://noord.at/

 

Wohfühlort: Spiegel im Knieschwimmer-Sessel von Adolf Loos.
Wohngeschichte

Wien Wieden: Kunst in der Schokoladenfabrik

Wie sich Künstlerin und Kunstsammlerin Michaela Spiegel in der ehemaligen Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Viktor Schmidt & Söhne im 4. Bezirk eingerichtet hat.

„Früher war hier eine Süßwarenfabrik, auf meiner Etage sind die Bonbons verpackt worden“, erzählt Michaela Spiegel. „Als ich vor 25 Jahren hierherkam, hat alles sehr anders ausgesehen.“ Die ehemalige Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Viktor Schmidt & Söhne „hatte den Charme eines Abbruchhauses“.
Spiegel war gerade aus Paris zurückgekommen und hatte durch Zufall bei einem Abendessen bei Sammlern von dem Objekt erfahren. „Ich habe mir damals gesagt, das brauch ich mir gar nicht anzuschauen, 300 m2 neben dem Belvedere für zehn Schilling (!) pro Quadratmeter nehme ich sofort. Innerhalb eines Sommers wurde alles bewohnbar gemacht.“ Vor Schulbeginn zog sie mit den beiden Töchtern ein. „Während der Renovierungsphase habe ich zeitweise ohne Eingangstüre übernachtet, weil die alte schon draußen war und die neue Verspätung hatte.“


Bad im Lastenaufzug


Der große hofseitige Atelierraum sowie die Schlafzimmer der Kinder mit Bad auf der einen, und Spiegels Schlafzimmer mit Bad und Küche auf der anderen Seite bieten viel Freiraum für alle Familienmitglieder. Die gesamte Etage wird von schlanken Gusseisensäulen getragen, die sich durch das dreistöckige Gebäude ziehen. Durch große Kastenfenster blickt man in den Innenhof.

Blick auf den Ess- und Arbeitstisch.
Blick auf den Ess- und Arbeitstisch.(c) Amelie Kaola Korzil


Die komplette Etage wurde mit Stellwänden unterteilt, in den nicht mehr funktionierenden Lastenaufzug wurde das zweite Bad gebaut. Dem Terrazzo-Boden sieht man das Fabriks- und auch das Atelierleben an. „Er prägt den Stil des Lofts. Mit den Jahren und vor allem mit dem Auszug meiner Töchter hat sich das Kinderzimmer in mein Arbeitszimmer für staubige Pastellzeichnungen verwandelt. Nun kann ich endlich eine Türe schließen.“ Ab und an lässt sie alles neu ausmalen. „In Weiß, mehr kann ich meinen großflächigen Zeichnungen nicht antun.“
Die Künstlerin liebt es ohnehin reduziert und schnörkellos. „Ein Freund, mit dem ich vor 45 Jahren im Café Heinz statt in der Schule gesessen bin, ist Kunstschlosser und hat mir verschiedenste Arbeitstische und Lagermöbel aus Eisen gebaut. Zwischen den Gusseisensäulen haben wir erst vor Kurzem eine Hängevorrichtung für die großen Papierarbeiten installiert.“


Sitzmaschine trifft Rollkästen


Von den Eltern hat sie vor langer Zeit eine so genannte Sitzmaschine von Josef Hoffmann geschenkt bekommen. Aus dem Elternhaus stammt auch der sogenannte Knieschwimmer-Sessel von Adolf Loos, den sie schon als Kind „bewohnt“ hat und noch immer liebt.
Um den Arbeitstisch, der auch als Esstisch verwendet wird, stellt sie bei Bedarf die Stapelsessel von Franz Schuster, die 1959 für das Forum Stadtpark in Graz entworfen wurden. In drei Medizinschränken wurden Familienfotos und Andenken weggepackt, in einem Rollkasten stehen überdimensionale Ordner mit rund 16.000 Polaroidfotos, ihrem Tagebuch der letzten 25 Jahre.

Medizinschränke mit Andenken, Hängevorrichtung für große Papierarbeiten und Sitzmaschine von Josef Hoffmann.
Medizinschränke mit Andenken, Hängevorrichtung für große Papierarbeiten und Sitzmaschine von Josef Hoffmann.(c) Amelie Kaola Korzil


„Das Zuhause ist für mich wichtig. Das muss aber nicht nur an einem Platz sein, und hat auch nichts mit Besitz zu tun. Ein Zuhause bewohnt man mit allen Sinnen, da ist mir das Kochen und gemeinsame Essen besonders wichtig, und ein Platz zum Lesen muss auch sein.“ Dafür hat sie es immer als enormen Luxus empfunden, in der Nähe ihrer Töchter zu sein. „Da hat für beide Teile viel Disziplin dazugehört. Für mich, um nicht immer greifbar zu sein, obwohl ich vor Ort war, und für meine Kinder, um meine permanente Anwesenheit zu ertragen.“ Die Trennung zwischen Arbeiten und Wohnen ist ihr bis heute nicht gelungen. „Ich wüsste gar nicht, wie das geht.“


Die erwachsenen Töchter sind schon lange ausgezogen, und Spiegel verbringt ihre Sommer mittlerweile in Nordfrankreich. Hier hat sie sich in ein weiteres Immobilienabenteuer gestürzt und leitet seit sechs Jahren die ersten feministischen „Creative Residencies“ Europas, genannt „Madame Pompadour“. Einen Teil der Sommerproduktion bringt sie jeden Herbst zum „Einlagern“ nach Wien. „Der Parkplatz im Innenhof erleichtert mir die Transporte.“ Der einzige Nachteil ist die dezente Beschilderung. „Man muss mich schon finden wollen. Die meisten Menschen irren durch die Höfe, bis sie zum Telefon greifen und ich sie endlich herauf lotse.“

Zum Ort, zur Person

Viktor Schmidt & Söhne wurde 1858 als „Wiener Schokoladefabrikation“ in der Wiedner Goldeggasse gegründet, 1920 übersiedelte sie nach Simmering (Ildefonso, Mozartkugeln) und wurde 2000 von Manner gekauft. Gebrauchte Wohnungen kosten in Wieden zwischen 2353 und 5249 Euro/m2. Künstlerin Michaela Spiegel ist als Leiterin des feministischen „Creative Residency Centre Pompadour“ in Frankreich tätig. michaelaspiegel.org

Wohngeschichte

Mit Schaf, Huhn und Hasenfamilie

In der Nähe von Graz hat sich Tina Marie Efferl, Designerin für Kinderaccessoires, mit ihrem Mann in einem alten Bauernhaus ein kuscheliges Nest geschaffen.

Adieu Isar, servus Winterwunderland. Etwas außerhalb von Graz, da, wo sich die Füchse Gute Nacht sagen, liegt das Bauernhaus im typischen Stil der Region, dessen stimmungsvolle Einrichtung Tina Marie Efferl mit ihrem Mann vom Keller bis zum Dach selbst durchdacht hat. Komplettiert wird diese Idylle durch einen 3000 Quadratmeter großen Garten, von glücklichen Hühnern, einigen Schafen und einer Hasenfamilie.

Im WohnzimmerBarbier

Vor knapp vierzehn Jahren hat es die Münchnerin hierher verschlagen. Hier lebt und werkt sie mit ihrem Mann Christian, den drei Kindern sowie dem Zwergrauhaardackel Anton Benjamin Blümchen. Ihr Mann – „der Fels in der Brandung“ – ist Baumeister, beide sammeln für ihr Leben gern. Und das ist in ihrem Heim auf Schritt und Tritt spürbar. Die Inneneinrichtung des Hauses haben sie im Laufe der Jahre auf ihren gemeinsamen Streifzügen durch Flohmärkte und bei Antiquitäten- und Altwarenhändlern in der Region zusammengetragen. Mit einem gelungenen Händchen zur Selbstdarstellung und viel Liebe zum Detail. „Was für uns zählt, ist: Gemütlich und kuschelig soll es sein, das schätzen auch unsere Freunde wenn sie uns besuchen kommen“, erzählt Efferl.

Efferl mit ihrer Tochter
Efferl mit ihrer TochterBarbier

Passion fürs Sammeln

Wohnen sei ihr sehr wichtig, sagt sie. „Ich bin ein absoluter Familienmensch und ein liebevoll gestaltetes Zuhause gehört für mich einfach dazu.“ An ihren Schätzen, dem Geschirr, Vasen oder alten Vintagestücken, erfreue sie sich jeden Tag aufs Neue. Einzurichten, umzuräumen, neue Ecken zu erschaffen und zu dekorieren ist ihr größtes Hobby. „Eine Leidenschaft, die meinen Mann oft an den Rand der Verzweiflung bringt, denn es gibt immer auch etwas für ihn zu tun – ich nenne ihn ,Bob, den Baumeister'.“ Ein Hauch von Bullerbü eben. „Unsere Freunde sagen immer, ,ihr wohnt dort, wo andere Urlaub machen'“, freut sie sich über ihr Stückchen heile Welt. Und wegen ihres Hangs zu den schönen Dingen des Lebens dreht sich in ihrem Kopf alles um Mode, Interior Design, Malen und Nähen. Und so war es fast zwangsläufig, dass sie irgendwann ihr eigenes Label gründen musste. Ein Wunsch, der auch durch die Geburt ihrer jetzt zehnjährigen Tochter Lilli Marleen getriggert wurde, die dafür als Namenspatin fungierte.
Ihr Label „Lilli Marleen“ steht für hochwertige, handgemachte Baby-und Kinderaccessoires von der Kuscheldecke bis zum Stofftier. „Meine Leidenschaft zum Nähen wurde mir wohl in die Wiege gelegt,“ erzählt Tina Marie. „Schon meine Oma hat Stofftiere genäht und diese auf dem Markt verkauft. Die Beobachtung, dass bei meinen Kindern von der Wickeltasche über die Lätzchen bis zur Decke für unterwegs immer alles zusammenpassen musste, brachte mich zu meiner Nähmaschine und von da an nicht mehr weg.“ Mittlerweile hat sie ein eigenes Atelier im Haus und viele helfende Hände aus dem Bekanntenkreis. „Ich wünsche mir, dass wir alle wieder etwas umdenken und echte Handarbeit zu schätzen wissen“, sagt sie.

Weihnachtsdekoration bei der Efferls
Weihnachtsdekoration bei der EfferlsBarbier

Weihnachtszeit ist Dekozeit

In der Weihnachtszeit kann sie ihre Liebe zum Detail besonders gut ausleben. So hängt etwa an fast jeder Tür ein gebundener Kranz, jeder Haken ist mit einem kleinen Anhänger geschmückt und überall hängen selbst gebastelte Fächersterne. Und natürlich gilt dem Weihnachtsbaum ihre besondere Hingabe. „Unser Baum wird jedes Jahr mit den gleichen Schätzen geschmückt, die ich über die Jahre von überall her mitgebracht habe. Eine Mischung aus altem, traditionellem Baumschmuck, gepaart mit ein bisschen Kitsch und geschenkten Anhängern“, schmunzelt die passionierte Dekorateurin. Im Keller, verrät sie, habe sie einen alten Schrank, der voll mit Weihnachtsschmuck sei, den sie über die Zeit angesammelt habe. Die schönsten Stücke finde sie aber in der Natur. „Wir gehen oft in den Wald und suchen dort nach Ästen oder Moos, die wir dann für die Weihnachtsdeko verwenden“, erzählt sie.
Und aus so einem gemütlichen Heim will man auch zu Sylvester nicht weg: „Mein Mann und ich werden um Mitternacht einen Walzer aufs Parkett legen“, verrät sie. Danach gibt es einen Schweinsbraten. „Im neuen Jahr soll man ja Schwein essen, das bringt Glück“, lacht sie.

Zur Person/zum Ort

Die gebürtige Münchnerin Tina Marie Efferl vertreibt unter ihrem Label „Lilli Marleen“ handgemachte Baby- und Kinderaccessoires. Dafür hat sie sich auf einem abgeschiedenen Bauernhof in der Nähe von Graz mit Unterstützung ihrer Familie ein Atelier eingerichtet.
In Graz-Umgebung zahlt man für ein Einfamilienhaus in sehr guter Wohnlage mit sehr gutem Wohnwert im Schnitt 2900 Euro/m2.

Kayali im Wohnzimmer mit Schreibkommode, an der Wand eine Urkunde aus der Zeit des osmanischen Reiches, als ihr Großvater Oberlandesgerichtsrat in Aleppo war.
Wohngeschichte

Partyzone mit Zeitreisefaktor: Zu Besuch bei Ö1-Moderatorin Nadja Kayali

Die neue Imago-Dei-Musikfestival-Leiterin Nadja Kayali lebt seit zwölf Jahren in einem Währinger Altbau – mit bunten Wänden, kirgisischen Teppichen und Stockhausen-Poster.

Das Vorzimmer ist noch weiß, dann wird es bunt: die Küche blau, das Bad orange, der Wohnraum gelb und terracotta. „Ich bin ein Farbenfreak“, gesteht die Musikwissenschaftlerin, Uni-Lektorin und Ö1-Moderatorin Nadja Kayali, die hier in Währing seit zwölf Jahren mit ihrem Mann lebt und arbeitet. Lampen aller Art sorgen für angenehmes Licht, auch am Tag. „Es ist ja doch dunkel hier, vor allem im Sommer“, meint sie über die 160-m2-Wohnung, deren Wohnräume nordseitig in einen grünen Hof ausgerichtet sind, „in dem die Eichhörnchen herumflitzen“.


Hoher Zeitreisefaktor


Die unterschiedlichen Töne verbinden und untermalen die Bilder, Poster und Erinnerungen aus unterschiedlichsten Zeiten und Ländern: von einer Urkunde aus der Zeit, als Kayalis Großvater in Aleppo Oberlandesgerichtsrat war, über Poster und Postkarten des Komponisten Karlheinz Stockhausen bis zu allerlei Memorabilien der Wiener Philharmoniker aus dem Nachlass ihres Onkels. Ein Brief von Stefan Zweig findet sich, eine Totenmaske von Gottfried von Einem, handgeknüpfte Teppiche aus Kirgisistan. „Die Rahmenexpertin Sonja Zwazl hat viele Stücke in Szene gesetzt“, erzählt Kayali und zeigt auf den gerahmten Ballfächer, der mit einem Hänge-Obstmesserset und der Ziehharmonikalampe im Essraum harmoniert.

 


Der letzte Neuzugang, „von einer entfernten Cousine, die wir Tante Trude nannten“, ist eine alte Schreibkommode, freut sich Kayali über das nobel-unscheinbare Möbelstück, dessen oberste Lade sich, ausgeklappt, als Sekretär entpuppt, kleine Schubfächer im rückwärtigen Teil inklusive. Hier haben nun die vielen Bücher, Programme und anderen Erinnerungsstücke der Wiener Philharmoniker ihren Platz gefunden „und erzählen Geschichten. Etwa von einer nie stattgefundenen Uraufführung 1944 in Salzburg, von der nur das handgeschriebene, angekündigte Datum im Programm existiert.“ Viele Dinge seien geschenkt, zu allen gebe es einen besonderen Bezug, und manches wandere auch weiter. „Dinge müssen zirkulieren“, meint Kayali.


Party, Kekse, Hauskonzert


Die Wohnung sei bei der Übernahme vor zwölf Jahren sehr desolat, aber voller Antiquitäten gewesen. „Wir haben sie komplett saniert und nach und nach eingerichtet, kurz vor dem Lockdown wurde erst neu ausgemalt, nach der Farbkartenkonsultation einer Freundin, die als Bühnenbildnerin tätig ist“, erzählt Kayali.
Die Wohnung sei für sie nicht nur ein privater Bereich, sondern „ein Open House, bei uns ist immer Platz, ich freue mich sehr darauf, wieder Gäste zu haben, zu feiern, dann, nachts, ist die Wohnung auch am schönsten“. Gäste werden sowieso entsprechend bewirtet, selbst gemachte Kekse und Kuchen gehören quasi dazu.

Für die Einweihungsfeier damals habe sie drei Tage lang gekocht, „das Wichtigste ist ja immer, genug zu essen und zu trinken zu haben“, lacht sie. Geschirr zum Servieren gibt es auch genug, „bei Geschirr werde ich schwach, das ist wie bei Schmuck und Schreibwaren“. Besonders gern mag sie das Calçada portuguesa, das den Straßenmosaiken Lissabons nachempfunden ist. Derzeit ist das Weihnachtsgeschirr im Einsatz, das sie ihrer Mutter Stück für Stück geschenkt hat und nun wieder bei ihr gelandet ist.

Auch Musik ist, wenig überraschend, ein Thema. „Der aktive Musiker im Haus ist ja mein Mann“, meint sie, er spiele in einer Band, wie es sich für einen Arzt quasi gehöre. „Bei der Sanierung wurden daher nicht nur die Leitungen für die Lampen, sondern auch für die Bose-Anlage unter Putz verlegt“, erzählt sie.

Zum Ort, zur Person

Der 18. Wiener Bezirk, entlang der Währinger Straße gelegen, wurde 1892 eingemeindet und gilt, großteils, als ruhige Wohngegend mit soliden Gründerzeitbauten. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in Währing zwischen 2190,38 und 4716,19 Euro/m2.


Nadja Kayali ist als Lektorin am Institut für Musikwissenschaft und Sendungsgestalterin bei Ö1 tätig, 2022 übernimmt sie die künstlerische Leitung des Osterfestivals Imago Dei in Krems, das von 11. März bis 17. April in der Minoritenkirche stattfinden wird. www.klangraum.at
 
 

Kayalis Lieblingsplatz ist ihr Arbeitszimmer – eigentlich eine Bibliothek mit Schreibtisch und Joka-Sofa. Hier, zwischen Beethoven-Büste und Kamelhaartasche von einem kirgisischen Markt, bereitet sie sich auf ihre Sendungen vor, und aktuell auf das Imago-Dei-Musikfestival in der Minoritenkirche Krems, dessen künstlerische Leitung sie 2022 übernimmt. Geplant ist eine Mischung aus diversen Musikrichtungen, unter anderem ein „Imago Dea“, bei dem 50 Frauen auf der Bühne sein werden. „Es macht Spaß, wieder quasi als Regisseurin zu gestalten und zu kreieren.“

Blick in den Wohnraum mit Bolia-Ohrensessel.
Wohngeschichte

Swinging London in Wien Neubau

Fair Living statt Fast Furniture: Wie sich Magdalena Kupfersberger im 7. Bezirk nach ihrer eigenen Firmenphilosophie eingerichtet hat: sehr nachhaltig, aber nicht für immer.

Nach sechs Jahren in London war für die Ingenieurin und Designshop-Gründerin Magdalena Kupfersberger und ihren Freund klar: Wien Neubau wird ihre neue Adresse. „Weil uns die Atmosphäre gefällt. Wir kochen nicht viel selbst und wohnen gern in einer Gegend, wo man Tag und Nacht auswärts essen gehen kann und ständig auf neue Restaurants und Cafés stößt.“ Näher bei der Familie, günstiger wohnen, Zeit für eine neue Stadt – das waren die Umzugsgründe. „Eine 90-Quadratmeter-Mietwohnung im Altbau hätten wir uns in London nie leisten können.“

Sammlung an Geschichte(n)

Der Erker der Wohnung gab den Ausschlag, sie zu mieten – und mit ihren Schätzen zu füllen. „Das Zuhause ist für uns eine Sammlung der eigenen Erfahrungen, Erinnerungen, wichtigen Momente und liebsten Menschen. Es ist eine Art Spiegel in das Leben, das man führt und führen will. Für uns gehört es dazu, dass unsere Wohnung eher ein kreatives Chaos ist, das ist das Leben ja auch.“

Viele Teile sind Tausende Kilometer mit ihr gereist oder schon Lieblingsstücke der Eltern und Großeltern gewesen.

Der Klamottensessel, ein originaler Klappkinosessel mit Leopardenmuster im Schlafzimmer, wurde von ihrem Freund mitgebracht. „In Guatemala haben wir zusammen einen knallorangen und pinken Läufer anfertigen lassen.“

Stillleben mit Vasen und Läufer aus Guatemala.
Stillleben mit Vasen und Läufer aus Guatemala.Barbier

Ausgefallene Sachen mögen beide, daher müssen auch so gut wie nie Kompromisse eingegangen werden. „Wir spielen gern mit unterschiedlichen Stilrichtungen. Fast jedes Stück hat bei uns eine Geschichte – mit ein paar winzig kleinen Ausnahmen.“ Da wären etwa das riesige Cassina-Sofa von der Großmutter, die Flos-Arco-Stehleuchte, die eigentlich dem Vater gehört, aber als Leihgabe gegeben wurde, als Kupfersberger nach Wien gezogen ist. Der marokkanische Teppich kam von einer Reise mit nach Hause und verbindet die Sitzecke mit dem Esstisch. Den Bolia-Ohrensessel hat sich Kupfersberger mit ihrem ersten Gehalt vom neuen Job in Wien gekauft. „Samt, rostbraun, ich liebe ihn. Und er passte perfekt zum Cassina-Sofa meiner Großmutter.“

Ein Tisch fürs Leben

Etwas ganz Besonderes ist auch der riesige massive Nussholztisch. Diesen haben sie selbst entworfen und vom Tischler anfertigen lassen: „Im Landhaus meiner Familie gab es früher einen riesigen Nussbaum mit Schaukel. Er wurde bei einem Sturm beschädigt und gefällt. Jetzt haben alle in meiner Familie mit diesem Nussholz einen Tisch designen dürfen.“ Weil das Stück sehr schwer ist, musste es vom Tischler vor Ort zusammengebaut werden.

Das große Bücherregal ist ein weiteres Herzstück. „Seit der ersten Woche im Lockdown ist das Bücherregal nach Farben sortiert, weil mir langweilig war. Meine Schwester hat dabei geholfen, und meinem Freund hat es gar nicht gefallen, weil es so spießig aussieht.“ Auch das Klavier hat sie sich während Corona zugelegt. „Ich habe als Kind gespielt und leider damit aufgehört, während ich studiert habe.“ Das „Schrankzimmer“ mit einigen Laufmetern an Kleiderschränken sowie dem uralten Daybed aus Samt ist Rückzugsoase. Das Koll-Bett stammt von der Großmutter. „Es hat ein grandioses Muster, dunkler Samt mit Zirkus-Motiven.“

Das Doppelbett ist das einzige Stück ohne Vorgeschichte.
Das Doppelbett ist das einzige Stück ohne Vorgeschichte.Barbier

Im Schlafzimmer steht das Doppelbett, das einzige Stück, zu dem es keine Vorgeschichte gibt. Das petrolfarbene Samtbett wurde online bestellt und selbst aufgebaut. „Der Teppich davor ist handgeknüpft, er stammt aus Marokko und wurde für meinen Shop Sister*hood nach Wien geschafft. Er hat uns so gut gefallen, dass wir ihn nicht in den Shop gegeben haben, sondern zu uns ins Schlafzimmer.“

Apropos Shop: Kupfersberger startete mit ihrer Schwester Veronika kürzlich den nachhaltigen Interieurshop Sister*hood Vienna, um mehr Begeisterung für Interior Design aus Fair Trade zu schaffen. Günstige Großkonzerne mit Fast Fashion und Fast Furniture boomen. „Aber man sollte doch Qualität in seinem Leben verlangen dürfen. Auch für diejenigen, die die Produkte herstellen.“ Bezüglich der Wohnung ist sie weit flexibler. „In London ist Wohnen eine kurzfristige Sache, meist wird für neun Monate unterschrieben“, erzählt sie. „Wir bleiben, solang es uns gefällt. Mittlerweile könnten wir uns schon wieder etwas Neues vorstellen.“

Zum Ort, zur Person

Der siebte Wiener Bezirk galt wegen seiner alten, kleinen Wohnungen und wenig Grün, bis in die 1990er-Jahre als unattraktiv. Durch Altbausanierungen und Lokalansiedlungen hat sich das Bild gewandelt, Mietwohnungen kosten in Neubau rund 10,91 Euro/m2.

Magdalena Kupfersberger (re.) ist Beraterin mit Fokus auf Nachhaltigkeitsstrategien. und führt mit Schwester Veronika (li.) den Design-Shop sister*hood vienna.

Infos unter: www.sisterhood-vienna.com

 


[S11H4]

Manche mögen's schlicht: Die Wohnung von Lukas Kroboth im sechsten Wiener Bezirk.
Wohngeschichte

1060 Wien: Leben und arbeiten wo einst Kachelöfen hergestellt wurden

Der Architekt und Bauingenieur Lukas Kroboth hat es sich in einer ehemaligen Hafnerei in Wien Mariahilf gemütlich gemacht. Dabei folgte er dem Motto „Weniger ist mehr“.

Wenn Lukas Kroboth seine Wohnung betritt, bewegt er sich auf historischem Boden. In der ehemaligen Hafnerei mit zugehörigen Arbeiterunterkünften und eigener Stallung für die Transportkutschen wurden früher Kachelöfen hergestellt. „Das Haus wurde im Jahr 1860 erbaut. Ab der Nachkriegszeit war hier ein Pflanzenzubehörgeschäft untergebracht“, erzählt der Architekt und Bauingenieur. Gefunden hat er sie rein zufällig, und zwar ganz banal im Zuge einer Suche nach einer WG-geeigneten Wohnung über eine Online-Annonce.

„Nach Auflösung der WG habe ich sie mit meiner Freundin zur Gänze übernommen; seitdem gestalten wir sie sukzessive um“, erzählt der Architekt, der gemeinsam mit Vater und Schwester auch das Familienunternehmen Kinderspiel Design gegründet hat, das sich auf schlichte Lampen, Möbel und Inneneinrichtungen spezialisiert.

Altbau-Charme

„Die Lage ist natürlich hervorragend durch die Nähe zum Westbahnhof und die Mariahilfer Straße, die Lärmeinwirkung von außen sehr gering. Auch sind die Nachbarn sehr ruhig“, freut sich Kroboth. Die klassische Altbauwohnung mit insgesamt rund 80 Quadratmetern Wohnfläche verfügt über zwei geräumige Zimmer, einen großen Vorraum, Küche und Bad. Und der quadratische Grundriss eigne sich vorzüglich als Rennstrecke für seine beiden Katzen, grinst er.

Das Gebäude wurde im Jahr 2010 grundsaniert. Dabei wurde Krobaths Wohnung von der Nachbarwohnung getrennt, um zwei kleinere Wohnungen zu schaffen. Es wurde peinlich darauf geachtet, den gründerzeitlichen Charakter zu erhalten. So wurde zwar das Bad grundlegend erneuert, erhalten blieben aber das originale Eichen-Fischgrätparkett und die großen Doppelflügeltüren.

Küche
KücheBarbier

„Es wurden lediglich die Innenräume saniert und somit keine thermische Verbesserung vorgenommen, wodurch die hohen Räume schwer zu heizen sind“, merkt er mit leichtem Bedauern an. Als weiteren Nachteil empfindet er den Mangel eines Balkons oder anderer Freiräume. Ansonsten glänzt die Wohnung noch fast gänzlich im originalen Materialkonzept, ohne Stuck oder anderen Schmuck. Nur die eleganten Türen mit Kassetten und der Fischgrätboden zeigen die stilistische Einwirkung der Epoche.

Das Mobiliar wurde gezielt nach dem Motto „Less is more“ ausgewählt: Der Cafétisch im Wohnzimmer ist eines der ersten selbst entworfenen Möbelstücke, mit einer fast spiegelnden Betonoberfläche, die Bank im Vorzimmer stammt von einer alten Straßenbahn der Wiener Linien und wurde im Kellerwerk im sechsten Bezirk wieder sitztüchtig gemacht.

Steelcase-Schreibtisch.
Steelcase-Schreibtisch.Barbier

Der große Schreibtisch, der für das Entwerfen und Planen neuer Ideen – sei es Architektur, Lampen oder Möbel – bestens geeignet ist, stammt aus einem von Krobaths früheren Jobs bei der Firma Schindler und ist von Steelcase. „Die meisten Möbel wurden von mir ausgewählt, um einen ganz gewissen Zweck zu erfüllen. Und weil sie möglichst schlicht im Aussehen sind.“ Das Bücherregal, das sich langsam mit den gesammelten Architektur- und Designwerken füllt, ist ein einfaches Ikea-Billy-Regal.

Der Esstisch im Hause Kroboth.
Der Esstisch im Hause Kroboth.Barbier

Der beste Platz ist und bleibt jedoch der Esstisch. Hier wird gegessen, entworfen, geplant, gelebt und besprochen. „Wohnen ist essenziell für mich. Die meisten Ideen entstehen zwar an freier Luft oder in der Werkstatt, werden aber dann in der Wohnung ausgearbeitet und ausformuliert.“

Leben und Arbeiten

Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen pandemischen Lage verwandelt sich die Wohnung zunehmend vom Lebens- zum Arbeitsmittelpunkt. Umso mehr ist der Bauingenieur bemüht, für sich, für seine Gäste wie auch für seine Katzen eine gemütliche Atmosphäre schaffen. „Aufgrund meines fließenden Übergangs zwischen Arbeitstätigkeit, Tätigkeiten für die Universität und privatem Leben gestaltet sich dies auch in Hinblick auf das Wohnen als fast nahtloser Übergang.“ Das sei Fluch und Segen zugleich, sagt Kroboth. „Man muss sich als jemand, der ständig zwischen diesen beiden Welten lebt, auch konsequent distanzieren können. Früher fiel mir das schwerer, heute jedoch relativ leicht.“

ZUR PERSON, ZUM ORT

Lukas Kroboth ist Bauingenieur und arbeitet beim Architekturbüro Franz & Sue. Nebenbei baut er mit seinem Vater und einer Schwester das Familienunternehmen Kinderspiel Design auf, das sich auf schlichte Lampen, Möbel und Inneneinrichtungen spezialisiert hat. Eigentumswohnungen im Erstbezug kosten in Wien Mariahilf durchschnittlich 5700 Euro/m2. [ Quelle: Wiener Wohnungsmarkt-Bericht 2021]

Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden.
Wohngeschichte

"Home Sweet Home": Wohnoase am Stadtrand von Salzburg

Wie richtet man sich ein, unterhält man einen Instagram-Account zum Thema Wohnen, Wohlfühlen und Interieur? Zu Besuch bei der Salzburger Marketingexpertin Alexandra Heim.

„Ganz kompromisslos“, so sagt die gelernte Grafikerin und Marketingexpertin Alexandra Heim, habe sie sich dem Thema Wohlfühlen verschrieben. Sie wohnt mit Ehemann sowie Hund und Katze am Stadtrand ihrer Heimatstadt Salzburg. „Da unsere Firma auch in diesem Stadtteil angesiedelt ist, war es für mich naheliegend, hier zu wohnen“, meint Heim zur Lage ihres Domizils.

Eigener Coffee Corner

Das Haus mit Garten und klassischer Raumaufteilung hat drei Etagen und verfügt über insgesamt 170 Quadratmeter. Im Erdgeschoß finden sich Wohn- und Essraum mit Küche, Vorraum und Gäste-WC. Einen Stock darüber sind die Schlafzimmer mit Ankleideraum und großem Bad und WC angesiedelt, und im zweiten Stock, den man über eine schlichte Wendeltreppe aus Holz erreicht, Büro, Gästebad, WC und Gästezimmer, „das gern auch als Kinoraum genutzt wird“, erzählt Heim. Im Keller wurde in der Coronazeit ein Fitnessstudio eingerichtet, mit einer Fläche von 25 Quadratmetern – „da kann man sich nach einem langen Arbeitstag schon so richtig austoben.“

Blick in das in Schwarz-Weiß-Holz gehaltene Wohnzimmer.
Blick in das in Schwarz-Weiß-Holz gehaltene Wohnzimmer.Doris Barbier

Die Wohlfühloase, wie sie ihr Haus selbst bezeichnet, hatte nur einen Nachteil: Der Küchenbereich ist für Heim als leidenschaftliche Köchin, die täglich gern an Herd und Arbeitsplatten werkt, etwas zu klein. Daher wurde vor einem Jahr Abhilfe geschaffen: „Wir haben uns einen Coffee Corner von unserem Tischler errichten lassen. Hier hat unsere Bezzera Matrix nun ihren neuen Platz. Wir sind beide Kaffeetrinker, daher lieben wir diese Küchenerweiterung sehr.“ Hier sind auch alle Kaffeeutensilien untergebracht. Der Boden ist einheitlich aus Massivholz, die Wände blieben Weiß. Akzente setzen Grünpflanzen, Körbe und eine gut dosierte Schwarz-Weiß-Optik, was die Deko-Objekte betrifft.

Klar, hell und elegant

Bei der Wahl der Farben wurde also bewusst reduziert vorgegangen – im Allgemeinen dominieren Weiß, Beige, Grau und etwas Schwarz. „Bunt mag ich nicht besonders, und wenn ausnahmsweise doch, dann nur dezent und gut dosiert mit ein paar einzelnen Dekostücken“, erklärt Heim. Passion oblige, der Wohlfühlfaktor ist auf Schritt und Tritt spürbar: kuschelige Kissen und Decken auf dem Sofa, ein paar Grünpflanzen, um die Natur ins Haus zu holen, und gedeckte Farben, so weit das Auge reicht.

Schwaz-Weiß-Optik gibt den Ton an.
Schwaz-Weiß-Optik gibt den Ton an.Doris Barbier

Auch die Vorliebe für italienische Möbel wird hier ausgelebt: „Wir haben uns im Wohnzimmer für die Firma Calia entschieden“, verrät Heim. Diese klaren, oft kubischen Formen – elegante, schmale Metallbügel mit organisch geschwungenen Holzkonstruktionen als Beine und Lehnen mit edlen Lederbezügen – hätten ihr auf Anhieb gut gefallen. „Außerdem machen sie durch ihre perfekten Formen den Wohnraum klar und übersichtlich.“ Wohnen ist für Heim und ihren Mann immer schon sehr wichtig gewesen. Da sind sich beide eben auch ganz einig: Ihr „Home Sweet Home“ ist ihre ganz persönliche Ruheoase und dient vor allem der Erholung.

Das Schlafzimmer in Beige-Weiß.
Das Schlafzimmer in Beige-Weiß.Doris Barbier

Wohnen statt Arbeiten

Wohnen und arbeiten wird bei ihr deshalb streng getrennt. „Ich möchte die Arbeit so selten wie möglich nach Hause mitnehmen, zu Hause soll man meiner Meinung nach schließlich vor allem abschalten und sich regenerieren können.“ Umso wichtiger sei der Grünraum rund ums Haus, der zur Entspannung wie zum Garteln unverzichtbar ist. „Da verbringe ich viel Zeit“, erzählt Heim. „Vor allem mit der Kräuterzucht und beim Hochbeet für Salat und Gemüse.“ Zur Zeit arbeitet die Kochbegeisterte zudem an ihrem ersten Kochbuch, das Thema: epigenetische Ernährung. Da kommt die geruhsame Winterzeit gerade recht.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Der seit 996 mit einem Markt-, Münz- und Mautrecht versehene Ort Salzburg hatte schon um 1550 rund 8000 Einwohner, heute ist er mit 155.000 Menschen die viertgrößte Stadt Österreichs.

Neue Eigentumswohnungen kosten in der Stadt Salzburg zwischen 3345,38 und 7371, 55 Euro/m2, im Bezirk Salzburg Umgebung zwischen 2984,50 und 4760 Euro/m2.

Alexandra Heim unterhält einen Instagram-Account (#livingmomentsalexa) mit Schwerpunkt Interior, Garten und Design.

Blick in den Garten mit Pool
Wohngeschichte

Dolce Vita in Südfrankreich

Den Traum vom Wohnen im Süden hat sich Beate Fadini in Sanary-sur-Mer in Frankreich verwirklicht: Das Zuhause der Wienerin ist nur zehn Autominuten vom Meer entfernt.

Zwei Schlafzimmer, ein großes Bad und ein großzügiges Wohnzimmer mit breiten Glasschiebetüren, die direkt auf die Terrasse und in den 600 m2 großen Garten mit Pool führen – so präsentiert sich die Wohnung Beate Fadinis im Erdgeschoß des Zweifamilienhauses, in der sie mit Partner und Tochter lebt. „Das Haus gehörte der Großmutter meines Partners“, erzählt Fadini. „Christophe hat hier einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht. Seine Mama hat ihm und seiner Halbschwester das Haus dann später geschenkt.“ Die beiden haben es in zwei Etagen mit jeweils einer Wohnung geteilt, mit einer Grundbedingung: jeder sollte seinen eigenen Eingang und Garten besitzen.“

Funktionell und ästhetisch

Vor fünf Jahren dann wurde die Wohnung komplett renoviert – und vergangenes Jahr war der Garten an der Reihe, erneuert zu werden. „Wir haben uns einen schönen Pool mit großer Terrasse einbauen lassen“, erzählt Fadini. Das Paar hat dabei alles selbst geplant und bis ins kleinste Detail ausgetüftelt. Weder beim Umbau noch bei der Neugestaltung des Gartens und des Pools wurde ein Architekt zurate gezogen. Funktionell solle es sein und trotzdem ästhetisch – das war beiden von Anfang an wichtig: „Beim Eingang gibt es eine extra Waschküche und Parkplätze. Wenn wir im Garten sind, sehen wir keine Autos, nur Grün, blauen Himmel und unseren Pool.“

Die offene amerikanische Küche mit weißen Einbauschränken und geräumiger Speisekammer ist das Herzstück des Hauses. Sie ersetzt eine kleine alte Holzküche, die zudem erweitert wurde. „Die Mauer wurde aufgebrochen, ein Stahlträger eingeführt, um die Decke zu stützen.“ Auch der riesige alte Backsteinkamin im Wohnzimmer musste weichen, der Boden wurde erneuert – die alten roten kleinen Fliesen wurden entfernt und mit hellgrauen Fliesen verlegt. Nur die großen Schiebetüren zur Terrasse wurden beibehalten. Ein Teil des Badezimmers wurde an das Schlafzimmer angeschlossen und dient heute als begehbarer Schrank. Das Badezimmer wurde komplett erneuert – mit Badewanne und Doppelwaschbecken.

Klare Linien, alte Stücke

Klare Linien und neutrale unaufgeregte Farben dominieren die Einrichtung. Grau-weiß Töne für die Möbel, ein Mix aus Vollholz und warmen Farben und Stoffen. „Wir mögen es beide, modern mit alt zu kombinieren.“ So wurde die Wohnung auch nach und nach und ganz behutsam gemeinsam umdekoriert, neue Couch, Bilder und die wunderschöne restaurierte alte Fleischhauerbank – eine Antiquität, die Fadini von Kunden geschenkt bekommen hatte. Wohnen ist für beide wichtig – „weil es unser Rückzugsgebiet ist, in dem wir uns alle wohlfühlen sollen. Wenn ich zu Hause bin, habe ich nur mehr selten das Bedürfnis wegzufahren. My Home is my Castle und meine Energietankstelle.“

Die Küche mit weißen Möbeln und grauen Fliesen
Die Küche mit weißen Möbeln und grauen FliesenDoris Barbier


Die gemütliche Couch stammt von Bobochic Paris, die Sessel rund um den Tisch im Wohnzimmer wurden bei einem Privatverkauf gefunden. Das alte Vollholzbett wurde einfach nur zusammengesteckt. „Ganz ohne Schrauben. Wir wollten kein Metall, wir haben auch keine Smartphones, Fernseher oder Sonstiges in unserem Schlafzimmer, da wir in diesem Raum das Raumklima so angenehm wie möglich und den Elektrosmog so gering wie möglich halten wollen.“

Das Haus hat heute genau die richtige Größe für die dreiköpfige Familie. Obwohl – „vielleicht wäre ein Zimmer mehr ganz praktisch, vor allem, wenn wir Besuch aus der Heimat haben“, meint Fadini. „Wir überlegen deshalb, eventuell in der nahen Zukunft ein Zimmer in einem Teil des Gartens zubauen zu lassen.“

Home-Office findet Fadini, die gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Isabel Pasquier in Südfrankreich ein Luxus Property Management Service – Ma Maison Provençale betreibt – im Prinzip toll. Auch wenn sie erst lernen musste, eine gesunde Work-Life-Balance zu finden. „Ich arbeite im Wohnzimmer, bei mir gibt es also keine strenge räumliche Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnplatz.“ Die finde nur statt, wenn sie ihren Computer zuklappe und das Telefon auf lautlos stelle. „Dann ist das für mich so, wie wenn andere die Bürotür hinter sich zumachen und nach Hause fahren.“

Zum Ort, zur Person

Sanary-sur-Mer ist eine Kleinstadt an der Côte d'Azur, die bereits um 1900 von deutschen und österreichischen Malern und Schriftstellern als Sommersitz entdeckt wurde. Ab 1939 wurde sie zum wichtigen (Zwischen-)Exil zahlreicher NS-Emigranten wie Stefan Zweig oder Alma Mahler-Werfel.

Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Isabel Pasquier betreibt Beate Fadini ein Luxus Property Management Service. www.mamaisonprovencale.com 

Lieblingsort Küche mir dem alten Ofen.
Wohngeschichte

Altes Schmiedehaus in Haslach: Das Mittelalter lässt grüßen

Dicke Mauern, imposante Gewölbe, viel Stuck und knarrige Holzböden: Wie sich Künstlerin Christa Mayrhofer im alten Schmiedehaus in Haslach eingerichtet hat.

Mein Großvater war der letzte Schmied hier“, erzählt Christa Mayrhofer beim Rundgang in den alten Mauern des Schmiedehauses in Haslach. Seit die Künstlerin 2007 – nach 25 Jahren in der weiten Welt – wieder an ihren Geburtsort im oberen Mühlviertel gezogen ist, bewegt sie sich auf den Spuren der manchmal bewegten Vergangenheit dieses Ortes.

Mittelalter lässt grüßen

Schon ein Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert zeigt das alte Haus am Marktplatz. Seit 1341 besitzt der Ort das Marktrecht, seinen Höhepunkt als Handelsort erreichte er noch vor der Mitte des 16. Jahrhunderts. Salz, eines der wichtigsten Handelsgüter, wurde aus dem Donauraum über Haslach und den Böhmerwald nach Böhmen transportiert. „Mein Vater hat mir das Haus vererbt, deshalb bin ich 2007 von Linz hierher übersiedelt. Ich hatte immer schon einen ganz besonderen Bezug zu diesem so speziellen Ort. Mit seiner Geschichte bin ich schließlich aufgewachsen“, sagt Mayrhofer.

Die zweite Blüte erreichte Haslach mit der Leinenweberei. Leinweber und Händler lieferten ihre Produkte in viele Teile der Monarchie. Der Markt war von einer Befestigungsanlage umschlossen, davon sind noch Teile an der Süd- und Westseite, zwei Rundtürme und der untere Stadtturm erhalten. Inmitten dieser Befestigungsanlage befindet sich der Bau mit dicken Wänden, Holzboden und Stuck an den Decken.

Neuer Anstrich mit Eitempera

Mayrhofers Zuhause hat drei Geschoße, alle wurden nach und nach behutsam renoviert, ohne die Spuren der Vergangenheit auszulöschen. „Es war für mich auch ein Vorteil, ein großes Atelier und einen Wohnbereich an einem Platz zu haben.“

Im Untergeschoß befinden sich die ehemalige Schmiede und die Werkräume, die der Künstlerin derzeit als Lager für ihre Bilder dienen. Das erste Obergeschoß mit einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern sanierte Mayrhofer mithilfe des akademischen Restaurators Gerhard Wünsche. Der Stuck wurde teilweise ergänzt, der alte Holzboden geschliffen, die Türschlösser und Zargen liebevollst behandelt und die Wände teilweise mit der komplizierten Technik der Eitempera-Malerei verziert.

Das zweite Obergeschoß mit ebenfalls 150 Quadratmetern hat die Künstlerin 2011 wieder bewohnbar gemacht. 1826 hatte ein Brand die Zwischenmauern und die Böden zerstört, dieser Bereich war deshalb im Zustand eines Rohbaus. Mit dem Architekten Hans Rassinger wurde quasi ein neuer Wohnbau geschaffen, „der in einem interessanten Dialog zum Altbau steht“, erklärt Mayrhofer beim Rundgang.

Über einen begrünten Innenhof führt der Weg zum ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Hier liegt das Atelier, wo Mayrhofer viele Stunden verbringt. „Nach der Matura habe ich auf Wunsch der Eltern zunächst Klavier studiert und als Musikpädagogin gearbeitet, obwohl ich eine größere Affinität zum Zeichnen und Malen hatte.“ Diese ließ sich auf Dauer nicht unterdrücken, „1997 habe ich das Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste bei Gunter Damisch abgeschlossen.“

Holzofen trifft Edelstahlblock

Bei der Inneneinrichtung legt Mayrhofer Wert darauf, dass sich die Möbel ihrer Vorfahren neben den neu erworbenen Stücken behaupten, sie ein harmonisches Ganzes ergeben. Besonders liebt sie den Platz in der Stube, wo ein Ofen von 1902 neben ihrem Edelstahlküchenblock zum Kochen benutzt wird und gleichzeitig Wärme spendet. „Ein großer Vorteil dieses alten Hauses sind die dicken Wände aus Granit“, sagt sie, „sie halten im Sommer das Haus angenehm kühl und speichern im Winter die Wärme.“

ZUM ORT, ZUR PERSON

Schon im frühen Mittelalter war Haslach an der Mühl im oberen Mühlviertel ein wichtiger Handels- und Marktort, unter anderem für Salz, später mit Leinenweberei. Von der Stadtbefestigung sind noch drei Türme erhalten, das Schmiedehaus, vermutlich im Spätmittelalter erbaut, steht direkt am Marktplatz.

Häuser kosten im Bezirk Rohrbach zwischen 705 und 1895,25 Euro/m2

Seit 1997 arbeitet Christa Mayrhofer als freischaffende Künstlerin. www.christamayrhofer.at

Wirth in ihrem großen Garten.
Wohngeschichte

Wien Währing: Umgeben von Designklassikern in der Villa Bablik

Susanne Wirth lebt in einer Villa im 18. Wiener Gemeindebezirk, die einst der Architekt Oswald Haerdtl entworfen hat. Ihrer Wohnung hat sie eine ganz persönliche Note aufgedrückt.

Susanne Wirth ist in ihrem Leben noch nie umgezogen. Seit 71 Jahren wohnt sie in der Villa Bablik in Wien Währing, entworfen von dem renommierten Wiener Architekten, Designer und Architekturlehrer Oswald Haerdtl (1899-1959). Zu weiteren bedeutenden Arbeiten Haerdtls im Bereich Wohnbau gehören neben der Villa Bablik unter anderem das Wochenendhaus Hedy Antal in Greifenstein oder die denkmalgeschützte Villa Mierka auf dem Mönchsberg in Salzburg. Auftraggeber der Villa Bablik war Wirths Großvater, der das Wohnhaus 1949 auf dem riesigen Grundstück für seine beiden Töchter errichten ließ. „Haerdtl war aber auch der Lehrer meiner Mutter“, erzählt Wirth, die sich vor Kurzem im Zentrum Wiens noch einmal mit einer kleinen Wohnboutique selbstständig gemacht hat. „Heute würde man sagen, sie hat bei ihm Design studiert.“

Im Wohnzimmer finden sich einige klassische Designerstücke.
Im Wohnzimmer finden sich einige klassische Designerstücke.Barbier

Mehrere Umbauten

Aus den ursprünglichen zwei Wohneinheiten seien im Lauf der Zeit leider vier geworden, bedauert Wirth beim Rundgang. „Vor 25 Jahren hat mein Mann eine Wendeltreppe vom Wohnzimmer in den Keller bauen lassen, sodass wir 36 Quadratmeter an Wohnfläche dazugewonnen haben. Dort haben wir eine Sauna, ein Gästezimmer mit Bad und einen kleinen Abstellraum untergebracht.“ Auch sonst hat sich im Lauf der vergangenen dreißig Jahre einiges verändert: Die ehemaligen Kinderzimmer – ursprünglich als Kartenspielzimmer konzipiert – wurden zu Wirths Schlafzimmer, das Esszimmer ist mittlerweile die Küche mit direktem Garten- und Terrassenzugang, und die ehemalige Besenkammer samt Vorraum der ursprünglichen Küche wurde zu einem Bad umfunktioniert. Die Schlafzimmer im ersten Stock wurden zu einem großen Wohnzimmer zusammengelegt. „Dabei muss man bedenken, dass hier ursprünglich ebenerdig nur Wohnräume und keine Schlaf- und Sanitärräume vorgesehen waren“, betont Wirth.

Das Wohnzimmer.
Das Wohnzimmer.Barbier


Heute ist sie froh, die ebenerdige Etage bewohnen zu können. „Dadurch habe ich einen direkten Zugang auf die Terrasse und in den Garten. Durch die vielen Bäume ist es hier zwar dunkler, aber in Zeiten wie diesen schätzt man ja den Schatten“, schmunzelt sie.

Alte und neue Designerstücke

Die Inneneinrichtung könnte man eklektisch nennen – zu einigen originalen Stücken aus vergangenen Zeiten, darunter zwei Haertel-Stühlen und einer Kommode, gesellten sich mit der Zeit Designerstücke aus Wirths Möbelgeschäft dazu, etwa der „Thinking Mans Chair“ von Jasper Morrison, der Philippe-Starck-Sessel „Richard III.“ oder das geliebte Tischerl von Meret Oppenheim. „Auch sie sind mittlerweile Klassiker geworden“, betont Wirth.

Einrichtungsdetail.
Einrichtungsdetail.Barbier

Dazwischen findet man neben moderner Kunst ein Porträt aus dem 17. Jahrhundert, goldene und silberne Kirchenappliquen, die sie besonders liebt, barocke Gläser und Flaschen, ein fast lebensgroßes Holzpferd aus Indien auf Rädern, einen Paravent, der ursprünglich eine indische Ladentüre war, und nicht zu vergessen die Metallgartenmöbel, die schon zum zehnten Mal gestrichen worden sind. „Dass Wohnen für mich wichtig ist, muss ich nicht speziell betonen“, meint sie.

„Ich habe seit 30 Jahren immer wieder die verschiedensten Wohnboutiquen betrieben, eine sogar für zwei Jahre in Maastricht.“ Und weil Wohnen für die elegante Dame als bedingungslose Leidenschaft gilt, kommt auch Arbeiten zu Hause nicht infrage. „Der Computer bleibt im Geschäft, ich nehme ihn fast nie mit nach Hause.“ Zu Hause will sie ausschließlich das Wohngefühl genießen, etwa den Blick durch die großen Glastüren in den Garten. „Im Frühling kann ich dabei den Blättern beim Wachsen zusehen, wenn's sein muss, sogar direkt aus meinem Bett“, sagt sie strahlend.

Zum Ort, zur Person

Die Villa Bablik wurde 1949 nach den Plänen von Oswald Haerdtl errichtet. Vergleichbare Objekte im 18. Bezirk bewegen sich derzeit in einer Preisklasse zwischen 2,5 bis fünf Mio. Euro.
Susanne Wirth betreibt das Corso am Hof, eine kleine Wohnboutique im ersten Bezirk. [Quelle: Otto Immobilien – „Häuser- und Villenreport 2021“]

Im Wohnzimmer steht ein Bücherregal aus einfachen Fichtenholzbrettern.
Wohngeschichte

"Ein absoluter Glücksgriff": Altbauwohnung und komplett saniert

Die Studentin und Bloggerin Zebib von Hindte wohnt gemeinsam mit ihrem Freund seit zwei Jahren in einer Altbauwohnung in Wien Brigittenau. Deren Einrichtung ist zu ihrer Leidenschaft geworden.

Am Anfang stand eine Annonce auf einer kostenpflichtigen Immobilienseite – eine Altbauwohnung, komplett neu saniert. „Ein absoluter Glücksgriff“, kann sich Zebib von Hindte noch heute begeistern. Die knapp 80 Quadratmeter große Wohnung ist ganz klassisch aufgeteilt: ein großzügiges Wohn- und ein Schlafzimmer, dazu Küche, Bad, Flur und WC. Einen kleinen Haken gibt es dennoch: „Der 20. Bezirk ist laut und auch wir leben an einer viel befahrenen Straße“, bedauert die Studentin der Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Natur und Stille mussten also mit Möbeln und Naturmaterialien ins Haus geholt werden: „Wir haben relativ viel Naturholz im Wohnzimmer und in der Küche, weil sie Wärme ausstrahlen.“

Bei der Einrichtung wurde überhaupt von Anfang an viel improvisiert. Nichts darin ist beständig, alles ist in Bewegung. Und von Hindte hält damit auch nicht hinterm Berg – auf ihrem Instagram-Account CasaChristbaum können Besucher die Metamorphosen ihrer Wohnung zeitnah miterleben – das Einrichten ist zu ihrer Leidenschaft geworden.

Viel aus zweiter Hand

Das Einzige, was nach der ersten Besichtigung sofort im Kopf geplant wurde, war das Bücherregal aus einfachen Fichtenholzbrettern, Leisten und Winkeln zum Einhängen. „Alles drumherum entstand viel nach Gefühl, ohne eigentliches Konzept, meist gebrauchte Stücke, erworben auf willhaben oder eBay“, erzählt die Studentin. So auch das grüne Sofa, das sich schnell zum absoluten Lieblingsmöbelstück entwickelt hat und einen Platz neben dem Bücherregal gefunden hat. Dem Unternehmen wenig förderlich waren die coronabedingten Einschränkungen, durch die sich wegen des teilweisen Zwangs zum Home-Office Arbeits- und Wohnungsbereich notwendigerweise zu vermischen begannen. Erschwerend hinzu kam, dass das Paar nur über einen ausgewiesenen Arbeitsplatz verfügt. „Wir haben versucht, uns diesen zu teilen“, erzählt die junge Frau, „dennoch ist es oft schwierig, in einen konzentrierten Workflow zu kommen, wenn einer arbeitet und der andere in der Wohnung herumturnt“. Wobei der Leidtragende meist ihr Freund war, wie sie zugibt, denn die Freiheit, ihre Möbel nach Belieben umzurücken oder neue Stücke anzuschaffen, wollte sie sich auch im Lockdown nicht nehmen lassen.

Kleiner Küchentisch.
Kleiner Küchentisch.Doris Barbier

Wobei die Couch, das Bettgestell und die Teile für die DIY-Regale die einzigen neu gekauften Stücke in der Wohnung sind. Alles andere wurde – auch budgetbedingt – aus zweiter Hand erworben. „Natürlich muss man für die Suche viel Zeit investieren und wissen, auf welchen Seiten oder Apps man schöne, leistbare Einzelstücke finden kann“, sagt sie. Dafür sei die Freude umso größer, wenn man fündig wird. So etwa beim alten Bauernschrank mit Schnitzereien und Verzierungen, der aktuell im Wohnzimmer steht und als „Abstellschrank“ fungiert. „Es ist auf jeden Fall der schönste Stauraum, den ich bisher besessen hab“, schmunzelt sie. Die Essecke im Erker besteht aus einem ausziehbaren Vintage-Möbel und einem Tisch aus den 1950ern mit dazu passenden Sprossenstühlen.

Gebrauchte Stücke, größtenteils erworben auf willhaben oder Ebay.
Gebrauchte Stücke, größtenteils erworben auf willhaben oder Ebay.Doris Barbier

Der Flur als neues Projekt

Einer ihrer großen Lieblinge ist auch der Servierwagen in der Küche, auf dem sie die Kaffeemaschine positioniert hat. Über Jahre hatte sie immer mal wieder nach so etwas Ausschau gehalten, aber bis vor Kurzem kein Glück gehabt. Gefunden hat sie ihn auf willhaben, neuwertig und zu einem fairen Preis. „Ich konnte mein Glück kaum fassen. Er steht nun seit über einem Jahr in unserer Küche und ich erfreue mich jeden Morgen an seinem Anblick.“

Im Schlafzimmer fehlen derzeit noch ein paar kleine Details, als nächstes größeres Projekt steht der Flur an: „Ein großzügiger, unbespielter, aber wunderschöner Raum, der auf jeden Fall etwas mehr Liebe verdient hat, als ihm bisher zuteilwurde.“ Dafür werde jedoch noch gespart, „weil ich am liebsten eine komplette Wand mit schönen Einbauschränken füllen würde.“

Zur Person/Zum Ort

Zebib von Hindte studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien und hat sich in einer Altbauwohnung im 20. Bezirk niedergelassen. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gern mit Inneneinrichtung, eine Leidenschaft, an der sie ihre Follower auf ihrem Instagram-Account CasaChristbaum teilhaben lässt.
Für eine Mietwohnung in guter Lage zahlt man in Wien Brigittenau je nach Zustand und Größe 8,61 bis 9,84 Euro/m2.

Hier geht es zum Instagram-Account „CasaChristbaum“

 

Das sogenannte Sternhaus ist eine Art Reihenhaus.
Wohngeschichte

Sternhaus und Sonnenschein in Gunskirchen bei Wels

Wie Maklerin und Malerin Zdena Englputzeder ihre Wohnphilosophie in einem besonderen Haus in Oberösterreich umgesetzt hat.

„Wir haben uns viele Grundstücke und Häuser angesehen, bis wir auf dieses Projekt gestoßen sind“, erzählt Zdena Englputzeder von der Herbergssuche, die sie nach Gunskirchen bei Wels geführt hat. Dann war man aber schnell von Lage und Grundriss überzeugt, „da wir die Aufteilung der Räume nach eigenen Vorstellungen planen konnten“, ergänzt Hausherr Hannes Englputzeder.

Privatsphäre trotz Reihenhaus

Das sogenannte Sternhaus ist eine Art Reihenhaus: „Man muss sich den Grundriss als Quadrat vorstellen, jedes der vier Häuser blickt in eine andere Himmelsrichtung“, erklärt Zedna Englputzeder. Im Vergleich zu einem Standard-Reihenhaus, wo die Terrassen aneinandergrenzen, sieht man beim Sternhaus seine Nachbarn nicht. Viel Privatsphäre also, die alle Bewohner genießen. Die Familie verfügt über insgesamt 180m2 Wohnfläche auf zwei Ebenen – ein Erdgeschoß mit WC, Vorraum, offener Küche samt Essplatz sowie Wohnzimmer, Kinderzimmer und Bad. Und ein erhöhtes Untergeschoß, wo unter anderem Waschküche, WC, Schlafzimmer, ein begehbarer Schrankraum, Badezimmer und ein weiteres Kinderzimmer Platz finden.

Gemütliche Kaminecke im Wohnbereich.
Gemütliche Kaminecke im Wohnbereich.Doris Barbier

„Wir wollten keinen Kellercharakter im Untergeschoß, deshalb haben wir hier große Bodenfenster einbauen lassen. So haben wir den Blick auf begrünte Steingräben“, sagt Englputzeder, die neben ihrer Maklertätigkeit auch gern an der Staffelei sitzt. Vor allem ihre „Golden Sunshine Bilder“ sollen eine behagliche Atmosphäre verströmen und gute Stimmung verbreiten. Bilder kommen auch bei ihren Kauf- und Mietobjekten zum Einsatz: „Sie sollen einer Wohnung, einem Haus, die einen neuen Käufer oder Mieter suchen, eine positive Energie vermitteln.“

Ein Architekt war der Familie bei der Planung und Ausführung in der Bauphase behilflich. „Jedes der vier Sternhäuser sieht deshalb auch komplett anders aus,“ erzählt Englputzeder. „Unsere Nachbarn haben sich für zwei separate Wohneinheiten entschieden, wir haben aus der gesamten Wohnfläche ein Einfamilienhaus gemacht.“

Blick in den Flur mit Golden Sunshine Bildern.
Blick in den Flur mit Golden Sunshine Bildern.Doris Barbier

 

Hohe Räume, ruhige Farben

Ein Plus ist die Raumhöhe von 3,50 m sowie die Oberlichten, die auch bei geschlossenen Jalousien viel Licht ins Haus bringen und dem Wohnbereich eine entspannte Großzügigkeit verleihen. „Da sich das Schlafzimmer im erhöhten Untergeschoß befindet, haben wir sogar im Hochsommer eine sehr angenehme Raumtemperatur.“ Der 300 Quadratmeter große Garten mit Swimmingpool, Gartenhäuschen und Terrasse wird in der schönen Jahreszeit zum Mittelpunkt des Familienlebens.

In puncto Einrichtung liebt man es eher unaufgeregt, schlicht und elegant. Ein offener Kamin, der an kalten Tagen wohlige Wärme verbreitet, Möbelklassiker wie der Lounge-Chair von Eames im Wohnzimmer und der Wassily Loungesessel von Marcel Breuer im oberen Bad und Buddhastatuen sorgen für Akzente. Die Farbe Grau in unzähligen Schattierungen zieht sich durch das ganze Haus, der Holzboden, ein Walnussparkett, verleiht der eher klaren Einrichtung trotzdem eine warme Atmosphäre. Die Arbeitsplatte aus rauem Naturstein in der Küche und der schwarze Schieferboden im Küchenbereich schaffen auch optisch eine Barriere. Der Großteil der Möbel – vom Vorzimmer über die Küche bis zum Bad – wurden vom Tischler angefertigt. Eine Lichtkuppel im Bad der Eltern führt direkt auf das begrünte Dach.

Das Zentrum des Hauses ist eindeutig der Esstisch, der, wie die Eckbank mit weißen Lederkissen, auch von Tischlerhand gefertigt wurde. Hier treffen sich zu jeder Tageszeit Familie und Freunde, „hier muss man einfach vorbei. Er ist der kommunikativste Bereich“, meint die Hausherrin.

Für die Beleuchtung zeichnete der Hausherr, ein Spezialist auf dem Gebiet, selbst verantwortlich. „Neben der Grundbeleuchtung ist eine durchdachte Akzentbeleuchtung äußerst wichtig, da erst das Spiel von Licht und Schatten den Räumen die notwendige Atmosphäre verleiht“, erklärt er. Für sein eigenes Heim wählte er Modelle von Artemide, Wever&Ducré und Eigenkreationen. Der Tipp des Profis: „Erst wenn das Einrichtungskonzept steht, sollte man einen Beleuchtungsplaner aufsuchen.“

ZUM ORT, ZUR PERSON

Gunskirchen liegt im Hausruckviertel in OÖ und gehörte einst, als „Kundechirichun“ bezeichnet, zum Erzherzogtum Bayern. Reihenhäuser kosten im Bezirk Wels-Land derzeit zwischen 981, 81 (mäßige Lage und Wohnwert) und 2200 Euro/m2(sehr gute Lage). Zedna Englputzeder ist als Maklerin und Immo-Sachverständige tätig und fertigt für Räume und Häuser auch eigene Gemälde.

Entschleunigung im Mühlviertel

Wohngeschichte. Wie sich Keramikerin und Ergotherapeutin Christine Mittermayr im Oberen Mühlviertel eingerichtet hat – samt Atelier, Brennofen und Stücken aus der Familiengeschichte.

Gutes Essen zu genießen, in Gesellschaft von Menschen, die man mag, finde ich entspannend“, sagt Christine Mittermayr. Und weil zu gutem Essen schönes Geschirr gehört, hat sie sich beruflich dem Porzellan verschrieben. In ihrem Haus, das in den 1970-er Jahren von den Schwiegereltern erbaut wurde, ist auch das neue Atelier untergebracht. „Es waren schon damals zwei Wohneinheiten vorgesehen. Integriert waren in dem lang gestreckten Bau auch ein Elektrogeschäft, eine Werkstatt und zwei Garagen“, erzählt sie. Am Dachboden und im Keller befanden sich Warenlager. 1999 übernahmen Mann und Schwager den Betrieb und bauten ein neues Betriebsgebäude am anderen Ende des Ortes. 2004 wurde dann das Haus gemeinsam mit den Schwiegereltern umgebaut.

Wohn- und Arbeitszimmertextpoterie

Terrazzo trifft Heizung

Während des Umbaus bewohnten beide Haushalte die Baustelle – und tauschten schließlich die Haushälften. Dach und Dachboden wurden entfernt, das Giebeldach durch ein Flachdach ersetzt, das Elektrogeschäft wurde zur Garage, die ehemalige Werkstatt zur Ergotherapiepraxis und 2013 zum Keramikatelier.

Beim Umbau wurde dem 1970er-Jahre-Stil radikal der Kampf angesagt: Die dunklen Teppichböden und düsteren Holzdecken wurden entfernt, der Terrazzo-Belag im Stiegenhaus wurde nach der Installation einer Fußbodenheizung nachträglich wieder verlegt. Der Schriftzug des ehemaligen Elektrogeschäfts ziert noch heute die Treppe – als Zeuge der Vergangenheit. Wände kamen weg, Fenster wurden teilweise zu Glasfronten vergrößert. Die Außenmauern bekamen eine Isolierung. Nur die Decke mit den Hohlziegeln blieb – und überträgt manchmal den Schall von der anderen Wohnung.

Der Balkon wurde mit einer Holzkonstruktion verbreitert, im hinteren Teil des Gartens in den Hanggarten ein Holzsteg in Größe einer Holzterrasse verlegt. „Zusätzlich zum Garten auf zwei Ebenen entstand auf diese Weise auch ein Hinterhof, der im Sommer Gold wert ist. Dort ist es schön schattig, es weht immer ein Lüfterl, und unter dem Holzsteg schwingen dann fröhlich am Wochenende unsere Hängematten.“

Heute lebt Mittermayrs Familie auf zwei Etagen mit rund 150 Quadratmeter Wohnfläche mit großem Küchen- und Esszimmerbereich und einem Wohnzimmer, das durch eine Schiebetür abgetrennt ist. Behaglichkeit wird auch im Schlafbereich großgeschrieben: Das Elternbad hat eine integrierte kleine Sauna, die Winter sind lang im Mühlviertel. Da die Kinder erwachsen sind, wurden deren Bad und Zimmer zur Gästeunterkunft beziehungsweise zum Home-Office des Hausherrn.

Holzböden im Wohnzimmer und in den Schlafzimmern sorgen zu jeder Jahreszeit für Gemütlichkeit, für Bad, Gang, Küche und Esszimmer wurden beigefarbene Steinzeugfliesen gewählt. Die Inneneinrichtung nimmt Stilbrüche durchaus in Kauf. Neues wird mit alten Möbeln kombiniert – es soll schlicht, bequem, mit kleinen Hinguckern sein.

Terrazzo-Treppetextpoterie

Luftige Räume

Im unteren Stock befindet sich das Atelier mit Brennofen, Werkraum und kleinem Schauraum. Auf den Bestand der Außenmauern kam ein Vollwärmeschutz, die großen Fenster sind teilweise rahmenlos, um viel Licht hereinzulassen. Dort entstehen ihre Kreationen – und meist „wandert die zweite Wahl von meinem Atelier in die Küche“, erzählt Mittermayr.

Licht ist ihr auch im Haus wichtig: „Obwohl im Mühlviertel besonders der Herbst oft nebelig ist, sind unsere Räume hell und mit 2,55 Meter Höhe sehr luftig, weil wir die Türstöcke bis zur Decke aufgebrochen haben.“ Die Türen und Wände wurden in Weiß gehalten und reflektieren auf diese Weise das einfallende Licht sehr gut. „Begeistert bin ich immer wieder, wenn ich morgens in die Küche komme, und die aufgehende Sonne über dem Kräuterfeld des Nachbarhofs bestaunen darf.“ Ihr Lieblingsschreibplatz ist eindeutig der große Küchentisch. Derzeit arbeitet sie an zwei Büchern, jenes über Erholung und Kindheit im Mühlviertel wird voraussichtlich im Herbst erscheinen. „Und abends sitze ich gern im Wohnzimmer auf der Couch oder im Lesesessel. Im Idealfall mit der Katze auf dem Schoß.“

Christine Mittermair
Christine Mittermairtextpoterie

Zum Ort, zur Person

Als Oberes Mühlviertel (Bezirk Rohrbach und Teile von Urfahr-Umgebung)
wird der westliche Teil der Region benannt – im Vergleich zum Unteren Mühlviertel, das aus dem ehemaligen Machlandviertel hervorging und seit 1779 zum heutigen Mühlviertel gehört. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Rohrbach rund 1201,32 Euro/m2, neue Mietwohnungen 6,99 Euro/m2.
Christine Mittermayr ist als Keramikerin und Ergotherapeutin tätig. www.textpoterie.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2021)

Luftige Leichtigkeit, wo einst schwere Druckmaschinen dröhnten – und zahlreiche Telefonbücher entstanden.
Wohngeschichte

Loft in 1080 Wien: Wo einst der Herold Telefonbücher druckte

Architektin Rita Reisinger hat es sich mit der Familie in der ehemaligen Druckerei Herold in Wien Josefstadt gemütlich gemacht.

Einst standen hier schwere Druckerpressen: Das Gebäude im achten Wiener Bezirk diente bis 1992 als Maschinenhalle der österreichischen Buchdruckerei Herold. „Dort wurden unter anderem jahrelang das österreichische Telefonbuch, aber auch diverse Tageszeitungen mit der ersten Rotationsdruckmaschine erstellt“, erzählt Rita Reisinger, die sich als Architektin auf Renovierungsprojekte von Altbauten spezialisiert hat. Obwohl die Stahlbetonkonstruktion mit einer stützenlosen Tiefe von neun Metern, einer Länge von 32 Metern und einer Grundfläche von 288 Quadratmetern nur einseitig belichtet ist, war Reisinger sofort vom Potenzial überzeugt.

Anno dazumal in der Buchdruckerei Herold.
Anno dazumal in der Buchdruckerei Herold.Beigestellt

Haupt- und Nebenraumzone

Die Architektin war schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für die dreiköpfige Familie, und gewünscht war eigentlich eine gut geschnittene 120- Quadratmeter-Altbauwohnung mit einem kleinen Balkon im achten Bezirk, ganz in der Nähe der alten Wohnung. „Wir lebten vorher in einer Dachgeschoßwohnung, deren Terrasse 2,5 Geschoße oberhalb des Wohnbereiches lag, also keinen direkten Zugang von der Wohnebene hatte – und daher entsprechend wenig genutzt wurde“, erzählt Reisinger.

Wohn- und Essbereich mit Vorhängen als Schallschlucker.
Wohn- und Essbereich mit Vorhängen als Schallschlucker.Ruth Ehrmann


Bei der Suche nach besagter Altbauwohnung stieß sie im Internet auf die Anzeige des Lofts. „Es war Liebe auf den zweiten Blick. Ich konnte nicht Nein sagen und nicht wegschauen“, erzählt sie. Schließlich ist sie ja spezialisiert auf die Sanierung und Revitalisierung historischer Bausubstanz, auf die Entwicklung von Sonderimmobilien, die eine neue Funktion erhalten sollen.

Fensterloser Bereich wird als "Nebenraumzone" genutzt.
Fensterloser Bereich wird als "Nebenraumzone" genutzt.Ruth Ehrmann


Das Loft verfügt über 250 Quadratmeter, ist ebenerdig und zeichnet sich durch einen großzügigen Wohn-, Koch- und Essbereich aus. Im hinteren Teil befinden sich, nach den bestehenden Fensterachsen ausgerichtet, die beiden Schlafzimmer und ein Wirtschaftsraum, der auch als Gästezimmer genutzt werden kann. Die fensterlose Länge des gesamten Lofts wurde zur Nebenraumzone erklärt: Hier wurden Abstellraum, Bäder, Waschküche und Toilette untergebracht.

Teilbare Wohneinheiten

Beim Umbau ging die Architektin etappenweise vor. Das Loft – es waren zum Zeitpunkt des Kaufes Büroräumlichkeiten eingebaut – wurde zur Gänze entkernt, sodass nur mehr eine leere Halle übrig blieb. Außer den tragenden Betonunterzügen wurde alles neu geplant und errichtet.
Auch an die Zukunft und eventuelle Veränderungen in der Familienstruktur wurde hier gedacht: Der gesamte Wohnbereich ist durch leichte Umbaumaßnahmen in zwei Wohneinheiten teilbar. Elektrik und Haustechnik wurden als jeweils zwei getrennte Systeme errichtet. Bei der Innenarchitektur hat man sich hier auf bleibende Werte und stille Klassiker konzentriert. Der Holzboden sorgt für Wärme und Gemütlichkeit, die hellen Farbtöne für Leichtigkeit.

Designidol trifft Schallschutz

Vorhänge dienen zur Abtrennung zu den hinteren Nebenräumen und als Schallschlucker. Die Akustik kann sonst schnell zum Stolperstein werden. „Bei einer Raumhöhe von vier Metern ein Muss, wenn man gern mit der Familie kommuniziert,“ sagt Reisinger schmunzelnd.

Helle Farbtöne strahlen Leichtigkeit aus.
Helle Farbtöne strahlen Leichtigkeit aus.Ruth Ehrmann

Generell wurden bei der Möbelwahl helle Farben wie ein warmes Hellgraubraun und weiß geölte Eiche bevorzugt. Die Esstischlampe von Megumi Ito, eine Stahlplatte als Küchenarbeitsfläche, ein bestehendes Flexform-Regal als Raumteiler zwischen Essplatz und Sofa sowie der Kachelofen von Ofenkörper sorgen für Gemütlichkeit, trotz Loftcharakter. Mittelpunkt ist der Esstisch aus weiß geölter Eiche mit Stahlfüßen.



Im Wohnbereich thronen neben der alten Nähmaschine von der Großmutter Designikonen – wie zum Beispiel der Lounge Chair von Charles und Ray Eames sowie der Aluminium Chair EA 124 der beiden Designer. Der Beistelltisch E1027 stammt von Reisingers Idol Eileen Gray. Bei so viel Platz und Weite liebt man dann natürlich die versteckten Winkel und Ecken oft umso mehr: Der Lieblingsplatz der Hausherrin ist eindeutig die Nische beim Kachelofen.
Der einzige Nachteil der Wohnung? Reisinger: „Wir fühlen uns zu Hause so wohl, dass wir nur noch selten ausgehen.“

Zum Ort, zur Person

Die Josefstadt weist nur zwei Prozent Grünflächen auf und ist teuer: Für eine Mietwohnung im Neubau, Erstbezug, sind rund 13,87 Euro/m2 zu bezahlen, Eigentumswohnungen kommen auf rund 8300 Euro/m2. Die zentrale Lage, die alte Baustruktur mit (oft gastronomisch genutzten) Plätzen und Parks machen sie dennoch zur beliebten Wohngegend. Rita Reisinger ist in Wien als Architektin tätig.

Künstlerin Crenguta Mitrofan am „besten Platz im Haus“ – dem Esstisch.
Wohngeschichte

Zuhause in Krems: Wie Künstlerin Crenguta Mitrofan im alten Fellnerhof wohnt

Warum für die bildende Künstlerin die altehrwürdigen Gewölbe - mit spätbarocker Fassade und dicken Mauern - zu einem Lockdown so gut passen.

Dicke Mauern, spätbarocke Fassade, Runderker mit muschelförmigem Korb und aufgemalten Fabeltieren: Seit 2014 ist der ab 1611 entstandene Fellnerhof im Zentrum von Krems das Zuhause der Künstlerin Crenguta Mitrofan und ihrer Tochter. „Ich suchte nach privater Veränderung und nach einem zentral gelegenen Atelier“, erzählt die aus Rumänien stammende Künstlerin. Gefunden hat sie die Wohnung durch Zufall. „Eine Bekannte, die ich auf der Straße getroffen hatte, erzählte mir, dass im Fellnerhof gerade vier Wohnungen renoviert würden.“

Gleich beim ersten Besuch hat sie sich trotz Baustellenchaos in die Wohnung und auch den theatralischen Standort verliebt, in die Stuckdecken und den Atelierraum, der sich praktischerweise gleich einen Stock höher befindet. „Allein die Treppe, die zum Atelier führt, ist für mich jeden Tag ein Augenschmaus“, sagt Mitrofan.

Rückzug für die Kunst

Die 75 Quadratmeter große Rückzugsoase verfügt über drei Räume mit einer stattlichen Raumhöhe von 3,5 Metern. Bei der Revitalisierung wurde die alte Stuckdecke aus dem Jahr 1611 erhalten. Die Außenwände sind fast einen Meter dick, die Holztür verbirgt ihr Alter ebenso wenig. Drinnen dominieren Naturfarben: ein Parkettboden aus Eiche und alte, revitalisierte Holzfenster. „Für mich war und ist Wohnen sehr wichtig, schließlich ist für mich eine Wohnung ein Nest, eine Oase, ich möchte mich total wohlfühlen können.“ Wenn das Haus eine so lange Geschichte hat wie der Fellnerhof, umso besser – „zusammen mit meiner persönlichen Geschichte entsteht dann etwas ganz Unikates“.

"Und an diesem wunderbaren Ort kann man es wirklich gut aushalten."

Der Lockdown war „wie eine neue Biedermeier-Epoche für mich, in diesem Umfeld konnte ich die Maßnahmen problemlos einhalten.“ Wobei ihr der Rückzug keineswegs schwerfällt, auch in Nicht-Covid-Zeiten. „Und an diesem wunderbaren Ort kann man es wirklich gut aushalten.“ Vor allem in Verbindung mit der nahen Donau und den Radwegen dort. „Die Nähe zur Natur war essenziell für Körper und Geist.“ Dass ihre Tochter das nahe gelegene Piaristen-Gymnasium besucht, ist ein weiterer Vorteil des Standortes. „Sie braucht nur sieben Minuten zu Fuß zur Schule“, freut sich Mitrofan. Das und die Nahversorgung in der angrenzenden Fußgängerzone bedeuten Lebensqualität. Und: Im Fellnerhof befindet sich praktischerweise auch das Lieblingskaffeehaus der Familie: das Moyome mit vegetarischer und veganer Karte.

Stilbruch als Konzept

In puncto Inneneinrichtung und Wahl der Möbel und Farben geht die Künstlerin gern ganz bewusst Stilbrüche ein. „Ich liebe antike Möbelstücke – gemischt mit modernen Teilen.“ Der Nussholz-Schreibtisch im Wohnzimmer stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, im Zimmer der Tochter thront eine Kommode nach Louis XV. „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue über ihren Anblick.“ Der Holztisch aus Eiche von Team7, der in der Küche dominiert, wird von Sesseln diverser Stilrichtungen begleitet – einer von Farstrup, made in Denmark, der zweite von Vitra, dazwischen einer von Kartell by Philippe Starck (ein „Masters“-Stuhl). Auch der Kino-Holzsessel (von Sonego Pianzano), den sie vor vielen Jahren in Venedig gekauft hat, passt sich mühelos dem Gewölbe an.

"Die Nähe zur Natur war essenziell für Körper und Geist."

Lampen-Liebe

„Ich mag es, Möbel unterschiedlichster Stilrichtungen und Farben zu mixen. Meine große Liebe gilt jedoch den Lampen der 1950er- und 1960er-Jahre“, verrät Mitrofan. Der alte vergoldete Spiegel – ein Relikt aus der Vergangenheit – stammt aus Rumänien. „Ich habe ihn in der Region Bukowina bei einem Antiquitätenladen vor vielen Jahren gekauft. Ich bin immer von Kunst umgeben, und natürlich auch von meinen eigenen Arbeiten, die mich von Wohnung zu Wohnung begleiten.“ Der beste Platz der Wohnung sei auf jeden Fall die Küche – „unsere beliebteste Landebahn“. Um den schönen Tisch dreht sich das Leben: Hier wird gegessen, werden Gäste empfangen, Hausübungen gemacht und zu jeder Uhrzeit viele, viele Gespräche geführt.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Der Fellnerhof in Krems/NÖ wurde unter Einbeziehung eines Vorgängerbaus 1611 bis 1618 für den Bürgermeister Theobald Müllner erbaut, das zweigeschoßige, quergestellte Hinterhaus Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt.

Wohnungen kosten in Krems (Stadt) im Erstbezug und in guter Wohnlage zwischen 2500 und 2800 Euro/m2.

Crenguta Mitrofan ist bildende Künstlerin und Kunstvermittlerin in Museen. Sie wird von www.artsy.net vertreten. [ WKO Immobilien-Preisspiegel 2020]

Beatrix Weissel auf dem geliebten blauen Sofa.
Wohngeschichte

Beatrix Weissel: "Ich liebe meine Wohnung"

Wie sich die Wäscheflott-Betreiberin in der Kleinen Sperlgasse in Wien Leopoldstadt eingerichtet hat – und was das mit Familiengeschichte und Filmdrehs zu tun hat.

„Ich liebe meine Wohnung“, sagt Beatrix Weissel. Einziger Wermutstropfen: Der Lift ging ein Jahr lang nicht. „Da kam gerade unsere kleinste Tochter zur Welt: Wir mussten dann immer mit Kind und Kegel in den vierten Stock. Das hat uns aber fit gemacht“, lacht Weissel, die das Familienunternehmen Wäscheflott in der Inneren Stadt in dritter Generation führt. Sie wohnt seit 2008 in der Kleinen Sperlgasse im zweiten Bezirk in Wien.

