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Interview

„Afrika wird künftig das globale Zentrum"

Felwine Sarr
„In Europa glauben viele, dass dieses System für immer bleiben wird, das ist aber nicht wahr“, sagt SarrMichèle Pauty

Das BIP Afrikas ist viel höher als die Statistiken sagen, so der senegalesische Ökonom Felwine Sarr. Der Kontinent solle wirtschaftlich nicht dem Westen folgen.

Laut Ihrer Vision sollte Afrikas Wirtschaft nicht versuchen dem Westen zu folgen, sondern einen eigenen Weg finden. Wie soll dieser Weg aussehen?

Felwine Sarr: Afrika ist ja schon dabei, einen alternativen Weg zum klassischen neoliberalen Wirtschaftssystem zu finden. Wenn man sich etwa die sogenannte „informelle Wirtschaft“ ansieht, dann macht diese mehr als 60 Prozent der afrikanischen Wirtschaftsleistung aus. Dabei geht es um eine Wirtschaft, die nach ganz anderen Regeln funktioniert und in die sozialen Gemeinschaften eingebettet ist. So wird beispielsweise die Finanzierung von neuen Unternehmen dabei von der lokalen Community mit Geld das abseits des Bankensystems gebunkert ist, übernommen. Als Sicherheit dient dabei das Vertrauen zum jeweiligen Unternehmer. Diese „informelle Wirtschaft“ produziert mehr als die offizielle, scheint aber in den Statistiken über das BIP gar nicht auf.

In Wirklichkeit hat Afrika also ein höheres BIP als wir glauben?