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Swatch Pay: Eine analoge, smarte Uhr

(c) Swatch Ltd.

Sie sieht aus wie eine typische, analoge Swatch-Uhr. Darunter verbirgt sich aber auch ein NFC-Chip, der kontaktloses Bezahlen ermöglicht.

Die Apple Watch sei „ein interessantes Spielzeug, aber keine Revolution", sagte Nick Hayek, Chef des Schweizer Uhrenriesen Swatch, als die erste Apple Watch 2015 präsentiert wurde. Der Markt entschied anders, die smarte Uhr des iPhone-Konzerns entwickelte sich zum Kassenschlager. Nicht nur im Wearable-Bereich, sondern auch am Uhrenmarkt. Um das 2017 angekündigte "Swiss OS"-Projekt ist es ruhig geworden. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bringt Swatch gemeinsam mit Wirecard eine analoge Uhr mit ein bisschen smarter Technologie, die Swatch Pay.

In sechs verschiedenen Designs wird die Uhr ab Freitag in Österreich erhältlich sein. Jedoch nur im stationären Handel, denn die Uhr muss "auf die Platte" gelegt werden, um sie zu aktivieren, erklärt Helmut Saller, Österreich-Chef von Swatch.

Die Uhr im typischen Swatch-Design bekam einen zusätzlichen NFC-Chip. Damit kann jederzeit kontaktlos bezahlt werden. Selbst wenn der Uhr die Batterie ausgeht, was erst innerhalb von zwei Jahren der Fall ist, findet die Transaktion statt. Den Strom dafür erhält sie über das Terminal.

Bevor die 75 Euro teure Uhr aber in einem Swatch Store aktiviert werden kann, müssen zwei Apps installiert werden; beide kostenlos. Boon-Manager Curt Chadha sagte, die Kooperation mit Swatch rechne sich über Umwege, weil man so im Echtbetrieb zeigen könne, was technisch bereits möglich ist. Zuerst die App "boon" von Wirecard. Darüber erhalten die Kunden die virtuelle Mastercard; eine Prepaid-Karte, auf die monatlich 250 Euro in der Basisversion aufgeladen werden können. Wie bei sonstigen NFC-Zahlungen gilt: Ab 25 Euro muss ein PIN eingegeben werden, der kann selbst gewählt werden. Es gibt auch Boon+, die eine monatliche Aufladung von bis zu 5000 Euro ermöglicht. Dann die SwatchPAY!-App installieren. Nach der Anmeldung kann dort die zuvor erhaltene virtuelle Karte hinterlegt werden. Bis zu 15 Uhren können pro Karte gekoppelt werden.

"Kinder können über die Uhr ihr Taschengeld erhalten", betont Haller und fügt hinzu, auch die Ehefrau könne so limitiert werden; mit nur einer Wischbewegung in der App.

"Mobile Zahlmethoden werden immer beliebter und seit langer Zeit treiben wir diese Entwicklung voran", erklärt Georg von Waldenfels, Executive Vice President Group Business Development bei Wirecard.

Beide Unternehmen versichern, dass die Karteninformationen eines Nutzers niemals Händlern oder Swatch selbst offengelegt werden. Als weiterer Sicherheitsstandard wurde festgelegt, dass die Bezahlfunktion in der Uhr nur dann funktioniert, wenn sie mindestens zwei Millimeter vom Terminal entfernt ist.

Kontaktloses Bezahlen wird für Kunden attraktiver

Anfang 2019 wurde die Bezahllösung bereits in der Schweiz eingeführt, jetzt folgen Deutschland und Österreich. Es ist nicht der erste Versuch der Schweizer in diesem Segment Fuß zu fassen. Bereits 2016 startete man Bellamy, gemeinsam mit Cornèrcard. Das Projekt misslang. Mit Apple, Samsung, Google und hierzulande auch Bluecode ist der Payment-Markt bereits hart umkämpft. Mit dem günstigen Preispunkt von 75 Euro will man attraktiver als die Konkurrenz sein, deren smarte Uhren zum Teil ein Vielfaches kosten. Dementsprechend müssen aber Konsumenten auch auf die zahlreichen weiteren Funktionen, darunter auch der Anbindung an das Smartphone, oder als autarkes mobiles Device hinnehmen.

"Nie war es bequemer, immer und überall mit der Uhr am Handgelenk zu zahlen", betont Haller bei der Vorstellung der neuen Uhr.

Wirecard steht mit seinem Zahlungssystem Boon in direkter Konkurrenz mit anderen Onlinebanken wie N26 oder Revolut. In Deutschland hat Wirecard mit "Boon Planet" kürzlich ein vollwertiges Onlinekonto lanciert.  Mit solchen internetbasierten Bankprodukten bringen sogenannte Fin-Techs klassische Banken im Zahlungsgeschäft immer stärker unter Druck.

2018 wurden mehr als die Hälfte (350 Mio.) der 661 Millionen Transaktionen in Österreich kontaktlos getätigt. Das dabei erzielte Volumen lag bei über 10 Mrd. Euro, 83 Prozent mehr als 2017.