Lagebericht: Toprichtig

Es ist ein großes Gründerzeithaus direkt im Karmeliterviertel, und eines der höchsten und größten Häuser im Bezirk. Von der Geschichte ist es nicht verschont geblieben: „Die Nazis benutzten es als Sammelplatz für die von ihnen verfolgten und später meist deportierten Juden des zweiten Bezirks“, berichtet Weissel. Heute herrsche ein Mix aus allen Religionen im Haus: ein friedliches und buntes Miteinander.

"Wir hatten schon öfters Filmdrehs bei uns, und die gesamte Mannschaft hat sich wohlgefühlt. Es wurde quasi gemordet, gelacht, gewonnen und erzählt."

Die Wohnung mit den hellen Kastenfenstern, Flügeltüren und dem „wunderbaren alten Wiener Parkettboden“ liegt im obersten Stock. Sie wurde Weissel durch Zufall von Freunden angeboten – und sie sagte damals sofort zu. Wohlgefühlt hat sie sich hier vom ersten Tag an. „Die Schule der Kinder, meine Familie – alles ist in der Nähe und ohne Auto erreichbar.“ Der Augarten ist nur wenige Schritte entfernt „und ein Natur- und Erholungsparadies, als die Kinder noch klein waren, war ich täglich mit ihnen dort. Und von hier bin ich schnell im ersten Bezirk, wo auch mein Geschäft liegt“, sagt Weissel. Vor knapp zwei Jahren ist sie mit ihrer Produktion in den dritten Bezirk gezogen und fährt daher auch oft mit dem Rad über die Hauptallee zur Werkstatt.

"„Wir sind ganz oben, daher ist es hier immer sonnig . . .", sagt Weissel.
"„Wir sind ganz oben, daher ist es hier immer sonnig . . .", sagt Weissel.D. Barbier

„Das Haus ist eigentlich noch im Originalzustand und kaum verändert worden. Es gab erst im letzten Jahr einen Besitzerwechsel und es wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt“, erzählt Weissel.

Biedermeier trifft Barwagen

„Wir haben durch eine Wohnungszusammenlegung 200 Quadratmeter zusammenbekommen“, erklärt sie weiter. Eine Ebene, zwei große Räume und viele Kinderzimmer: „Mit fünf Kindern braucht man viel Platz, und ein eigenes Arbeitszimmer gibt es auch.“ Vor sechs Jahren wurde im Innenhof ein Balkon angebaut, eine Holz-und- Stahl-Konstruktion, die südliches Flair ins Haus gebracht habe. Weissel: „Wir sind ganz oben, daher ist es hier immer sonnig, und abends kann man auch noch herrlich draußen sitzen.“ Bewusst wurden bei der Einrichtung und der Wahl der Möbel edle, aber einfache Materialien wie Holz und Stahl eingesetzt. Und: Weissel liebt alte Möbel. Das darf man auch sehen und spüren, gern werden sie mit neuen Einzelstücken kombiniert – ohne Schwellenangst vor Stilbrüchen.

"Mit fünf Kindern braucht man viel Platz, und ein eigenes Arbeitszimmer gibt es auch."

„Farbe ist mir sehr wichtig. Wir haben ein wunderbares dunkelblaues Sofa. Unser Esstisch wird von verschiedenen alten Sesseln umrandet.“ Ein Biedermeierschrank – Erbstück von der Großmutter ihres Mannes – ist ein weiteres Schmuckstück. „Ich liebe auch den Barwagen aus den 1950er-Jahren.“ Einen besonderen Hingucker gibt es auch: Der Großvater ihres Mannes war beruflich nach dem Krieg in Indien und wurde von einem Tiger angefallen. „So liegt ein Tigerfell mit einer langen Geschichte bei uns im Schlafzimmer und erzählt von längst vergangenen Tagen.“

Schlafzimmer mit alten Möbeln und Tigerfell.
Schlafzimmer mit alten Möbeln und Tigerfell.D. Barbier

Wohnen ist bei den Weissels immer schon sehr wichtig gewesen, seit dem Lockdown natürlich noch mehr. Bester Platz des Zuhauses ist dabei sicherlich die große Wohnküche. „Wenn alle Kinder da sind und Freunde und Familie, macht das so richtig Spaß. Mein Mann ist ein leidenschaftlicher Koch, und wir bewirten gern Gäste. Früher waren immer Gäste bei uns, das muss jetzt warten.“

Filmkulisse inklusive

In ihrem Arbeitszimmer findet sie dann die nötige Ruhe und die Zeit, um über neue Kollektionen nachzudenken und kreativ zu arbeiten. Wohnen spiegelt ihrer Meinung nach auch wider, „wie ein Mensch tickt und was für Werte im Leben ihm wichtig sind“. Aber auch, welche Möglichkeiten jemand dadurch hat: „Wir haben ja das Privileg einer großen Wohnung und konnten so den Kindern in der Jugend viel Freiraum lassen.“ Das habe sicherlich viele Konflikte erspart.

Der Esstisch wird von verschiedenen alten Sesseln umrandet.
Der Esstisch wird von verschiedenen alten Sesseln umrandet.D. Barbier

Die Wohnung hat auch schon als Kulisse für Filme gedient. „Wir hatten schon öfters Filmdrehs bei uns, und die gesamte Mannschaft hat sich wohlgefühlt. Es wurde quasi gemordet, gelacht, gewonnen und erzählt.“ Auch schon wieder ein Zeiterl her: Die aktuelle Krise dauere schon sehr lang, auch wenn die Öffnungsschritte für Kunst, Kultur und Gastronomie nun absehbar seien. „Aber zu Hause machen wir es uns einfach immer schön.“

ZUM ORT, ZUR PERSON

Mit Prater, Venediger Au und Augarten zählt der zweite Bezirk zu den grünsten in Wien und ist mittlerweile bei jungen Familien deswegen – und der über 120 Spielplätze wegen – sehr beliebt. Besonders um den Karmelitermarkt sind auch Künstler und Kreativschaffende gern zu Hause. 5718 Euro/m2 zahlt man derzeit für eine Wohnung im Bestand, 6823 Euro/m2 für einen Erstbezug im Neubau. Beatrix Weissel führt den Wiener Traditionsbetrieb Wäscheflott in mittlerweile dritter Generation.

Lena Stolz mit Fächer-Deko
Wohngeschichte

#OTK: Ein Besuch im Wohnzimmer von Bloggerin Lena Stolz

Bei Lena Stolz im Lobmeyrhof in Wien Ottakring wird permanent umgestellt, gestrichen und dekoriert – freiwillig, vergnüglich und social-media-affin.

Ihr Zuhause verändert sich laufend – und Lena Stolz mag das so. Sie macht es ja selbst: Die Tirolerin hat eine große Leidenschaft für Einrichtung und Design. Seit fünf Jahren lebt sie mit ihrem Freund und den beiden Katzen im Lobmeyrhof in 1160 Wien.

„Das Haus wurde nach Entwürfen der Architekten Theodor Bach und Leopold Simony errichtet und durch die Kaiser-Franz-Josef-I.-Jubiläums-Stiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrtseinrichtungen finanziert“, erzählt sie. Ursprünglich wurde der Bau 1901 fertiggestellt, die Fassade ist heute denkmalgeschützt. Vor sechs Jahren wurde er kernsaniert, die Fassade erneuert, Balkone und Loggias für jede Wohnung hinzugefügt.

Urban Jungle im Gästezimmer

Ein Studienkollege hatte ihr von seinem Einzug in den Lobmeyrhof erzählt.

„Einige Wohnungen wurden etwas später fertiggestellt, wir kamen also genau zur rechten Zeit.“ Beim nächsten öffentlich zugänglichen Besichtigungstermin konnten sie sofort eine Wohnung ergattern. „Dabei waren wir erst ein paar Monate zusammen.“ Auch da hatten die beiden Glück – sie wohnen heute noch harmonisch unter einem Dach.

Die 88 Quadratmeter große Wohnung liegt im Dachgeschoß, das nach der Kernsanierung des Hauses aufgebaut wurde. „Die Dachschrägen sind sehr verträglich, es gibt nur eine Etage, aber drei Treppen, die den Wohnraum von Schlafzimmer, Büro und Gästezimmer trennen“, erklärt Stolz. Die Treppen machen die Wohnung heimeliger und trennen die beiden Bereiche voneinander ab. Von der hellen Wohnküche mit den vielen Fenstern aus hat man einen direkten Zugang zum Balkon.
„Auf unserer Hausseite ist es schön ruhig, was aber fehlt, ist die direkte Sonne“, denn Wohnbereich und Balkon sind nordseitig ausgerichtet. „Meinen vielen Pflanzen fehlt die direkte Sonneneinstrahlung aber mehr als mir.“ Im Winter wandern daher alle Pflanzen in die hinteren Zimmer: Dort gibt es etwas mehr Sonne durch die Dachschrägen. „Aus dem Gästezimmer wird dann ein Urban Jungle.“

Suche nach dem Idealzustand

Die Inneneinrichtung hat sich seit dem Einzug stark verändert – und tut es weiterhin. Es wechseln die Farben an den Wänden, die Textilien oder Dekostücke – mitunter zieht natürlich das eine das andere nach sich. Erlaubt ist, was gefällt, aber gemütlich und wohnlich soll die Wohnung sein. „ Meinen Einrichtungsstil würde ich als Modern Vintage beschreiben. Ich liebe schöne alte Möbel und suche auf Flohmärkten nach einzigartigen Schätzen.“ Diese bekommen dann auch auf länger oder gar für immer ein besonderes Plätzchen.

So findet man alte Möbel und Deko, gemütliche Textilien, ausgewählte Designs und jede Menge Pflanzen. Doch wichtig ist ihr nicht das Stück, sondern das große Ganze. „Ich liebe es, schöne, praktische Räume zu gestalten, in denen man ideal wohnen kann“, meint sie. Ob Pandemie oder nicht – man verbringe schließlich so viel Zeit in den eigenen vier Wänden, dass sich der Aufwand dafür auf jeden Fall lohne.
Nicht zu vergessen die zwei Katzen, Habibi und Lila, deren Bedürfnissen ebenso stilgerecht nachgekommen werden will. „Und wir laden, wenn es geht, gern Freunde ein zum Essen, Trinken, Lachen, Spielen und Diskutieren.“ Da sollen sich diese ebenso wohlfühlen wie die Bewohner.

Arbeiten mit rund und eckig

Derzeit wechselt Stolz zwischen Home-Office und Büro, der Arbeitsplatz zu Hause ist direkt an einem Fenster in der Dachschräge eingerichtet, die Farben Rot, Schwarz und Cremeweiß dominieren. Die Vorteile von Home-Office genießt sie zwar einerseits, aber „im Lockdown verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Entspannung daheim, die Trennung fällt mir dann oft schwer.“

Kleines Home-Offic
Kleines Home-Offic[Barbier]


Ihr Lieblingsplatz ist der runde Tisch in der Mitte des Wohnbereiches: Er verbindet die Küche mit dem Wohnzimmer und ist das Zentrum des Raumes. Und auch, trotz Terrasse, des häuslichen Lebens: „Hier wird gegessen, gespielt, gearbeitet und gelacht.“ Und die großen Fenster zum Hof bieten einen schönen Blick nach draußen. „Wir sind gerade hoch genug, dass wir über die Dächer blicken können.“ Bis hin zum Schloss Wilhelminenberg.

Zum Ort, zur Person

Der 1901 im späthistoristischen Stil erbaute Lobmeyrhof in Wien Ottakring gilt als eine Vorstufe des städtischen Wohnhausbaus: 28 bis 56 m2 große Wohneinheiten, Innentoilette, Gemeinschaftsflächen. 2016 wurde er saniert und erweitert. Neue Mietwohnungen kosten in Ottakring rund 12,93 Euro/m2, Eigentumswohnungen im Bestand 4528 Euro/m2. Lena Stolz arbeitet im Kommunikationsmanagement, studiert berufsbegleitend und zeigt ihre Wohnprojekte auf www.daswienerwohnzimmer.com

Das Sprechzimmer des Philosophen
Wohngeschichte

Ein Ort, an dem man sich selbst begegnet

Alfred Pfabigan, emeritierter Philosophieprofessor, nutzt eine kleine Eigentumswohnung in der Märzstraße als philosophische Praxis. Freud schaut ihm dabei über die Schulter.

Wer Alfred Pfabigan in der Märzstraße 100 in dem 15. Wiener Gemeindebezirk besucht, wird erst einmal mit sich selbst konfrontiert: An der Stirnseite des Eingangsbereichs hängt ein großer Spiegel, in den jeder blickt, der die knapp 60 Quadratmeter große Eigentumswohnung betritt. Man begegnet sozusagen sich selbst.
In der Selbstbegegnung – oder besser Selbsterkenntnis – besteht auch der Zweck dieser Zweizimmerwohnung. Sie befindet sich in einem sanierten Gründerzeitbau, nicht so pompös wie die Ringstraßenbauten, sondern kleiner, bescheidener, ohne Schnörkel, so wie es sich damals geziemte für Bauten, die in gebührendem Respektabstand zum Kaiser errichtet wurden. Der emeritierte Professor der Philosophie betreibt darin seine philosophische Praxis, und zwar ausschließlich, denn wohnen tut er mit seiner Frau ums Eck in der Johnstraße. „Dort hatte ich ursprünglich auch meine Praxis, doch das hat sich als nicht so günstig erwiesen“, erzählt der Gelehrte, der neben seiner Tätigkeit an der Universität Wien viele Jahre als unabhängiger Politikberater tätig war. Also sah er sich nach etwas anderem um und griff zu, als sich eine passende Gelegenheit in der Nähe bot.

An die 3000 gläserne Briefbeschwerer nennt Pfabigan sein Eigen
An die 3000 gläserne Briefbeschwerer nennt Pfabigan sein Eigen.(c) ebe

Ziel: Ein „gutes Leben“

Der Spiegel im Eingangsbereich bildet also das Motto, das seine Klienten hier erwartet, inspiriert vom „Erkenne dich selbst!“ der sokratischen Philosophie. Das klingt verkopfter, als es ist, „denn tatsächlich geht es dabei nicht um das Wälzen großer Theorien, sondern darum, den Schatz der philosophischen Tradition dafür zu nutzen, um Menschen in Veränderungsprozessen in Richtung auf ein ,gutes Leben‘ zu begleiten“, versucht Pfabigan mögliche Berührungsängste zu zerstreuen. Dafür nutzt er unter anderem eine von Sokrates inspirierte dialogische Fragetechnik, um eigene Widersprüche aufzudecken und so eine Änderung im Selbstbild der Klienten zu erwirken.

Zentraler Schauplatz dieses Prozesses ist das Sprechzimmer, ein großer Raum, „in dem sich Menschen auf einer eigenartigen emotional-intellektuellen Ebene begegnen und versuchen, eine akute Krise, eine lang verschleppte Frage oder auch nur ein ganz alltägliches Problem gemeinsam zu lösen“, erläutert der philosophische Praktiker. Dessen Einrichtung folgt keinem klar erkennbaren Konzept; vielmehr handelt es sich um ein Sammelsurium aus Büchern, Kunst, Ramsch und unzähligen gläsernen Briefbeschwerern, die allesamt mit persönlichen Erinnerungen des Philosophen verbunden sind. In der Mitte eine große Ledercouch, auf der es sich die Klienten bequem machen können, davor ein kleiner Tisch im Bauhaus-Stil, ein paar verstreute antiquarische Stühle, an der einen Wand eine schöne alte Kommode, die andere komplett verdeckt von einem vollgestopften Bücherregal.

Freud und die Dämonen.
Freud und die Dämonen.(c)ebe

Ob so viel geballtes Wissen nicht einschüchternd wirkt auf seine Klienten? „Keine Angst“, beruhigt Pfabigan schmunzelnd, „es handelt sich ausschließlich um Belletristik.“ Die Einrichtung habe sich „so ergeben“, erzählt er. In deren ästhetischen Regelbrüchen werde aber „irgendwie“ der Unterschied zu den anderen helfenden Berufen sichtbar. Als Kontrapunkt sieht er seine Einrichtung etwa zu den Praxen der Psychotherapeuten, „die meist aufgeräumt wirken und wenig Privates verraten“. Darin spiegle sich auch der Unterschied zwischen Psychotherapie und philosophischer Praxis: „Erstere geht zurück in die Vergangenheit, letztere befasst sich mit dem Handeln in einer aktuellen konkreten Situation.“

Bedeutsame Bilder

Irgendwie ist Sigmund Freud aber dann aber doch präsent, etwa in Form eines Steindrucks an der einen Wand, in dem sich der Begründer der Psychoanalyse über seinen Schreibtisch beugt und das Geschehen zu seinen Füßen interessiert beobachtet. „Das darf man nicht überbewerten“, sagt der Philosoph lachend und lenkt den Blick stattdessen auf ein großflächiges expressionistisch anmutendes Gemälde gleich daneben, dessen Figuren – zwei Frauen, ein diabolischer Clown und zwei Dämonen mit psychedelischem Chaos im Rücken – er als „Gespenster“ bezeichnet. Es handelt sich um ein Werk seines Künstlerfreunds Gerhard Häupler, der seine Wurzeln im Wiener Aktionismus hat und sich in seinem Œuvre gern den Abgründen der menschlichen Seele widmet. „Das Bild ist für mich ein Memento, sich nicht von den Dämonen der Vergangenheit heimsuchen zu lassen“, sagt Pfabigan. Das aber kann man so oder so verstehen . . .

Sandra König am gemütlichen Fensterplatz.
Wohngeschichte

French Touch in Klosterneuburg: Wie Ö3-Moderatorin Sandra König wohnt

Ruhiges Design im eigenwilligen Haus: Die Ö3-Moderatorin Sandra König hat in einem 1930er-Jahre-Objekt mit „angebautem Provence-Charme“ ihr Wohnglück gefunden.

Zuerst war der Umzug nach Niederösterreich nur eine Testphase: „Wegen der traumhaften Gegend“ zogen die überzeugte Wienerin Sandra König und ihre Familie vor rund neun Jahren nach Klosterneuburg – in ein gemietetes Reihenhaus. Nach einigen Monaten war klar: Sie bleiben hier.

„Einerseits sind wir in zwölf Minuten in der Wiener Innenstadt, andererseits mit dem Mountainbike in fünf Minuten mitten im Wienerwald. Und im Sommer können wir am Donaustrand entspannen oder mit dem Stand-up-Paddle-Board in den Seitenarmen der Donau Urlaubsgefühle genießen.“ Und so machten sie sich auf die Suche nach einer fixen Bleibe.

Außenansicht des Hauses aus den 1930er-Jahren.
Außenansicht des Hauses aus den 1930er-Jahren.Doris Barbier

Geliebter Bastlerhit

Gefunden wurde ein Objekt mit 160 Quadratmetern – und zwar sehr schnell: „An einem Dienstag habe ich es im Internet entdeckt, am Mittwoch angeschaut, am Freitag mit einem Baumeister besprochen und am Sonntag das Angebot gestellt“, erzählt König.

Seitdem wohnt man auf zwei Ebenen mit einer großen Wohnküche – heute der Lebensmittelpunkt der Familie –, drei Schlafzimmern, einem zweiten Wohnzimmer, das von der Hausherrin gern für ihre Yogaübungen benützt wird, Esszimmer, Schrankraum und zwei Bädern. Genug Rückzugsorte für eine vierköpfige Familie, auch oder vor allem in Zeiten von Home-Office und Distance-Schooling.

Sandra König beim Yoga.
Sandra König beim Yoga.Doris Barbier

Der Kern des Hauses stammt aus den 1930er-Jahren, mit einem Zubau aus den 1960er-Jahren. „Es wurde vom Vorbesitzer, einem Franzosen, renoviert. Er wollte sich wohl wie zu Hause in Südfrankreich fühlen – und das hat uns sofort angesprochen“, berichtet König. „Leider war er ein Bastler, der nicht alles korrekt ausgeführt hat. Deshalb haben wir einiges noch einmal machen müssen.“ So hat es plötzlich ins Vorzimmer geregnet, weil das neue Dach auf einem Blechdach angebracht und einfach durchgebohrt worden war. Einige kleine versteckte Mängel, wie bei jedem alten und gewachsenen Haus, treten hier immer wieder auf. „So sind wir immer am Basteln, und kaum ist eine Ecke fertig, fällt uns die nächste Sache auf.“ Auch die extreme Hanglage kann für die Familie manchmal zur Herausforderung werden. Vor allem, was die Feuchtigkeit in den Mauern betrifft.

Designte Gemütlichkeit

In Sachen Inneneinrichtung soll und darf es dafür still und möglichst naturbelassen bleiben. Bei den Königs mag man ruhige Holz- und Naturtöne, ein paar Kuschelkissen auf dem Sofa und ein dicker Teppich im Wohnzimmer schaffen zusätzliche Gemütlichkeit. „Mein Zuhause muss Ruhe ausstrahlen, aber vor allem gemütlich sein.“ Gerade im Krisenjahr 2020 wurde der Familie noch klarer, „wie wichtig und wertvoll es ist, ein Zuhause zu haben, in dem man sich wohlfühlt – eine Homebase zu haben, in der man geborgen ist und die in unruhigen Zeiten eine Kraftquelle und einen wertvollen Rückzugsort bildet, um auf andere Gedanken zu kommen.“



Als Moderatorin beim Radiosender Ö3 ist Home-Office für König aus technischen Gründen nicht möglich. Ihr Buch „Guten Morgen, Leben“, das soeben im Verlag Styria erschienen ist und das eine Ode ans Frühaufstehen ist, ist aber hier im Haus entstanden. „Das war gar nicht so einfach im Lockdown zwischen ,Was gibt es denn heute zu essen?‘ und ,Ich kenn mich bei der Hausaufgabe nicht aus‘.“ Geholfen hat dabei auch eine typische Eigenschaft: König war immer schon ein Morgenmensch, schon vor „Weckerzeiten“. „Der Morgen ist eine ganz besondere Zeit, denn wie ich in den Tag starte, ist entscheidend dafür, was er für mich bereithält“, erzählt sie.

"Mein Zuhause muss Ruhe ausstrahlen, aber vor allem gemütlich sein."

Nach einer stressbedingten Erkrankung startet der Early Bird in aller Stille in den Tag, mit Yoga im zweiten Wohn- beziehungsweise „Morgenzimmer“ und kleinen Morgenritualen. Immer dabei: der Blick auf die Weinberge im Wandel der Jahreszeiten.

Blick in die Wohnküche.
Blick in die Wohnküche.Doris Barbier

Sonstige Lieblingsplätze sind: die Wohnküche, in der alle Familienmitglieder täglich viel Zeit verbringen und wo auf den hohen weißen Barhockern aus Metall gesessen, gegessen, diskutiert und auch gearbeitet wird, und natürlich die Terrasse. Der kleine Innenhof mit den vielen Grünpflanzen im Topf wirkt an den heißesten Sommertagen dann ganz besonders einladend.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Die heute drittgrößte Stadt in NÖ wurde 1108 als Neuenburg erwähnt, ab 1114 die Stiftskirche erbaut. 1298 wurden die durch die Donau getrennten Stadtteile Neuburg klosterhalben (Klosterneuburg) und Neuburg markthalben (Korneuburg) getrennt. Klosterneuburg gilt als begehrte Wohngegend, Häuser kosten im Bezirk Tulln zwischen rund 1050 und 3222,20 Euro/m2.

Sandra König ist als Moderatorin (Ö3), Autorin („Guten Morgen, Leben“) und Yoga-Lehrerin tätig.

Die Küche birgt ein Sammelsurium an kleinen und großen Schätzen.
Wohngeschichte

Wien Leopoldstadt: Im Magazin des Bezaubernden

Die Künstlerin Renate Burger alias Amùr Wien hat sich in der Praterstraße mit bunten Farben und Möbeln, die Geschichten erzählen, eine Wohnung voller Magie geschaffen.

Zu alten Möbeln und Einrichtungsgegenständen hat Renate Burger, die seit 2015 unter dem Namen Amùr Wien künstlerisch tätig ist, eine ganz besondere Beziehung. „Sie sind individuell, erzählen häufig eine Geschichte, und darüber hinaus ist die Qualität des Materials und Designs oft enorm“, sagt die studierte Historikerin und Kommunikationswissenschaftlerin.

Renate Burger in ihrem Refugium.
Renate Burger in ihrem Refugium.(c) Rita Newman / Anzenberger (Rita Newman)

Dieses Faible spiegelt sich auch in ihrer Wohnung in der Praterstraße in Wien Leopoldstadt wider, in der viele Gegenstände zu finden sind, die beinahe auf dem Müllplatz gelandet wären.

„Meine Wohnung ist ein bisschen wie ein Panoptikum“, schmunzelt Burger, die als begabte Handwerkerin den Dingen oft auch neues Leben einhaucht.

Weitgereiste Unikate

Die Böden in Vorraum, Bad, WC und Küche waren in einem früheren Leben Deckentram. Die Wände zwischen Bad und Vorraum wiederum sind historische Glastrennwände aus einem Gründerzeithaus. Die Fisch-Fliesenbordüre im WC stammt aus einer Fischhandlung in Leipzig. Und die Trennwand zwischen Wohnraum und Wintergarten ist ein altes Fenster aus einem Otto-Wagner-Haus. Auf Flohmärkten und Reisen oder im Internet wird die Künstlerin fündig. So manches Fundstück hat sie auch Hinweisen von Bekannten zu verdanken. Das gilt beispielsweise für den Glasschrank in der Küche: Er stand einst im Institut für Physik der Universität Wien und soll Nobelpreisträger Erwin Schrödinger, einem der Begründer der Quantenmechanik, gehört haben.

Blick in den Wohnraum.
Blick in den Wohnraum.Rita Newman

Der Arbeitstisch in der Küche hingegen diente ursprünglich einem Installateur als Werkbank. „Ich habe beim Spazierengehen gesehen, dass der Betrieb aufgelöst und das Inventar verkauft wird“, erzählt Burger, die neben Möbeln und Fliesen auch Geschirr und Modelle sowie historische Textilien sammelt. Auch antike asiatische Möbel sind in der Bleibe, in der unzählige Pflanzen prächtig gedeihen, zu finden. „Die Kästen mit Intarsien kommen beispielsweise aus dem Nachlass eines Asiatica-Sammlers“, sagt die gebürtige Kärntnerin. Ihr Bett, ein wahrscheinlich aus dem Jahr 1835 stammendes Opiumbett (randlos, geschnitztes Massivholz) hat sie von einem deutschen Händler erworben, bei dem es lang im Lager stand.

"Bei mir hat fast jeder Gegenstand eine Geschichte."


Beruhigend bunt

Das gilt im Übrigen auch für das Haus, das 1787 als Palais beziehungsweise Lusthaus des Grafen Gudenus errichtet wurde. 1840 erfolgte ein Neubau durch Max von Springer, den Miterfinder der Backhefe. Seit 2009 wohnt die Künstlerin, deren Werkzeug und Medium übrigens Nahrungsmittel sind, die sie dazu verwendet, aktuelle Themen über performative Installationen sinnlich erfahrbar zu machen, in der 86 m2 großen Wohnung. „Ich musste aus meiner alten Wohnung ausziehen, da diese verkauft wurde, und war auf der Suche nach einer leistbaren, ähnlich großen Bleibe“, erzählt die begeisterte Sammlerin. Gefunden hat sie diese durch ein Zeitungsinserat. „Die Wohnung war immer wieder bei den Inseraten dabei, und irgendwann habe ich angerufen“, erinnert sie sich. Während andere vom Sanierungsbedarf abgeschreckt wurden, habe sie das Potenzial der vier Meter hohen Räume erkannt.

Ehrenplätze für besondere Stücke.
Ehrenplätze für besondere Stücke.(c) Rita Newman / Anzenberger (Rita Newman)

„Ich wollte ohnehin keine fertige Wohnung“, sagt Burger, die bei den Arbeiten selbst Hand anlegte. So mussten der alte Herd und das Bad umgebaut werden. „Das war ein im Vorraum eingebauter Ytong-Würfel.“ Daneben galt es, den Wänden einen neuen Anstrich zu verpassen. Ein kräftiges Violett im Bad, ein sattes Rot in der Küche, Grün im Wohnzimmer – „die Wohnung ist sehr bunt, sehr dicht, aber strahlt trotzdem eine große Ruhe aus und hat etwas Magisches“, sagt Burger. Das würden auch ihre Besucher bestätigen – „manche wollen gar nicht mehr gehen“.

"Die Wohnung ist sehr bunt, sehr dicht, aber strahlt trotzdem eine große Ruhe aus und hat etwas Magisches."

Apropos Magie: Im Gebäude befand sich das Artistencafé, in dem eine „Magische Organisation“ ihren Sitz hatte. Demnächst stehen wieder Arbeiten an der Wohnung an. „Ich brauche mehr Lagerflächen und Raum für meine Objekte.“ Denn die Wohnung diene nicht nur als solche, sondern auch als Fundus und Präsentationsfläche für die Arbeit von Amùr Wien. „Sie gibt Einblick in mein sehr persönliches und künstlerisches Universum.“

Zum Ort, zur Person

Die Praterstraße (vor 1862 Jägerzeile) verband die Stadt mit einer Siedlung von Jagdaufsehern und Holzarbeitern in den Donau-Auen. Später wurde sie als Boulevard mit Bäumen und prächtiger Architektur ausgebaut. Wohnungen kosten im 2. Bezirk rund 4963 (Bestand) bis 6200 (neu) Euro/m2.
Die Historikerin und Kommunikationswissenschaftlerin Renate Burger ist auch als Künstlerin tätig: Mit Amùr Wien beschäftigt sie sich mit dem Thema Nahrung und deren Wahrnehmung.

Mehr Artikel zu Immobilien und Wohnen: www.diepresse.com/immobilien

Blick vom Vorraum in Küche und Wohnraum.
Wohngeschichte

Villa Kunterbunt im Wiener Cottageviertel

Wie Business-Beraterin Verena Kusstatscher in den 18. Wiener Bezirk gefunden hat, warum sie ihr Zuhause so schätzt – und sich manchmal sogar wie in einer Almhütte fühlt.

Vor vier Jahren spazierten mein damaliger Partner und ich durchs Cottageviertel“, erzählt die Unternehmensberaterin Verena Kusstatscher. „Er zeigte mir einige Villen, von denen er wusste, dass dort gerade Wohnungen frei waren – den Immobilienmarkt zu beobachten, war schon immer sein Hobby.“ So standen sie dann auch vor der bezaubernden Villa mit ihren Türmchen. „Schon eine Stunde später konnten wir die Wohnung besichtigen – obwohl es Samstagmittag war.“

Zauberhafte Quadratmeter

Das Haus in Schönbrunner Gelb mit den Türmchen und den dunkelgrünen Fensterrahmen erinnert ein bisschen an die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf. „Zumindest war das die spontane Assoziation meiner Tochter, als sie unser neues Zuhause zum ersten Mal sah“, erinnert sich Kusstatscher. Die gediegene Villenetage befindet sich im 18. Bezirk, im sogenannten Cottageviertel. Neben dem Hauseingang steht ein prächtiger Feigenbaum, der von Juli bis November Früchte trägt. Ein zauberhaftes Plätzchen.


„Wir waren uns einig, dass dies das neue gemeinsame Zuhause sein sollte für uns, meine Tochter und seine zwei Söhne. Es passte einfach alles, von der Raumaufteilung bis zur Größe.“ Gesagt, getan. Mehr als zwei Jahre lang war die elegante Etage im zweiten Stock das gemeinsame Domizil für die fünfköpfige Patchworkfamilie.

Blick ins Wohnzimmer.
Blick ins Wohnzimmer.Doris Barbier

Die 170 Quadratmeter mit Wohnraum und Küche, vier weiteren Zimmern, Bad, zwei WCs und einem Abstellraum verfügen auch über einen eigenen Garten und eine Terrasse. Umso schmerzhafter war es, als ihr Partner unerwartet mit seinen Söhnen wieder auszog. Seitdem lebt Kusstatscher allein mit ihrer zehnjährigen Tochter hier. „Im Nachhinein betrachtet habe ich das Gefühl, dass es wohl kein Zufall war: Mein heutiges Bedürfnis nach mehr Freiraum macht sich nämlich nun auch beruflich sehr positiv bemerkbar.“

Baumkronen im Blick

„Das Schöne an unserer großen, hellen Altbauwohnung sind die 3,5 Meter hohen Räume, die alles noch größer erscheinen lassen“, freut sich Kusstatscher. Was natürlich auch einen Nachteil mit sich bringt – das Heizen. Die Inneneinrichtung präsentiert sich schlicht und modern, in hellen, freundlichen Farben. Die weiße offene Küche passt sich dem Gesamtbild an: Parkettboden, kombiniert mit ein paar dunkleren Altholzmöbeln, Sitzmöbeln in Erdfarben und hie und da ein paar kräftigeren Farbakzenten.

"Und Platz zu haben, um all meine Passionen ausleben zu können."

Am meisten Zeit verbringt die Unternehmensberaterin, die auch als Business-Coach tätig ist, im Moment im sonnigen Home-Office mit Blick in die Baumkronen und auf die schöne Häuserfront gegenüber. Ihre Unternehmensberatungen und Workshops finden zurzeit großteils online statt. Ein Teil der Seminare und Ausbildungen ebenfalls. „Seither weiß ich es umso mehr zu schätzen, ein gemütliches und geräumiges Büro zu haben, in dem ich mich sehr wohl fühle.“

Verena Kusstatscher.
Verena Kusstatscher.Beigestellt

Goldstandard im Kreativraum

Als Alleinerziehende empfinde sie es ohnehin als Luxus, von zu Hause aus arbeiten zu können. „Und Platz zu haben, um all meine Passionen ausleben zu können.“ Im gerade neu gestalteten Kreativitäts- und Visionsraum mit vergoldeter Wand wird jetzt Klavier gespielt und meditiert. Zwischendurch fungiert er auch als Seminarraum. „Seitdem ich hier allein mit meiner Tochter wohne, meditiere ich wieder mehr. In diesem Raum kann ich die Außenwelt draußen lassen und klare Antworten finden.” Seit 15 Jahren beschäftigt sie sich privat und beruflich mit energetischem Feng-Shui, seit 2020 werden auch geführte Aufwach-Meditationen für Interessierte im Kreativraum absolviert: „um gut gelaunt und klar in den Tag zu starten“.

Als gebürtige Südtirolerin weiß sie nicht nur die großzügigen Räume, sondern auch ein gewisses Almfeeling mitten in der Großstadt zu schätzen: „Ich liebe das ruhige Schlafzimmer, das ins Grüne schaut und Schlafen bei offenen Fenstern ermöglicht. Wenn starker Wind weht, wenn es schüttet oder wenn Eichhörnchen Nüsse knacken, habe ich immer das Gefühl, in einer Almhütte zu schlafen.“

Zum Ort, zur Person

Cottageviertel wurden ab 1870 im 18., 19., 2. und 13. Bezirk mit „Cottages“ genannten Villen in Anlehnung an englische Landhäuser bebaut, als Gegensatz zu den Zinspalästen der Innenstadt. Heute kosten Wohnungen in Währing zwischen 2100 und 5900 Euro/m2. Verena Kusstatscher ist als Unternehmensberaterin und Coach tätig.

Die Wohnküche ist das Zentrum des Hofbaur’schen Haushalts. Hier kann die Hausherrin auch ihre Kreativität ausleben.
Wohngeschichte

Mitten in Wien Gersthof: Unter dem Gerümpel ein Juwel

Das Haus erinnert an ein altes Jagdschlösschen und wirkt ein wenig schief. Ein Detail, das die freie Journalistin Ines Hofbaur veranlasste, sich genau hier niederzulassen.

In die vielen kleinen Details ihrer Wohnung hat sich Ines Hofbaur, freie Journalistin und Texterin, sofort verliebt: in die alten Lichtschalter aus Porzellan zum Drehen, die hübschen Türknäufe und Beschläge, den schwarz-weißen Fliesenboden auf dem Balkon und im Badezimmer, den riesigen Spiegel im Eingangsbereich und nicht zuletzt in die frei stehende, gusseisenere Badewanne mit den silbernen Löwenfüßchen und den schönen, alten Silberarmaturen.

Ines Hofbaur in ihrer Wohnung.
Ines Hofbaur in ihrer Wohnung.D. Barbier

Ihre Wohnung befindet sich in einem Mehrparteien-Haus in Gersthof am Fuß des Schafsbergs, in der Nähe der ehemaligen Semmelweis-Klinik.

Das Haus wurde 1910 erbaut, erzählt sie, war angeblich einmal ein Hotel und eines der ersten großen Häuser in der Gasse. Das verwinkelte Gebäude, das an ein Jagdschlösschen erinnert, spart nicht mit überraschenden Perspektiven und auch innen wirkt alles ein bisschen schief und nicht unbedingt sehr geradlinig. Was aber keine der 14 derzeit hier lebenden Parteien wirklich störe, erzählt Hofbaur. Der Dachboden wurde nachträglich aus- und ein Lift eingebaut. Zur Jagdschloss-Anmutung passt, dass an drei Seiten des Hauses Hirschköpfe aus Emaille angebracht sind, in einer Nische thront eine Marienstatue, an der Fassade rankt rosenähnlicher Stuck.

Kaufentscheidung mit Risiko

Als die damals schwangere Journalistin und ihr Mann die Altbauwohnung das erste Mal besichtigten, waren die Räume vollgestopft mit alten Sachen. „Wir trafen die Kaufentscheidung, ohne sie je leer gesehen zu haben“, erzählt sie lachend und fügt hinzu: „Der Vorbesitzer, ein Zahnarzt, war Antiquitätenliebhaber.“ Doch schon bald nach dem Leerräumen zeigten sich die knapp 120 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf Wohnküche, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und Bad in ihrer vollen Pracht. „Wir haben immer wieder einmal überlegt, einen kleinen Umbau zu machen, damit unsere beiden Töchter eigene Zimmer bekommen. Aber die Wohnung ist so optimal geschnitten, dass wir sie nicht verschachteln wollen.“

"Der Vorbesitzer, ein Zahnarzt, war Antiquitätenliebhaber."

Vor einigen Jahren wurde das ganze Haus restauriert, was für alle Bewohner eine große Herausforderung war. Es musste über eine neue Fassadenfarbe abgestimmt werden, und auch sonst waren in dieser Zeit viele schwierige Entscheidungen zu treffen. Die schönen Fliesen auf dem Balkon etwa mussten aus bautechnischen Gründen einem Holzboden weichen. „Das tat mir richtig weh, auch ein Teil des Gartens war erst mal verwüstet“, bedauert die Journalistin. Mittlerweile ist im wahrsten Sinn des Wortes aber wieder Gras darüber gewachsen, das Haus leuchtet hell und cremefarben.

Einrichtungstechnisch tendiert man bei den Hofbaurs zu einem eher gemütlichen Stil. Nicht durchgängig, sondern bunt zusammengewürfelt und ohne Konzept soll es sein. Büchertürme statt strenger Regale, Antiquitäten werden mit Hausgemachtem gemixt. Das erste Möbelstück war der Esstisch im Erker der Wohnküche, der schon in der vorigen Wohnung stand. Danach kamen zwei rote Sofas dazu, die im Wohnzimmer einen Platz gefunden haben.

"Wenn ich im April am Morgen aufwache, blicke ich auf ein Meer aus rosa Blüten."

„Wir haben beide ein paar Familienerbstücke mitgebracht, an denen wir sehr hängen“, erzählt Ines Hofbaur. „Bei mir ist es das Piano meiner Mutter und ein einfaches Holzkästchen aus dem Herrenzimmer meines Großvaters, mein Mann hat aus dem Besitz seines Großvaters zwei alte Lederfauteuils und die dunkle Holzkommode im Vorraum mitgebracht.“ Die beiden Töchter sorgen mittlerweile aber dafür, dass die Wohnung nach und nach einen moderneren, stylischeren Touch bekommt.

Besuche aus dem Wald

Das Herz und die Seele der Wohnung ist die Wohnküche. „Der lange Holztisch und das gestreifte Küchensofa sind fast durchgehend belegt“, schmunzelt sie. „Hier wird gekocht, gezeichnet, gebastelt und genäht.“ Und dann ist da noch der Gemeinschaftsgarten, „ein kleines Paradies“, so Hofbaur, in dem sich alle gern aufhielten. Manchmal verirren sich sogar Wildtiere hierher – einmal war es ein Reh, das andere Mal ein Fuchs, „der mich sogar angebellt hat“. Dort steht auch ein alter Magnolienbaum, direkt vor ihrem Schlafzimmerfenster: „Wenn ich im April am Morgen aufwache, blicke ich auf ein Meer aus rosa Blüten.“

ZUR PERSON/ZUM ORT

Ines Hofbaur ist in Zell am See aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann, den beiden Töchtern (14 und 17) und Kater seit fast 30 Jahren in Wien. Neben ihrer Arbeit als freie Journalistin betreibt sie das kleine Kreativunternehmen „Dem Guten mehr Gewicht“, in dem sie Geschenksteine mit Wortbotschaften und einen Wandkalender produziert.

