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Studie

Firmen steigen bei Gehältern auf die Bremse

Mercer: 2020 gibt es reales Plus von 0,9 Prozent.

Wien. Es ist das alljährliche Ritual nach den Lohnverhandlungen: Die Gewerkschaften finden den Abschluss meist zu niedrig, für die Arbeitgeber ist er auf jeden Fall zu hoch. Und was sagen die Arbeitnehmer? Für die bleibt aufgrund von Inflation und kalter Progression nur ein Bruchteil des offiziellen Plus im Geldbörsel.

Diese Erfahrung bestätigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Mercer: Dessen Prognose zufolge wird der nominale Gehaltszuwachs in Österreich 2020 bei 2,8 Prozent liegen. Inflationsbereinigt dürfte sich das Plus nur auf 0,9 Prozent belaufen. Dafür legt Mercer eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent zugrunde, nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr.

Am besten dürften Mitarbeiter in der Energiewirtschaft (plus drei Prozent) sowie im Hightechbereich, Gesundheitsberufen und der Konsumgüterindustrie mit jeweils 2,8 Prozent abschneiden. „Auch die österreichische Wirtschaft wird durch den mäßigen globalen Aufschwung und die Handelskonflikte gedämpft, weshalb die Unternehmen auch bei Personalausgaben bremsen“, sagt Mercer-Vergütungsexperte Thomas Gruhle.

 

China prescht davon

In den Jahren 2012 bis 2019 wuchsen die Gehälter hierzulande nominal um 20 Prozent, real um sieben Prozent. Damit liegt Österreich hinter Deutschland und den USA, wo die nominalen Zuwächse bei 24 bzw. 26 Prozent lagen, real gab es in beiden Ländern ein Plus von elf Prozent.

Auch in Sachen Entlohnungszuwachs schlägt China alles – allerdings muss man das niedrige Ausgangsniveau berücksichtigen: Dort wuchsen die Gehälter seit 2012 um 73 (nominal) bzw. 45 Prozent (real). Die Inflationsrate lag in diesem Zeitraum zwischen 5,5 und 2,4 Prozent. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2019)