Gebrauchte Eigentumswohnungen in guter Wohnlage kosten in Wien Währing zwischen 3000 und 4000 Euro/m2.

Wohngeschichte

Eine Wohnung mit der Nummer 7

Der aus Syrien stammende Autor Omar Khir Alanam hat sich in Graz zu Füßen des Schlossbergs niedergelassen. Dort schreibt er und träumt sich auf den Berg hinauf.

Wer sein erstes Buch „Danke ! Wie Österreich meine Heimat wurde“ gelesen hat, weiß, welche Verbindung der Autor Omar Khir Alanam zu der Nummer sieben hat, schon seit der Zeit in seiner ehemaligen Heimat Syrien. Im November 2014, nach zwei Jahren Flucht durch ganz Europa, kam er in Österreich an, in Graz hat er eine neue Heimat gefunden. Seine Wohnung trägt die Nummer 7: „Als ich das sah, wusste ich sofort: Die ist perfekt für mich“, erzählt er. Das Wohnhaus, in dem er seit 2017 mit seiner Frau, Alena, und seinem kleinen Sohn lebt, liegt zu Füßen des Schlossbergs, die Wohnung selbst hat 74 Quadratmeter. Über ein kleines Vorhaus gelangt man in die große Küche, von dort landet man entweder direkt im Wohnzimmer oder in einem weiteren kleinen Vorhaus. An dieses schließen sich Schlafzimmer, Nassräume und ein Abstellraum an.

Omar Khir Alanam mit seinen zwei im Verlag edition-a erschienenen Büchern
Omar Khir Alanam mit seinen zwei im Verlag edition-a erschienenen Büchern

Orient trifft Okzident

Was die Einrichtung betrifft, hat der Schriftsteller seine ganz persönliche Philosophie. „Für mich ist es wichtig, dass alles zusammenpasst, harmonisch ist.“ Und da er gleichzeitig großen Wert auf Individualität legt, trifft in seinem Heim nun der Orient auf den Okzident. „Es war mir ein großes Anliegen, beide Stilrichtungen – orientalisch und westlich, syrisch und österreichisch – zu mischen. Weil beide Herzen in meiner Brust schlagen. Das soll auch in meinem Zuhause sicht- und spürbar sein.“ Das orientalisch Bunte und Farbenfrohe kommt besonders in den Fliesen der Küche zum Ausdruck. Hier frönt er seiner – neben dem Schreiben – zweiten Leidenschaft, dem Kochen.
Der Ort, das Umfeld, wo seine Texte entstehen, ist für ihn hingegen zweitrangig. „Ich muss mich dort, wo ich schreibe, wohlfühlen, aber das können je nach Stimmung sehr unterschiedliche Plätze sein. Es kann sein, dass viele Menschen um mich herum sind, wenn ich arbeite, oder dass ich die Stille suche und allein sein will. Das hängt auch davon ab, woran ich gerade schreibe.“ Seine Texte handeln von Liebe, Exil, Revolution, Flucht, Ausgrenzung, Heimat, Hoffnung und Identität.
Zu den speziellen Plätzen, die ihn in den eigenen vier Wänden zum Schreiben inspirieren, gehört das Fenster im Wohnzimmer, vor dem immer ein bequemer Sessel steht. Darunter liegt ein orientalischer Teppich, darüber hat er eine Lichterkette angebracht, daneben steht ein kleiner Tisch. „Man sieht von hier aus die Treppe und die Menschen, die auf den Schlossberg gehen oder gerade herunterkommen. Es ist für mich immer aufs Neue inspirierend, die Menschen zu beobachten, wie unterschiedlich sie den Schlossberg hinaufgehen“, meint er mit einem Lächeln. Genügend Auslauf in den eigenen vier Wänden zu haben, ist für ihn als Kreativen eine Grundvoraussetzung: „Vor allem, wenn ich ein neues Buchprojekt beginne, renne ich meist ganz aufgeregt durch alle Zimmer. Ich laufe hin und her und habe dabei so viele Ideen in meinem Kopf, dass ich oft gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Wenn ich es dann schaffe, mich zu sammeln, setzte ich mich hin und schreibe alles auf. Sofort.“ Sein absoluter Lieblingsort ist aber die Küche. Hier bereitet er auch seine Workshops und Schreibwerkstätten vor, in denen er Jugendlichen das Thema Integration näherbringen will. „Ich halte mich oft stundenlang in der Küche auf. Hier kann man herrlich entspannen, schreiben oder in Ruhe einen Kaffee genießen.“

Traum von der Dachterrasse

Oder einfach nur stundenlang sitzen, sinnieren und sich in Gedanken die eigene Traumwohnung in allen Details ausmalen. Denn ganz zufrieden ist Alanam mit der derzeitigen Wohnsituation dann doch nicht. Es fehlt ihm ein Balkon, eine Terrasse. Idealerweise sollte sie auf einem Hügel liegen, „mit großen Glasfenstern und einem weiten, unverbauten Ausblick in die Natur“. Ein offenes Badezimmer sollte sie haben, einen Pool und über eine große Dachterrasse verfügen. „Wie jene in Damaskus, auf der ich abends als Kind gern saß, zu den Sternen blickte und versuchte, sie zu zählen. Heimlich. Bei uns sagt man nämlich, dass man Sterne nicht zählen darf, weil man davon Pickel bekommt“, lacht er.

Zur Person/Zum Ort

Der in Damaskus geborene Autor und Poetry Slammer Omar Khir Alanam ließ sich nach rund zweijähriger Flucht vor dem Krieg in Syrien in Graz nieder. Sein erstes Buch über die neue Heimat, erschienen 2018 im Verlag Edition A, trug den Titel „Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde“. Im September 2020 ist im gleichen Verlag „Sisi, Sex und Semmelknödel. Ein Araber ergründet die österreichische Seele“ erschienen.
Für eine Eigentumswohnung in Graz Stadt im Erstbezug und in guter Lage muss man zwischen 3200 und 3800 Euro/m2 bezahlen.

Stilmix aus diversen Epochen und Ländern
Wohngeschichte

Urbangasse in Wien Hernals: Willkommen im Beauty-Boudoir

Caroline Paparella wohnt und arbeitet in einem Gründerzeithaus im 17. Bezirk – wie einst die Großmutter ihres Mannes, eine Kosmetikpionierin.

Rosafarbener Vorraum, türkise Vorhänge, gesteppte Sessel mit silbernem Jourtisch: das Beauty-Boudoir von Caroline Paparella, die seit 2019 in der Beletage des Hauses, in dem sie auch wohnt, ein kleines Kosmetikstudio eingerichtet hat. Und das ist kein Zufall – hier in der Urbangasse in Hernals wurde seit den 1920er-Jahren Kosmetik hergestellt. „Das Haus war ursprünglich mit 39 Wohnungen als Arbeiterhaus konzipiert“, erzählt Paparella. „Mit Souterrainlokalen, Pferdestall und Fiakergarage.“ 1907 ging es in den Besitz von Alois Sickinger über, dessen Tochter Mignon als Kosmetikerin hier in den 1920er-Jahren ihr Kosmetikinstitut Fiorella startete. Gemeinsam mit ihrem Mann, Ottone Paparella, dessen Namen sie 1927 annahm. „Fiorella wurde zu einem der Kosmetik-Pionierunternehmen in Wien mit Kosmetiklabor im Souterrain des Zinshauses zur Herstellung der eigenen Kosmetikprodukte.

Das Haus wurde in den vergangenen 50 Jahren immer wieder umgebaut, mit schließlich fünfzehn Kategorie-A-Wohnungen. Als die Kosmetikfirma-Gründerin 2002 starb, vermachte sie ihre Wohnung dem jüngsten Enkelsohn, Christof: „meinem Mann, der seine gesamte Kindheit hier in der Urbangasse verbracht hatte“.

Landleben trifft Ethno

Er renovierte die Wohnung 2005 mit Wand- und Türdurchbruch. Die ursprünglich für Haushalte mit Dienstboten strukturierte Küche neben dem Wohnungseingang wurde geöffnet und mit einer Bartheke ausgestattet. Zwei Badezimmer wurden eingebaut, Wände durchgebrochen, ein rustikaler Kamin mit altem Holzobersims als zentrales Element unter einem Wandbogen eingebaut. „Die Küche erinnert zwar an das kuschelige Landleben, hat aber nicht viel Tageslicht und muss stets beleuchtet werden. Für mich als passionierte Köchin stellt das manchmal eine kleine Herausforderung dar.“ Die Einrichtung enthält eine Reihe von Skulpturen und Bildern aus der Feder des italienischen Großvaters Ottone, der als Komponist, Maler und Bildhauer 1920 nach Wien kam und sich in die Tochter des Hausherren verliebte, ihr eine eigene Komposition „L'abbondonato“ widmete.

Deko-Elemente aus aller Welt

Die Wohnung in Beige-Bordeaux ist durch markante Stilelemente aus dem ländlichen Raum geschmückt. Rauhputz und Massivholztüren mit Spitzbögen treffen auf Deko-Elemente aus aller Welt: afrikanische und venezianische Masken, indonesische Schnitzarbeiten, einen ägyptischen Jourtisch mit orientalischer Lampe – ein polyglottes Sammelsurium, das sich harmonisch als Gesamtbild präsentiert. Die Schranktüren und die Küchenmöblierung wurden aus Eichenholz angefertigt – sie spiegeln den brasilianischen Holzstil wider.

Das Arbeitszimmer besteht aus Elementen der ehemaligen Ordination des Urgroßvaters Alois Sickinger. Der Kamin wurde aus spanischem Marmor mit böhmischem Gneis errichtet, das Wohnzimmer präsentiert sich gediegen mit venezianischen Sofas, einem ägyptischen Messingtisch und restaurierten Klavier der berühmten Wiener Klaviermanufaktur Ehrbar. Die beiden Badezimmer wurden im römischen Stil mit Feinsteinzeugfliesen sowie Marmorbordüren ausgestattet, die Küche hingegen mit einem praktisch integrierten Lavastein-Griller. 

Gartenhaus auf einer alten Ansicht
Gartenhaus auf einer alten AnsichtPaparella Caroline

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne: Beim Umbau des geschichtsträchtigen Hauses gab es einige Probleme zu bewältigen. Alle stillgelegten Gas-Lichtleitungen mussten aus der Wand geschnitten werden, die Beschüttung der Parkettböden war nach 100 Jahren komplett durchgetreten musste und genauso wie alle Heizungs- und elektrischen Installationen völlig erneuert werden.

Die Kastenfenster mit Schmuckkassetten mussten komplett saniert werden, wurden aber in ihrer Originalform erhalten. „Zur Öffnung der Küche, um den Barbereich möglich zu machen und um Kaminzimmer und Wohnzimmer durch einen Torbogen zu verbinden, mussten zwei Stahlträger eingezogen werden, die mit einem Kran durch das Wohnzimmerfenster in die Wohnung befördert wurden.“ Im Garten liegt versteckt ein kleines Gartenhäuschen. Es wurde 2017 renoviert – die Dachterrasse soll nächstes Jahr folgen. Ob die einstmals frei stehende Badewanne wieder errichtet wird, ist allerdings noch offen.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Der 17. Bezirk wurde 1892 aus den Orten Hernals, Dornbach und Neuwaldegg gebildet, die Urbangasse liegt im ehemaligen Dornbach. Es entstand ab 1044 aus einem Hof des Stifts Sankt Peter. Eigentumswohnungen kosten in Hernals zwischen 2869 und 4966 Euro/m2 (Erstbezug) bzw. zwischen 1847 und 3640 Euro/m2 (gebraucht). Caroline Paparella betreibt in Wien zwei Kosmetikstudios.

Aus einem alpenländischen Haus der 1970er-Jahre entstand eine zweistöckige Villa mit Säulen, Balustraden und Gewölben.
Wohngeschichte

Säulen, Bögen, Skulpturen: Rundgang in einer Innviertler Villa

Künstlerin Margit Wimmer-Fröhlich wohnt und werkt in einem ehemaligen alpenländischen Haus der 1970er-Jahre, das zu einem kleinen Schlösschen ausgebaut wurde.

„Meine Mutter hat ihr ganzes Leben davon geträumt, ein Schlösschen zu besitzen“, erzählt Margit Wimmer–Fröhlich, „mit Balustraden, Türmchen und allem Drum und Dran.“ Das Elternhaus der Künstlerin in Mattighofen hat daher einige Metamorphosen erlebt. Aus einem alpenländischen Haus der 1970er-Jahre entstand eine zweistöckige Villa mit Säulen, Balustraden und Gewölben.

Dabei wurde nicht nur die Außenfassade komplett neu gestaltet. „Der gesamte Umbau, der insgesamt zwanzig Jahre dauerte, wurde im Familienverbund geplant und umgesetzt. Leider konnte meine Mutter das fertige Resultat nicht mehr erleben,“ erzählt Wimmer–Fröhlich beim Rundgang. „Jeder konnte nach Lust, Laune und Fähigkeiten seinen Beitrag leisten.“ Sie selbst habe etwa gern die bis zu 200 Jahre alten Ziegel vom Beiwerk befreit und so die Vorarbeit zur Weiterverarbeitung geleistet. Umgestaltet wurden auch die Mauern, die das gesamte Grundstück umfassen und eine Höhe von mehr als zwei Metern haben. Sie wurden zum Teil verputzt und mit Rundbögen versehen.

Gartenmauer
GartenmauerDoris Barbier

 

Werkstatt-Charme

Im Erdgeschoss befinden sich eine kleine Einliegerwohnung und einige Werkräume, darüber liegen zwei Etagen mit jeweils 130 m2Wohnfläche. Sie werden im Familienverbund bewohnt. „In den Schlafzimmern wird man von der Morgensonne geweckt“, erzählt die Künstlerin. Wohn- und Esszimmer sowie Bad und der Wintergarten sind süd- und westseitig ausgelegt.

"In den Schlafzimmern wird man von der Morgensonne geweckt."

„Im Bereich des Ateliers sind die Mauern mit roten kleinen Ziegeln gestaltet, um einen Bezug zu einer Werkstatt herzustellen. In dem 2008 fertiggestellten Raum entstehen ihre „Kleider des Lichts“ – leuchtfähige Objekte, eine Mischung aus Skulptur, Gemälde und Lampe. Verwendete Materialien sind handgewebtes Leinen, Wildseide oder Wolle. Sie werden verklebt und dann auf Holzrahmen gespannt.

Das Gebäude, in dem die Werkstatt untergebracht ist, ist ein Säulenbau mit Flachdach. Erst später wurden die Wände mit alten Ziegeln ausgemauert. „Dadurch wirkt der Bau sehr stimmig.“ Der Arbeits- und gleichzeitig Ausstellungsbereich umfasst rund 100 m2.Der Boden wurde von einem deutschen Künstler bemalt. „Die Lichtsituation und das Raumklima sind ideal. Dank der großen Fenster, die den Blick in den Garten freigeben, ist das Atelier für mich jeden Tag aufs Neue der ideale Ort, um künstlerisch tätig zu sein.“

Doris Barbier

 

Badezimmer-Luxus

Bei der Inneneinrichtung durften auch befreundete Künstler Hand an legen. Die gemütliche Küche aus Holz wurde von Reinhart Renaldo Fritsch, einem in Graz lebenden Künstler, geplant und gebaut. Das Wohnzimmer präsentiert sich als gut dosierte Mischung aus alten und modernen Funktionsmöbeln. Dafür durfte das Schlafzimmer sehr schlicht ausfallen – ein Bett aus Holz, ein Holzbretterboden, und an der Wand ein eigenes Werk, das von Sohn Markus mit einem Rahmen aus Nussholz verschönert wurde.

"Dank der großen Fenster, die den Blick in den Garten freigeben, ist das Atelier für mich jeden Tag aufs Neue der ideale Ort, um künstlerisch tätig zu sein."

Luxuriös wird es im angrenzenden Bad mit überdimensionalem Spiegel und zwei stattlichen Glastüren, die das westseitige Sonnenlicht hereinlassen. „Ich habe das Badezimmer in den letzten Jahren neu gestaltet und auf 30 m2vergrößert.“ Nordseitig befindet sich ein geräumiger Kastenraum.

Skulptur und „Kleid aus Licht“
Skulptur und „Kleid aus Licht“Doris Barbier

In fast allen Räumen gibt es Bilder sowie Holz- und Steinarbeiten von Künstlern, die den Weg von Wimmer-Fröhlich im Laufe der Zeit gekreuzt haben. Auf Schritt und Tritt tauchen textile Leuchten oder Wandbilder von ihr auf. Die Wände wurden bewusst weiß gehalten, auch die „Kleider des Lichts“ sind ausschließlich in Naturfarben gearbeitet. So heben sie sich von der Wand ab, aber auf ruhige Art. Erst am Abend, wenn der Faktor Licht dazu kommt, treten sie hervor und verzaubern den Raum.

„Meine neue Serie beschäftigt sich mit der Natur. Inspiriert hat mich das Buch ,Waldbaden, Heilplatz Wald'. Ich habe auf meinen Wandbildern Bäume mit starken Wurzeln gestaltet, die die Verbindung zu Mutter Erde symbolisieren.“ Ihr absoluter Lieblingsplatz ist der Wintergarten. „Hier hat man das Gefühl, schon ein bisschen im Garten zu sein und doch im geschützten Bereich.“

ZUM ORT, ZUR PERSON

Die Kleinstadt Mattighofen liegt im oberösterreichischen Innviertel und gehörte bis 1780 und während der Napoleon- Kriege bayrischen Herzögen. Das Haus der Familie Fröhlich-Wimmer wurde in den 1970-Jahren erbaut und samt Nebengebäuden mehrmals umgebaut. Einfamilienhäuser kosten heute im Bezirk Braunau am Inn je nach Lage zwischen 975 und 1925 Euro/m2.

Die Künstlerin Margit Wimmer-Fröhlich aus Mattighofen entwirft Lampen aus Textilien. www.kleider-des-lichts.com

Batik am Flügel in seinem Wohnzimmer, das sich vom 24. September bis 2. Oktober in einen Konzertsaal verwandelt.
Wohngeschichte

Wohnen und Arbeiten im Schloss: Klavierklänge im Kreuzgewölbe

Der Pianist und Komponist Roland Batik hat sich ein herrschaftliches Schloss in Niederösterreich zum Wohn- , Arbeits- und Austragungsort seiner Konzerte auserkoren.

Der Zauber vergangener Zeiten umweht das Grundstück des ehemaligen Wasserschlosses im niederösterreichischen Ebergassing. Die Zufahrt erfolgt über eine gemauerte Brücke, flankiert von barocken Säulen und Skulpturen. In der 4000-Einwohner-Gemeinde selbst hatte noch nichts auf das Vorhandensein einer solch imposanten Anlage hingedeutet. Zurückhaltend lächelnd öffnet der Pianist Roland Batik das hölzerne Tor. „Willkommen in meinem Zuhause!”

Über einen trapezförmigen Pawlatschen-Hof und eine breite steinerne Treppe gelangen wir in die L-förmige Wohnung des Künstlerehepaars Roland und Yuko Batik. Die beiden Pianisten bewohnen das Schloss Ebergassing seit Sommer des Vorjahres. Zuvor lebte und arbeitete der Pianist, Schüler Friedrich Guldas, im Schloss Seibersdorf, Austragungsort der von Batik gegründeten jährlich stattfindenden Seibersdorfer Schlosskonzerte.

Seit April 2019 lebt der Komponist und Pianist Roland Batik im niederösterreichischen Schloss Ebergassing.
Seit April 2019 lebt der Komponist und Pianist Roland Batik im niederösterreichischen Schloss Ebergassing.Constantin Witt-Dörring

„Ein glücklicher Zufall“ habe dazu geführt, dass er nun erneut ein herrschaftliches Anwesen bewohnt. „Eine Konzertbesucherin, die ebenfalls im Schloss Ebergassing wohnt, erzählte mir vom Freiwerden einer Wohnung. Vom Ort Ebergassing, geschweige denn von diesem Schloss, hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört. Schlosshopper bin ich jedenfalls keiner”, lacht Batik als er über das terracottageflieste Entrée („Wir haben große Freude mit dem Vorraum!”) in den ersten von zwei Wohnsalons führt. „Als ich zum ersten Mal die hohen Räume, den alten Holzboden und die Kreuzgewölbe sah, war mir klar: Hier möchte ich bleiben.”

Art déco und barocker Touch im Schloss

Inmitten des hohen und lichten Raums, der über einen alten Kamin beheizt werden kann, steht ein Art déco-Ensemble, bestehend aus einem dunklen Tisch aus Mahagoni-Holz und vier Sesseln. Daneben finden sich eine purpurne Chaiselongue und Batiks Lieblingsstücke: Zwei barocke Stühle, mit alter Patina und „noch nicht neu bezogen“, wie der Pianist lächelnd anmerkt. Sie seien „Überbleibsel“ der vorherigen Wohnung. „Die Sessel hatten wir schon im Seibersdorfer Schloss, in dem ich seit 1989 gewohnt hatte. Sie waren das erste, das wir beim Umzug mitgenommen haben. Sobald ich mich hier daraufgesetzt habe, fühlte ich mich angekommen.” Im selben Raum steht auch das Übungspianino, eines von insgesamt drei Klavieren des Pianistenpaares, an dem Batik und seine Frau mit Kopfhörern selbst nach 22 Uhr ungestört üben können. „Unsere Nachbarn sind zwar alle musikaffin, aber irgendwann reicht es auch ihnen mit den Klavierklängen.”

Besonders das Kreuzgewölbe im mittelalterlichen Schloss hat es den Mietern angetan - im Bild: das Art Deco Ensemble im Empfangsraum des Künstler-Ehepaares Roland und Yoko Batik.
Besonders das Kreuzgewölbe im mittelalterlichen Schloss hat es den Mietern angetan - im Bild: das Art Deco Ensemble im Empfangsraum des Künstler-Ehepaares Roland und Yoko Batik.Constantin Witt-Dörring

Insgesamt sieben Parteien wohnen in dem Schloss, das erstmals im Mittelalter urkundlich erwähnt wurde und heute im Besitz zweier Familien ist. Gelegentlich treffe man einander beim Brunnen, der zum Schlossanwesen gehört, erzählt der Pianist. Einmal im Jahr jedoch, wenn Batik und seine Frau, den „Salon Batik” organisieren, wird es voll und laut. Dann wandelt sich das Herzstück der 208-Quadratmeter-Wohnung, der Salon, zum Konzertsaal.

Konzerte im Salon

Wir betreten den Raum durch eine romantische Pawlatsche im Arkadenhof des Schlosses. Durch eine Doppeltüre (zunächst eine gläserne, dann eine weiß gestrichene aus Holz) gelangen auch die Konzertbesucher in den Raum, wenn das Ehepaar Batik aufspielt. An der Front und an der Seite des Raums stehen zwei hölzerne Kredenzen, eine Leihgabe der Schlossbesitzer, erzählt Batik. „Wir haben uns beim Einrichten Mühe gegeben, die vorgegebene Architektur zu berücksichtigen.”

Ein Beispiel ist jene altdeutsche Kredenz, die nach oben hin spitz zuläuft und sich optimal unter das Kreuzgewölbe fügt. Darin stehen hölzerne Elefanten aus Indien, Erinnerungsstücke von Batiks Vater, der in den 1930er-Jahren als Pianist an Bord eines Schiffes gespielt hatte. Außerdem finden sich im Salon Perserteppiche, ein schwarzes Ledersofa und ein transparenter Kunststofftisch. „Wir sind zwar noch nicht komplett eingerichtet, aber diese Möbel dienen dazu, den Raum klanglich so zu gestalten, dass wir hier ohne Überakustik üben können.”
In Kürze wird der bunte Stilmix jedoch aufgelöst und macht neunzig Sesseln Platz, die das historische Kreuzgewölbe in einen Konzertsaal verwandeln.

Zum Ort, zur Person

Das Schloss Ebergassing ist eine denkmalgeschützte ehemalige Wasserburg im niederösterreichischen Bezirk Bruck/Leitha. Die im Kern mittelalterliche Burg wurde im 18. Jahrhundert ausgebaut und von 1998 bis 2001 restauriert. Mietwohnungen in Ebergassing kosten zwischen 6,50 und 7,9 Euro/m2.

Der Pianist und Komponist Roland Batik organisiert jährlich Konzerte in seiner Wohnung – heuer vom 24. September bis 2. Oktober. www.haydnregion-noe.at

Familie Hager lebt auf ihrem Biobauernhof im Bezirk Freistadt.
Wohngeschichte

Wohnen am Biobauernhof: Ein bisschen Bullerbü im Mühlviertel

Ernährungsexpertin Manuela Hager hat sich mit ihrer Familie einen Traum erfüllt: Leben auf dem Biobauernhof, mit einer Mischung als alt und neu, modern und traditionell.

Das Haus ist riesig, ich darf viele Räume sauber und ordentlich halten“, schmunzelt Manuela Hager. Zwischen Feldern und Wiesen liegt der Bilderbuchbauernhof der Familie Hager, an der nahen Feldaist gibt es einen kleinen Badeplatz für die Familie. Bullerbü im Mühlviertel? Ein bisschen sicher: Andreas Hager ist mit Leib und Seele Vollerwerbsbauer mit Kühen, Puten, Hühnern und ergänzender Felderwirtschaft, Manuela Hager selbstständige Ernährungsberaterin und Herrin über den großen Garten. Und auf die Tochter Mira-Sophie, derzeit im Volksschulalter, hören nicht nur Hund und Katz – auch alle Rinder wurden von ihr getauft und haben einen eigenen Vornamen. Und werden täglich von ihr besucht. Die dreiköpfige Familie hat den Bauernhof auf Leibrente übernommen.

Lichtmaximierung auf dem Biobauernhof

„Nach drei Jahren mühseliger Suche nach einem Hof haben wir ein Inserat geschalten, und dann ging es Schlag auf Schlag.“ Im Mai 2013 der erste Besuch, im Oktober der erste Umbau, Ende März 2014 der Einzug. 2015 wurde das Obergeschoß zum Teil umgebaut. Das Erdgeschoß soll erst dann vollständig umgebaut werden, wenn die heute achtjährige Tochter den Hof übernehmen mag.

Der Hof im Bezirk Freistadt mit Federvieh.
Der Hof im Bezirk Freistadt mit Federvieh.Barbier


Der 160 Quadratmeter große Wohnbereich liegt südseitig, das ist selten für einen Bauernhof – und aus unerfreulichem Anlass entstanden: Der Hof war 1988 abgebrannt, Stall und Halle wurden nordseitig wieder aufgebaut. Beim Umbau wurde damals besonders auf das einfallende Tageslicht geachtet: „Wir haben vor allem deshalb mehrere Räume zusammengelegt, damit mehr Sonne von Osten in den Raum kommt.“

Beim Umbau wurden viele eigene Ideen umgesetzt, die Familie bekam aber auch Unterstützung vom Architekten Vitus Lenz aus der Umgebung. Entstanden sind dabei eine Wohnküche, ein sehr großes Wohnzimmer – aus der Zusammenlegung von drei Räumen –, ein Kinderzimmer, ein Elternschlafzimmer, dazu Büro und Abstellraum.

Wände mit Überraschungen

„Da es ein Gebäude mit vielen alten Strom- und Wasserleitungen war, erwies sich die Renovierungsphase als durchaus spannend“, erzählt Hager. „Wir wussten nie, wo und wann wir auf welche Leitungen stoßen würden.“ Teilweise waren nicht nur die Außenmauern aus Stein, die Wände daher unterschiedlich dick. Der Familie war es ein großes Anliegen, bei der Wahl der Materialien so naturnah wie möglich zu bleiben: Mineralfarben an den Wänden, Holzböden und ein großer Kamin waren Grundvoraussetzung, „damit wir mit dem Holz aus unserem eigenem Wald heizen können“.

Essbank aus 25 Jahre gelagertem Eichenholz.
Essbank aus 25 Jahre gelagertem Eichenholz.Barbier


Dafür blieb es bei der Wahl der Möbel unkompliziert und pragmatisch. „Da wir schon mehrmals umgezogen sind, haben wir versucht, einen ausgeglichenen Mix aus bestehenden und neuen Möbeln zu finden.“ Ein besonderes Stück ist die Essbank in der Küche. „Das Eichenholz dazu war schon lang vor uns da – es wurde vor 25 Jahren geschnitten und gelagert.“ Ein befreundeter Tischler reinigte es und zimmerte daraus die viel benutzte Bank.

"Ich schaue gern ins Feuer, genieße die Wärme und kann hier so richtig gut abschalten."

Manuela Hager


Ein guter Freund und Hafner hat für die Familie auch den Heizkamin gesetzt und so ein warmes kuscheliges Eckchen im Wohnzimmer gezaubert. „Den Kamin haben wir ,quergestellt', um den Schlaucheffekt des langen Raums optisch zu unterbrechen.“ Holztöne in allen Nuancen und in Kombination mit anderen diskreten Naturtönen ziehen sich durch das ganze Anwesen. „Dunkelorange Stühle sind unsere Farbkleckse. Grün kommt bei uns ausschließlich von den Pflanzen.“

Lieblingsplatz: Heizkamin

Der absolute Lieblingsplatz der Hausherrin ist die Bank vor dem Heizkamin. „Ich schaue gern ins Feuer, genieße die Wärme und kann hier so richtig gut abschalten. Der besondere Vorteil des Hauses? „Wir haben keine Platznot, weder drinnen noch draußen. Ich freu' mich jetzt auf den Schwimmteich im Innenhof und noch viel mehr, wenn der Balkon endlich fertig ist. Dann geht's noch leichter raus in den Garten.“ Ein schöner Platz mit Panoramablick ins Mühlviertel: „Wir sehen die Dächer der Nachbarn, aber sie sind auf jeder Seite mehr als 250 Meter von unserem Haus entfernt.“

Zum Ort, zur Person

Der Biobauernhof liegt im Bezirk Freistadt und ist in seiner Weitläufigkeit typisch für das Mühlviertel. Er wurde ab 2013 zweimal umgebaut/erweitert und bietet heute drei Menschen Platz auf 160 m2, gehalten werden Rinder, Puten und Hühner. Häuser kosten im Bezirk Freistadt aktuell zwischen 659,37 und 2035,38 Euro/m2.
Manuela Hager ist als Ernährungstrainerin sowie im Marketing für den Bioverband Bio Austria tätig und verkauft auch Produkte ab Hof.

Wein und Rosen beim alten Bauernhaus.
Wohngeschichte

Das Sommerhaus im Waldviertel

Ein rosenumranktes Haus mit heimeligem Innenhof, großem Garten und fröhlichem Design: Wie Katharina Krusche in Gars am Kamp ihr Sommerhaus fand und gestaltet.

„Bei der Hausübernahme nahe der Rosenburg im südlichen Waldviertel haben wir als Begrüßungsgeschenk gleich mal einen im Verwesungsprozess befindlichen Marder in unserem Stadl gefunden,“ erzählt Katharina Krusche. „Da habe ich mir kurz überlegt, ob das so eine gute Idee war mit dem Landleben.“ Mittlerweile ist sie überzeugte Teilzeit-Waldviertlerin und fühlt sich pudelwohl in dem 300 Jahre alten ehemaligen Bauernhaus bei Gars am Kamp.

Das Wohnhaus mit Stadl in L-Form ist ein Sommerhaus und die Familie verbringt dort soviel Zeit wie möglich. Zwar hat das Haus eine elektrische Heizung, aber die dicken Stein-Mauern speichern zwar im Sommer die Kühle, aber auch die Kälte im Winter. Es richtig aufzuheizen dauert lange, und selbst dann wird es mangels fehlender Unterkellerung nie richtig gemütlich warm.“

„Schlumpfhaus“ statt Bruchbude

Es hat eine Grundfläche von ungefähr 70 bis 80 m2. „So genau wissen wir das gar nicht, da es keine Pläne gibt.“ Im Erdgeschoß liegen Wohnzimmer, Kabinett, kleines Bad, WC, Küche und Schlafzimmer. Das Dachgeschoss soll später einmal ausgebaut werden, derzeit wird nur ein Raum als Gästezimmer genützt.“
Gefunden haben sie es durch Zufall, über Freunde. „Häuser wie unseres findet man in dieser Gegend eigentlich kaum per Annonce, sie gehen meistens schnell durch Mundpropaganda weg. Wir hatten also ziemliches Glück.“ Gesucht hatten sie davor schon ein paar Jahre lang. „Zumeist waren es uncharmante Bruchbuden. Wir wollten uns aber keine komplette Sanierung antun, dafür haben wir weder Zeit noch Nerven. Und auch nicht das dafür notwendige Händchen.“

Blick ins Wohnzimmer mit Kamin.
Blick ins Wohnzimmer mit Kamin.Barbier

Daher wollten sie die vermeintliche Bruchbude Nummer X gar nicht besichtigen. Doch dann bekamen sie Fotos zugeschickt – und es war Liebe auf den ersten Blick: Ein kleines „Schlumpfhäuschen“ mit einer von Wein überwachsenen Fassade und üppigen Rosenstöcken davor. „Dieses Haus war genau richtig für uns: ausmalen, eine neue Küche hinein stellen, da eine neue Tür, dort ein paar Ausbesserungsarbeiten, einrichten – und dann möglichst schnell den wilden Garten zähmen und die Zeit dort genießen.“

Internetpoint beim Komposthaufen

Dass es nur ein Sommerhaus ist, damit haben sich Krusches längst abgefunden. „Man müsste es sanieren und umbauen, um eine möglichst ökologische Heizung einzubauen, die einen ganzjährigen Aufenthalt ermöglicht. Richtig warm ist es im Winter nur in der Küche, wo wir einen Spar-Herd mit Holzbefeuerung stehen haben – der Schweinsbraten aus dem Rohr dieses Ofens schmeckt jedenfalls besonders köstlich.“
„Da wir kein Festnetz-Telefon haben, gibt es auch kein Internet. Eigentlich die perfekte Entschleunigung, wir sind an Sommer-Wochenenden oder in unseren Urlauben sowieso mit anderen Dingen beschäftigt."

Katharina Krusche im Garten.
Katharina Krusche im Garten.Barbier

Den besten Empfang hat man beim Komposthaufen am Ende der Wiese, die Töchter von Freunden haben diesen Platz auch schon mal mit einem Wegweiser als „Internetpoint“ ausgewiesen. „Ab und an sitze ich dort mit einem Tischerl und versuche meinem Laptop eine Internetverbindung abzuringen. Das viel gepriesene NÖ-Breitband-Internet ist zu uns jedenfalls noch nicht durchgedrungen.“

Bloß nicht aus einem Guss

Die Inneneinrichtung besteht aus einem wilden Mix: alte Teile (Bauernkommoden), neue Möbel (Ikea, Esstisch eines tschechischen Jung-Designers), Designklassiker wie der Eames Chair. Polster des finnischen Labels Marimekko. „Ich bin eine Verfechterin davon, unterschiedlichste Labels/Designs zu kombinieren.“ Das Haus darf alles, nur nicht wie aus einem Guss oder gar aus einem Wohnmagazin aussehen. „Was uns ganz wichtig ist: Das Haus ist nicht Entsorgungsstation für unsere Wiener Wohnung, hier sollen nicht Einrichtungsgegenstände zweiter Klasse landen. Hier kommt nur rein, was wir auch in unsere Wiener Wohnung stellen würden.“

Blick in den Innenhof.
Blick in den Innenhof.Barbier

Der Stil präsentiert sich bunt und fröhlich. Das Haus hat – weil eben ein typisches Bauernhaus – sehr kleine Fenster, niedrige Decken und verträgt keine schwere, dunkle Einrichtung. „Wir besitzen es jetzt seit fünf Jahren, aber das Einrichten ist immer noch nicht abgeschlossen.“ Es gelte immer noch, das eine oder andere Stück der Vorbesitzer los zu werden wie die Decken-Lampen, aber irgendwann sehe man das betreffende Teil einfach nicht mehr und vergesse, dass man es längst ersetzen wollte. „Andererseits ist es schön, immer wieder mal was anderes dazu zu fügen.“ Ein weiterer Grund dafür, dass manch Baustelle im Haus übersehen wird: Die Familie hält sich meist m Garten auf, im Haus wird kurz gekocht und Nachts geschlafen. „Tagsüber sind wir nur drinnen, wenn es regnet.“

Tafeln unterm Nussbaum

Dank des komplett abgeschlossenen Innenhofs, der von außen nicht einsichtig ist und eine gewisse Privatsphäre schafft, braucht man keine Gartenzäune. Hinter dem Stadl wartet eine große Wiese mit freiem Ausblick auf die Felder – hier kann man Sonnenaufgang wie –untergang verfolgen oder unter dem Dirndlfruchtbaum Mittagsschlaf halten. „Wir lieben diesen Gegensatz von Innenhof mit Privatsphäre und großer Wiese mit viel Freiheitsgefühl und Weitblick.“ Gegartelt wird auch: in Hochbeeten gibts Gemüse und viele Kräuter. „Für mich gibt es im Sommer nichts Besseres, als sonnenwarme Paradeiser frisch vom Strauch zu essen.“
Der große Nussbaum im Innenhof ist der ideale Schattenspender. „Am liebsten decken wir darunter eine große Tafel und essen hier gemütlich mit Familie oder Freunden.“ Zu später Stunde wird dann der Sternenhimmel beobachtet, am Besten mit der Nachbarskatze am Schoß, die die Familie ein bisschen adoptiert hat. „Mich persönlich lehrt der Garten viel Geduld: Was gedeiht, was nicht, was kommt mit wenig Wasser aus ... Wir möchten zwar viel Grün um uns haben, aber es soll nicht auf Wasservernichtung hinaus laufen.“ Wasser ist im trockenen Horner Becken durchaus schon im Frühsommer rares Gut. So ist der Garten ein permanentes try & error-Unterfangen, bevor sich manche Dinge dauerhaft bewähren.

„Und wenn mal wirklich schlechtes Wetter ist, wird das abendliche Fernsehen mit einem Besuch des Stadtkinos in Horn ersetzt, das tolle Arthouse-Filme zeigt und hoffentlich niemals geschlossen wird“, hofft Krusche.

Zum Ort, zur Person

Der traditionelle Sommerfrische-Ort Gars am Kamp zählt heute rund 3500 Einwohner, und war im Mittelalter unter den Babenbergern eine Zeit lang der Regierungssitz Österreichs. Das Bauerhaus weist eine für die Gegend typische L-Form mit geschlossenem Innenhof auf. Im Bezirk Horn kosten Einfamilienhäuser zwischen 565 und 879 Euro/m2.
Katharina Krusche ist als Kommunikations-Beraterin und Reisebloggerin tätig.
www.kate-reist.at

 

Blick ins Wohnzimmer.
Wohngeschichte

Eine Bierbrauerei als Wohnung: Gewöhnung an die Idylle

Fruchtsaft-Unternehmerin Anna Abermann hat sich im Dachgeschoß eines ehemaligen Arbeiterhauses der Bierbrauerei Nussdorf eingerichtet – nach kurzer Überwindung.

Die Idylle am Nussberg im 19. Bezirk mit seinen Grünflächen und Bäumen ist beliebt – aber nicht bei allen. „Mir war das viel zu wenig urban“, erinnert sich die in Tirol aufgewachsene Anna Abermann an die erste Begegnung mit der Wiener Grünruhelage. Per Zufall bei einem Spaziergang mit Freunden gefunden, überzeugte das 1893 von Julius Koch erbaute Haus auch innen nicht sofort: „Ich war skeptisch, die Wohnung war komplett verbaut.“
Errichtet wurde das dreistöckige Arbeiterwohnhaus damals für die verheirateten Bediensteten der Nussdorfer Bierbrauerei – und blieb seit dem, bis auf einen Lifteinbau, fast unverändert. Es birgt 20 Wohnmöglichkeiten, erschlossen über einen hofseitigen offenen Gang, zu dem auch die Küchen ausgerichtet waren. Für je drei Wohnungen waren zwei WC-Anlagen geplant, Gartenparzellen und eine Gemeinschaftswaschküche standen den Familien zur Verfügung.


Raus mit der Vertäfelung ...


„Trotz öffentlicher Anbindung ist man weit vom Schuss. Der zehn Gehminuten weit entfernte Nußdorfer Platz, wirkt eher ausgestorben“, meint Abermann zur Lage. Heute möchte sie die ländliche Idylle nicht mehr missen. Der Blick nach draußen erfrischt nach einem hektischen Arbeitstag, vor der Haustür führt ein Spazierweg direkt auf den Kahlenberg. „Wir haben eine sehr nette Hausgemeinschaft. Es ist schön, mit den Eltern meiner besten Freunde im selben Haus zu leben. Sie haben einen Garten, in dem auch meine Patenkinder öfter zu Besuch sind.“

Kamin mit Bildern.
Kamin mit Bildern.Barbier


Vor dem Einzug wurde die komplette Holzvertäfelung an den Wänden inklusive Wandverbauten, die das Schlafzimmer geteilt hatten, entfernt. „Damit wurde der Wohnraum optisch verdoppelt. Holzdecke und Stiegengeländer wurden weiß gestrichen, um dem Gesamtbild wenigstens optisch ein bisschen Leichtigkeit zu vermitteln. Der Fußboden wurde mit Echtparkettboden belegt, Badezimmer und WC renoviert. „Zuerst wollten wir auch die Küche aus braunem Holz streichen, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt. Ich habe sie recht lieb gewonnen, da sie viel Stauraum und Arbeitsfläche besitzt.“ Um das Stiegengeländer wurden zwei verlängerte Sitzbänke mit vielen Polstern gebaut. Unterstützung bekam sie von befreundeten Architektinnen, Schwierigkeiten gab es trotzdem – beim Entfernen der Wandvertäfelung kam so einiges zum Vorschein. Elektrik und Heizung waren bei Weitem nicht auf dem neuesten Stand.


... rein mit hellen Naturtönen


Bei der Inneneinrichtung – der Großteil stammt aus der vorigen Wohnung – wurde Wert darauf gelegt, viel Holz und Naturmaterialien zu verwenden. Die Sitzbänke wurden weiß gestrichen und mit Polstern aus Naturfaser in verschiedenen Grautönen aufgelockert. Das Bett zimmerte ein befreundeter Tischler aus Vollholz, die Matratzen wurden in Wien angefertigt.
„Wenn man vor dem offenen Feuer am Kamin sitzt, kann man wunderbar entspannen“, erzählt Abermann. „Die Raumaufteilung ist ideal, so dass man sich auch zu zweit nie verliert.“

Die 136 m2 große Dachwohnung liegt auf zwei Etagen. Der Eingangsbereich mit Garderobe und kleinem Vorraum befindet sich unten. Ein imposanter Stiegenaufgang führt hinauf in den Wohn- und Schlafbereich. Neben dem Schlafzimmer (und einem weiteren, das irgendwann einmal zum Kinderzimmer umfunktioniert werden soll) sowie einem begehbaren Schrankraum gelangt man in die offene Küche. Ein wenig versetzt nach unten befindet sich der Wohnraum mit Kamin, daneben Badezimmer und Abstellraum. Der Dachboden, über Deckenluke und Hühnerleiter zugänglich, wird als Abstellraum für Brennholz und Bücher genützt.

In einem älteren Haus zu leben, bringt natürlich auch einige Nachteile mit sich. Die Internetverbindung ist nicht immer optimal, der Dachausbau schlecht isoliert. „Im Sommer wird es hier recht heiß und das alte Wandklimagerät schafft es nur mäßig, den Hauptraum zu kühlen. Im Winter ist es dementsprechend kalt, was vor allem im Badezimmer in der Früh zur wahren Herausforderung werden kann.“
Doch auf der Sitzbank mit Blick nach draußen kann man stundenlang dem Vogelgezwitscher lauschen. Und: „Manchmal fühle ich mich aufgrund der Holzdecke und der Schrägen ein bisschen wie auf einem Schiff unter Deck. Besonders, wenn es regnet und der Regen auf Dach und Fenster prasselt.“

Zum Ort, zur Person

Döbling, der 19. Bezirk Wiens, liegt am Rand des Wienerwalds und gilt als ruhige Wohngegend. Neubauwohnungen kosten rund 7573 Euro/m2, im Bestand rund 5967 Euro/m2. 13,80 Euro/m2 Miete sind beim Neubau-Erstbezug einzukalkulieren.
Anna Abermann hat sich mit „Pona sonst nix“ und „Herzlichst ANNAs“ selbstständig gemacht. www.pona.at

Wohngeschichte

Mitten im bunten Sammelsurium

Die Food-Stylistin Edith Bruckner wohnt seit 25 Jahren in einem schrulligen alten Haus im Weinviertel. Zum Tun gibt es dort immer etwas.

Das Haus liegt in Eggendorf im Thale bei Hollabrunn, einem kleinen Ort mit wenig Infrastruktur, wie das heute in dieser Gegend oft der Fall ist. Die beiden Gasthäuser, der Greißler und das kleine Postamt gehören schon länger der Vergangenheit an. Dafür freut sich Edith Bruckner über die nette Nachbarschaft. „Ein paar junge Leute sind erst vor kurzen in meine Nähe gezogen, was mich wirklich sehr glücklich macht!" Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1860 – das sagt zumindest eine eingravierte Jahreszahl im Stadel – und wurde gänzlich aus Lehmziegeln gebaut. Die dicken Wände isolieren deshalb auch wunderbar, sogar im heißesten Sommer bleibt es angenehm kühl im Inneren. „Wie die meisten Häuser in der Gegend hat es keinen Keller, weil das aus Grundwassergründen nicht möglich ist“, erzählt „Etschi". Deshalb wurden die Keller in den Kellergassen nicht nur zum Wein machen, sondern auch zur Lagerung von Obst und Gemüse – vor allem Kartoffeln, Karotten und Äpfel – verwendet. Auch Etschi besitzt bis heute einen solchen Keller in der Nachbarortschaft, und eine Zeitlang hat sie ihn durchaus intensiv genutzt.

Doris Barbier

Erst Pferde, jetzt Requisiten

Die reine Wohnfläche beträgt etwas mehr als 100 Quadratmeter, gleich nebenan befindet sich das Wirtschaftsgebäude, das ihr Exmann noch zur Pferdehaltung verwendet hatte. Jetzt kann die Foodstylistin hier ungestört ihre zahlreichen Requisiten und Accessoires aufbewahren. „Die sind fast das Wichtigste für gute Fotos. Außerdem laden meine Freunde hier gerne irgendwelches Zeug ab, das vermutlich bis zum Sankt Nimmerleinstag liegen bleibt." 
Die eigentliche Probe aufs Exempel fand jedoch zu Beginn stand – damals gab es nämlich noch keinen Kanal und sie musste sich jahrelang mit einer Campingtoilette herumplagen. „Aber man gewöhnt sich irgendwie an alles. Als vor mehr als zehn Jahren endlich der Kanal gebaut wurde, habe ich dann sofort das Badezimmer umgebaut. Geplant habe ich alles selber." Entsprechend lang zog sich die Umbauphase hin, in der sie sich weiter mit Campingklo und Dusche im Fitnesscenter abplagen musste.
Jetzt gibt es sogar ein Gästezimmer, sie empfängt oft und gerne Besuch, der dann auch bei ihr logiert. Die Einrichtung setzt sich aus einem Sammelsurium alter Möbel zusammen, die sie im Laufe der zahlreichen privaten und beruflichen Reisen liebevoll zusammengetragen hat. Ab und zu kommen ein paar neue Stücke hinzu. „Ich hab auch einiges an ,Ethnokram'. Und obwohl ich mir immer vornehme, nichts mehr mitzuschleppen, rutscht mir immer wieder das eine oder andere Stück, an dem ich nicht vorbeigehen kann, durch." Deshalb darf der Gesamteindruck auch ruhig etwas bunt und farbenfroh sein. Langeweile kommt in diesem Haus ohnehin selten auf: „In einem alten Haus gibt´s immer etwas zu reparieren, sei es eine Dachübersteigung oder eine kaputte Wasserleitung. Dafür fällt die Miete weg."

Doris Barbier


Tafeln im Innenhof

Trotz alledem hat es Bruckner immer noch nicht geschafft, sich einen großen Tisch anzuschaffen. Der kleine Küchentisch bietet nur Platz für sechs Personen. Im Sommer kann sie immerhin auf die große Tafel im Hof zurückgreifen, der zum Teil überdacht ist. Der charmante Innenhof, der vor neugierigen Blicken schützt, ist sowieso ihr absolutes Lieblingsplatzerl. Sie kocht sehr gerne und scheut sich auch nicht, ihre Freunde als Versuchskaninchen  für neue Rezepte zu missbrauchen. „Beschwert hat sich aber noch keiner", schwört sie.
Sie sei überhaupt „sehr lebensmittelaffin" und kenne in der Gegend viele Leute, die tolle Produkte erzeugten. „Wein natürlich, aber auch Fleisch, Käse, Gemüse – das Angebot wird zu meiner großen Freude in letzter Zeit immer größer und vielfältiger." 
Gemüse braucht Beständigkeit
In der Coronakrise wurde der Garten dann zur Wohlfühloase – als Betätigungsgebiet oder einfach nur zum Ausspannen. Nur Gemüse baut sie trotz vermehrter Anregungen aus dem Freundeskreis immer noch keines an. „Das zahlt sich für eine Person einfach nicht aus“, sagt Bruckner. Außerdem bin ich zu oft unterwegs. Und gutes Gemüse braucht Beständigkeit."

Edith Bruckner
Edith BrucknerDoris Barbier

Zur Person/Zum Ort

Edith alias Etschi Bruckner ist Foodstylistin, früher war sie auch als Ausstatterin von Werbefilmen tätig. Aktuell ist sie in der neuen Staffel von „Bauer sucht Frau international“ auf RTL zu sehen. Einfamilienhäuser in der Region Hollabrunn kosten zwischen 755 und 2043 Euro/m2, neue Eigentumswohnungen zwischen 1321 und 2589 Euro/m2.

 

Ein- und Ausblicke: Im Wohnzimmer.
Wohngeschichte

Wien 3: Beim Coach zuhause

Wie wohnt jemand, der beruflich darauf spezialisiert ist, Führungskräfte zu mehr Life Balance zu verhelfen? Zu Hause bei Coach Katharina Plange im dritten Bezirk.

Ein Altbau musste es sein: hell, geräumig, weit oben, die Zimmer getrennt begehbar, Fenster auch in Bad und WC – Katharina Plange wusste genau, wie sie wohnen möchte. Zudem sollte es ein Haus mit wenigen Parteien sein, „damit jeder jeden kennt und wir uns unterstützen können. Abgesehen davon ist es auch ein Sicherheitsaspekt, da fremde Menschen im Haus sofort als solche erkannt werden.“ Und: genug Platz sollte sein, um jederzeit Freunde einladen zu können – auch die der zwei Kinder.

Und weil solche Klarheit nicht nur im Coaching-Lehrbuch, sondern auch im Leben hilfreich sein kann, fand sich genau diese Wohnung im Dezember 2013 auch – nach langer Suche – im Botschaftsviertel in der Landstraße. Plange war von einem Bekannten auf die Wohnung aufmerksam gemacht worden. „Es stellte sich heraus, dass wir den Eigentümer kannten. Leider war schon ein Makler für die Wohnung zuständig, sonst hätten wir einiges an Geld sparen können.“

Die Küche.
Die Küche.(c) Barbier

Viel Platz für Freunde

Im Jänner 2014 zog die vierköpfige Familie um auf 160 m2 – Schlaf-, Wohn-, Kinder- und Esszimmer plus Nebenräume – in den obersten Stock des Hauses. Und fühlte sich zu Hause. „Mein Mann und ich sind auf dem Land in großen Häusern aufgewachsen und hatten immer viel Raum zur Verfügung. Rückzugsmöglichkeiten für alle zu haben ist schön, so können wir unsere eigenen Interessen verfolgen, ohne einander zu stören, und sind doch beieinander.“

Deko.
Deko.(c) Barbier

Baulich verändert wurde nach dem Einzug so gut wie nichts. In allen Wohnräumen wurde der alte Parkettboden beibehalten, ebenso die Flügeltüren und die alten Fenster. „Darüber bin ich besonders glücklich. Ich finde es sehr schade, wenn in Altbauten neue Fenster eingesetzt werden. Ein optischer Albtraum.“ Mit der Einrichtung haben sie sich Zeit gelassen. „Einige neue Möbel waren notwendig, und das war manchmal eine Herausforderung, da wir nicht immer sofort das Passende gefunden haben. So durfte ich mich immer wieder in Geduld üben.“ Auch die Vorhänge und Deckenlampen haben ein bisschen gebraucht. „Wir wollten zuerst die Möbel platzieren und uns dann für die Farben entscheiden.“

Nur Heizung und Therme mussten erneuert werden – rückblickend gesehen eine große Herausforderung für die ganze Familie: „Es war gerade Herbst und schon recht kühl draußen. Heute würden wir so etwas anders planen. Aber wir haben zumindest etwas dazugelernt.“

Der Esstisch.
Der Esstisch.(c) Barbier

Alle Zimmer bis auf das Hauptschlafzimmer sind getrennt begehbar. „Die Mädels teilen sich ein Zimmer, und das wird alle paar Monate nach ihren Wünschen umgestellt und -gestaltet“, erzählt Plange. Die Inneneinrichtung präsentiert sich als Mischung aus klassisch und modern. Erbstücke wie der Biedermeier-Schubladenkasten und die dazu passende Kommode werden mit neuen eleganten Möbeln kombiniert. Genauso ist es auch bei Bildern, Altes wird hier ohne Schwellenangst mit Neuem kombiniert. „Nur unsere Ahnen haben alle gemeinsam auf der Toilette ihren Platz gefunden. Wichtig sind uns bei allem der Wohlfühlcharakter und die einfache Handhabung. Praktisch und schön in einem. Wir wollen nicht ständig Glasuntersetzer verwenden oder unseren Kindern verbieten, auf den Armlehnen zu sitzen.“ Wobei Benimmregeln damit nicht ausgehebelt werden – nur sollen sie nicht in „,Museen‘ mit ständigen Ermahnungen leben wie wir als Kinder“.

Russische Kirche im Botschaftsviertel.
Russische Kirche im Botschaftsviertel.(c) Barbier

Auch Ordnung ist der Familie wichtig. „Die Kinder haben von klein auf gelernt, dass das Kinderzimmer vor dem Schlafengehen zusammengeräumt wird, die Betten täglich gemacht werden, die Kleidung aufgeräumt. Wir leben so, dass wir uns bewegen können und dass zu jeder Zeit jemand zu Besuch kommen kann.“ Freie Wege sind wichtig. Das Wichtigste ist allerdings der Lieblingsplatz: das Wohnzimmersofa, bei dem ab Mittag die Sonne hinscheint und sich zusätzlich im Dach der russischen Kirche spiegelt. „Das lässt das ganze Zimmer erstrahlen.“

Ein großer Nachteil ist der Lärm. „Seit es den Hauptbahnhof gibt, hat der Bahnverkehr stark zugenommen. Durch die Schallwirkung nach oben ist es bei uns oft laut. Zum Glück haben die Kinder einen tiefen und festen Schlaf.“

(c) Barbier

Zum Ort, zur Person

Das sogenannte Botschaftsviertel in Wien Landstraße liegt zwischen Ungargasse, Rennweg und Heumarkt und ist eine beliebte Wohngegend mit gründerzeitlicher, zum Teil auch älterer Verbauung. Wohnungen kosten im dritten Bezirk zwischen 5256 Euro/m2 (Bestand) und 6385 Euro/m2 (neu).

Katharina Plange ist als Ergebniscoach für Führungskräfte tätig.

Blumensessel und Zeitungsständer stammen aus dem Elterhaus in Kärnten.
Wohngeschichte

Wien Margareten: Beate Hoys Design-Tempel

Zarte Kunst trifft Omasessel: Wie die Porzellankünstlerin Beate Hoy ihre Wohnung im 5. Wiener Bezirk designt.

Als ich vor 25 Jahren in das Haus einzog, lebte die liebe Frau Lauer noch, die in diesem Haus geboren wurde,“ erzählt Beate Hoy. „Sie hat mir viel vom früheren Zustand des einst ,schönsten Hauses der Gasse' berichtet: Der Stiegenaufgang war mit Fresken verziert, eine Frauenstatue thronte im Stiegenhaus, die Stufen waren mit Teppichen belegt.“  
Davon war beim Einzug von Hoy 1995 in die 80-m2-Wohnung im dritten Stock nichts mehr zu sehen. „Ich habe nach meinem Diplom an der Hochschule für Angewandte Kunst für meine Schwester und mich eine Wertanlage in Wien gesucht. Da meine Schwester in Kalifornien lebt, bin ich sozusagen als Platzhalter in die Wohnung eingezogen.“ Die drei Zimmer der Wohnung mit Küche, Essplatz und Vorraum sind in einer praktischen U-Form angeordnet – jedes Zimmer ist demnach vom Vorraum aus erreichbar.

Schlichte Einbaumöbel

Gleich nach dem Einzug wurde die Küchenwand entfernt, damit die Wohnung offener wirkt. Später wurde die Eingangstüre  versetzt, um dadurch das Fenster im Stiegenhaus in die Wohnung zu integrieren. Im Badezimmer und Toilettenbereich wurde der obere Teil der Wand durch eine Glasplatte ersetzt, um  das Tageslicht einfließen zu lassen.
Schwierigkeiten in der Umbauphase gab es so einige:  Auf Grund eines Wassereinbruchs mussten  in der Küche und im Vorraum eine Zwischendecke eingezogen werden. „Schade, dadurch wirkt der Raum niedriger.“ Geplant wurde der Umbau vom Vater der Tochter und seinem Architekturbüro Michael Strauß.

Blick ins Wohnzimmer.
Blick ins Wohnzimmer.Barbier

Dass die Wohnung keinen Balkon besitzt, findet Hoy heute ein bisschen schade. „Und obwohl sich die Wohnung in einem Gründerzeithaus befindet, hat sie keine Flügeltüren und keinen originalen Parkettböden.“
Bei der Einrichtung wurde reduziert vorgegangen, Überflüssiges weggelassen. Einige Einbaumöbel aus MDF-Platten und Schiebetüren im Vorraum, in der Küche eine durchdachte Kombination aus fertigen Küchenmöbeln und Schichtsperrholz-Elementen. „Ich finde, es harmoniert sehr gut mit meinen weißen Möbeln und Wänden.“

Geliebte Erinnerungsstücke

Die bevorzugten Materialen der Künstlerin, die sich seit ihrer Studienzeit dem Porzellan verschrieben hat, sind erdig: Holz, Leder und Metall. „Modellieren erfordert große Disziplin, Hingabe und Leidenschaft. Die Natur ist meine Lehrmeisterin.“ Die Einrichtung ist ein Mix aus modernen Möbeln, Erbstücken, Vintage-Objekten und ihren eigenen Kreationen. „Ich habe mir, als wir die Wohnung unserer Mutter aufgelöst haben, einige mir sehr ans Herz gewachsene Dinge aus der elterlichen Wohnung mit nach Wien genommen.“ Da gibt es den Blumenfauteuil der im Kinderzimmer stand, die alte Kommode der Großmutter und ein kleiner, handgefertigter Zeitungsständer des Vaters. „Sie geben mir das Gefühl von Heimat und Geborgenheit und erinnern mich an meine Kindheit. Und natürlich sind sie auch für meine Tochter ein Bezug zu ihren verstorbenen Großeltern.“

Die Wände sind in Weiß gehalten, dafür dürfen Dekoobjekte ab und zu auch farbenfroh sein. „Ich habe ja vieles herumstehen und bin außerdem eine Blumenliebhaberin. In meiner Lebensoase wird auch gerne, den Jahreszeiten entsprechend, umgestaltet und neue Szenarien geschaffen.“ Und immer wieder trifft man auf ihre zarten Arbeiten aus Porzellan, die sich in der Wohnung verteilen. Ihre  Leidenschaft ist das Dekorieren und Gestalten. „Es liegt sicher daran, dass ich schon so einige Ausstellungen in meinem Leben konzipiert habe.“ Einige Schmuckstücke zahlreicher Reisen zieren die Wände, Seite an Seite mit handgefertigten Porzellankreationen.

Wandkreation aus Porzellan und Reiseandenken.
Wandkreation aus Porzellan und Reiseandenken.Barbier

Ganz besonders behaglich findet sie den Arbeitsplatz in der Küche vor dem Fenster, die Aussicht auf die Kirche, die Linde und den Himmel. „Das Schönste ist das Licht, das von morgens bis abends meine Wohnung durchflutet. Ich mag mein kleines, aber sehr feines Refugium. Es ist mein Rückzugsort, in dem ich meine Seele baumeln lassen kann, und der meine Kreativität beflügelt.“ Ein Ruhepol, fernab des hektischen Alltags. „Auch wenn es bei Weitem nicht perfekt ist.“

Zum Ort, zur Person

Die Wiedner Hauptstraße ist seit dem 12. Jhdt. als Verkehrsweg nach Süden bekannt. Vororte wie Matzleinsdorf entstanden früh, 1725 wurde die Florianikirche mitten auf der Wiedner Hauptstraße erbaut, 1965 durch einen nahe gelegenen Neubau ersetzt. Im beliebten Wohnbezirk Margareten kosten Eigentumswohnungen zwischen 4579 (Bestand) und 5892 (neu) Euro/m2, zur Miete zahlt man bis zu 11,61 Euro/m2.
Beate Hoy entwirft Kleinserien aus Porzellan, www.hoylimited.com

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Das Haus im Salzkammergut-Stil wurde 1899 erbaut.
Wohngeschichte

St. Gilgen: Vom Wochenendhaus zum Wohnsitz

Familie Bayer hat ihr Leben von Salzburg nach St. Gilgen verlegt – in ein liebevoll renoviertes Haus mit zeitlosem Mobiliar.

Das Haus mit den dunklen Holzbalkonen ist schon von der kurvenreichen Straße aus deutlich sichtbar – seit 1898. „Die Zahl war in einem Deckenbalken eingeschnitzt, den wir bei den Renovierungsarbeiten entdeckt haben“, erzählt Edeltraud Bayer, die Hausherrin.
Die vierköpfige Familie hat bis vor ein paar Jahren in der Stadt Salzburg gelebt und das Haus eigentlich nur als Feriendomizil genützt – bis sie festgestellt haben, dass sie hier draussen am Land, so direkt am See, einfach viel besser leben können. „Eine unschlagbare Lebensqualität rund um die Uhr zu haben – da nimmt man den etwas längeren Anfahrtsweg in die Stadt in Kauf“, sagt Bayer. Bei Schönwetter werden die grün-weiß gestreiften Markisen auf der Terrasse mit Blick auf den See schon zeitlich in der Früh ausgerollt. Von hier aus hat man den besten Blick auf das bunte Treiben im Dorf und rund um den Hafen.

Regionale Baumaterialien

„Ein Haus ist wie eine kuschelige Wolldecke,“ meint die Hausherrin. Die gemütliche Wohnküche im ersten Stock mit Esstisch, Sitzecke und dem Sammelsurium an Häferln und Gläsern ist das Zentrum des Bayerschen Familienlebens. Hier wird gekocht, getratscht, gearbeitet und gelacht. Das türkisblaue „Salzkammergutgrün“ zieht sich durchs ganze Haus. „Im ersten Stock wurden auch die Türen von uns in diesem Farbton gestrichen,“ erzählen die Bayers. Das dreistöckige Haus wurde 1990 erstanden, danach mit Hilfe des St. Gilgner Architekten Hans Moosgasser auf liebevollste Weise renoviert. Aus neu wurde alt, vorgegangen wurde hier mit viel Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl. „Zwei Jahre lang hat der aufwendige Umbau gedauert. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben uns sehr bemüht, das Haus vom Keller bis zum Dach wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen. Und deshalb auch, so gut es ging, nur alte und regionale Materialien verwendet.“ Vor allem die Bausünden der Vorbesitzer sollten beim Umbau ausgemerzt werden. Der unansehnliche Linoleumboden wurde entfernt, dafür ein Holzboden sowie Balkontüren und Holzkastenfenster im regionalen Stil eingesetzt.

Blick in die Küche
Blick in die KücheBarbier

Gefragter Keller

Im Keller überwintern bei den Bayers nicht nur die Pflanzen. Neben Waschküche und Werkstatt, befinden sich hier auch ein Weinkeller, das Stüberl und das sogenannte Segelzimmer. „Hier haben sicher schon mehr als 20 Segler übernachtet. Auch unsere Kinder und ihre Freunde haben hier unten schon ganze Sommer lang verbracht.“ Das Wohnzimmer mit offenem Kamin und gemütlicher Sitzecke neben dem Speisezimmer ist vor allem bei Schlechtwetter oder Salzburger Schnürlregen beliebter Rückzugsort. Die Terrasse wird dafür während der Sommermonate zum zweiten Wohnzimmer, inklusive kariertem Tischtuch und Seeblick, um den die Bayers von so manchem Spaziergänger, der sich auf die St. Gilgener Anhöhe verirrt, beneidet werden. Drei Schlafzimmer und zwei Bäder befinden sich im ersten Stock, unter dem Dach wird es dann noch einmal ganz gemütlich: Hier findet sich ein besonders heimeliges Schlafzimmer mit Bad.

Zum Ort, zur Person

St. Gilgen am Wolfgangsee liegt im Salzburger Salzkammergut und war schon um 1900 ein begehrter Ort für die Sommerfrische. Das Haus wurde 1899 im typischen Salzkammergut-Stil erbaut, in den 1990er-Jahren von der Familie Bayer renoviert und mit zeitlosen, schlichten Möbeln stilecht eingerichtet. Häuser kosten im Bezirk Salzburg-Land zwischen 1735,5 und 3909,8 Euro/m2.
Edeltraud Bayer betreibt eine Boutique in der Salzburger Altstadt.

Was die Einrichtung betrifft, hat man sich bei den Bayers immer schon auf bleibende Werte besonnen: „Der Kitzbüheler Landhausstil ist nichts für uns. Bei uns wird alles gemischt, wir sammeln gern und bringen immer wieder etwas Neues dazu.“

Stilmöbel-Stilleben in der Stube
Stilmöbel-Stilleben in der StubeBarbier

Möbel mit Geschichte

Die Möbel stammen fast ausschließlich aus dem Familienfundu: Schlicht, ohne viel Schnickschnack, und deshalb gut kombinierbar. Vor allem beim Geschirr wird bunt gemixt, trifft Gmunden nonchalant auf die Toskana: Die Häferlsammlung mit Gmundner- und Elba-Keramik harmoniert perfekt. Ständig wechselnden Wohntrends hinterher zu sein wäre nichts für die Bayers. „Bei uns hat jedes Möbel seine Geschichte, die natürlich nur für uns wichtig ist. Es kann ruhig alles sein, aber bitte nicht chic.“ Dafür sei auch nie alles wirklich fertig, irgendwo fehle immer noch irgendetwas. Und das sei auch gut so. „Wenn ich schon aus aus beruflichen Gründen oft nach Salzburg, Linz, Wien, Mailand oder Paris muss, will ich wenigstens im Alltag das alte schrullige Haus und den See nicht missen.“

 

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Blick ins Wohnzimmer.
Wohngeschichte

Vom Silicon Valley auf den Hohen Markt

Kalifornien trifft Wien: Wie Künstlerin und Neo-Model Britta Dion 2008 drei Wohnungen am Hohen Markt erwarb – und daraus eine „Homebase“ für die Familie gestaltete. Mit Pingpong-Tisch.

Die Malerin Britta Dion, vor kurzem von der Modebranche als Model entdeckt, wohnt seit zwölf Jahren im Liska-Haus in der Wiener Innenstadt. „Wir lebten zuvor in Kalifornien in Palo Alto, wo mein Mann, ein Kanadier, beruflich zu tun hatte.“ Nach zehn Jahren in den USA suchte die gebürtige Wienerin nach einer geeigneten neuen Homebase für die fünfköpfige Familie. Und fand „online und zufällig“ gleich drei: eine sehr kleine Anlegerwohnung und zwei größere am Hohen Markt. „Wir mussten uns rasch entscheiden, also haben wir aus der Ferne zugeschlagen. Ich hatte die Wohnung zuvor nur ein Mal mit befreundeten Architekten besichtigt.“

Esstisch mit Küche im Hintergrund.
Esstisch mit Küche im Hintergrund.Doris Barbier

So zog die Familie vom Silicon Valley auf geschichtsträchtigen Wiener Boden: Zur Zeit der Römer lagen hier die Offiziersquartiere mit einer Badeanlage des Legionslagers Vindobona, im frühen Mittelalter der Berghof, eines der ersten Häuser Wiens. „Wir befinden uns an einem echten ,Urplatz' und ich meine das manchmal zu spüren“, meint Dion. Später stand hier das Palais Sina, im Zweiten Weltkriegs zerstört. „Im Film ,Der Dritte Mann' steht eine Gruppe vor einem Schutthaufen, diese Szene wurde hier gedreht“. 2014 verursachte ein Mieter vor seiner Delogierung eine Explosion. „Der Knall war so laut, ich dachte der Stephansturm sei eingestürzt. Ein junges Mädchen kam ums Leben, wir wurden evakuiert.“

Aus drei mach eins

Doch zurück ins Jahr 2008: Aus den drei Wohnungen im achten Stock entstand ein 300-m2-Appartment. „Ein Neubau in einem bestehenden Haus“, sagt Dion. Alte Wände und Türen wurden entfernt, neue eingezogen, Fenster vergrößert, ein Holzboden verlegt, Bodenheizung und Deckenkühlung eingebaut. „Die damalige Fussballeuropameisterschaft wurde uns fast zum Stolperstein“, erinnert sich Dion. „Es durfte kein Kran in der Innenstadt zu sehen sein, also wurden Fenster und Türen mit Hilfe einer mobilen Kranung still und leise bei Sonnenaufgang in die Wohnung gehievt. Um acht Uhr waren wir längst fertig.“

Das Ergebnis: Der große Wohnraum mit offener Küche geht in einen kleinen Arbeits- und Vorratsraum sowie in ein Musik- und Gästezimmer  über, dazu kommen vier Schlafzimmer, drei Badezimmer sowie ein Bad mit Sauna und Spa. Zwei Terrassen bringen ein Stück Natur ins Haus. Unterstützt wurde der Umbau vom Architekturbüro Klune Plan, viele Einbauarbeiten stammen von der Tischlerei Prödl.

Bei der Ausstattung gilt „Less is More“. Der geölte dunkle Holzboden zieht sich durch die ganze Wohnung, nur beim Kamin und in der Küche schützt Beton den Boden. Kunstharz mit eingelassenen Flusssteinen findet man in den Badezimmern, auch Stoffe kommen zum Einsatz. So trennt ein Vorhang Schlaf- und Badezimmer, in den Kinderzimmern darf es dann auch mal eine Graffiti-Tapete sein.

Designklassiker und Zwergobst

Die Einrichtung passt sich dem kosmopoliten Rahmen an: Designklassiker wie Liege und Schreibtischstuhl von Le Corbusier, ein Beistelltisch von Noguchi, Leuchten von Artemide und Flos und eine Esstischlampe von Megumi Ito harmonieren mit Biedermeier-Sekretär und -Vitrine, einem alten Schreibtisch und einer Lampe aus den 1950er-Jahren. Freundliche, helle Farbtöne kontrastieren mit dem dunklen Boden, Kelim Teppichen und der hellen Couch. Bunte Polster und peruanische Stoffe sowie Souvenirs und Kunstwerke von zahlreichen Reisen treffen auf Stücke, aus „good old California“.

Britta Dion vor dem "kalifornischen Sonnenuntergang".
Britta Dion vor dem "kalifornischen Sonnenuntergang".Doris Barbier

Durch die südwestliche Ausrichtung kommt auch an Wintertagen viel Licht in die Wohnung. Am Abend bewundert Dion oft die Himmelsfärbungen, die sie früher nur vom Meer kannte. „Und wenn ich mit Gugelhupf und Kaffee am Küchentisch sitze, und direkt vor mir der Stephansdom mit den Dächern der Innenstadt kokettiert, weiß ich, dass ich angekommen bin“, erzählt Dion. „Es ist großartig, einen gotischen Turm so nah vor sich zu haben, während man auf der Terrasse ein Stück von den Zwergobstbäumen – Feige, Weichsel, Zwetschke – pflückt.“
In der Corona-Quarantäne bekam der Wohnraum nochmal eine ganz andere Wichtigkeit: „Wir haben den Esstisch zum Pingpongtisch umfunktioniert“, schmunzelt Dion.

Zum Ort, zur Person

Der Hohe Markt wurde bereits 1233 als ältester Wiener Markt „forum altum“ erwähnt. Im 1954 von Novotny und Muttone erbauten Haus in der Marc-Aurel-Straße vereinte Britta Dion 2008 drei Wohnungen zu einem Appartement. Neubauwohnungen kosten im 1. Wiener Bezirk 17.559 Euro/m2, gebrauchte Wohnungen 11.944 Euro/m2.
Britta Dion ist als Malerin und Kunstsammlerin tätig. Vor kurzem wurde die Mutter dreier erwachsener Kinder als Model entdeckt. www.brittadion.com

 

Die Immobilienbranche hat die Corona-bedingte Kontaktbeschränkung zur Tugend gemacht, zahlreiche Bauträger und Makler bieten dieser Tage virtuelle 360-Grad-Touren an (Symolbild).
Wohngeschichte

Wohnungssuche virtuell: Online in die neue Wohnung

Bevor man umsiedelt, muss man suchen – dieser Tage virtuell, auch, was die Besichtigung betrifft. Funktioniert das? Und wie? Wir haben es ausprobiert.

Virtuell eine Wohnung zu betreten klingt spannend – wie wird es sein? Wenn man über Parkett schreitet oder die Aussicht bewundert, nimmt man ja nicht nur Optik, sondern auch Haptik, Geruch und Geräusche wahr. Aber egal: Die Immobilienbranche hat die Corona-bedingte Kontaktbeschränkung zur Tugend gemacht, zahlreiche Bauträger und Makler bieten dieser Tage virtuelle 360-Grad-Touren an, wahlweise in Eigenregie oder mit Beratung.

Erster Stopp ist eine Doppelhaushälfte in Strasshof. Zuvor werden im Inserat der Raiffeisen Immobilien-Vermittlung die persönlichen Daten eingegeben und eine Anfrage wird an den zuständigen Makler, Karl Spreng, abgeschickt. Per Mail kommt die Information, alle Leistungen seien bis zu einem Vertragsabschluss kostenlos – aufgrund der EU-Richtlinie muss bestätigt werden, dass über alle Konsumenten- und Rücktrittsrechte informiert wurde, die über einen Link abrufbar sind. Wie bei einer echten Wohnungsbesichtigung eben. Nach ein paar Klicks kann es losgehen. Spreng ist per Telefon „anwesend“, kleine Buttons führen Klick für Klick durch die Räume, die Spreng kommentiert. Das Musterhaus ist leer, was es ein bisschen schwierig macht, ein Raumgefühl zu bekommen, Größenverhältnisse abzuschätzen – dennoch bekommt man einen Eindruck von Raumaufteilungen, Freiflächen, Umgebung.

Information

Durch die Kontaktbeschränkungen setzen zahlreiche Bauträger und Such-Plattformen verstärkt auf virtuelle Wohnungsbesichtigungen. Wie in einem Computerspiel können Besucher die Räume virtuell durchgehen, auf Wunsch begleitet vom Makler per Telefon, Skype oder WhatsApp. Bereits bestehende Objekte werden durch Videos und Fotos, in Bau befindliche per Renderings virtuell besuchbar. Rechtlich entspricht ein virtueller Besuch einem realen – er ist unverbindlich.

Zwischendurch nimmt der Spieltrieb überhand: Ab geht es durch das Badezimmerfenster in den ersten Stock, statt brav die Treppe zu nehmen. Manchmal würden Immobilien auch eingerichtet, also gestaged, bevor sie digitalisiert werden, bei anderen sind Möbel des Vorbesitzers noch vorhanden. „Wir versuchen, die Immobilie möglichst realitätsnah darzustellen: „Niemand hat etwas davon, wenn beim Besuch vor Ort die große Enttäuschung kommt“, erklärt Spreng.

Welt aus Renderings und Fotos

Nur einen Klick entfernt wartet eine Wohnung der Bel&Main Residences der Signa beim Hauptbahnhof. Bezugsfertig sollen die Mietwohnungen im Dezember 2020 sein, weshalb Weronika Pilus, für die Vermietung zuständig, durch ein 3-D-Rendering führt. Anfangs ziert sich der Laptop, weshalb die ersten Minuten aus typischen „Hören Sie mich?“-Rufen bestehen, die jeder kennt, der schon geskypt hat. Nach erfolgreicher Verbindung teilt Pilus ihren Bildschirm, sodass sie das Klicken übernimmt. Die Wohnung ist voll eingerichtet, es kommt ein Traumwelt-Gefühl auf, in das sich Skepsis mischt – sieht das dann wirklich so aus? Alle Details der Wohnung seien penibel nach Bau- und Ausstattungsbeschreibung und in Zusammenarbeit mit den Architekten kreiert worden, versichert Pilus, Luftaufnahmen zeigen die Aussicht. Je nach Bedarf schickt Pilus auch Fotos und Videos der Wohnungen, geht – verbunden über WhatsApp oder Skype – mit dem potenziellen Käufer durch und zeigt gewünschte Details. Insgesamt mache sie gute Erfahrungen mit der virtuellen Tour: „Die Interessenten kommen sogar mit ausgedruckten Screenshots, sind perfekt vorbereitet.“

Nun steht ein Wohnprojekt der EHL am Heumarkt auf dem Programm – die Besichtigung gemeinsam mit Sandra Bauernfeind, Leiterin Wohnimmobilien, und Prokuristin Karina Schunker in der Telefonkonferenz. Auch hier handelt es sich um ein Rendering, der Ausblick ist „echt“, besteht also aus eingefügten Fotos. Wie die vorigen Touren ist diese kompatibel mit VR-Brillen und mobilen Endgeräten. Bei Handys oder Tablets mit einem Gyroskop reicht es, das Gerät zu bewegen, um durch den Raum zu schwenken. Mit einem Klick kann der Grundriss eingeblendet werden, der hier auch die Blickrichtung anzeigt. Rechtlich mache eine virtuelle Tour beim Vertragsabschluss keinen Unterschied, erklärt Bauernfeind, schließlich sei auch eine Wohnungsbesichtigung dafür nicht zwingend notwendig.

Welche Wohnungen werden eigentlich digitalisiert? „Wir bieten virtuelle Touren vor allem bei Projekten an, die über mehrere Wohnungen verfügen – so kann man online eine exemplarisch herzeigen“, erklärt Bauernfeind. Nach der Coronakrise erwartet sie, dass die Onlinetouren flächendeckender und etablierter sein werden – und sich technisch rasant entwickeln. „Es gibt schon Programme, mit denen ich einen Apfel aus der Obstschale nehmen kann, einen Ball in den Raum werfen“, freut sich Bauernfeind auf zukünftige Möglichkeiten.

Wohngeschichte

Blick ins Home-Office: Autoren und Redakteure der "Presse" erzählen

Das Büro am Esstisch, das Klassenzimmer auf der Couch: Home-Office und Home-Schooling sind anlässlich Covid-19 angesagt. Wie lebt es sich damit?

„Ich habe den Laptop auf dem Esstisch aufgebaut“, erzählt Autorin und Lektorin Clementine Skorpil von Tag eins ihres Home-Office und Home-Schoolings in Neulengbach. „Auf meinem Schreibtisch türmen sich Bücher“. Auch der Schreibtisch ihres Mannes ist besetzt – von den beiden Kindern. Wo er arbeitet? „Er sucht sich mit dem Firmenlaptop gerade ein geeignetes Platzerl im Haus, wo er ungestört telefonieren kann."

Ob mit Kindern oder nicht, ob Home-Office-erprobt oder völlig neu im Zuhausarbeits-Club – die durch das Coronavirus hervorgerufene Situation hat das Arbeiten daheim – und den Umgang damit – zum großen Thema gemacht. 

"Der Gang vom Frühstückstisch zum Schreibtisch wird zum Arbeitsweg, ordentlich angezogen und motiviert."

Barbara Wallner, freie Journalistin

Bei Redakteurin Elisabeth Stuppnig zuhause im 2. Bezirk beginnen Arbeit und Schule um neun Uhr. „Mein Mann und ich versuchen uns an einer Struktur, die den beiden Buben und uns Erwachsenen helfen soll, diese Zeit gut zu überstehen.“ Frühstücken, Zähne putzen und anziehen, dann wird der Esstisch, der normalerweise acht Leuten Platz bietet, zum Schultisch, die Jugendstilkredenz zum Ablageort für Federpennale, Wassergläser und Bücher. Das Zimmer des Neunjährigen „mit dem riesigen, früher oft verfluchten, jetzt angesichts der drei Monitore, die darauf Platz finden, angebeteten Schreibtisch“ wird zu Stuppnigs Home Office, während ihr Mann die beiden Buben betreut. “Ein Luxus, ich kann die Tür hinter mir schließen”, sagt Stuppnig. Trotzdem, Besuche im “Home-Office”  reißen die Redakteurin aus der Konzentration. Texte schreiben sich in dieser Ausnahmesituation nur schwer. 

Früher ob seiner Größe verflucht, jetzt geschätzt. Für den reibungslosen Ablauf der Produktion, braucht es mehrere Monitore.
Früher ob seiner Größe verflucht, jetzt geschätzt. Für den reibungslosen Ablauf der Produktion, braucht es mehrere Monitore.Stuppnig

"Überbleibsel an Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken helfen, sollte der Lagerkoller zuschlagen."

Margret Groier, Redakteurin

„Mit kindergartenähnlicher Routine, basteln und ,Paw Patrol“ nimmt Redakteurin Margret Groier die Herausforderung an, ihre vier und sechs Jahre alten Buben zu beschäftigen. „Eine Terrasse hilft dabei, und ein paar Überbleibsel an Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken, sollte der Lagerkoller mit voller Härte zuschlagen“.

Die Hunde der Paw Patrol lenken die Kinder ab und helfen Margret Groier beim Meistern des neuen Berufsalltags.
Die Hunde der Paw Patrol lenken die Kinder ab und helfen Margret Groier beim Meistern des neuen Berufsalltags.Groier

Bei Redakteurin Nikola Miksovsky hingegen herrscht Ordnung. Ihr Esstisch bietet sechs Personen Platz, zum Arbeiten jedoch nur für eine Person. “Wenn der Arbeitsplatz aufgeräumt aussieht, fühlt man sich auch selbst gleich viel aufgeräumter.” Redakteurin Cornelia Grobner dagegen macht Desksharing mit ihrer Tochter. „Obwohl der Esstisch als Klassenzimmer und Wissenschaftsressort eigentlich zu klein ist“, meint die Journalistin. „Ein Paradox sind der flauschige Sitzsack im Kinderzimmer und der Vintage-Schaukelstuhl – für seriöse Skypeinterviews zu gemütlich und zu ungemütlich gleichermaßen.“ Immerhin die Couch bewährte sich. „Die ist prima für den „Sachunterricht“ aka Netflix.“

Desksharing im Hause Grobner - Der Esstisch ist momentan Klassenzimmer und Wissenschaftsressort zugleich.
Desksharing im Hause Grobner - Der Esstisch ist momentan Klassenzimmer und Wissenschaftsressort zugleich.Grobner

Weniger Raum, mehr Zeit

Der Sänger, Gesangslehrer und Redakteur Klemens Patek muss sich nicht um Kinderbetreuung kümmern, ist aber erst kürzlich zusammengezogen, „ein zweiter Schreibtisch hat sich in die Wohnküche gequetscht“. Kein Problem, er arbeitet ja nicht viel am Schreibtisch – solange Platz für E-Piano und Gesangsschüler bleiben. Aber jetzt: „Der alte Bildschirm mit Rotstich will sich nicht mit dem Macbook verbinden“. Bessere Ausrüstung soll folgen. „Bis dahin müssen die Balkonraucher im Innenhof mit meinen Verzweiflungs-Ausrufen leben. Dafür haben sie eine Weile Ruhe vor Gesangsschülern.“

"Die Balkonraucher im Innenhof müssen mit meinen Verzweiflungs-Ausrufen leben."

Klemens Patek, Redakteur
Auch ein IKEA-Schminktisch kann als Schreibtisch dienen.
Auch ein IKEA-Schminktisch kann als Schreibtisch dienen.Patek

Sogar für erprobte Homeworker „ist die Situation anders“, erzählt Autorin Barbara Wallner. „Ich habe mir als Selbstständige vor Jahren den Luxus eines Büros gegönnt: Nie wieder im Wohnzimmer arbeiten, den Arbeitsweg vom Frühstücks- zum Schreibtisch ordentlich angezogen und motiviert zurücklegen“. Aber nun locke der Fernseher mit Infos und Ablenkung. „Ich hoffe, ich kann weiterhin widerstehen!“ 

Über tierische Ablenkung im Home-Office freut sich indes Ursula Rischanek.
Über tierische Ablenkung im Home-Office freut sich indes Ursula Rischanek.Rischanek

Die Journalistin Ursula Rischanek in Horn teilt ihr Büro mit Paul – einem Welpen. „Daher ist alles möglichst kabel- und papierlos. Trotzdem passiert es, dass Interviews von hektisch-wütenden ,Pfui', ,Nein' oder ,Aus' unterbrochen werden“. In der jetzigen Situation „ist fast jeder dankbar für so eine Ablenkung, auch ich“.

"Das Daily Business ist zwischen Herd und Sofa gelandet."

Madeleine Napetschnig, Redakteurin
Flexibel Arbeiten kann auch Schreiben zwischen Küche und Wohnzimmer bedeuten.
Flexibel Arbeiten kann auch Schreiben zwischen Küche und Wohnzimmer bedeuten.Napetschnig

Auch am Küchentisch von Madeleine Napetschnig kamen schon öfters längere Reportagen in den richtigen Flow. „Nun ist Daily Business zwischen Herd und Sofa gelandet“, sagt die Reise-Redakteurin. „Das schränkt ein“. Die wenigen Quadratmeter Wohnung kompensiere aber der Ausblick über den Donaukanal. „Soweit ich sehen kann, halten sich die Mitmenschen an das Allein- oder Pro-Haushalt-Rausgehgebot.

Bei Stuppnigs wird ab 16 Uhr - nach zahlreichen Interventionen wegen Uhu-Stick-Suche, Saxofonspielen und anderem Unaufschiebbarem – das Home-Office geschlossen. Die Kinder wünschen sich ein gemeinsames Gesellschaftsspiel. Sie haben am Parkettboden aufgebaut, der Esstisch ist noch mit Büchern voll, er wird fürs Abendessen gebraucht. „Das Schöne an der Situation ist die Zeit mit den Kindern, wir lernen sie anders kennen, besser“, meint Stuppnig. „Und sie uns.“

Lexikon

Home Office: Begriff für das Heimbüro oder den PC/Laptop/Schreibtisch-Arbeitsplatz zu Hause. Achtung: In Großbritannien ist mit dem Begriff das britische Innenministerium gemeint, 

Home Schooling: Unterricht von Kindern zu Hause.  In Österreich unter Auflagen grundsätzlich erlaubt.

Desksharing: Das Teilen eines Schreibtisches/Arbeitsplatzes, der zu unterschiedlichen Zeiten oder zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen Arbeitsgeräten genutzt wird.

Blick ins Atelier, rechts einer der Lieblingsplätze Horvaths: der Esstisch.
Wohngeschichte

Leben und Arbeiten in der einstigen Otto Muehl-Kommune

Seit 14 Jahren lebt und arbeitet Künstlerin Marina Horvath in einem Atelier im Friedrichshof im Burgenland – mit eigenen Werken, „zugelaufenen Möbeln“ und viel Natur.

„Ich war auf der Suche nach einem Atelier, in dem ich auch wohnen konnte“, erzählt die Künstlerin Marina Horvath von ihrem ersten Besuch am Friedrichshof. „Es kam mir ein bisschen leer vor, aber ich hatte auch das Gefühl, dass ich mich hier wohlfühlen könnte.“ Das Gefühl trügte nicht. Seit 14 Jahren lebt und werkt Horvath – sie malt und fertigt Skulpturen aus Stein und Keramik – nun im ehemaligen Bibliothekstrakt des geschichtsträchtigen Hofs, 60 km von Wien in der Region Neusiedler See gelegen. Der 1890 von Erzherzog Friedrich in Auftrag gegebene Gutshof war bis 1934 in Betrieb, verfiel und wurde 1972 von der Gruppe um den Aktionisten Otto Muehl als Kommune erworben, erweitert und von bis zu 240 Menschen bewohnt. Ab 1985 begann sich die Kommune aufzulösen, 1989 wurde der Besitz in die Wohnungsgenossenschaft Friedrichshof eingebracht, Muehl wegen Drogen- und Sittlichkeitsvergehen 1991 verurteilt.


Lebensraum Atelier


Das Areal entwickelte sich weiter – zu einem Wohn-, Arbeits- und Seminarort samt Appartementhotel mit Haubenküche. Heute leben rund 200 Menschen aus über zehn Nationen am Friedrichshof. „Meine Nachbarn sind Schweizer, Deutsche, Bulgaren und Amerikaner“, erzählt Horvath. „Und ich möchte nie wieder wegziehen, das Atelier ist heute definitiv mein Lebensmittelpunkt.“ Inspiriert wird sie vor allem von der Natur, „der spröden, aber trotzdem lieblichen Landschaft“. Der 94-m2-Raum bietet Platz zum Arbeiten und genug Fläche, die teilweise voluminösen Bilder und Skulpturen zu präsentieren und unterzubringen.

Das Atelier mit Sofa im Mittelpunkt.
Das Atelier mit Sofa im Mittelpunkt.Barbier


In einer Ecke des Ateliers wartet das Sofa: Hier darf geruht und geträumt werden. Gern sitzt Horvath auch am großen Tisch. „Am liebsten mit einem Espresso, vor allem, wenn ich Büroarbeit und Buchhaltung am Computer erledigen muss.“ Die großen Fenster geben viel Licht und den Blick frei in den Garten, zum Beobachten der Flora und Fauna. „Hier habe ich die Möglichkeit, direkt von der Haustür weg Radtouren zu machen, im Badeteich zu schwimmen. Und für die kältere Zeit wartet gleich beim Teich eine Sauna.“


Kleine Küche, großer Esstisch


Direkt im Anschluss an das Atelier befindet sich das Schlafzimmer, ihr ganz persönlicher Rückzugsort, ihre Höhle, um in Ruhe zu lesen, fernzusehen oder eben zu schlafen. Die kleine Küche war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig: „Ich bin aus einem Haus mit großer Wohnküche hierhergezogen. Gelöst habe ich das nicht durch Umbau, sondern dadurch, dass ich tatsächlich in der Küche meist nur zubereite, dann aber im Atelier gemütlich frühstücke oder esse und auch meine Gäste bewirte.“

Bilder, wohin man blickt ...
Bilder, wohin man blickt ...Barbier

Bad und WC sind klein und fein und „für mein Singleleben ausreichend“. Die Kunst ist in allen Räumen präsent – Horvath lebt und werkt zwischen Bildern, Skulpturen und diversesten Fundstücken. „Bei mir sind zweifellos Leben und Arbeit eins, untrennbar miteinander verbunden, was sich auch gut und richtig anfühlt.“


Tauschobjekte und Fundstücke


Viele Teile der Einrichtung kamen im Lauf der Zeit auf Umwegen zu ihr. Geplant wurde fast gar nichts, mit Ausnahme des Schlafzimmers. „Alles ist gewachsen, nur ein schönes neues Bett habe ich mir geleistet. Ein Luxus, den ich mir einfach gönnen wollte. Der Rest kam spontan dazu, stammt aus Zufallsbegegnungen.“ So entdeckte sie hier ein paar alte Sessel und konnte sie ganz günstig ergattern, übernahm dort die Möbel einer Freundin, die sie beim Umzug nicht alle mitnehmen konnte. „Es gibt auch einen Tisch, den ich gegen ein Kunstwerk getauscht habe. Dann hatte beispielsweise meine Tochter eine alte Werkbank, die sie in ihrer Wohnung nicht unterbringen konnte, hier zwischengelagert. Auch sie hat bei mir einen guten Platz gefunden.“

Die "Ruhehöhle" der Künstlerin.
Die "Ruhehöhle" der Künstlerin.Barbier

So hat sich im Lauf der Jahre ihr Tun und auch ihr Raum entwickelt und ist zu dem geworden, was man nun fühlen und sehen kann. „Ich denke, dass nicht zuletzt durch meine Kunstwerke überall meine Seele zu spüren ist. Mein Atelier ist mein Lebensraum, hier wird gearbeitet, gemalt, gewerkt, geplant und nicht zuletzt geträumt. Hier ist aber auch immer Platz für Menschen, meine Familie, meine Freunde, und nicht zuletzt für Interessenten an meiner Arbeit.“ 

Zum Ort, zur Person

Friedrichshof ist ein Weiler und ehemaliger Gutshof der Marktgemeinde Zurndorf im Bezirk Neusiedl am See mit nachhaltigem Wohnkonzept (www.friedrichshof.at) und rund 200 Einwohnern, davon viele Kunstschaffende. Häuser kosten im Bezirk zwischen 871 und 2821 Euro/m2, gebrauchte Eigentumswohnungen zwischen 729 und 1974 Euro/m2.
Marina Horvath stellt ihre Werke regelmäßig in Galerien in Graz, Eisenstadt und Wien aus. www.marinahorvath.net

Marta Szopa im Wohnzimmer. Bücherstapel, Kerzen und Bilder sind in der gesamten Wohnung heimisch.
Wohngeschichte

Wohnen im Karmeliterviertel: Dachoase in der Leopoldstadt

Nach langen Jahren im Grünen schuf sich die weitgereiste Marta Szopa 2005-2011 eine Dach-Oase in der Leopoldstadt – samt Ethno-Design, Garten und Bibliothek.

Die Dachgeschosswohnung, die Marta Szopa mit ihrem Mann bewohnt, liegt in einem Wiener Zinshaus von 1860. Heute ein Künstler- und Hipster-Zentrum, hat das Karmeliterviertel eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor 1670 war die „Mazzesinsel“ jüdisch besiedelt. Kaiser Leopold ließ 1670 das Ghetto räumen und zerstören, anstelle der Synagoge entstand die Leopoldskirche sowie die Vorstadt drumherum, die später dem gesamten Bezirk den Namen geben sollte.

Die innenstadtnahe Lage samt attraktiver und preislich günstiger Altbausubstanz führte ab den 1990er-Jahren zu einem vermehrten Zuzug junger, gebildeter und finanzkräftiger Bevölkerungsschichten, die das gesamte Viertel gentrifizierten. Das Karmeliterviertel ist heute eines, wenn nicht das Zentrum der Bobo- und Hipster-Kultur Wiens. „Es war auch die zentrale Lage, die für die Wahl der Wohnung ausschlaggebend war“, erzählt Szopa. „Den Karmelitermarkt haben wir praktisch vor der Tür und über die Salztorbrücke brauchen wir fünf Minuten zum Stephansplatz. Das Haus ist angenehm klein mit insgesamt neun Wohnungen. Die meisten werden von den Eigentümern selbst benutzt, was heutzutage eine Seltenheit ist."

 

Country Style in Weidling ... 


Dabei hatte die Familie davor fast immer in grünen Bezirken gewohnt.  Nach einigen Jahren im 19. Bezirk war das Ehepaar 1994, nach der Geburt der Tochter, nach Weidling gezogen, wo sie ein 100 Jahre altes Haus, in dem früher ein Pfarrer mit seiner Haushälterin gewohnt hatte, sehr behutsam restauriert hatten. „Damals war ich richtig verliebt in die englischen Country Style Häuser mit ihren Laura-Ashley-Vorhängen, offenen Kaminen, historischen Wandfarben, Tapeten und Vintage Möbeln und konnte mich beim Einrichten richtig austoben.“

Dazu kamen ein Obst-, Gemüse- und Kräutergarten, eine Veranda und alte Bäume. Eine ländliche Idylle. In der einem jedoch auch die Decke auf den Kopf fallen kann: „Als die Kinder aus dem Hause waren, wurde uns klar, dass wir uns nach einem Leben in der Stadt sehnen. Wir brauchten eine wohnliche Veränderung, um nicht als Vorstadt-Pensionisten zu enden.“

 

... weicht maskulinem Schwerz-Weiß in der Leopoldstadt


Ab 2003 suchten sie eine städtische Dachgeschosswohnung. „Obwohl wir das Wohnen im Altbau bevorzugen, mussten Abstriche gemacht werden. Nur eine Neubau-Wohnung würde uns eine Alternative zum Garten bieten. Fast zwei Jahre lang haben wir uns eine Riesenzahl an Wohnungen angesehen. Die meisten waren extrem schlecht konzipiert, mit vielen super-kleinen Räumen und zahlreichen Schrägen. Die vorhandenen Terrassen waren meistens auf dem Dach und von Küche oder Wohnzimmer schwer erreichbar.“

Eines Tages wurden sie von einer Immobilienmaklerin auf einen Rohdachboden  aufmerksam gemacht, der als Teil einer Konkursmasse versteigert werden sollte. “Wir haben an der Versteigerung teilgenommen und letztendlich mit der Nachricht, dass der Meistbietende abgesprungen sei, als Nummer zwei den Dachboden ergattert. Das war 2005, und so hat unsere Bau-Odyssee ihren Anfang genommen, die insgesamt sechs Jahre  gedauert und viel Nerven und Geld gekostet hat. „Da wir oft Besuch von den heute in England lebenden Töchtern sowie unseren Freunden bekommen, war es uns natürlich wichtig, dass genug Platz für alle vorhanden ist.“

Blick auf Bibliotheksleiter und Terrasse.
Blick auf Bibliotheksleiter und Terrasse.Doris Barbier

In die zweigeschoßige 220-m2-Wohnung gelangt man direkt mit dem hauseigenem Aufzug. Ein kleiner Flur mit Zugang zum innerem Treppenhaus führt nach oben, in die zweite Etage. Damit das Vorzimmer nicht zu eng und finster wirkt, wurde eine verglaste Schiebetüre eingebaut – so ist auch die 30 Quadratmeter große, begrünte Terrasse gleich beim Betreten der Wohnung zu sehen. Auf der gleichen Etage befindet sich ein großer Wohnraum mit zwei Schiebetüren, die direkt auf die Terrasse führen. Eine Spindeltreppe führt zwei Stockwerke höher: auf eine begrünte Dachterrasse, deren Aufstieg mit einem 360 Grad Wienblick auf Stephansdom, Prater und Kahlenberg belohnt wird. „Wir verbringen von März bis Oktober viel Zeit hier und gärtnern: Eine Oase mitten in der Stadt.“

Stillleben aus Reiseandenken.
Stillleben aus Reiseandenken.Doris Barbier

In der zweiten Etage wurde bewusst darauf verzichtet, direkt über dem Wohnraum auszubauen. Statt dessen wurde der Raum bis zur fünf Meter hohen Decke offen gelassen. Hoch oben auf den Regalen wurden auch die Bibliothek und die zahlreichen Bücherstapel untergebracht – die über eine eigene Leiter zu erreichen ist. Im Wohnzimmer befindet sich ein offener Kamin, Sammelplatz für Familie und Freunde an kalten und grauen Wintertagen. Auch bei der angrenzenden Küche wurde bewusst auf Türen verzichtet: die findet man generell nur in den Schlafzimmern und WC/Badezimmern. Unmittelbar vor der Küche wartet das Herzstück, ein großer Esstisch aus altem Eichenholz. „Obwohl es in der Küche eine Eßgelegenheit  an der kleinen Kochinsel gibt, wird bei uns meistens am Esstisch im Wohnzimmer gegessen." Ein schmaler Gang führt zum ersten der insgesamt drei Schlafzimmer, die beiden weiteren befinden sich in der oberen Etage. Von der offenen Galerie aus kann man das bunte Treiben im darunter liegenden Wohnzimmer überblicken.

„Der Umbau hat uns Nerven gekostet – schließlich wurde hier alles entkernt und neu gestaltet." Im Gegenteil zum Bauprojekt in Weidling, das ohne jegliches Drama über die Bühne ging, war der Dachgeschoßausbau fast die ganze Zeit von Turbulenzen gezeichnet. "Leider haben wir auch mit der Architektin keine gute Wahl getroffen. Sie war unzuverlässig. Genauso erging es uns mit den von ihr beauftragten Handwerkern. So haben wir im Laufe der Zeit fast die ganze Bautruppe austauschen müssen."

Die Galerie im Stiegenaufgang.
Die Galerie im Stiegenaufgang.Doris Barbier

Und obwohl Szopa an der Wohnung die zentrale Lage, die schönen Terrassen mit ihren Feigenbäumen und wuchernden Wisteria und das tolle Licht im Wohnungsinnerem besonders liebt, stören sie doch die Dachschrägen ein wenig - immer noch. „Dabei muss man sagen, dass wir es geschafft haben, ihre Zahl so minimal wie möglich zu halten.“ Beim Ausbau wurde sehr viel mit Holz gearbeitet – aus Geldmangel etwa günstiges Weichholz für den Bodenbelag. Wie in Skandinavien oder Großbritannien üblich, wurden die Holzbretter lackiert – in hochglänzendem Schwarz. Bei den Wandfarben mit kreidiger Mattierung fiel die Wahl auf die Marken Farrow & Ball und Little Green. Sie weisen einen bis zu 30 Prozent höheren Pigmenanteil auf und haben als Basis natürliche Zutaten wie Harze, Kreide und Leinöl.

Tempeltische und Reiskörbe

„Wir mögen schlichte, klare Formen und Farben, viel weiß, schwarz, alle mögliche Varianten von  grau. Mein Mann vertraut mir komplett, was das Einrichten und Dekorieren betrifft. Mein Einrichtungstil ist, vor allem durch den Einsatz von viel schwarz und grau, eigentlich maskulin und reduziert." Ein immer wiederkehrender und durchaus gewollter Stilbruch ist die Präsenz von vielen Mitbringseln von zahlreichen Reisen. „Ich sammle einfach gerne. Am liebsten Sachen, die ästhetisch ansprechend und ungewöhnlich sind, aber auch benützt werden können, Tempeltische oder Reiskörbe aus Burma beispielsweise.

Die Vorliebe für das Exotische und vor allem Orientale ist ein Relikt ihrer Kindheit in Ägypten und im Iran. „Ich liebe handgemachte Ethno-Textilien wie Ikats oder bestickte Stoffe aus der indischen Region Gujarat. Sie werden zu Kissen und Vorhängen umfunktioniert.“ Moderne Möbel sollen vor allem schlicht, aber mit Vintage-Stücken kombinierbar sein. Eine Biedermeier Vitrine steht im Badezimmer – statt Kristallgläser werden Waschtücher mit einer Sammlung alter Parfumflaschen aufbewahrt. Das absolute Lieblingsmöbel ist ein echter Designklassiker – der Womb Chair, der von Eero Saarinen im Jahr 1946 für Knoll designed wurde. „Die weit ausladende Sitzform lädt dazu ein, sich gemütlich hineinzukuscheln und stundenlang zu lesen.

Zum Ort, zur Person

Wiens 2. Bezirk, die Leopoldstadt, wurde 1670 von Kaiser Leopold nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung gegründet. Heute ist besonders die Gegend um den Karmelitermarkt beliebte Wohngegend. Eigentumswohnungen kosten hier zwischen 4963 (Bestand) und 6196 Euro/m2 (neu).

Marta Szopa wurde in Polen geboren, lebte im Iran und in Ägypten. Nach vielen Berufsjahren bei der UNO engagiert sie sich in der Firma ihres Mannes für innovative nachhaltige Produkte.

Aufgeräumtes Heim: Home-Office im Obergeschoß, Küchen-Wohnbereich unten.
Wohngeschichte

Ordnung ist das halbe Leben

Ordnungscoach Angelika Philipp hat sich ihr Haus in Niederösterreich gemäß ihrer eigenen Lehre eingerichtet: geradlinig, puristisch und praktisch.

Der Weg zum 180 Quadratmeter großen Haus mit gelber Außenfassade, grauen Fenstern und grauer Eingangstür ist mit weißen Hortensien gesäumt. Hier, im beschaulichen Heurigenort Matzenberg (NÖ), hat es sich Ordnungscoach Angelika Philipp in einer Doppelhaushälfte samt Garten gemütlich gemacht. „Die Lage ist deshalb so ideal, weil man in knapp 40 Minuten in Wien ist, und genauso schnell im wundervollen Wander- und Skigebiet rund um den Schneeberg,“ streicht sie die Vorteile heraus. Hinzu kommt, dass sie die Region schon lang kennt: Ihr Geburtsort, Puchberg am Schneeberg, liegt gerade einmal 40 Kilometer entfernt. Das Haus selbst ist noch keine zehn Jahre alt – dennoch war es Liebe auf den ersten Blick: „Da mein Mann und ich Naturmenschen sind, waren sowohl Lage als auch Größe optimal für uns. Wir arbeiten beide leidenschaftlich gern im Garten, genießen den Blick ins Grüne und laden gern Familie und Freunde ein.“

 

Optische Ruhe

Tatsächlich ist die Natur auch im Innenbereich nie sehr weit: Eine große Fensterfront gibt den Blick auf den Garten frei, im Sommer wird die Terrasse zum erweiterten Wohnzimmer. Aber Ordnung muss sein, vom Keller bis zum Dach. „Optische Ruhe ist das Um und Auf, um sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen“, meint die Einrichtungsspezialistin, die mit ihrem Mann einen Hang zum Minimalismus teilt. Deshalb finden sich selbst im geräumigen Keller nur die nötigsten Sachen. In einem der Räume archiviert die begeisterte Hobbymalerin ihre Acrylbilder. In der offenen, lichtdurchfluteten Galerie des Obergeschoßes hat sich Angelika Philipp ihr Home-Office eingerichtet, wo sie ebenfalls peinlich darauf achtet, dass jedes Objekt seinen festen Platz hat. Sie vergleicht ihren Ordnungssinn mit einem gut strukturierten Besteckkasten: „Darin gibt es für jedes Teil ein definiertes Fach. Alles ist dort, wo man es vermutet und wo es gebraucht wird.“ Philipp nennt es das „Reichweitenprinzip“. Das gilt es, auf das gesamte Hab und Gut umzulegen. „Man sollte immer überprüfen, ob man seine Dinge dort aufbewahrt, wo es sinnvoll ist“, sagt sie. Dieser Maxime folgt sie bei ihrer gesamten Inneneinrichtung: Alles ist puristisch, geradlinig und hat seinen vorbestimmten Platz. Im Vorraum, in der Küche, in Bad und Keller graue Fliesen, alle anderen Räume sind mit Parkett ausgestattet, Türen und Fensterrahmen in neutralem Weiß. An den Wänden hängen von der Hausherrin selbst gemalte Acrylbilder. Die dominierenden Farben in Philipps Zuhause sind grau, beige, weiß, dazwischen ein paar fast waghalsig anmutende silberne und goldene Akzente, die durch Bilderrahmen und einige spärliche Deko-Accessoires gesetzt werden. Ein großer Eichentisch mit Platz für acht Personen bildet das Herzstück des Essbereichs. Die offene Küche mit Küchenblock und Bar ermöglicht es der Hausherrin, beim Kochen nicht abgeschieden zu sein. Der großzügige Wohn-, Ess- und Küchenbereich ist das Zentrum des Hauses, wirkt zu jeder Jahreszeit geräumig und hell. Die diskrete Couch in sehr hellem unaufdringlichem Nude-Ton wurde mit zahlreichen Kissen in unterschiedlichen Grautönen und Stehlampen links und rechts zum Leben erweckt. „Das Thema Licht ist meinem Mann und mir sehr wichtig. Wir legen beide großen Wert auf indirekte, warme Beleuchtung, weil dadurch eine sehr behagliche Atmosphäre entsteht.“

Doris Barbier

 

Motto „Loslassen“

Dafür erstrahlt das Home-Office in klinischem Weiß, ein großzügiger Schreibtisch bietet Platz zum Arbeiten. Neben PC und Bildschirm zieren lediglich eine Schreibtischlampe, eine Orchidee und ein Glücksstein den Tisch, ein Sideboard bietet ausreichend Platz für Ordner und Arbeitsunterlagen. Arbeit im Schlafzimmer ist für Philipp tabu: „Das Schlafzimmer ist aus meiner Sicht der ,heiligste' Raum. Hier ist Rückzug, Erholung, Ruhe, Zweisamkeit und Kraft tanken angesagt. Das sollte man nicht mit Arbeiten vermischen“, betont die Expertin. Das deckt sich mit ihrem Motto des „Loslassens“: „Was man nicht mehr benötigt, sollte man verschenken, verkaufen, spenden oder einfach weggeben. Das ist der erste und wichtigste Schritt, um mehr Ordnung und Struktur ins Leben und das Heim zu bringen.“

ZUM ORT/ZUR PERSON

Für ein Einfamilien- oder Reihenhaus im Bezirk Wiener Neustadt (Land) muss man – je nach Lage – mit einem Quadratmeterpreis von bis zu 1600 Euro, manchmal auch darüber rechnen.

Angelika Philipp ist Business- und Ordnungscoach. Als Trainerin hilft sie ihren Kunden, die Zeit optimal zu nutzen und berät sie bei der Gestaltung ihrer Wohn- und Arbeitsräume. Außerdem organisiert sie regelmäßig Workshops und Seminare zum Thema Ordnung & Struktur. www.angelika-philipp.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2020)

Stillleben mit Früchten.
Wohngeschichte

Traisental: „Weiße Wände sind ein No-Go“

Die Künstlerin Birgit Goetz setzt auf Farben – auch bei der Gestaltung des Hauses in Getzersdorf in NÖ, das sie mit Familie bewohnt. Und immer wieder neu adaptiert.

Das Haus in der Rosengasse in Getzersdorf, einer kleinen Weinbaugemeinde im Traisental, hat nicht nur wegen der Namensähnlichkeit mit ihrer Jüngsten begeistert. „Es hat einfach alles geboten, was auf unserer Wunschliste stand. Der Kauf war nach einer Stunde Besichtigung zugesagt“, erzählt Birgit Goetz. „Samt 1500 m2 verwildertem Garten mit Altbaumbestand.“
Nach der Geburt der Tochter wollten Goetz und ihr Mann raus aus der Stadt. Vor allem sollte die kleine Rosa in puncto Schule einen anderen Weg einschlagen, als die jeweils bereits erwachsenen Kindern aus den ersten Ehen. „So sind wir zur Lernwerkstatt in Pottenbrunn gekommen: im Herbst wird Rosa dort starten.“ Auch das Umfeld mit der guten Anbindung nach Wien und Linz, wo ihr Mann zwei Tage in der Woche in seiner Praxis arbeitet, war ideal.


Arbeitssparender Garten


„Glücklicherweise lieben wir Gartenarbeit und haben uns zwei Jahre intensiv durch das Gestrüpp gearbeitet. Das Augenmerk lag auf möglichst arbeitsvermeidender Gestaltung: „Damit man nicht gärteln muss, sondern kann.“ Rund um den Pool entstand ein pflegeleichter Kiesgarten, der obere Garten bietet Insekten und Kleintieren wie Igeln ein Zuhause. „Inklusive Laubhaufen und Bienenweiden.“
Der größte Umbau in Haus und Garten war die Umgestaltung des himmelblauen Chlorpools zu einem Naturpool mit Holzterrasse. „Dort leben wir quasi von Mai bis Oktober. Rosa kann seit ihrem viertem Lebensjahr schwimmen und ist begeisterte Meerjungfrau.“ Im Herbst wechselt der Lieblingsplatz zum Kachelofen. „Den heize ich täglich und sitze dann mit Blick auf die Flammen auf dem Sofa.“
Das Haus hat 240 m2 auf zwei Ebenen, dazu kommt ein Keller „mit dem Luxus einer Werkstatt, eines Waschraumes, einer Vorratskammer und jeder Menge Stauraum.“ Die obere Etage ist ein Dachausbau mit offener Galerie und Arbeitsnische, dazu Gästezimmer und Meditations/Yogaraum sowie großzügiger Spielfläche für die Tochter. „Das könnte ab dem Teenageralter ihre eigene Etage werden“.


Buntes Farbenspiel


Gelebt wird vornehmlich im Erdgeschoß – und mit vielen Farben, da Goetz berufliches Tun als Künstlerin die Wände immer wieder in unterschiedlichsten Nuancen erstrahlen lässt. Der offene Wohnbereich mit Wintergarten zu Terrasse und Gartenbereich ist in Gelb und Grün gehalten. Dazu kommen zwei Schlafzimmer (blau für den Herrn, noch Salbeigrün/bald Aubergine für die Dame des Hauses) mit Verbindungstür, Kinderzimmer (Gelb, Rosa, Grün), Badezimmer (Lavendel), Vorraum, Diele und WC.

Blick ins Wohnzimmer.
Blick ins Wohnzimmer.Doris Barbier

An Umbauten war ein kleiner Wanddurchbruch im Erdgeschoss nötig. Ein Fenster vom Wintergarten in eines der Schlafzimmer wurde in der Größe verändert. Und der begehbare Schrank verschwand zugunsten eines Schlafpodestes im Kinderzimmer. Die Einbauten in Bad, Küche und Wohn/Essraum blieben großteils erhalten. Der anstrengendste Posten bei der Umgestaltung war der Part des Malers. „Er musste das gesamte Erdgeschoss ausspachteln, da wir den Grobputz des Vorbesitzers nicht mochten“, sagt Goetz. „Farblich war der Maler laut eigener Aussage von seiner Frau schon einiges gewöhnt. Dem Rapsgelb für die Eingangstüre stand er dennoch skeptisch gegenüber.“

Sommerliches Poolhaus.
Sommerliches Poolhaus.Doris Barbier

Wichtig ist Goetz bei der Farbgestaltung, dass die Decken, Fenster- und Türlaibungen weiß bleiben. „Zudem suche ich den Raumproportionen entsprechend jene Wände aus, die einen intensiven Anstrich bekommen, die verbleibenden Wände werden in einen sanften Sandton getaucht. Weiße Wände sind für mich ein absolutes No Go!“ Als Stauraum wurden schlichte Einbauten gefertigt, daneben fanden die alte Bauerntruhe der Großeltern ebenso Platz wie das „midcentury siedeboard“. Viele Möbelstücke stammen aus dem Familienfundus, der Esstisch wurde aus Altholz angefertigt. In der ehemaligen Garage richtete Goetz 2019 den „Raum für ituitives Malen“ ein. Fließen wurden abgeschlagen, Löcher verspachtelt, ausgemalt, Malwände angebracht und ein großer Arbeitstisch gebaut. Das nächste Projekt: „Wir werden eine kuschelige Bank in den Erker einbauen, so können wir die Wintersonne besonders gut genießen.“

Zum Ort, zur Person

Die von Familie Goetz adaptierte „Villa Kunterbunt“ mit 240 m2 Wohnfläche und großem Garten steht in Getzersdorf, einer 500-Einwohner-Ortschaft im Bezirk St. Pölten Land, die zur Gemeinde Inzersdorf-Getzersdorf gehört. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk St. Pölten Land zwischen 805 und 1802,8 Euro /m2, Reihenhäuser zwischen 791,4 und 1603,75 Euro /m2.
Birgit Goetz ist Malerin und bietet seit kurzem Workshops für intuitives Malen an. www.birgitgoetz.at

Blick ins Wohnzimmer
Wohngeschichte

Ein "Baumhaus" im Alsergrund

Farbstimmungen, Blumen, Düfte und Möbel: Galeristin und Homestagerin Gabriele Pühringer über ihr gründerzeitliches „Baumhaus“ mitten im neunten Wiener Bezirk.

„Ich wollte schon immer einmal im Servitenviertel leben“, erzählt die Galeristin Gabriele Pühringer. „Als mein damaliger Mann und ich bemerkten, dass wir gemeinsam die Flügel nicht mehr weit ausbreiten konnten, war die Zeit gekommen.“ Seit zehn Jahren ist sie nun in einem Gründerzeithaus in der Servitengasse zu Hause – in einer 75 m2 großen Mezzaninwohnung mit Blick in den Hof. „Das Grätzel ist wie eine Dorfgemeinschaft, der Kirchenplatz im Zentrum fördert diese Stimmung. Wir kennen uns, plaudern, spontane ,Einkehrungen‘ in die vielfältige Gastronomie der Gasse blühen einem.“ So brauche sie vom Schlickplatz bis nach Hause oft Stunden statt drei Minuten.


Unperfekter Freiraum


„Der frühere Besitzer des Hauses, Herr Dumber, war ein Millionär“, erzählt sie. Hausnummer 8 und 10, erbaut 1906 vom Architekten Franz Quidenus, waren in seinem Besitz. „Damals gab es auch eine Waschküche im Dachgeschoß.“ Das weiß sie vom Nachbarn, der seit 1953 hier wohnt. „Zuerst wurde die Wäsche gewaschen und dann das Kind – also er – in den Zuber gegeben.“ Es gab auch einen Kindergarten im Haus und einen Goldfischteich im Garten.
Man betritt die Wohnung durch einen großen Vorraum, „den Landeplatz“. Es folgt die kleine Küche mit Blick ins Stiegenhaus, was eine Ausschank zulassen würde. „Der jahrelange, noch nicht umgesetzte Traum einer Freundin“, kommentiert Pühringer. Die Raumaufteilung ist auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten, „da sehen andere natürlich den einen oder anderen Schönheitsfehler“, meint Pühringer. „Ich jedoch bin in Liebe mit dieser Wohnung, da darf das eine oder andere unperfekt sein. Das erleichtert es, mir das selbst auch zuzugestehen.“ Einen Nachteil hat die Wohnung trotzdem, die Sehnsucht nach nutzbarem Garten oder Außenbereich ist groß. Daher nutzt Pühringe den unmittelbaren Kirchenplatz als Vorgarten. „Die Priester von der Servitenkirche wissen schon, dass hier oft mein Büro, Treffpunkt mit Künstlern und Kunden ist.“


Fensterbrett zum Hof


Zurück in der Wohnung, findet man: einen Atelier(arbeits)raum, ein großzügiges Schlafzimmer mit zwei betenden Mönchen und einer kleinen, „romantischen“ Türe in den Wohnraum. Dieser geräumige Wohn-Essraum mit dem Blick in den Garten ist Pühringers liebster Raum. „Er fühlt sich an wie ein Baumhaus. Dieses Gefühl unterstreicht mein moosgrünes Sofa. Auf dem wird gelesen, gegessen, gearbeitet, und es ist auch mein Platz der Inspiration und Meditation.“ Von hier aus sieht man ins Grüne – und gleichzeitig kann der Blick durch den ganzen Raum schweifen. Neben dem Sofa gibt's weitere Lieblingsstücke: zwei idente weiße Sideboards aus Holz, die ihr Vater getischlert hat. „Als ich die Wohnung bezog und sie wie angegossen links und rechts ans Fenster passten, hat mich das sehr berührt.“ Und dann gibt es noch ihr „abgewetztes“ Fensterbrett, das sie sehr schätzt. „Mit Blick auf den Garten, da sind mir die Naturgeräusche ganz nahe, das brauche ich.“

Wechselnde Farbstimmungen

Pühringer bevorzugt natürliche Materialen wie Holz, Leinen und Wolle. „Auch Samtenes. Diese Materialien haben eine schöne Ausstrahlung und liegen gut in der Hand.“ Sie kombiniert moderne Möbelstücke mit Fundstücken, „die einfach zu mir kommen wollen“. Das gezielte Spiel mit Farbe und der Einsatz von Accessoires wie Polstern, Bildern und Fotografien bringen immer wieder neue Farbstimmungen in den Raum. „Ich liebe Details, und das Arrangement dieser scheinbaren Kleinigkeiten lässt meine Wohnung immer wieder anders und neu ausschauen. „Ich orientiere mich gern an den Farbstimmungen der Natur. Und so achte ich darauf, dass ich frische Blumen im Raum habe, denn eine Blume kann die Welt verändern.“
Neben ihrer eigenen Wohnung gestaltet sie auch fremde – darunter die Privatwohnung von Alexander Van der Bellen und seiner Frau. Auch Homestaging betreibt sie, gemeinsam mit Aliana Schafferer. „Wir reinigen die Immobilie energetisch, positionieren die Möbel am rechten Platz und heben die Raumatmosphäre noch weiter an mit dem bewussten Einsatz von Kunstobjekten.“ Ihr Credo: „Beschränke dich auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie.“

Zum Ort, zur Person

Das Servitenviertel, benannt nach dem 1665 errichteten Kloster, gehört zur Vorstadt Rossau, die 1849 nach Wien eingemeindet wurde. Am Schlickplatz stand bis 1850 der Rabenstein, eine von Wiens Hinrichtungsstätten. Heute kostet in der beliebten Wohngegend eine neue Eigentumswohnung 3182,9 bis 5862 Euro pro Quadratmeter, eine gebrauchte 2068 bis 4873 Euro pro Quadratmeter.
Gabriele Pühringer leitet die Flying Gallery für flexible Ausstellungen. www.art-mosphaere.at

Im Haus der Schauspielerin und Moderatorin Adriana Zartl erinnert der Kachelofen an die Vergangenheit als Försterhaus.
Wohngeschichte

Adriana Zartl: Feen und Wichtel im Försterhaus

Tummelte sich Adriana Zartl früher noch in Wiener Szenebezirken, lebt die Schauspielerin und Moderatorin jetzt mit Mann, Kind und Hund auf dem Land.

„Das Haus war Liebe auf den ersten Blick“, sagt die Schauspielerin Adriana Zartl. Und das, obwohl sie früher „nie im Leben“ aus der Stadt und schon gar nicht nach Gaaden im niederösterreichischen Bezirk Mödling gezogen wäre. Das Einfamilienhaus steht als kleines Gründerzeitjuwel auf einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück, unprätentiös und gepflegt. Ein mächtiger Walnuss- und ein gepflegter Apfelbaum fallen ins Auge.

Beim Öffnen der Eingangstür stürmt uns ein freudig wedelnder Hund entgegen. Bailey, ein beigefarbener Lagotto, führt gemeinsam mit der Schauspielerin durch den Eingangsbereich, vorbei an einem Thonet-Kleiderständer und roten Samtvorhängen. Eine Hommage ans Theater? „Nein, das ist Zufall. Es zieht hier ziemlich. Die Türen sind alt.“

Kachelofen statt hippen Lofts

Die Schauspielerin lebte zuletzt in einem modernen Loft in Hetzendorf. Dass sie ein über 100 Jahre altes Försterhaus beziehen würde, sei nie absehbar gewesen. „In einem Haus zu leben war für mich immer furchtbar erwachsen. Jetzt weiß ich: Es war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Jetzt, mit Sohn und Hund schätze sie die Vorteile vom Leben am Land. “Ich gehe hier jeden Tag in der Früh spazieren, entweder im Wald oder am Mödlingbach entlang. Ein Gasthaus, die Meierei, Supermärkte, sogar eine Creperie gibt es im kleinen Mödlinger Ort, den schon im 19. Jahrhundert Künstler und Literaten als Ort der “Sommerfrische” zu schätzen wussten - etwa der Dichter Ferdinand Raimund, der hier seinen „Verschwender“ schrieb.

Ich bin zwar ein Stadtkind, aber hier bin ich geerdet

Adriana Zartl

Geboren in Lugano, wuchs Zartl in Australien, Hongkong und Holland auf, bevor sie in Wien studierte. Von ihren zahlreichen Reisen zeugen fein säuberlich aufgestellte Erinnerungsstücke im Herzstück des Hauses, der Küche. Wir sitzen um einen hölzernen Tisch an einem alten grünen Kachelofen und blicken auf den frei stehenden, mit Fotomagneten geschmückten Kühlschrank.

Seit 2017 mieten Adriana Zartl, Mann Andreas und Sohn Luca das Haus mit 250 Quadratmetern Wohnfläche. Vom Besitzer wurde es liebevoll restauriert: Er nutzte alte Beschläge, achtete beim Einbau neuer Fenster und Türen darauf, dass sie für ein Försterhaus typisch schmal ausfielen, der alte Fliesen- und der neue Holzboden sind gepflegt. Von der geräumigen Küche aus führt Zartl ins Wohnzimmer, zu einem Sofa von Wolfgang Joop, Eames-Sesseln und einer ausgefallenen Bodenlampe, Zartls Lieblingsstück. Lauter Einrichtungsgegenstände, die den Weg vom modernen Wiener Loft nach Gaaden gefunden haben, erzählt die Aktrice: „Ich mag den Mix aus Neu und Alt.“ Das zeigt sich auch in der Loggia, die man vom Wohnzimmer aus durch einen Flur erreicht. Hier setzt Zartl auf einen gekonnten Mix aus Design, Vintage und Funktionalität. „Mit etwas Geschmack kann man auch Ikea-Möbel super in Szene setzen.“

Mit etwas Geschmack kann man auch Ikea-Möbel super in Szene setzen

Adriana Zartl

Es herrscht liebevolles Chaos, man merkt, die Schauspielerin mag's gemütlich. Über einem grünen Retro-Sofa, Marke Flohmarkt, hängt das alte Bianchi-Fahrrad von Zartls Vater. Ein weiteres Rad steht vor einem gut gefüllten Bücherregal. „Ich liebe Schnickschnack. Davon haben wir hier genug.“ Sie deutet auf ein Eckregal, in der eine stolze Sammlung an Miniaturfeen wohnt, fein säuberlich aufgestellt. Keine Preise, Theaterzettel oder Filmplakate sind an den Wänden zu finden, dafür lustige Comics, Grafiken und Wichteltüren, von denen es gleich zwei im alten Försterhaus gibt. Wichteltüren, erklärt die Schauspielerin, das sind kleine an die Wand aufgeklebte Türen, aus denen jederzeit ein Zauberwesen hervorkommen könnte. „Diese winzigen Portale sind mein absoluter Spleen.“

Lichtdurchflutete Räume und getrennte Bäder

Auch im Obergeschoß locken Eyecatcher: Fotos und Illustrationen schmücken die oberen Schlaf- und Wohnräume und Zartls Lieblingsraum, Lucas Kinderzimmer. Verwinkelt und mit Dachschrägen befindet es sich im hintersten Eck des Stockwerks. Alte, weiß gestrichene Holzbalken zeugen von der Geschichte des Hauses, aus großen Dachfenstern flutet Licht herein. „Man hat hier überall Lichteinfall, das ist mir unglaublich wichtig.“

Das Badezimmer ist ein besonderer Blickfang. Dunkle Fliesen verströmen zeitlose Eleganz, eine Badewanne steht mitten im Raum. „Das ist mein Wellnessbereich. In der Früh geht zuerst der Hund baden, dann darf ich duschen.“ Die Männer, erzählt sie, teilen sich das „Männerbad“ im unteren Geschoß.

Am Ende des Rundgangs führt die Schauspielerin auf die Terrasse, Ort geselliger Runden. „Hier haben wir immer wieder nette Freunde zu Besuch. Vor allem im Sommer ist es herrlich, hier zu grillen“, erzählt Zartl und blickt auf die alten Obstbäume. „Ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Obst“, sagt sie schmunzelnd und hält inne. „Ich bin zwar ein Stadtkind, aber hier bin ich geerdet. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Vielleicht“, sagt sie lächelnd, „weil ich älter geworden bin.“

Zum Ort, zur Person

Gaaden ist eine Gemeinde im niederösterreichischen Bezirk Mödling mit 1653 Einwohnern und war 1938 bis 1954 Teil des damaligen 24. Bezirks (Mödling) von Groß-Wien. Der Preis für Einfamilienhäuser beträgt heute zwischen 1172,6 bis 4333,8 Euro/m², Mietwohnungen kosten zwischen 7,5 bis 11,6 Euro/m².
Adriana Zartl ist Moderatorin und Schauspielerin. Im Theater Akzent spielt sie noch bis 6. Dezember in „Frühere Verhältnisse“.

 

Ein Blick in das Wohnzimmer der Raum-Architektin.
Wohngeschichte

Wiener Schafberg: Feng-Shui in der Stadtrandoase

Raum-Architektin Aliana Schafferer lebt mit Mann, Tochter, Kater und einigen Buddhas am Fuß des Wiener Schafbergs – in einer leicht fernöstlichen Währinger Vorstadtvilla.

Vor sieben Jahren zog Aliana Schafferer mit ihrer Familie von Tirol nach Wien, in eine typische Jahrhundertwende-Vorstadtvilla im 18. Bezirk. „Wir wollten einen Bezug zur Natur haben, Geborgenheit durch Berg und Wald in der Stadtrandoase“, erzählt die Architektin, die sich als Raumgestalterin selbstständig gemacht hat. Umgezogen ist sie schon an die 20 Mal und schreckt auch nicht davor zurück, irgendwann ihre Zelte wieder abzubrechen. „Wohlfühlplätze kann man überall wieder finden“, ist ihre Devise. „Jeder Ort war etwas Besonderes, hat mich wachsen lassen. Jeder Wohnungswechsel ist auch ein Lehrmeister für meinen Job.“ Raumgestaltung ist ihre Leidenschaft. „Ich liebe es, immer wieder aufs Neue Orte zu finden und Plätze zu schaffen, wo man sich zurückziehen und seine Batterien neu aufladen kann.“

Platz für die Hochzeitstruhe

Die dreiköpfige Familie wohnt im ersten Stock der Villa. Sperrige Wände sind kaum vorhanden, der Blick darf schweifen. Ein kleiner, aber oft benutzter Balkon fungiert als kleine Oase in der Großstadt. Das heimatliche Tirol wird auf diese Art und Weise in die Stadt hereingeholt.

Ein zentraler Punkt ist die klare und gut organisierte Küche. „Ich koche und bewirte gern, darum der große Esstisch, an dem jeder gern seinen Platz findet.“ Auch die pakistanische Hochzeitstruhe, die sie gemeinsam mit ihrem Mann zur Hochzeit erworben hat, begleitet sie seit fast 20 Jahren. „In jeder Wohnung finde ich immer zuerst einen Platz für die Truhe. Sie ist somit ein bisschen ein Wegweiser, ob der Platz auch der richtige ist. Die anderen Möbel finden dann rundherum ihr Plätzchen.“ Wichtig ist für die Architektin ebenso der balinesische Buddha, ein stiller Begleiter, Geschenk einer lieben Kundin, deren Laden für Tees und Herzensdinge sie eingerichtet hat. „Der Buddha bringt immer Ruhe und Ausgleich in unsere vier Wände.“

Herzstück: Die Büro-Veranda

Das Herzstück der Wohnung ist das Home Office der Raumplanerin – mit Rundumblick in den Garten liegt es so gut wie mitten in der Natur. „Ich habe mir immer eine weiße Veranda gewünscht. Und jetzt ist sie auch noch mein kreativer Schaffensraum“, freut sich Schafferer. Dass die Wohnung auch sonst hell und lichtdurchflutet, in sehr ruhiger Lage und trotzdem zentral gelegen ist, bringt ihr weitere Sympathiepunkte. „Mit der Straßenbahn bin ich in 20 Minuten in der Innenstadt.“

Kleiner Balkon mit Statue.
Kleiner Balkon mit Statue.Barbier

Im kreativen Office entstehen auch die Ideen für ihre Kunden. „Ich liebe es, Räume für ein ganzheitliches Wohlgefühl zu erschaffen. Ein Raum ist für mich wie eine zweite Haut.“ Es bedürfe einiges an Pflege, um dieses Raumgefühl in Harmonie zu erhalten. Besonders wichtig ist ihr deshalb – sowohl fürs eigene Heim als auch für andere Menschen –, Orte mit spezieller Atmosphäre zu gestalten. „Ich nehme Räume nicht nur aus Sicht der Architektin wahr, sondern führe Menschen, die sich in einem Veränderungsprozess, einem Umzug befinden, zu ihrem individuellen Raumgefühl“, erklärt Schafferer. „Energetisches Feng-Shui kann man sich wie Akkupunktur im Raum vorstellen, das Blockaden löst und den natürlichen Energiefluss aktiviert.“ Konkret arbeitet sie gern mit Farben, die erdig, ruhig und ausgewogen sind, sowie mit natürlichen Materialien. Die Devise lautet: Klare Einfachheit trifft auf verspielte, aber immer diskrete Deko-Akzente.

Ihr persönliches Harmoniebedürfnis stillt sie mit einem Mix aus einfachen Alltagsmöbeln und alten oder besonderen Stücken aus dem Familienfundus. Dabei bleibt sie stets flexibel, quasi im Fluss: „Man überlegt es sich bei 20 Mal umziehen wirklich, ob man sich vom Tischler alles einbauen lässt oder lieber nicht.“  

Zum Ort, Zur Person

Die 137 m2 große Wohnung in Währing befindet sich in einer um 1900 erbauten Villa im ersten Stock. Die hohen Räume der Mietwohnung wurden – durch häufige Umzüge bedingt – relativ flexibel eingerichtet: Mit ruhigen, erdigen Tönen, ausgewählter Deko und viel Lichteinfall statt fixer Einbaumöbel. Mietwohnungen kosten im beliebten 18. Bezirk zwischen 8,6 und 12,4 Euro/m2.
Architektin Aliana Schafferer ist als Raumgestalterin und Wohnberaterin tätig: www.raum-gefühl.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2019)

In der Wohnung der Designerin Sarah Wirths mischen sich alte Elemente mit modernen Stücken.
Wohngeschichte

Wien Alsergrund: Barock trifft Moderne

Designerin Sarah Wirths verliebte sich vor einem Jahr in eine Wohnung in der Wiener Porzellangasse. Nun mischen sich hier Jagdelemente mit Landhausstil und Safarikultur und alte Klassiker mit modernen Stücken.

Eigentlich wollte sie gar nicht umziehen. „Ich hatte gerade meinen Laden eröffnet und ganz andere Dinge am Schirm“, erzählt Sarah Wirths, die in Nürnberg Mode & Design studiert und in Wien im ersten Bezirk ihr zweites Zuhause gefunden hat. Doch an einem verregneten Sonntag prangte bei der Routinesuche quer durch die Immo-Portale nach tollen Wohnungen im 1. und 9. Bezirk – „Immobilien interessieren mich, und es braucht ja oft sehr lang, bis man etwas Passendes findet“ – plötzlich die Wohnung auf dem Bildschirm. „Ich wusste, dass sie nicht lang im Angebot bleiben würde. Und mit einem unverbindlichen Besichtigungstermin wäre ja nichts verloren.“ Eine halbe Stunde später stand sie in der Wohnung, drei Wochen darauf wurde gesiedelt: „Wenn man weiß, es ist die eine, darf man nicht lang überlegen.“ Dazu kommt, dass ihre Boutique „Traditionen by J&S“, die sie mit Julia Stallinger führt, gleich um die Ecke liegt.

Klassisch, aber cool

Die 84 m2 große Wohnung mit Schlafzimmer und Ankleideraum, Wohn- und Esszimmer, Vorraum, Küche und Bad liegt im vierten Stock. „Durch die großen Altbaufenster wandert der Ausblick ins Grüne und auf den Kahlenberg.“ Die Wohnung wurde generalsaniert, das alte Fischgrätparkett blieb erhalten. Die hohen Decken und tiefen Fenster sorgen für das unverwechselbare Flair des Wiener Altbaus, Badezimmer und Küche präsentieren sich zeitlos-schick. Der einzige Nachteil der Wohnung? Dass sie keinen Balkon besitzt. „Ansonsten liebe ich sie mit all ihren Ecken und Kanten.“ 

Klassiche Flügeltüren und Fischgrätparkett treffen auf moderne Stücke und Safaristil.
Klassiche Flügeltüren und Fischgrätparkett treffen auf moderne Stücke und Safaristil.Doris Barbier

Bei der Inneneinrichtung wurde Modernes mit traditionellen Elementen kombiniert. Der alte Esstisch ist ein Geschenk der Eltern. „Er erzählt Geschichten: Die Glasabdrücke etwa sind das Ergebnis einer geselligen Vergangenheit und der einen oder anderen Flasche Wein.“ Die Stühle dazu sind von Ikea. „Ich finde es wichtig, Günstiges mit Hochwertigem zu kombinieren. Solang die Harmonie stimmt.“ Klassisch, aber cool – dieses Konzept zieht sich durch die ganze Wohnung, inklusive der Kunstobjekte: Barock anmutende Porträts mit dicken Farbklecksen sind durchaus erwünscht.

Einflüsse aus Namibia

Besonders wichtig sind ihr Couch und Bett: „Ich darf mich stolze Besitzerin eines Boxspringbetts und zweier Sofas aus Samt nennen.“ Samt, das ist ihr Lieblingsmaterial: „Ich liebe die Haptik. Es ist total gemütlich und sieht dennoch immer hochwertig aus.“ Die beiden Ohrensessel und die Chaiselongue, alte Möbelstücke der Urgroßeltern, wurden neu bezogen und gepolstert. „Die Farben habe ich so gewählt, dass sie in jedem Schloss, aber auch in einem modernen Appartement wirken. Man weiß ja nie, wo es einen hinführt.“ Im Moment stehen sie alle in getrennten Räumen, aber auch das kann sich ändern. Wirths stellt gern einmal um – auch beruflich per Home Staging. „Ich liebe es, Räume so zu gestalten, dass man sie am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte.“ Wichtig sei, jemandem nicht einen Stil oder eine Lebensweise aufzudrücken, sondern für die Person und den Raum das Beste herauszuholen.

Individualität wird in den eigenen vier Wänden großgeschrieben. Eine in den 1960ern vom Großvater geschossene Originalfotografie ihres Lieblingsorts Hinterthal hängt, in mattgoldenem Rahmen, im Schlafzimmer. „Ich habe versucht, viel Charakter und persönliche Geschichte in die Wohnung einzubringen.“ Dazu gehören auch Animal Prints und geprägtes Leder. „Das hängt vielleicht damit zusammen, dass meine Familie in Namibia wohnt und ich schon in frühen Jahren damit in Verbindung gekommen bin.“

Sarah Wirths mit Hund Ferdinand auf ledernem Hocker.
Sarah Wirths mit Hund Ferdinand auf ledernem Hocker.Doris Barbier

Diese Vorliebe fürs Safariambiente konnte sie mit einem grauen Couchtisch aus geprägtem Krokodilleder und Krokoleder-Lampen in Grün so richtig ausleben. Schwere Samtvorhänge, Zierkissen in Geparden-Muster, Kuhfell und ein bunter, handgeknüpfter Teppich aus Peru runden das Bild ab. Kerzenständer aus Silber, altes Porzellan sowie Jagdtrophäen machen die Wohnung gemütlich, zum Entspannen geht es auf die Chaiselongue im kleinen Erker. „Dann werden alle Fenster geöffnet und ich mache es mir mit einem Gläschen Wein und meinem Hund Ferdinand bei lauter Musik gemütlich. Vor allem bei schlechtem Wetter.“ Die Nachbarn haben sich noch nicht beschwert.

Zum Ort, zur Person

Die Porzellangasse entstand wie die Liechtensteinstraße und Pramergasse um 1700 anstelle ehemaliger Donauarme, die verlandet waren. Der Bezirk Alsergrund wurde 1850 aus sieben Vorstädten gebildet und eingemeindet. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten heute im 9. Bezirk zwischen 2068 und 4870 Euro/m2, Mietwohnungen zwischen 8,1 und 12,6 Euro/m2.
Sarah Wirths ist als Designerin mit eigener Boutique und Home-Stagerin tätig.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2019)

Wohnzimmer mit Sofa und Hase von Manfred Veigl.
Wohngeschichte

Wien Alsergrund: Das ausgefallene Zuhause einer Glücksexpertin

Wie richtet sich eine Glücksexpertin ein? Mit Hasen und viel Grün: Ein Blick in die Servitengasse in Wien Alsergrund, ins „Flying Office“ der Psychologin Heide-Maria Smolka.

Dass Heide-Maria Smolka im Herzen des neunten Bezirks gelandet ist, ist reiner Zufall – das zum Wohnen begehrte Servitenviertel kannte sie nur vom Hörensagen. „Ich habe zuvor in Klosterneuburg gewohnt, in einem wunderschönen alten Haus mit großem Garten. Als wir dort ausziehen mussten, wäre ich lieber am Stadtrand bei Wald und Weingärten geblieben.“ Doch im Zuge der Suche wurde der Radius immer größer – bis sie irgendwann mitten in Wien gelandet ist. Per Zeitungsinserat. „Ich war schon etwas verzweifelt, weil ich eine Wohnung wollte, die mir wirklich gefällt. Wohnen hat einen ganz hohen Stellenwert für mich, und da ich sehr viel zu Hause bin, muss sie meinen ästhetischen Ansprüchen genügen.“ Anfangs war es quasi ein Experiment, ob sich die Gärtnerstochter mitten in der Stadt überhaupt wohlfühlen könnte. „Dank der großen Terrasse ist das In-der-Erde-Wühlen kein Problem, mein grüner Daumen ist zufrieden.“

Ein Esstisch mit Geschichte

Die Terrasse bietet 36 m2, die Wohnung 90 m2 Platz zum Wohlfühlen. Im großen, hohen Wohnraum befindet sich auch die – nachträglich eingebaute – Küche, das Schlafzimmer wird im Winter zusätzlich zum Arbeiten genutzt. Zum Beispiel an Vorträgen und Seminaren zum Thema Glücksforschung und -training. „Ich arbeite sehr viel zu Hause. Ich nenne das mein Flying Office, weil das je nach Bedarf neben dem Ofen, mal am Esstisch oder mal auf der Terrasse stattfindet.“

Die Inneneinrichtung ist ein bunter Mix aus Altem und Modernem geworden, zu ihren Lieblingsstücken gehört der große, antike Esstisch: „Da würde es mich wirklich interessieren, wie viele Tonnen Spaghetti hier schon verzehrt wurden, wie viele Geburtstagstorten hier schon standen oder Blumensträuße.“ Einer steht immer auf dem Tisch, er gehört für Smolka dazu zum Wohnen. Zwei Bildchen, die sie von ihrer Großmutter bekommen hat, sind Zutaten für Geborgenheit. Im Wohnzimmer hat sie sich über dem Sofa ein Bild direkt an die Wand malen lassen: „Mein Hase ist nicht von Dürer, sondern von Manfred Veigl. Er ist frech und etwas aufmüpfig und vor allem einzigartig.“

Die Farben sind gedeckt – ein lilafarbenes Sofa, die Küche in Sandfarbe und Weiß mit viel Holz, Parkettboden. Die alten Türen verleihen dem Raum Altbauflair. „Das Atelierfenster mit Blick auf die Kirche und vor allem sehr viel Himmel gibt mir das Gefühl von Geborgenheit und Freiheit zugleich. Ich mag auch den Blick auf den Kahlenberg, diese Weite tut mir gut, das spüre ich.“

Vielfältig und bunt - wie das Leben

So gibt es nicht nur einen, sondern einige beste Plätze. Im Winter neben dem Ofen oder auf dem Sofa, im Sommer auf der Terrasse, „da hab ich auch mein Büro unterm Sonnenschirm“. Die Bepflanzung ist ein bunter Mix aus Sträuchern und Blumen, teilweise mehrjährig. Rosen, Rosmarin, eine Akelei, Lavendel. Sommerblumen dazwischen, um dauerhafte Farbtupfer zu haben, Pelargonien, Sundaville oder ein Zitronenbäumchen finden hier ebenfalls Platz. „Diese wandern dann zum Überwintern hinüber ins Stiegenhaus.“

Terrasse mit Aussicht
Terrasse mit AussichtBarbier

Es sprießen auch Wildblumen und Kräuter, wie Blutweiderich oder Wiesensalbei, sogar die Brennnessel darf bleiben. Es ist eine gezähmte Wildnis. „Ich mag diese Vielfalt und Buntheit – so ist das Leben.“ Dass die Psychologin viel Zeit und Energie in ihre Pflanzen investiert, versteht sich fast von selbst. Drinnen sind nur ein großer Stock und der Blumenstrauß auf dem Tisch zu servicieren. Draußen dafür der große Rest. „Jeden Tag werden sie gegossen – manche heiklen Pflanzen bei großer Hitze sogar zweimal täglich.“ Bewässerungsanlage mag sie sich keine anschaffen. „Ich gieße ganz gern, es hat etwas Meditatives. Außerdem sehe ich dabei immer, was es aktuell zu tun gibt: umtopfen, abschneiden, aufbinden; das macht mich glücklich.“

Was aus ihrer Sicht generell zum glücklich Wohnen beiträgt? „Das Umfeld und der Wohnort müssen der Person entsprechen: Größe, Farben, Stil, Umgebung.“ Ob minimalistisch oder barock, ob lieblich oder straight, ob alt oder modern, ob Stadt oder Land, ob Haus oder Wohnung, das hänge natürlich von den aktuellen Wünschen und Bedürfnissen ab. Wohnen verändert sich zudem mitunter mit den Lebensphasen – „was natürlich nicht heißt, dass man jedes Mal umziehen muss“.

Zum Ort, Zur Person

1905 vom Architekten Julius Goldschläger geplant, entspricht das Haus mit schmucker Balkonfassade dem prächtigen Gründerzeitstil des Servitenviertels. Innen zeigt sich der gemütlich designte Gegensatz mit einzelnen Akzenten als Hingucker. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten im 9. Bezirk zwischen 2068 und 4870,3 Euro/m2. Heide-Marie Smolka ist Psychologin mit Spezialisierung auf Positive Psychologie.

Rainer Doppler bei der Gartenarbeit.

Wohngeschichte: Haus mit Garten in Tulbing

Warum Schauspieler und Hobbygärtner Rainer Doppler so gern in Tulbing ist? Das Haus mit Garten und Vergangenheit ist ein Kommunikationsschnittpunkt der Generationen.

Wenn er nicht gerade dreht oder auf der Bühne steht, zieht sich der Wiener Schauspieler Rainer Doppler gerne an den Tulbinger Kogel zurück – in Haus und Garten voller alter Bäume, Andenken und Erinnerungen. „Oft sitzen wir – ich, meine Frau und meine Tochter – am Abend zusammen und lauschen den Anekdoten, die mein fast 92-jähriger Vater zum Besten gibt“, erzählt Doppler. „Meine Eltern haben 1966 in Tulbing einen Grund vom Bauern Schultheiss gekauft. Und bis 1967 ein Haus mit 120 m2 Wohnfläche auf zwei Etagen gebaut.“ Ein Teil der unteren Etage ist in das abfallende Grundstück gegraben und bildet den Keller mit Heiz- und Lagerräumen. Eine offene Stiege führt ins Obergeschoß. „Als kurz vor Fertigstellung das Grundgerüst – ohne Trittstufen – vorhanden war, war es mir vierjährigem Knirps vorbehalten, einen eleganten Salto ins Untergeschoß zu vollführen, dessen Folgen mit dem sprichwörtlichen blauen Auge recht glimpflich waren“, erzählt Doppler.

Designlinie: Familienfundus


Die Familie versammelt sich meist im großzügigen Esswohnraum im ersten Stock, an den sich insgesamt fünf Schlafzimmer anschließen. „Grundsätzlich befindet sich das Haus fast im Zustand der Erstausstattung.“ 2008 wurde es thermisch isoliert, die Ölheizung auf Pelletsanlage umgestellt. Die Waschbetonterrasse wurde abgetragen, etwas vergrößert und mit Granitplatten verlegt. 2015 wurde im ersten Stock ein Eichenholzboden verlegt.
200 Meter oberhalb des Hauses, unmittelbar hinter den Weingärten, beginnt der Wiener Wald: Anlass für ausgiebige Spaziergänge, bei denen eifrig Bärlauch, Brombeeren oder Steinpilze gesammelt – und in der Küche eingekocht, getrocknet, püriert, eingemacht werden. „Und spätestens zu Weihnachten vertilgt oder verschenkt.“ Auch der Garten mit Feuerstelle, Walnussbaum und Blutbuche, in denen Generationen von Kindern geklettert sind, befindet sich teilweise noch im 1967 angelegten Zustand. Zudem gedeihen auf 150 m2 40 Paradeiserstauden unterschiedlichster Sorten und zahlreiches Gemüse wie Fisolen, Kartoffeln und Pastinaken, sogar Malabarspinat und Kardonen. „Eine Verwandte der Artischocke“, erklärt der Hobbygärtner. „Gedüngt wird mit selbst angesetzter Brennessel- und Beinwelljauche, die nur ausgebracht werden darf, wenn meine Frau bereits gegessen hat.“
Der Hauptwohnraum wird durch einen großen Raumteiler in zwei Bereiche gegliedert: Die dänische Essecke mit einer fixen Sitzbank, Tisch, Sessel und einer großen Anrichte, und ein Bücherregal, das Lesestoff für lange Sommerabende liefert. Vieles sind Relikte aus dem Familienfundus, die heute zum Haus gehören wie der Ziegelbau, die Kellerwände aus Betonschalsteinen und das relativ flache Satteldach. „Die Suppenschüssel sowie Teile weiteren Geschirrs stammen von meiner Urgroßtante Franziska Bergmann, die in Berlin als Gattin eines gutsituierten Cafetiers ein vergnügliches Gesellschaftsleben geführt hat, jedoch nach dessen jähem Ableben bestohlen und verarmt mit zwei Koffern Restutensilien nach Wien zurückkehrte“ erzählt der Schauspieler. „Und der ¾ Liter Krug von der Firma Ostmark-Keramik stammt noch aus den Kriegsjahren. Er dient bei uns einzig und allein als Maß für die Holler- und Himbeersirupproduktion.“
Die große Vase war ein Kauf seiner Mutter, die sich augenblicklich in sie verliebt hatte. Sie gehörte somit zu den ersten Dingen, die im Haus Einzug hielten. „Die Benutzung ist allerdings nur im Trockenbetrieb möglich, da sie seit jeher leckt“, erklärt der Hausherr.
Der Marmorcouchtisch aus Stahlrohr aus den frühen 1970-Jahren ist allerdings ein Duplikat: „Da meine Mutter seinerzeit den Lieferanten besorgt fragte, ob die knapp bemessene Aufhängung die Marmorplatte auch wirklich halten könne und er im tiefsten Brustton der Überzeugung meinte, man könne darauf tanzen, habe ich ihn noch am selben Abend – meine Eltern waren ausgegangen, um auf den neuen Tisch anzustoßen – prompt beim Wort genommen. Mit dem Resultat, dass der Tisch bei immer wilder werdender Tanzausführung schlussendlich doch nachgegeben hat und ich mitsamt der Platte durch den Rahmen und die Platte in ihre Bestandteile zerfiel.“

Zum Ort, zur Person

Tulbing ist seit 1996 eine Marktgemeinde im Bezirk Tulln/NÖ - und wurde bereits 1109 als „Tulpingun“ erwähnt. Bekannt ist die 1967 von Clemens Holzmeister erbaute Aussichtswarte am Tulbinger Kogel. Häuser kosten im Bezirk Tulln zwischen 964 und 2821,7 Euro/m2 , Baugrundstücke zwischen 54,5 und 401,9 Euro/m2.
Rainer Doppler ist als Schauspieler unter anderem am Landestheater NÖ, dem Theater der Jugend sowie als Sprecher und Sprechtechniktrainer tätig.

Wohngeschichte

Von der Traktorgarage zum Adlerhorst

Wie sich Marketingexpertin Petra Kammerer in Ohlsdorf einen Wohntraum erfüllte – in der ehemaligen Mähdrescher- und Traktorgarage ihrer Großeltern.

Das heutige Zweifamilienhaus nahm seinen Anfang als Garage – im Erdgeschoß standen Lkw, Traktoren und Mähdrescher von Petra Kammerers Großvater, einem Fuhrunternehmer und Bauer. Oben lagen ein simpler Getreidespeicher und eine kleine Dienstwohnung für den Lkw-Fahrer. „Ohne meinen handwerklich extrem geschickten Vater wäre es immer noch eine Garage“, sagt Kammerer. In den 70er-Jahren wurde die kleine Wohnung zum „Ausgedinge“ der Großeltern, als die Eltern in Pension gingen, bauten sie das Erdgeschoß zum Alterssitz um.

Ausblick
Barbier

Loftartiger Landsitz

Die Marketingexpertin lebte schon 30 Jahre in Wien, als die Großeltern verstarben und Kammerers Vater anbot, auch ihr eine Wohnung auszubauen. Sie sagte zu: „Für mich war es wichtig, später barrierefrei leben zu können, die Wohnung aber heute schon als Ergänzung zum Stadtleben genießen zu können.“ Mit Blick auf Garten und Felder, den Traunstein und das Höllengebirge. Zusätzlicher Pluspunkt: Zahlreiche Verwandte wohnen in der Nähe. „Wir sind ein richtiger Clan“, meint Kammerer, „der wieder wächst.“ Denn auch die beiden Schwestern sind nach vielen Jahren im Ausland wieder ins Salzkammergut gezogen.
Der ehemalige Garagentrakt ist heute ein zweistöckiges Anwesen mit 180 m2 Wohnfläche und 50 m2 Terrassen pro Ebene. Von der alten Substanz stehen nur noch die Außenmauern: Wände wurden entfernt und Stahlträger eingezogen, um einen offenen Loft-Charakter zu ermöglichen, Fensterflächen vergrößert, das Dach erneuert und Terrassen eingezogen. Der neue Grundriss wurde von Architekt Georg Scheicher aus Adnet geplant. „Er hatte auch die Idee mit dem großen Fenster zum Garten hin, das den Hauptwohnbereich zu dem macht, was er heute für mich ist: mein Adlerhorst“, erzählt Kammerer. „Die Wohnung ist so geplant, dass ich auf großer oder kleinerer Fläche leben kann – man kann einen Trakt stilllegen und als eigene Wohnung untervermieten.“

Wohnzimmerdetail
WohnzimmerdetailDoris Barbier


Dachstuhl angehoben

Die größte Anstrengung bestand darin, den Dachstuhl zu heben, um auf eine für heutige Zeiten angenehme Raumhöhe zu kommen. „Mein Vater, der Held, hat dies im Alleingang bewerkstelligt – er und mehrere Wagenheber und Eisensteher. Oft sind die schwierigsten Dinge einfach zu lösen, aber leicht sind sie dennoch nicht. “
Die Inneneinrichtung präsentiert sich simpel, schnörkel- und zeitlos. „An weiß lasierten Eichendielen wird man sich auch in 100 Jahren nicht sattsehen können“, ist Kammerer überzeugt. Die Türen sind raumhoch und geradlinig, weiß lasiert, mit verdeckten Scharnieren. Nichts, was das Auge stören könnte, die grauen Holzfenster harmonieren farblich mit der Küche. Außen wurden die Fenster mit Alu verblendet: „Ich muss also nie mehr ein Fenster streichen.“ Die Badezimmerböden wurden mit großen Marmorfliesen ausgestattet. Sisalböden, die für heimelige Wärme sorgen, findet man in den Schlafzimmern. Wand, Boden, Decke geben sich nordisch kühl – Farbe und Leben kommen durch Kunst an den Wänden sowie Kissen und Stoffe ins Spiel. „Je nach Saison sieht es bei mir immer wieder anders aus.“ Im Winter ist der Platz vor dem Kamin Kammerers Lieblingsort: „Dort kann man in den weißen Leinenfauteuils sitzen und seinen Gedanken beim Anblick des Feuers freien Lauf lassen.“ Der Kraftplatz der Wohnung ist der nach außen vorgesetzte riesige Fensterplatz zum Garten hin. „Egal wer zu Besuch kommt – alle wollen im Fenster sitzen oder liegen.“ Zukunftspläne gibt es trotz Perfektion und Idyll auch schon: Der Dachboden ist noch nicht ausgebaut, böte aber den allerschönsten Blick auf den Traunstein. „Wer weiß, was uns in Zukunft noch so einfällt.“

Petra Kammerer ist als Marketing-Spezialistin in Wien und im Salzkammergut tätig.
Petra Kammerer ist als Marketing-Spezialistin in Wien und im Salzkammergut tätig.(c) Privat

Zum Ort, Zur Person

Das Haus in Ohlsdorf im Traunviertel wurde mehrmals umgebaut, zuletzt der Dachstuhl angehoben und entkernt. Es bietet Platz für zwei großzügige, zum Teil unterteilbare Wohnungen. Einfamilienhäuser im Bezirk Gmunden kosten zwischen 638 und 2747 Euro/m2, Reihenhäuser zwischen 1096,3 und 2443,4 Euro/m2.

 

Jim Libby an seinem Lieblingsplatz: dem Sofa.
Wohngeschichte

Das Zentrum der Welt in Rudolfsheim-Fünfhaus

Gekommen wegen Liebe, geblieben wegen der Stadt: Wie richtet sich ein US-Schauspieler in Wien 15 ein? Jim Libby setzt auf Sofa, Dachterrasse und „Wiener Salon“.

Die Liebe geht, das Schnitzel bleibt“, erzählt Jim Libby mit einem Lachen. Seit 1997 lebt der in Maine geborene Amerikaner in Wien. Er ist Schauspieler, hat zwei Theater-Companies mitbegründet, unter anderem die English Lovers, die es seit dieser Zeit gibt – und deren Besetzung seit damals fast unverändert ist. „Wir kommen aus vielen verschiedenen Ländern und fast von allen Kontinenten: USA, Kanada, Südafrika, Australien, England, Irland und Österreich.“


Minimalistisch und elegant


Wien betrachtet er als seinen Lebensmittelpunkt und sich selbst als Teil der österreichischen Theaterlandschaft: „Dieser Ort ist immer eine Schnittstelle gewesen und bis heute geblieben. Es ist eine wunderbare und lebenswerte Stadt“, meint der Vielgereiste, der einen Gutteil des Jahres in Europa unterwegs ist. „Aber ich liebe mein Sofa und freue mich immer schon wahnsinnig auf zu Hause.“ Dieses Zuhause ist seit einem Jahr in der Turnergasse im 15. Bezirk. In den Jahren zuvor hat er die Wohnlandschaft Wiens sehr gut kennengelernt. „Ich habe schon im 1., 4., 3. 6. und zuletzt 18 Jahre im 7. Bezirk gelebt“, erzählt er. Und er findet es sehr spannend, ein neues Grätzl zu entdecken. „Es gibt hier sehr viel interessante Architektur – und eine neue Umgebung ist auch immer inspirierend.“


Gut ein halbes Jahr war er auf der Suche nach einem neuen Domizil. „Die wichtigste Vorgabe war ein Außenbereich, ein Balkon oder eine Terrasse.“ Und schlussendlich ist er fündig geworden. Nunmehr lebt er in einer hellen, 100 Quadratmeter großen Wohnung, dessen Zentrum ein luftiges Wohnzimmer darstellt – mit einer großen Couch. „Das ist für mich der wahre Mittelpunkt der Wohnung, denn auf Sofas spielt sich fast das ganze Leben ab.“ Daher habe er sich als junger Mann von seinem ersten Geld zuerst ein Sofa gekauft.

Die Terrasse auf dem Dach.
Die Terrasse auf dem Dach.(c) DIMO DIMOV


Rundherum gruppieren sich die Küche – ohne Tür direkt begehbar vom Wohnzimmer aus –, ein Schlafzimmer, die üblichen Sanitärräume und ein Gästezimmer. „Mir hat ganz besonders die Balance zwischen innen und außen, das Minimalistische und Elegante gefallen“, erzählt Libby.


Denn der wahre Mittelpunkt der Wohnung in der warmen Jahreszeit ist natürlich draußen, auf dem Dach: Eine rund 50 Quadratmeter große Terrasse mit Blick auf Wien. „Im Sommer leben wir fast nur auf der Terrasse, wenn es heiß ist, schlafen wir auch dort“, erzählt Libby von sommerlichen Leben mit Freundin Anne, ebenfalls Schauspielerin und Regisseurin. Und natürlich darf auch hier ein Sofa nicht fehlen.
Für Jim Libby ganz wichtig ist, dass sich auch seine Freunde in der Wohnung wohlfühlen und gern kommen. „Oft übernachten Freunde bei uns, die etwa für ein Event in Wien engagiert sind und lieber bei uns als in einem Hotel nächtigen. Die Wohnung ist groß genug und wir haben ja auch ein Gästezimmer.“

Blick in die Küche.
Blick in die Küche.(c) DIMO DIMOV


Daher wird auch die Dachterrasse zwischendurch zur Partylocation, es finden sogar Konzerte von Freunden dort statt. „Wir hatten schon fünfzig Leute hier. Rund alle drei Wochen, wenn wir in Wien sind, veranstalten wir irgendein Fest. Viele unserer Freunde vergleichen das oft mit den berühmten Wiener Salons der Jahrhundertwende“, ist Jim Libby stolz auf die Möglichkeiten der Wohnung.
Selbst ist er diesen Sommer auch viel unterwegs, etwa beim „Würzburger Hafensommer“, einem Musikevent, bei dem er eine Liveradiosendung vor rund 1500 Leuten moderiert. Und nach Litschau zum Festival „Hin & weg“. Hier diskutiert er unter anderem mit Kurt Schwertsik über das Thema „Augenblick“ und präsentiert als Abschlussvorstellung des Festivals einen Impro-Abend mit den English Lovers.

Zum Ort, zur Person

Der 15. Wiener Bezirk – Rudolfsheim-Fünfhaus – gilt in vielen Bereichen als noch relativ wenig gentrifiziert und ist daher eine beliebte Wohngegend bei Kulturschaffenden, Familien und Studenten. Zur Miete zahlt man zwischen 8,2 und 9,4 Euro/m2, neue Eigentumswohnungen kosten zwischen 2395 und 4190,2 Euro/m2, gebrauchte zwischen 1562 und 2786,2 Euro/m2.
Jimmy Libb ist derzeit beim Theaterfestival Hin & Weg in Litschau (NÖ) zu sehen: www.hinundweg.jetzt

Der Wintergarten: Schnittstelle zwischen Atelier und Wohnraum _ und Lieblingsplatz der Hausherrin.
Wohngeschichte

Vulkanland: Zu Besuch beim Künstlerpaar Rauscher

Arbeiten und Wohnen zu trennen, ist für Künstlerin Anneliese und Grafiker Albert Rauscher Prinzip. Wie sie ihr Doppelrefugium im oststeirischen Vulkanland gestalteten.

Rund 250 m2 Gesamtfläche, aufgeteilt auf einen Arbeitsbereich samt Grafikbüro und Atelier sowie einen Wohnbereich, verbunden durch einen Wintergarten – so präsentiert sich der Grundriss der Doppelresidenz von Anneliese und Albert Rauscher in Kirchberg/Raab. Drumherum ein üppig wuchernder Garten mit knorrigen Klarapfelbäumen, Holzhäuschen, Naturteich und wild wachsenden Wiesenblumen.
Die Eindeckung des Dachs erfolgte mit gebrauchten Biberschwanzziegeln, der traditionellen Deckung der Region rund um Feldbach, die Isolierung mit Lehm und anderen natürlichen Werkstoffen.

„Wir wollten vor allem mit heimischen Materialien arbeiten“, erzählt Hausherr Albert Rauscher. Anfangs wurde ausschließlich mit drei Kachelöfen geheizt, zwei wichen im Laufe der Jahre der Bequemlichkeit, sprich: einer modernen Heizung.
Mit den Bedürfnissen der Bewohner veränderte sich auch das Haus: Aus den Kinderzimmern wurden Gästezimmer, die Spieldiele wurde zum Atelier ausgebaut. Der Verbindungsteil zwischen den Häusern wurde zum Wintergarten mit großzügigem Blick auf den Garten – und ist heute der Lieblingsplatz der Hausherrin. 

Da Handwerkskunst, vor allem das Hantieren mit Holz, für die Hausherren schon immer eine große Leidenschaft war, wurde einiges selbst gemacht: Fenster, Wände und Türen änderten ihre Position. „Und ich konnte meiner künstlerischen Neigung nachgehen“, so der Grafiker. Viele Objekte und Möbelstücke haben eine sehr persönliche, mitunter skurrile Geschichte: Etwa die leicht beschädigten Jugendstilgläser, die vor 40 Jahren auf dem Gehsteig vor einem Hotel mit anderen Gegenständen zum Entrümpeln bereitstanden.

Zahlreiche Möbel, die zum Teil aus dem Familienfundus stammen, erweckte die Hausherrin zu neuem Leben: Ein Schrank wurde aus Brettern, die zuvor als Zwischenwand im Haus dienten, gefertigt. Der Luster aus einer Verlassenschaft  harrte jahrelang im Keller aus, bis er, mit zusätzlichen Kristallsteinen umgestaltet, als neuer Lichtspender glänzen konnte. Auch die Tapeten wurden von der Hausherrin selbst entworfen und gestaltet: Die Motive von der Künstlerin gezeichnet, vom Enkelkind bemalt, eingescannt, ausgedruckt und an die Wand gekleistert.

Objekte mit Geschichte


Der Schrank im Wintergarten gehörte zur Aussteuer der Großmutter und begleitet die Künstlerin seit vielen Jahren – einst im jugendlichen Überschwang weiß lackiert, nun wieder im ursprünglichen Glanz mit Kassetten und Verglasung ausgestattet. Und der Geschirrschrank in der Küche stammt aus einer Rumpelkammer, „heute fast undenkbar, da solche Möbel als Einzelstücke wertgeschätzt werden“, meint Anneliese Rauscher. Die weiße Stele, die vom Hausherren geschnitzt wurde, hält im Wintergarten Wache und erhielt vor Jahren den Kunstpreis der Neuen Galerie in Graz. Auch seine künstlerischen Objekte aus Keramik finden Platz in Haus, Hof und Garten.
Das Atelier ist geräumig genug, um den mitunter großformatigen malerischen Arbeiten der Künstlerin genug Raum zu geben. Besonders raumfüllende Projekte werden schon auch einmal im Hof umgesetzt. „Für meine letzte Ausstellung wurden 1000 weiße Entenfedern in einen Rahmen gespannt. Sie schwebten dann im Hauptschiff der Pfarrkirche“, erzählt Anneliese Rauscher.  


Duschen mit Aussicht


Das jüngste große Bauprojekt ist das neue Badezimmer, wofür die Hausherrin viel Überzeugungsarbeit leisten musste. „Im Vorfeld eines Projektes finden immer angeregte Diskussionen über Herangehensweise und Umsetzung statt“, erzählt sie. Und beide sind sich einig: „Unterm Strich bleibt immer die schmunzelnde Erkenntnis: Es ist beim Måchn so worn.“
Für das neue Bad wurde das Dach ausgeklappt und die Dachschräge entfernt. Um das alte Badezimmer so lang wie möglich benutzen zu können, wurde die alte Badewanne erst kurz vor der Fertigstellung der Installationen entfernt. Rauscher hat es genossen: „So konnte ich ohne Dach, dafür unter freiem Sternenhimmel baden.“ Heute blickt sie beim Duschen auf die am Gegenhang grasende Schafherde – eine Glasfront gibt den Blick frei. Auch sehr beschaulich.

Zum Ort, zur Person

Zahlreiche selbst gestaltete Objekte und Möbel finden sich auf den 250 m2 der Wohn- und Arbeitsräume von Anneliese und Albert Rauscher. Ihre Projekte sind von Klima, Licht und Farbpalette des steirischen Hügellands inspiriert, das sich als Vulkanland dem sanften Tourismus verschrieben hat. Einfamilienhäuser kosten im Bezirk Südoststeiermark je nach Lage zwischen 615 und 1718,7 Euro/m2.

Blick in den Wohnraum mit Essplatz und Kamin(bank) (links), Terrassenplatz im „Hofgarten“ (rechts).
Wohngeschichte

Hofhaus in Wien Landstraße: Wo Fooddesignerin Titi Laflora lebt und arbeitet

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Designer Michael Holzer, und Sohn wohnt Titi Laflora in einem adaptierten Hinterhofhaus in der Baumgasse.

"Ich liebe die offene Atmosphäre des Lofts, den großzügigen Raum, das Grün überall, obwohl wir mitten in der Stadt sind“, schwärmt die Fooddesignerin Titi Laflora von der Wohnung im klassischen Wiener Hinterhofhaus in der Baumgasse, das mit einer Fassade in Schönbrunner Gelb prunkt und mit einer bewegten Geschichte aufwarten kann: Vor langen Jahren diente es den Kutschern als Fuhrwerkerhaus, später waren hier in dieser Gegend viele Handwerksbetriebe ansässig: Im Souterrain befand sich eine Tischlerei, im Erdgeschoß des Hauses ein Malerbetrieb und im ersten Stock eine Faltbootfabrik.

 

Wohnen auf zwei Ebenen

Die gesamte Wohnfläche auf den zwei großzügig gestalteten Etagen beträgt rund 300 Quadratmeter – viel Platz für die dreiköpfige Familie. Gegenüber befindet sich noch ein 140 Quadratmeter großes Souterrain, das Laflora und ihrem Mann, dem Designer Michael Holzer, als Werkstatt dient. Der „Hofgarten“ dazwischen, der vor allem in der warmen Jahreszeit zum Einsatz kommt, wird von der Familie liebevoll begrünt. Im Erdgeschoßatelier entwickelt Laflora ihre Foodprojekte und essbaren Installationen für kleine und große Anlässe. „Themen und Inhalte jeder Veranstaltung werden konzeptionell ausgerichtet und durch spezielle Menüs, durch den Geschmack oder den Duft des Essens unterstrichen“, erklärt sie die Details ihrer Tätigkeit.

Kommt man in das geräumige Haus, so wird der Gast gleich direkt in der offenen Küche empfangen. Von hier aus fällt der Blick auf den restlichen Wohnraum, wo ein großer ovaler Tisch Platz für zwölf Personen bietet. Da wird gegessen, gefeiert, aber zwischendurch auch gearbeitet – Fooddesign wird bei den Lafloras schließlich auch im Alltag praktiziert. Die Schlafzimmer sind im hinteren und somit ruhigeren Teil der Wohnung angesiedelt. Bad, WC und ein Raum für Storage sind im vorderen Teil untergebracht.

 

Work in progress

Das altehrwürdige Haus wurde von Holzer, der hier vor mittlerweile 30 Jahren eingezogen ist, völlig umgebaut. Alle Zwischenwände wurden entfernt, der alte Eichenholzboden freigelegt und renoviert. „Aber fertig gibt's bei uns eigentlich nicht“, erzählt Laflora. Denn nach dem Motto „Veränderung ist immer gut“ passt die Familie ihre Räumlichkeiten an veränderte Bedürfnisse auch immer wieder aufs Neue an. Alles darf hier in stetiger Bewegung, im Umbruch sein. „Wir verbringen viel Zeit hier, arbeiten und leben in diesem Haus, da lebt und arbeitet es quasi mit uns mit. Und es beeinflusst und inspiriert umgekehrt natürlich auch unsere Arbeit, das schätze ich sehr.“

Die Inneneinrichtung zeigt sich dann auch sehr individuell. Nach der Devise „Nichts von der Stange“ wurden die Möbel hauptsächlich von Holzer konzipiert und (um)gebaut. Dazu kommt vieles Verschiedenes, alte Stühle, die im Laufe der Jahre auf Flohmärkten gesammelt wurden, stehen um den Tisch. Erlaubt ist, was gefällt: Lilienporzellan und Keramikschüssel, dazwischen ein paar Blumentöpfe, und teilweise findet man hier dann doch einmal das eine oder andere Element von Ikea, das irgendwann in das bunte Wohnkonzept der Familie integriert wurde. Grundsätzlich ist der Fokus auf Holz als Material gelegt, durch Farbe und Stahlelemente wurden jedoch immer wieder auch neue Akzente gesetzt.

Work in progress statt rigiden Stillebens schön und gut – manches aber wird sich sicher nicht ändern, so Laflora: „Es gibt in unserer Wohnung viele feine Plätzchen.“ Einen Ort liebt sie ganz besonders: „Den Platz am Fenster in der Küche mag ich sehr. Da sitze ich oft, trinke einen Kaffee, rauche eine Zigarette und denke nach über dies und das.“

ZUM OBJEKT, ZUR PERSON

Das ehemalige Fuhrwerkerhaus im Bezirk Landstraße bietet Wohn- und Arbeitsraum auf rund 300 m2. Neue Eigentumswohnungen kosten im dritten Bezirk zwischen 3014 und 5440 Euro/m2, gebrauchte 2100 bis 4561,6 Euro/m2. Für eine Mietwohnung zahlt man zwischen 8,1 und 11,8 Euro/m2.

Titi Laflora ist als Fooddesignerin tätig, etwa beim Kinder-Feriencamp „Yummy Crazy Funny“. Web: www.titilaflora.net.

Pâtissière Alexandra Marischka in ihrer Wohnung in Wien-Leopoldstadt.
Wohngeschichte

Zwischen Ordnung und Charme

Lebenselixier Urbanität. Vor sieben Jahren hat Pâtissière Alexandra Marischka im zweiten Wiener Bezirk ihre Zelte aufgeschlagen.

Die Wohnung ist ihre stille Oase, aber auf der Straße kann es Alexandra Marischka gar nicht urban genug sein. Da müssen um jede Uhrzeit Menschen sein, es muss Restaurants, Bars, Kinos, Theater, Galerien geben – wie in der Leopoldstadt eben. Den Donaukanal direkt vor der Haustür zu haben, sich im Gewurl anonym zu fühlen, entspannt sie nach einem harten Arbeitstag in der Backstube. „Ich kaufe mir ein Bier und setze mich ans Wasser. Die bunten Lichter, das Treiben im Hintergrund, Kopfhörer auf und mich in Gedanken verlieren, fertig.“
In ihre Wohnung hat sie sich sofort verliebt. „Ich habe sie gesehen und wusste, die ist es. Und ich habe gekämpft, um sie haben zu können.“ Kein Wunder, der Erker, die originalen geätzten Glasscheiben in den Flügeltüren, die Küche mit Tageslicht und Parkettboden sowie die eigenartige Nische im Schlafzimmer machen ihr Zuhause zu einem besonderen Refugium. „Ich mag sogar die Straßenbahn, die vorbeifährt. Und gleich ums Eck ist eine Rettungsausfahrt. Wenn man nachts die Sirenen hört, hat man fast das Gefühl, in einer Großstadt zu leben“, schmunzelt sie.


Unpersönliches aneignen


Die Küche ist für die gebürtige Wienerin gleichermaßen Ort der Entspannung und der Arbeit. „Eine Küche muss gut organisiert, funktional und auf jeden Fall aufgeräumt sein“, erklärt Marischka. „Es ist mir sehr wichtig, dass alle Dinge auch ästhetisch ansprechend sind, egal ob das jetzt Geschirr ist, ein Werkzeug oder eine Maschine. Deswegen steht da eine verchromte Kitchenaid, auch wenn die Kenwood einen hundertmal stärkeren Motor hat.“ Nach Mikrowelle, Fernseher, elektrischem Dosenöffner oder Nespressomaschine sucht man in der Küche vergebens. „Was man dringend braucht, ist ein scharfes Messer und ein guter Ofen.“ Und: „Eine Abwasch ist ein Werkzeug und muss daher leer sein.“
Der Einrichtungsstil spiegelt ihre Persönlichkeit wider: Einiges ist von Flohmärkten, Altwarentandlern und Willhaben, ein erstaunlich hoher Anteil sind Geschenke von Freunden und Familie oder einfach Dinge, die sie auf der Straße gefunden hat. Wie zum Beispiel ihr geliebter Barwagen im Wohnzimmer. „Was mir wichtig zu sein scheint, ist, mir unpersönliche, austauschbare Dinge irgendwie zu eigen zu machen. Ich kaufe etwa bei Ikea diese Küchenoberkästen, um sie als Sideboard im Vorzimmer zu verwenden. Dazu kommen eine Dose Charleston Gray und die wundervollen Origamifliesen vom Londoner Designduo Raw Edges und Mutina.“

 

Globensammlung auf dem Piano.
Globensammlung auf dem Piano.Doris Barbier

Der letzte Zuwachs ist der ausziehbare Art-déco-Esstisch. Eine Freundin ihrer Mutter hat gefragt, ob sie ihn haben wolle. Sie wollte. „Ich habe beim Wohnen ein starkes Bedürfnis nach Aufgeräumtheit und Unaufgeregtheit, wahrscheinlich deswegen, weil mein Leben abenteuerlich und streckenweise totales Chaos ist. Ich brauche das Potenzial, die theoretische Möglichkeit einer aufgeräumten Umgebung.“ Die Dinge müssen einen Platz haben, und sie dürfen nicht zu viele werden. „Ich empfinde es als sehr befriedigend zu wissen, dass in meinen Kästen und Schubladen alles ordentlich und symmetrisch ist.“ Die einzige Farbe für Bettwäsche und Handtücher: weiß. Ihr Lieblingsplatz ist der Ohrensessel im Erker. „Dort kommt am Tag das Licht von allen Seiten und ich habe freien Blick auf das Odeon.“ Die kleine Lampe im Fenster ist immer an. „Sie ist mein Leuchtturm, wenn ich nach Hause komme. Am Abend stehen da eine Kerze und ein Glas Wein.“
Auch in puncto Farben wurde nichts dem Zufall überlassen. Ihre Lieblingsfarbe Grün – „als Kind Wiesengrün, jetzt sehr dunkles Waldgrün, Olivgrün und Mintgrün mit einem Stich ins Graue“ – kommt in allen möglichen Schattierungen zum Einsatz. Ohne dass es beabsichtigt wäre, finden sich diese Farben in der Wohnung immer wieder. „Ich scheine Dinge eher aufzuheben, wenn sie grün sind“, meint sie. „Schwarz und weiß sind mir ebenso sehr lieb. Ich mag aber auch ein klares Rosa, und, bei kleinen Dingen, Rot.“ Natürlich sind gewisse Parallelen zwischen Wohnstil und ihren auch optisch ansprechenden Pâtisserien kein Zufall. „Die Wahl der Dinge, mit denen man sich umgibt, arbeitet oder auf andere Art Zeit verbringt, ist etwas sehr Intimes.“

Zum Ort, zur Person

► Die Leopoldstadt ist ein mittlerweile sehr beliebter Wohnbezirk mit kreativem Flair um den Karmelitermarkt und in Donaukanalnähe. Die Preise für Mietwohnungen liegen zwischen acht und 13 Euro/m2, gebrauchte Eigentumswohnungen kosten 1758 bis 4211,3 Euro/m2, neue 2613 bis 5327 Euro/m2.
► Alexandra Marischka führt eine Pâtisserie in der Gredlerstraße 10 und liefert an Betriebe. Zu finden ist sie auch im soeben erschienen Buch „Die Wiener Zuckerbäcker“ (Verlag Pichler).

Wohngeschichte

Wien-Leopoldstadt: Nomadensitz im Karmeliterviertel

Seit zwei Jahren lebt Designerin Alexandra Muhm im 4. Stock eines revitalisierten 1900-Altbaus in der Leopoldstadt – adaptiert aus zwei Garçonnièren.

"Wir sind wirklich ins gemachte Nest gezogen“, erzählt Alexandra Muhm, die mit ihrer 16-jährigen Tochter vor zwei Jahren vom Servitenviertel im 9. an den Karmelitermarkt in den 2. Wiener Bezirk siedelte. Die alte Wohnung war zu groß, sie wollte reduzierter und minimalistischer leben. „Ballast abzuwerfen – Mobiliar, Bücher, Kleidung reduzieren – hat etwas Befreiendes“, sagt Muhm. Die Leopoldstadt hatte sich „charmant aufgedrängt; der Grundriss war perfekt für uns.“ So zogen sie nach Monaten intensiven Ausmistens befreit in die neuen 87 m2. Nicht der erste Umzug der Designerin, die beruflich in Sachen Design, Kräutern und Körperarbeit viel unterwegs ist.

Schauraum Wohnung

Von Anfang an war die neue Wohnung Schauraum für Prototypen des Labels für Kleinmöbel, „das ich damals mit Patrick Timm gegründet habe“. Die Stimmung des Rückzugsorts: minimalistisch, vorwiegend Holzmöbel, kombiniert mit Vintageteilen in warmen Farben. An den Wänden Bilder von befreundeten Künstlerinnen. Und getrocknete Kräuter. Diese Pflanzen befinden sich – in diversen Verarbeitungsstadien – auch im Regal: Hier gibt es einen Boden voll mit Gläsern, Tinkturen, Kräuterölen und Pflanzen, die zum Trocknen aufgelegt sind.


Die Wohnung besteht aus einer offenen Küche mit Kochinsel und Zugang zum Balkon Richtung Innenhof – mit Abendsonne. Der Balkon ist mit Kräutertöpfen und Pflanzen begrünt, die Muhm von Wanderungen oder aus dem Garten ihrer Eltern im Waldviertel mitnimmt. Neben dem Balkonfenster stehen ihr Vintageschreibtisch und ein schwarzer Hansen-Bürostuhl, den ihr vor vielen Jahren ein Freund geschenkt hat. „Die Lehnen habe ich abmontiert, damit er neben dem kleinen Schreibtisch nicht so wuchtig wirkt.“ Die Leuchte ist Hamburger Hafenkränen nachempfunden und stammt aus ihrer ersten Nomad-Crew-Kollektion. „Der Schirm aus gedrehtem Porzellan macht ein schönes stimmungsvolles Licht, daher ist die Lampe auch an, wenn ich gar nicht arbeite“, erklärt sie.

Klappregal als Theke

Eine alte Doppelflügeltür verbindet die Küche mit dem Wohnraum, der straßenseitig gelegen ist. Dem Wohnzimmer vorgelagert ist ein kleiner französischer Balkon. „Von dort blicken wir auf die Leopoldstädter Dächer und Terrassen Richtung Prater.“ Neben Küche und Wohnraum gibt es noch zwei Schlafzimmer mit je zehn bis zwölf Quadratmetern und einen Raum, der als Musikzimmer oder für Gäste genutzt wird. Dort steht ein dänisches Bettsofa im Vintagestil in Rauchblau mit breiten Holzlehnen. „Und es gibt sogar noch eine Abstellkammer – sie ist wichtig für die dunkle Lagerung der Kräuter, Tees und Tinkturen.“

Die Wohnung wurde von den Eigentümern hochwertig und bis ins kleinste Detail für den Eigenbedarf adaptiert – und dann doch übergeben. „Es war alles da, was wir brauchten und uns gefiel: Einbauregale, stilvolle Retro-Lampen, die Küche mit Geräten und sogar das Kaminloch passend für unseren dänischen Einzelofen.“ Die schlichten Einbauschränke in den Schlafzimmern nahmen die reduzierten „sieben Zwetschgen“ gut auf, und „wir mussten nicht einmal Deckenlampen aufhängen, weil uns alle, die da waren, gefielen.“ Einzig eine Wand in der Küche wurde türkis gestrichen. Die unteren Klappregale der Küche wurden so montiert, „dass sie noch unten zu öffnen sind und als Tresen für den Frühstückstee taugen“. Davor stehen drei Barhocker mit dem Namen Traktorsitz.

Überschaubares Gut

Das restliche Mobiliar, das „ich Nomadin überallhin mitnehmen würde“ und das ihr Universum definiert: ein dreibeiniges Vintagenähkästchen, ein Esstischensemble mit Tisch, Bank, Hockern und fünf Zeichnungen von Timm. Weiters die 20 Jahre alte Couch aus Tricesimo samt rundem Couchtisch (ein Prototyp) und Ohrensessel, ein Textilwandbehang mit Pflanzendrucken von Marianne Reich sowie ein runder Eckschrank von ihrem Lieblingsvintagegeschäft in Köln. Dazu weitere Prototypen und Bilder. Für den Fall eines weitern Umzugs – „etwa wenn meine Tochter die Schule beendet hat, dann wäre es vielleicht Zeit für ein Haus mit Obstwiese“ – ist es jedenfalls beruhigend, dass der Lkw nicht oft fahren müsste.

Zum Ort und zur Person

Das Viertel um den Karmelitermarkt im 2. Wiener Bezirk erlebte in den vergangenen 20 Jahren einen Aufschwung: Zahlreiche Cafés, Künstler und Veranstaltungen beleben die Gegend. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten in guter/sehr guter Lage zwischen 2673,4 und 4211,3 Euro/m2, Mietwohnungen zwischen neun und 13 Euro/m2. Alexandra Muhm, früher im Marketing tätig, gründete das Label Nomad Crew, gibt Meditationskurse und berät Selbstständige.

Maria Schlögel.

Wohngeschichte: Slow Living in Wien Margareten

Maria Schlögel wohnt in einer Gründerzeitwohnung im Herzen von Margareten. Das späthistorische Haus mit idyllischen Vorgärten steht heute unter Denkmalschutz.

Beim Spaziergang durch Margareten stößt man mit ein bisschen Glück irgendwann auch auf die Zeinlhofergasse. Vogelgezwitscher, begrünte Vorgärten, kaum Autolärm dank Sackgasse: Hier hat man das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Die 120 m2 große Wohnung mit Balkon liegt in einem der elegant-stattlichen Gründerzeithäuser, die in den späten 1880er-Jahren vom Büro Fellner & Helmer erbaut wurden. Sie zeigen eine für Wien seltene, einheitliche späthistoristische Wohnstraßenkonzeption: Die Akzentuierung erfolgt auf die jeweils mittleren Fassaden jeder Straßenseite. Im Zuge der Sanierung des Hauses war es der heutigen Besitzerin möglich, ihre eigenen Wünsche in der Wohnung – gemeinsam den Architekten Ulrich Beckefeld und Caroline Reder – umzusetzen. „Die ganze Renovierung war viel Arbeit. Es hat sich angefühlt, als würde ich ein Haus bauen“, erzählt Maria Schlögel. Da das gesamte Objekt unter Denkmalschutz steht, wurde am Grundriss nicht allzu viel geändert. „Der Eingangsbereich war ein nicht enden wollender langer Gang“, so die junge Wienerin, „ohne Garderobe, Badezimmer und Abstellraum. Diese Räume wurden neu geschaffen.“

 

Der Nabel der Welt

Die vorhandenen Türen und Fenster wurden saniert und wieder eingesetzt. Vom Gang in die Küche wurde ein neuer Durchbruch geschaffen und, von den dreiflügeligen Fenstern inspiriert, eine dreiflügelige Tür geplant. Zusätzlich wurden noch ein Fenster in der Küche und im Esszimmer sowie der Balkon geschaffen, um mehr natürliches Licht zu haben. „Dass ich die Möglichkeit habe, im Frühling und Sommer draußen zu sein, finde ich absolut fantastisch. Wenn die großen Kastanienbäume in voller Blüte sind und es in der Straße so ruhig ist, hat man oft das Gefühl, ganz weit weg von der Stadt zu sein.“

Das absolute Herzstück der eleganten Altbauwohnung ist jedoch die Küche. Und die neue Bank des Vorarlberger Trios Mo-ni-ka heute der ganze Stolz der Hausherrin. Für sie ist die Küche ein zentraler Raum, in dem nicht nur gekocht wird. „Schon als Kind in meinem Elternhaus war ich hauptsächlich in der Küche. Das ist der Ort, an dem die Familie zusammenkommt und es am gemütlichsten ist, der ,Nabel der Welt‘.“

Sie hat lang mit einem kleinen Küchentisch und zwei Stühlen gelebt – „die beide die Wand angestarrt haben. Mir war deshalb klar, dass es eine andere Lösung geben muss: mit Blick in die Küche.“ Wenn es kühler wird, ist die Küche eindeutig der Ort, an dem sie sich am meisten aufhält. „Ich sitze oft stundenlang mit Freunden hier. Wir reden, trinken Wein, kochen gemeinsam.“ Auch Kochbücher werden gern, und meistens hier, gelesen. Als sie zufällig auf die Kreationen des Vorarlberger Trios Mo-ni-ka aufmerksam wurde, war es für sie bald klar: So eine Bank muss her. Die Küche war aber schon längst fertig, als die neuen Möbel kamen. So wurde gemeinsam überlegt, welche Möglichkeiten zur Verfügung standen. „Eine Bank strahlt für mich Gemütlichkeit aus. Ich wollte eigentlich eine Eckbank, aber auch Stauraum für mein Altpapier. Der Entwurf mit der Eckbank hat aber gezeigt, dass der Tisch viel kleiner gewesen wäre und es auch keine Möglichkeit gegeben hätte, das Altpapier zu verstauen.“ So wurde auf Anraten der Handwerker die Variante mit Bank, Tisch und zwei Hockern gewählt. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut hat.

 

Entwicklungsgeschichte

Je nach Jahreszeit finden die diversen Plätze der Wohnung vielseitige Anwendung. Das Badezimmer ist in den kühleren Jahreszeiten nach wie vor einer ihrer liebsten Räume. Vor allem bei der Auswahl der Fliesen wurde lang getüftelt und gegrübelt. „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue über meine Wahl.“ Sich Zeit lassen, nach und nach ein Gesamtbild entstehen lassen, das ihren Anforderungen auf Dauer entspricht, ist Schlögel ein echtes Anliegen. Gemütlich und praktisch soll es sein. „Auf keinen Fall möchte ich in Katalog-, Pinterest- oder Instagram-Räumen leben . Ich habe alte Sachen, die schon oft mit mir umgezogen sind. Ich bin noch lang nicht fertig. Nachdem ich nicht vorhabe, so schnell wieder auszuziehen, habe ich noch genug Zeit, um sie einzurichten. Die Wohnung soll sich schließlich mit mir weiterentwickeln.“

ZUM ORT

Margareten wurde 1861 vom vierten Bezirk, Wieden, abgetrennt und als fünfter Wiener Bezirk eingerichtet. Er ist dicht besiedelt und berühmt für seine Gemeindebauten. Auch die Gründerzeithäuser sind begehrte Wohnadressen,wenn sie – wie von Schlögel – für moderne Ansprüche ausgebaut/saniert werden (können). Eine gebrauchte Eigentumswohnung in guter Wohnlage kostet zwischen 2712,5 und 3150 Euro/m2, eine neue ab 3742€/m2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2018)

Wohngeschichte: Hyggelig wohnen in der Kaserne

Wie leben Architekten? Anna Obwegeser und Alexander Diem wohnen mit ihren Kindern seit drei Jahren im Arsenal im 3. Bezirk – und lassen sich davon auch beruflich inspirieren.

An die Raumhöhe muss man sich gewöhnen“, meint Obwegeser mit Blick hinauf auf rund 4,20 Meter. „Dabei ist das nur die abgehängte Decke“, ergänzt Diem. „Was da noch ist, wissen wir ja gar nicht.“ Vor drei Jahren zogen die beiden Architekten von einer verwinkelten Altbauwohnung im sechsten ins Arsenal in den dritten Bezirk, „weil wir für die Kinder eine grünere Umgebung suchten“. Diese haben sie gefunden. Das 1848–56 erbaute Arsenal – es sollte mit anderen „Defensivkasernen“ die Staatsmacht im Fall revolutionärer Erhebungen absichern – liegt, nahe dem Schweizer Garten, als weitere Grünoase zwischen Hauptbahnhof, Südosttangente und Ghegastraße.

 

Vom „Pentagon“ . . .

Die ursprünglich 72 Backsteingebäude wurden, aus Wettbewerbsideen von Architekten wie Theophil Hansen, August Sicard von Sicardsburg oder Eduard van der Nüll, im romantischen Historismus gebaut. Neuere Gebäude und Nutzungen (etwa Dekorationswerkstätten der Bundestheater, Post- und Richtfunkturm) sorgen für das spezielle Flair im ehemaligen „Pentagon“.

Wie kleine italienische Festungen wirken die alten Objekte heute noch, durch ein großes Tor betritt man den begrünten Innenhof. Von dort erschließt sich das Haus über Stiege und Lift, die Gänge sind breit und zu beiden Seiten – auch zu den Wohnungen hin – mit großen halbrunden Fenster ausgestattet. In der Wohnung fällt der Blick sofort auf die andere Seite, auf die (noch) wienuntypisch höchst moderne Skyline aus Hauptbahnhof, Sonnwendviertel und Quartier Belvedere – ein toller Gegensatz aus Alt und Neu, „der natürlich auch auf die Arbeit inspirierend wirkt“, so Diem.

Eine Kleinkindschaukel aus Filz hängt im Türrahmen zwischen Diele und Wohnzimmer, es folgen Schlafzimmer mit kleinem „Skriptorium“ – „an dem Tischchen beschäftige ich mich kalligrafisch mit Schopenhauer, das ist wie Meditation“, so Diem, am Ende des kleinen Gangs liegt das Reich von Matilda, fünf, und Carl, zweieinhalb Jahre alt. Die Küche mit Fenster zum Gang, Bad und WC vervollständigen den L-förmigen Grundriss der 120-m2-Mietwohnung.

 

. . . zur Schutzburg

„Es ist einfach, aber wenn man von einem Bauprojekt kommt, fühlt man sich nicht fehl am Platz. Es ist für mich einer der wenigen Orte, an denen man Luft zum Atmen hat und dennoch Geborgenheit spürt“, so Diem. Fürchten sich die Kinder einmal, „sagen wir ihnen, wir wohnen in einer Burg, und um neun sperrt Hans, der Hausmeister, das Tor zu“. Trotzdem könnte die Zeit für eine selbst geplante Wohnung oder ein Haus auch einmal kommen – „weil wir als Vorarlberger und Architekten ja quasi doppelt vorbelastet sind“. An Projekten, in die zu ziehen man durchaus Lust bekommt, mangelt es nicht, etwa die Villa am See oder das Beachhouse in den Wiener Weinbergen. An Vorarlberg erinnern die Friseursessel aus dem Salon Gisinger in Götzis, den Obwegesers Großvater betrieben hat, und die nun restauriert am Wohnzimmertisch stehen. Dieser ehemalige Bürotisch stammt aus einer Zeit, als für Bildschirme noch eine gewisse Tiefe einkalkuliert werden musste – er ist fast quadratisch. Die Vertiefungen auf der Seite waren für CD-Hüllen gedacht. Eine kleine (Fach-)Bibliothek, ein Kindertischchen, Sitzecke, Hängesessel und viel Platz finden sich ebenfalls im Wohnraum, an den Wänden Bilder und zahlreiche Kinderzeichnungen. „Wir mussten uns daran gewöhnen, Bilder nicht nur auf Augenhöhe anzubringen“, erzählt Obwegeser. „Das hat lang gedauert, bis wir sie schön verteilt haben.“

Nachteile hat der Wohnort auch – kleine. Denn obwohl der neue Hauptbahnhof quasi vor der Tür liegt – Carl weiß schon ganz genau, wie ICE, Railjet oder City Shuttle aussehen –, sind Anbindung und Infrastruktur „so eine Sache: Der kleine Greißler in Objekt 1 kann gar nicht so viel anbieten, wie wir brauchen“, scherzt Obwegeser. Zum Einkaufen geht es daher mit dem Rad zu einem der nicht ganz fußläufigen Supermärkte. Schließlich ist Zeit – mit Familie und Job – ein hohes Gut, von dem es meist zu wenig gibt. „Man muss auf das reagieren, was es gerade zu tun gibt, flexibel bleiben“, meint Obwegeser zur beruflichen Situation mit kleinen Kindern. Aber es lohne sich. „Wenn man merkt, die Leute bleiben gern in ihrem neuen Zuhause, kann man davon ausgehen, dass es gut geworden ist.“

Zum Ort, zur Person

Das Arsenal – 688 Meter lang, 480 Meter breit mit turmartigen Kasernen und niedrigen Depottrakten, einer Militärvolksschule, Artilleriezeugfabrik, der Kirche Maria vom Siege und Wiens erstem Museumsbau (Heeresgeschichtliches Museum) – wurde 1848 von Franz Joseph I. in Auftrag gegeben, um gegen künftige Aufstände der Arbeiter gerüstet zu sein.

Alexander Diem und Anna Obwegeser sind in Wien als Architekten tätig. www.alexdiem.com, www.und-ob.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2017)

Harald Etzlstorfer vor seinem "Baumhaus".
Hausgeschichte

Das Baumstamm-Haus im Mühlviertel

Harald Etzlstorfer träumte lang von einem Naturstamm-Haus – und baute es schließlich in seinem Heimatort Kerschbaum. Ein kollektives Abenteuer, das einige Herausforderungen inkludierte.

Ein ungewöhnliches Bild bot sich im Winter 2015/16 so manchem Autofahrer in Kerschbaum/OÖ: Ein Mann entrindete auf einer Baustelle mächtige Holzstämme händisch mit einem Hochdruckreiniger. „Da hat so mancher den Kopf geschüttelt“, erzählt Harald Etzlstorfer, dem das freilich egal war – er lebte seinen Traum: ein Haus aus Naturstämmen zu bauen.

Der Tat waren einige gute Fügungen sowie zeitraubende Widrigkeiten vorausgegangen. „Und dann kam viel Unterstützung, denn allein kann man so etwas nicht stemmen“, erzählt der gelernte Tischler, der heute in der Voestalpine in Linz tätig ist. Gerry Bürkle, ein Profi in Sachen Naturstamm-Haus, zeigte, „mit welcher Präzision man Baumstämme nur mit Motorsäge, Fräse, Zirkel und etwas Handwerkzeug so bearbeiten und übereinanderlegen kann, dass ein Haus entsteht“. Innenarchitekt Benedikt Elmecker erstellte den Entwurf für die Bauwilligen, im Sommer 2015 konnte es losgehen: Keller, Steinlegungen, Tiefenbohrung für Erdwärme und Erdarbeiten wurden realisiert, bevor im Winter die Bäume geliefert wurden.

 

Trockenschrumpfung


Da jeder Stamm in Handarbeit ausgearbeitet wurde, war der Rohbau – samt Schafwolldämmung zwischen den Stämmen – dann Mitte des Jahres fertig. Den Innenausbau fertigte der Tischler selbst. Da die Baumstämme ohne Trocknung, quasi „nass“, verbaut werden, schrumpft das Haus in den ersten Jahren um rund sechs Prozent. „Ich habe auf einen Meter Wandhöhe sechs Zentimeter Setzung, die bei Fenstern, Türen, Zwischenwänden und Installationen beachtet werden muss“, erklärt er die Besonderheit.

Küche mit Sitznische am Fenster.
Küche mit Sitznische am Fenster.Doris Barbier


Das Wohn- und Beleuchtungskonzept des 160 m2 großen, unterkellerten Hauses stammt ebenfalls von Elmecker. Wichtig war dem Hausherrn, dass kein „Skihütten“-Charakter zustande kam, sondern ein modernes, entspanntes Wohngefühl. Ein Ofen fehlt natürlich trotzdem nicht: Vom Wohnzimmer aus befeuert, sorgt er in der kalten und nassen Jahreszeit dank Strahlungswärme im ganzen Haus für wohlig-warmes Wohngefühl.
In Vorraum und Badezimmer wurden sandfarbene Keramikplatten verlegt, während sich in den übrigen Räumen geöltes Braunesche-Echtholzparkett findet. Auch Metall als Tisch- und Bankgestell sowie getöntes Glas in Form von Ganzglastüren und Stiegengeländern kamen zum Einsatz. Alle Zwischenwände wurden in Ständerbauweise gebaut und mit Tonplatten beplankt. Diese werden ähnlich wie Gipsplatten verbaut, können aber im Gegensatz zu Gips das Raumklima gut und schnell regulieren. Etzlstorfer: „Der Spiegel im Badezimmer läuft auch nach einer langen, heißen Dusche nicht an.“
Die Küche zeigt eine schwarz-matte Oberfläche und eine große, zwölf Millimeter dicke Keramikplatte als Arbeitsfläche, in die das Kochfeld und das Spülbecken bündig eingelassen wurden. „Das hat sich beim Reinigen als sehr praktisch erwiesen“, sagt Etzlstorfer.


Lieblingsplatz Sitzfenster


Eine große, abgedunkelte Spiegel-Schiebetüre erzeugt im geschlossenen Zustand den Effekt einer nicht endend wollenden Küche, während sich dahinter ein praktischer Vorratsraum befindet. Das Highlight der Küche ist das Sitzfenster. Der Ausblick und seine zentrale Lage im Haus laden zum kreativen Nichtstun ein: „Der morgendliche Kaffee mit Blick auf den Sonnenaufgang, das kurze Schläfchen nach einem langen Arbeitstag oder das Glas Rotwein, um den Tag Revue passieren zu lassen und Tages- und Weltgeschehnisse zu diskutieren – hier verbringen wir viel Zeit“, erklärt der Hausherr.

Freistehende Badewanne.
Freistehende Badewanne.Doris Barbier

Im Erdgeschoß befinden sich zudem noch Büro, WC und eine Schleuse in die Garage, die als „private“ Garderobe genutzt wird: Hier befinden sich Arbeitskleidung und -schuhe, während die Garderobe im Vorraum schön ordentlich aussehen darf. Im ersten Stock sind zwei Kinderzimmer, WC, Badezimmer mit frei stehender Badewanne und bodenbündiger Dusche untergebracht. Von der großzügigen Galerie gelangt man in den Schrankraum und anschließend ins Schlafzimmer. Davor liegt eine südseitig ausgerichtete Dachterrasse, die im Sommer durch den großen Dachvorsprung beschattet, im Frühling und Herbst durch die tiefer stehende Sonne beschienen wird.

Zum Ort, zur Person

Das 140-m2-Haus in Kerschbaum/OÖ wurde aus ganzen Baumstämmen erbaut, die händisch aufeinander abgestimmt wurden. Bauherr Harald Etzlstorfer baute das Haus mit Hilfe von Freunden und den Spezialisten Gerry Bürkle (www.sequoia-das-urblockhaus.de) und Benedikt Elmecker (www.elmecker.net).
Baugrundstücke kosten im Bezirk Freistadt zwischen 34 und 134,7 Euro/m2, Einfamilienhäuser zwischen 611 und 1968 Euro/m2.